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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-31 · 13 (31.3.1911) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 13 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 311 Der neue! Lord Swaylhling. Der älteste Sohn des jüngst verstorbenen Lord Swaythling ist in die Lordrechte des. Vaters getreten. Der junge Lord Swaylhling hat sich auch bereit erklärt, alle die religiösen und Humanitären Institutionen, die sein Vater ins Leben gerufen oder'durch Subv entionen gefördert hat, gleichfalls zu protegieren. Demgemäß wurde der junge Lord dieser Tage zum Präsidenten des orthodoxen Synagogenverbandes gewählt. Der Lord hat die Wahl angenommen. Eine Judendebatte im Londoner Gemernderate. Seit den Vorfällen im Londoner Vororte Houndstich ist die Iudensrage noch nicht von der Tagesordnung der Londoner öffentlichen Meinung gewichen. Nun hat sie auch in den Londoner Gemeinderat, der sich bisher von der Diskussion ferngehalten hat, Eingang gefunden. Den Anlaß hiezu gab folgender Vorfall: Vor einigen Wochen erschien in der konservativen Tageszeitung „Standard"/ dem Organ der hohen Aristokratie, eine Artikelserie gegen die Juden im allgemeinen und gegen die Ghettojuden im besonderen. Än einem dieser Artikel beschuldigte das Blatt die städtische Verwaltung, dab sie die billigen Wohnungen der städtischen Häuser nur an Juden vermiete, obgleich diese die Wohnungen nicht rein halten, und die christlichen Mieter ausschließe, weil btefe keine Bestechungen geben, wie es die Juden tun. Die Stadtverwaltung forderte die Zeitung auf, die Beschuldigungen zu beweisen oder sie zu berichtigen. Am 26. Februar erschien auch tatsächlich im „Standard" eine Entschuldigung wegen des falschen Berichtes und bekannte reumütig, dah er die städtischen Beamten grundlos verdächtigt habe. In der letzten Sitzung des Gemeinderates wurde nun die Sache zur Sprache gebracht. Mr. Harris, ein jüdisches Mitglied des'Gemeinderates, bemerkte in seiner Rede, dab die Beschuldigung des „Standard" eine sehr ernste gewesen sei. die nur den Zweck hatte, den Rassenhah in England wachzurufen. Er beantragte, dem „Standard" die Mißbilligung auszudrücken. Rewerend Headkam (ein Christ) unterstützt den Antrag und spricht der Stadtverwaltung dafür, daß sie jüdische Mieter vorzieht, das Lob aus. Die arme .jüdische Bevölkerung sei reinlichkeitsliebender als die christliche arme Bevölkerung und auch nüchterner als diese. Kein Hausherr sehe gerne trunksüchtige Parteien in seinem Hause. Die besten und ruhigsten Bewohner des East- End sind die Juden. Miß Adler, die Tochter des Chief Rabbi, die gleichfalls gewähltes Mitglied des Gemeinderates ist, freut sich, die Gelegenheit ergreifen zu können, gegen die Hetzartikel des „Standard" öffentlich Protest erheben zu können. Aus den Verleumdungen gegen die Stadtverwaltung sei ersichtlich, welchen Glauben man den übrigen Beschuldigungen, die sich in den Artikeln gegen die Juden richteten, schenken dürfe. Es sprachen noch viele zu dieser Frage und alle Redner verurteilten einstimmig die antisemitischen Angriffe des „Standard". Schließlich wurde der Antrag Harris einstimmig angenommen. Der wahre Grund .b& Fremdenhetze in England. Der Londoner Korrespondent der Newyorker „Wahrheit" hatte eine Unterredung mit dem Mitglied» des englischen Unterhauses, Mr. Stuart Samuel, über die Fremdenhetze in England. Stuart Samuel, ein Bruder des englischen Ministers für Post- und Telegraphenwe'en, Sic Herbert Samuel, ist ein einflußreiches Mitglied des englischen Parlaments. Desto sensationeller wirken seine Ausführungen über die wahre Ursache der jüngsten Fremdenhetze, die sich eigentlich gegen die Juden richtet. „Gegen die ausgesprochene Absicht der Regierung", sagte Mr. Samuel, „u. a. durch eine Gesetzesnovelle, die Einwanderung von Verbrechern zu beschränken, kann kein vernünftiger Mensch Stellung nehmen. Aber es besteht die Befürchtung, daß das vom Handelsminister Churchill angekündigte Gesetz weit über diese Beschränkungen hinausgehen werde. In diesem Falle", sagte Mr. Samuel, „werde ich die Regierungsvorschläge aufs heftigste bekämpfen, da man nicht zugeben darf, daß Unschuldige für die Schuldigen büßen. Ich werde dann nachweise'a. daß dch Konservativen gegen den Bezirk Stepney nicht deshalb so erbittert sind, weil er der Schauplatz des Kampfes mit den Anarchisten war, sondern ausschließlich deshalb, weil dieser uralte Sitz der Konservativen bei den letzten Wahlen mit Hilfe der jüdischen Stimmen an die Liberalen ging. Das darf aber nicht zugegeben werden, daß eine liberale Regierung, die sich über die eingewanderte Bevölkerung durchaus nicht zu beklagen hat, nun sich den Konservativen als Werkzeug hergebe, für das verlorengegangcne Mandat in Stepney an den Juden Rach? zu nehmen. Mr. Stuart Samuel, der den jüdischesten Wahlbezirk, Manchester, vertritt, gab auch der Meinung Ausdruck, daß die Juden in Massenmeetings ihrem Proteste gegen diese Rachepolitik der Konservativen, welcher die liberale Regierung aufzusitzen droht, Ausdruck verleihen müßten. Verheerungen eines Zyklons m der jüdischen KoLonien in Argentinien. Berichte aus Argentinien melden von großen Verwüstungen, welche ein Zyklon am 4. Februar in fast allen jüdischen Kolonien angerichtet hat. Der Sturm zerstörte unzählige Häuser, die bei ihrem Einsturze das gesamte Vieh und allen Vorrat unter sich begruben. Leider sind auch Menschenleben zu beklagen. Ein Mann ist mit seiner Frau und zwei Kindern umgekommen. Ueberdies wurden zahlreiche gefährliche Verletzungen konstatiert. Die jüdischen Kolonisten, die um ihr Hab und Gut gekommen sind, kampieren auf dem Felde. Der Schaden beläuft sich auf eine Viertelmillion Pesetas. Verband aller jüdische Emwandexer-Schutzgesek'rschaftrn. Vorige Woche fand in Rewyork eine wichtige Beratung der Delegierten aller amerikanischen Gesellschaften zum Schutze jüdischer Einwanderer statt. Es wurde die Vereinigung der Gesellschaften in den einzelnen Hafenstädten, zu einem Verbände beschlossen. Der Verband führt den Titel ..National Jewish Immigration Council" und hat seinen Sitz in Newyork. Die einzelnen Gesellschaften verpflichteten sich, in der Jmmigrationsfrage keinen selbständigen Schritt zu unternehmen, sondern ihre Direktiven vom Zentralrate entgegen zu nehmen. In das Exekutivkomitee wurden gewählt: Richter Leon S and ers-Newyork. Präsident David M. Vreßler, Delegierter des Galvrstonsr Informationsbureaus, Schriftführer. Jakob H. 2 ch i f f. Nathan B i j u r, Honorable Simon Wolf ufw. Zum Präsidenten des Zentralrates wurde Abraham I. Eckkins in Newyork gewählt. Berufung Achad Haams nach Philadelphia. Der bekannte hebräische Schriftsteller und Philosoph Achad Haam (Uscher Ginsburg) hat vom Dropsie College in Philadelphia die Berufung zur Abhaltung eines Vortragszyklus über „die leitenden Gedanken der jüdischen Ethik in ihrer geschichtlichen Entwicklung" erhalten. Der Rektor des Dropsie College, Dr. Cyrus Adler, äußert sich hierüber in seinem Berichte wie folgt: Vor einiger Zeit wurde ich vom Kuratorium bevollmächtigt, mit Achad Haam in Korrespondenz zu treten, um ihn für einen Vortragszyklus zu gewinnen. Uscher Ginsburg ist der glänzendste hebräische Schriftsteller und zweifellos der tiefste jüdische Denker. Wenn es überhaupt jemanden unter uns gibt, der die jüdische Philosophie in ihrer ganzen Tiefe erfaßt hat, so ist es sicherlich Achad Haam.

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