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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-31 · 13 (31.3.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 210 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 13 dort, wo es das Leben in der Fülle und Mannigfaltigkeit seiner Erscheinungen, den Menschen in seinen Handlungen und Begierden ersaßt, sich als ein unversieglicher Born künstlerischer Wirkungen und Anregungen darstelle. Allerdings müsse man dabei von dem griechischen Kunstideal absehen. Die Bibel ist orientalisch und öffnet den Ausblick auf eine andere Welt, als die griechische. Wenn der Grieche den Gipfel seines Olymps mit Göttern, seine Wälder, Wiesen und Flüsse mit Nymphen, Dryaden und Oreaden bevölkerte, so konnte die Idee des einigen und einzigen Gottes nur in der gigantischen Einsamkeit der Wüste entstehen. Die Bibel trage mit Recht den Namen des Buches der Bücher, denn in der ganzen Kuliurwelt des Mittelalters und der Neuzeit gebe es kein literarisches Denkmal, das nicht durch die aus der Bibel quellenden Vorstellungen beeinflußt wäre. Geschichte, Philosophie und Völkerkunde, ja die ganze schöngeistige Literatur, seien durchtränÄ von der Welt- und Lebensanschauung der Bibel. Sie ist das nationalste Produkt des jüdischen Geistes, und doch ist dieses Buch die Grundlage der religiösen und kulturellen Entwicklung aller Völker geworden. Der angeblich exklusive jüdische Geist sei in Wahrheit ein internationaler, ein kosmopolitischer Gestt. Redner zeigt, welch gewaltiger Strom aller menschlichen Leidenschaften die Bibel durchbrause. Sie verbirgt uns nichts, was menschlich ist, und künstlerisch erhaben sei die Naivität, mit welcher sie aller menschlichen Größe und aller menschlichen Schwäche gegenüber steht, die Unbefangenheit, mit welcher sie das landläufig Moralische wie das landläufig Unmoralische erzählt. Die Heuchelei unseres Zeitalters habe darum die Bibel ein unsittliches Buch genannt. Aber gerade in ihr erkennen wir die Wahrheit des Satzes, daß Philister- und Kirchenmoral einerseits und künstlerische Auffassung andererseits grundverschiedene Begriffe bleiben. Eingehend kennzeichnet Redner die künstlerischen Formen der Bibel, die name-ntlich in ihren lyrischen Stellen ihre prachtvollsten Rhythmen findet. Es gebe weniges in der Weltliteratur, was cm Schwung und Schönheit des Ausdruckes, an Glut und Reichtum der Bilder, an hinreißender Sprachgewalt diesen Stellen der Bibel zur Seite gestellt werden könnte. Selbst in den Reden der Propheten habe David Heinrich Müller rhythmische Gesetze und Anläufe zu strophischem Bau nachgewiesen. Die größten Künstler aller Zeiten haben aus dem Geiste der Bibel geschöpft. Das ganze Cinquecento, ein Leonardo da Vinci, ein Raphael, ein Michelangelo wären ohne die Bibel so wenig denkbar, wie der Riesengeist eines Dante und die fromme Mystik eines Tasfd. In welch' innigem Verhältnisse Goethe zur Bibel stand, sei ja bekannt. Das Buch Hiob ist das Urbild des „Vorspieles im Himmel" zum „Faust". Noch eine hübsche Parallele wäre anzuführen. Das Lob der züchtigen Hausfrau in Schillers „Glocke", diese Perle deutscher Dichtkunst, werde übertroffen von jener Stelle in den Sprüchen Salomos, in der das Schaffen und Wirken und der sittliche Einfluß des tugendhaften Weibes gepriesen werden. Kein Minnesänger, kein Frauenlob könne sich an Tiefe und Innigkeit in der Würdigung der Frauen mit dem Verfasser dieser Verse messen. Redner schloß seine Ausführungen mit einer kurzen Darlegung, rohe überall die profane Kunst aus der religiösen entstanden sei, als deren zum Himmel ragender, unvergänglicher Grundstein die Bibel gelten dürfe. Nachdem der Beifall, den die Ausführungen des Konferenziers weckten, sich gelegt hatte, nahm Hofschauspieler Konrad L o e w e, mit anhaltendem Applaus begrüßt, am Vorlesetische Platz. Er las zuerst den Untergang Belsazars aus dem Buche Daniel und die Simsonlegende. Mit welcher Meisterschaft dieser Künstler, geistig nachschaffend, jede Dichtung durchdringt, ist ja aus dem Burgtheater bekannt. Aber was sich hier, unter der atemlosen Spannung des dichtgedrängten Auditoriums vollzog, das war kein Sprechen, kein Vorleser kein Nachschaffen mehr, das war bildnerische Kunst, und wie unter dem Meisel des Bildhauers traten aus den scheinbar einfachen Texten die Gestalten der Bibel in scharfer Realistik und lebendiger Plastik hervor. Wie Löwe den die beiden Säulen des Dagontempel umklammernden blinden Simson zu.Gott um Stärkung seiner Kräfte flehen läßt, damit er für seine beiden Augen sich räche, ist von gäntz unbeschreiblicher Wirkung. Man sieht ordentlich, wie die Muskeln Simsons sich anspannen, seine Sehnen sich strecken, sein breiter Nacken sich dehnt, plötzlich die alte Kraft in seine Glieder einschließt, und wie er mit einser einzigen ungeheuren Anstrengung das Werk der Vernichtung seiner selbst und seiner Feinde vollbringt. Endloser Beifall lohnte diese gewaltige Leistung des Künstlers. Dann folgte eine Stelle aus dem Hohelied und der 44. Psalm, dessen Auffassung, wieder die tiefe geistige Arbeit verrät, die Konrad Loewe an seine Aufgaben wendet. Nicht im Tone der ergebenen Bitte, sondern mit dem kühnen Trotze des tausendfach Enttäuschten, des unter unerträglichem Drucke stöhnenden und ächzenden Volkes wird die Forderung nach Befreiung und Erlösung erhoben. Es ist ein wilder Aufschrei der zerquälten, zermarterten Volksseele, welche die Erfüllung des göttlichen Versprechens verlangt, ehe sie gänzlich zertreten werde. So, aus allem Gewohnten, Ueberkommenen, respektvoll Frommen heraus trat diese Auffassung und ihr machtvoller Ausdruck durch die gewaltigen stimmlichen Mittel des Künstlers, daß die Zuhörer in fast ekstatische Erregung gerieten und durch stürmische Ovationen immer wieder ihre Ergriffenheit zum Ausdrucke brachten. Zum Schlüsse las Herr Loewe jene Szene aus dem „Saul"-Fragment von Josef Kainz, in welcher der irregeleitete, an seiner Prophetensendung bereits verzweifelnde Samuel den schlichten Bauer Saul zum Könige über Israel einsetzt. Das Verständnis dieser Szene vermittelte wieder Herr Siegfried Fleischer, durch eine zusammenfassende Dar-. legung des Grundgedankens, der von Kainz geplanten „Saul"-Tragödie. Obwohl die Sprache dieser Dichtung an Kraft und Urwüchsigkeit mit jener der Bibel selbstverständlich nicht verglichen werden kann, sind die Verse Kainzens doch von schimmerndem Glanze und wurden durch die Meisterkunst Loewes zu höchster Wirkung gebracht. Der Präsident dc's französischen Komitees der internationalen Hygienc'Ausstellung in Dresden, Wie aus Paris berichtet wird, wurde Senator Paul Strauß zum Präsidenten des französischen Komitees der internationalen hygienischen Ausstellung in Dresden ernannt. Als Mitglieder in dasselbe Komitee wurden u. a. berufen: Der Chef des Straßen- und Brückenbauamtes B echmann und Generalinspektor des öffentlichen Unterrichtes Edouard Petit. Auszeichnungen in Italien. Die letzte Nummer der „Settimana Jsraelitica" meldet die folgenden Auszeichnungen an Glaubensgenossen in Italien. Auf Vorschlag des italienischen Ministers des Innern wurde dem Rabbiner von Bologna Professor A. O r v i e 1 das Kavalierkreuz des italienischen Kronenordens verliehen. Der Sektionschef im Unterrichtsministerium Vittorio Rava wurde zum Kommandanten des St. Maurizio- und Lazzaro-Ordens ernannt. Ferner erhielt der Präsident der Gesellschaft des „Roten Kreuzes", Advokat Gino Olivetti in Turin das Kavalierkreuz des italienischen Krynenordens.

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