Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 212 Dr. BLochs Wochenschrift Nr. 18 Die Mischen Kriegsgefangene in Japan. Die Petersburger „Rjetsch" meldet: Die japanische Regierung hat die Bewilligung zur Gründung jüdischer Kolonien in JapM erteilt. Als Begründung dieser Bewilligungserteilung wird darauf hingewiesen, daß die Juden, die nach dem russisch-japanischen Krieg nach Japan gebracht wurden, sich dort als tüchtiges, kulturförderndes Element bewährt haben und die Errichtung von jüdischen Kolonien dem japanischen Reiche nur von grobem Nutzen sein würde. Ein neuer öst^rerchisch-ungarischer Konsul in Afrika^ Zum österreichisch-ungarischen Konsul in Durban (Südafrika) wurde Herr Karl Schwarz, ein dortiger angesehener Kaufmann, ernannt. Herr Schwarz, der heute im 50. Lebensjahre steht, stammt aus Brünn, woher er vor einigen Jahren ausgewandert ist. Dermtecfotee. Wien. (Trauung.) Donnerstag den 6, April findet die Trauung des Fräuleins Hedi Edle Frydmann von Prawy, Tochter des verstorbenen Hofrates Dr. Marzel und seiner Gattin der Frau Bertha Edle Frydmann von Prawy, mit Herrn Willy Ritter von Gutmann, Sohn des verstorbenen Dr. Ludwig und seiner Gattin der Frau Mathilde vou Gutmann, statt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Irma N u ß b a u m, Tochter des Herrn Philipp Nußbaum, hat fich mit Herrn Simon Weiß, Oberkantor des Jubil.-Tempels im 5. Bezirk, verlobt. Wie«. (Barmizwah.) Samstag den 1. April 1911 um halb 11 Uhr vormittags begeht Herr Rabbiner M. M a y e r s o h u die Barmizwahseier seines Sohnes S a l o in der Synagoge „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29. Beth Haam (Jüdisches Bolksheim). XVII., Hormayergasse 7 a. Samstag den 1. April: I. Schauturnen der Turnsektion mit nachfolgendem Tanzkränzchen in den Sälen des Hernalser Brauhauses, XVII., Frauengaste 27. Mittwoch den 22. d. M. sprach Herr Dr. Max Julius Bach über die Stellung der Juden unter Papst Innozenz III. Herr Dr. Bach entwickette in markanten Zügen die Lage der Juden im 13. Jahrhundert, das eine unglückliche Wendung in deren Schicksal herbeiführte, die noch heute nicht ganz überwunden ist. Einige Vergleiche der damaligen Prunksucht jüdischer Frauen mit der Gegenwart erregten viel Heiterkeit, was eine angenehme Abwechslung in dem düsteren Bilde bot. Samstag den 25. d. M. fand ein Liederabend von Zöglingen der Gesauglehrerin Frau Schaffenberg unter Mitwirkung des Violinisten Herrn Lenz statt. Frau Biber saug Lieder vou Böhm, Grieg und Dell 'aqua mit einer fein ausgeglichenen Sopranstimme und vornehmer Empfindung. Fräulein Lamm erfreute durch ihre schön entwickelte, kräftige Stimme, Fräulein Marianne Kattay sang Lieder von Schumann, Liszt und Gänsbacher zart und poetisch, ein Ohrenschmaus für Kenner, auch Fräulein Schwalbe und der Tenor Herr Schwalbe holten fich reichen Beifall. Die Klavierbegleitung besorgte Fräulein Tilde Silber st ein. Um 7 Uhr hatte die Generalversammlung stattgefunden, die zur Kenntnis nahm, daß Herr Dr. Gottlieb Stern am Beginne dieser Saison die Lettung des Beth H'aam an Herrn Schriftsteller Jork-Steiner übergeben mußte, weil seine Berufsttttigktt ihm nicht mehr gestattete, dem von ihm mit großen Opfern geketteten Unternehmen die notwendige Zeit zu opfern. Herr Dr. Stern leitet jedoch mtt vollem Eifer die Turusektiou, die am 1. April ihr erstes Schauturnen abhält. Herr Jork-Steiner hiett dem scheidenden Präfidenten eine ausführliche Danksagung, die lebhaft akklamiert wurde. Jüdische Toynbeehalle. (XX., Othmargasse 46. (Haltestelle der Elektrischen: Jägerstraße.) Das Wochenprogramm ist wie folgt festgesetzt: Samstag den 1. April:'Konzert. Arrangement: Geigenvirtuose Beruh. Buchbinder, Mitglied des k. k. Hofopernorchesters. — Sonntag den 8. April: Rabb. Dr. D. Feuchtwaug : „Der Geist des Talmud". —Montag den 3. April: Rabbinatskandidat Bela Fischer: „Pädagogik in Bibel und Talmud". (Schluß des Zyklus. — Dienstag den 4. April: Dr. K. Kupfer: „Geschichte der Juden in Oesterreich". (Schluß des Zyklus.) — Mittwoch den 5. April: Schulrat Professor Baß: „Geschichte Egyptens". — Donnerstag den 6. April: Universitätsprofessor Dr. S. Ehrmanu: „Die Wirkung der Lichtstrahlen auf den lebenden Organismus". — Freitag den 7. April: Religionslehrer H. Löw-Bogel: Bibelvortrag. — Samstag den 8. April: Schlußkonzert: Helene Lampl, Stella Stock, Oberkantor To» Fuchs. Beginn an Wochentagen um halb 8 Uhr, Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. — Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bn Konzerten an den Obmann Doktor I. Saumely, I., Fischerstiege 6, erbeten. Konzert der Toynbeehalle. Samstag den 25. d. M. wurde den Besuchern der Toynbeehalle ein überaus genußreicher Konzertabend geboten. Fräulein Klärchen Fröhlich, die sich mit Recht als Rezitatorin allgemeiner Anerkennung erfreut, hatte für ernste und heitere Vortragspiöcen ein besonders geschmackvoll gewähltes Programm zurechtgelegt, das sie höchst wirkungsvoll darbot. Als einen virtuosen Geiger lernte man Herrn Konzertmeister Dr. Kapperl nun auch in der Toynbeehalle kennen Die bravouröse Technik und die tiefe Empfindung riefen stürmischen Beifall wach, der den Künstler immer wieder zu Zugaben zwang. Den Abschluß des Abends bildeten Gesangspiecen, vorgetragen vom Herrn Oberkantor Maurize Bernhard Kaufmann aus Prag, der über Berufung des Wiener Kultusvorstandes an diesem Sadbath die kantoralen Funktionen im Leopöldstädter Tempel versehen hatte und als Gast der Toynbeehalle bereitwilligst seine Kunst in den Dienst dieser Institution stellte. Der herrliche Tenor, voll Klang und Süßigkeit, der edle, geschmackvolle Vortrag und die musikalische Sicherheit des Sängers erweckten Hellen Jubel und lebhafte Ovationen für den Künstler. Dr. M. I. Attschüler. Sonntag, den 23. März, fand auf dem Zentralfriedhofe das Leichenbegängnis des im 42. Lebensjahre, nach langem schweren Siechtum verstorbenen bedeutenden jüdischen Gelehrten, Dr. Moritz Jakob Altschüler, unter großer Beteiligung, statt: Es halten sich außer dem Bruder und der treuen Pflegerin des Verblichenen eingefunden : in Vertretung der isr. Kultusgemeinde der zweite Sekretär Dr. Emil Adler, für die Bibliothekskommission Regierungsrat Dr. S. Frankfurter und Schriftführer Dr. Alfred Landau, Dr. Michael Holzmann, Skriptor an der k. k. Universitätsbibliothek, Julius S t o ck i n g er, Lektor der.ungarischen Sprache an der Universität, und k. k. Amanuensis, Bibliothekar Doktor Bernhard Münz, Kustos Dr. Bernhard Wach stein, Schriftsteller Dr. Jürg Lanz-Liebenfels, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Friedrich Schwarz, Professor Jakob Obermeyer, Verwalter der isr. Dersorgungsanstalt Samuel Brösler, M. Brenner, Adjunkt der Baron Hirsch-Stiftung, Ingenieur Läufer u. a. Rabbiner Dr. I. M. Vach würdigte in warmen Worten den Verstorbenen als selbstlosen Gelehrten, der, im Sinne seiner großen rabbinischen Vorgänger, für die und nicht von der Wissenschaft lebte, als überzeugungstreuen Juden, der seinen Lohn in der Arbeit fand, als guten hilfreichen Menschen, der von seinem sans phrase überaus bescheidenen Einkommen noch an Bedürftige weggab. Als Obmann der Vibliothekskommission bot hierauf Regierungsrat Dr. S. Frankfurter dem so früh von der Todesparze Gefällten einen die große umfassende Gelehrsamkeit, den unermüdlichen Eifer und die selbstlose Hingabe an die Wissenschaft würdigenden Scheidegruß. Er rühmte, aus seiner langjährigen persönlichen Bekanntschaft heraus, den lauteren Charakter, den uneigennützigen Sinn und die große Güte des Heimgegangenen, die es ihm möglich machten, trotz der äußerlichen Mängel, mit denen ihn die Natur ausgestattet hatte, unter denen ein anderer Zusammengebrochen wäre, Erfolge zu erzielen, die aUjein schon von seinem rastlosen Streben zeugen. Seine „Vier-