Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 20*j, Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 13 das Organisationsstatut ausarbeite und die Verwirklichung der Reform durchführe. Dr. Schanz er (Pilsen) spricht namens der auswärtigen Delegierten der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" für deren Initiative den wärmsten Dank aus. Die Regelung des Wanderbettels sei schon zu wiederholten Malen, bisher leider ohne Erfolg, angeregt worden. Unter prinzipieller Zustimmung zu dem vorgebrachten Organisationsstatut ist jedoch Redner der Meinung, daß einzelne Details desselben, wo es sich nach dem deutschen Muster richte, für österreichische Verhältnisse kaum zutreffen würden, so insbesondere die Errichtung von Grenzbureaus, da wir es ja zumeist mit galizischen und nur zum geringen Teile mit ausländischen Wanderarmen zu tun haben, während der Fall in Deutschland umgekehrt liege. Redner gibt eingehende Aufklärungen über seine eigenen Erfahrungen auf dem Gebiete des Wanderbettels; insbesondere in den süddeutschen Gemeinden werde wahllos gegeben, nur Nürnberg mache eine erfreuliche Ausnahme. Er übertreibe nicht, wenn er behaupte, datz 80 bis 90 Perzent dieser Bettler der Unterstützung unwürdig seien. Er konstatiert die erfreuliche Tatsache, daß durch die in Deutschland geschaffene Organisation der Wanderbettel auch in Böhmen abnehme. Dr. Hahn (Teplitz-Schönau) konstatiert gegenüber dem Vorredner,, daß nach seinen Erfahrungen der Wanderbettel zunehme. Es sprechen noch die Delegierten: Teltscher (Nikolsburg), Dr. Raubitschek (Leitmeritz), Mayer (Graz), Dr. Wittenberg (Aussig), Dr. Hermann (Brünn), welche sämtlich dem vorgeschlagenen Reformplane zustimmen, worauf die Beratung auf den folgenden Tag verschoben wird. Nach Wiederaufnahme der Beratungen am 26. März sprachen noch die Delegierten: Taussig (Linz) und Heilpern (Bielitz), welche in gründlicher Weise die Verhältnisse des Wanderbettels in ihren Gemeinden auseinandersetzten. Dr. Thein (Pardubitz) faßte die Ergebnisse der Diskussion dahin zusammen, daß die Delegiertenkonferenz einstimmig der Reform zustimme und wünsche, dah die weitere Debatte sich nunmehr lediglich mit den Aufgaben des einzusetzenden Exekutivkomitees befasse. Dr. Kohner (Prag) überbringt die Grütze der Kultusgemeinde Prag und betont, datz wohl keine Gemeinde auf dem Standpunkte stehe, durch die beabsichtigte Regelung des Wanderbettels in ihren bisherigen Auslagen Ersparnisse zu erzielen, datz man aber gewitz es mit Freude begrützen werde, wenn durch die bisher aufgebrachten Mittel die Auswüchse des Wanderbettels beseitigt würden. Dr. Samuely („Union") tritt für eine Zweiteilung der Ortsarmenkassen, in solche für Ortsarme und in solche für Wanderarme, ein. Dr. Oesterreicher (Böhm.-Leipa) plaidiert für die Einsetzung von Provinzialkommissionen zur leichteren Durchführung der Organisation. Dr. Sch anz er (Pilsen) stellt folgenden Antrag: „Die Versammlung begrützt mit Freude die von der „Union" eingeleitete, den Wanderbeitel betreffende Aktion, nimmt die Grundsätze des erstatteten Referates zur Kenntnis und bestellt für Gründung und Durchführung der Organisation ein Exekutivkomitee." Es sprachen noch Dr. Kaminka („Allianz") und Krasny (Mähr.-Ostrau), worauf der Antrag Doktor Schanzers einstimmig rum Beschlüsse erhaben wurde. . In das Exekutivkomitee wurden entsendet: Dos Präsidium und der Sekretär der„Oesterxe>ichisch-2sraelitischen Union", kaiserl. Rat Dr. S. Krüger von der „Wiener Zentralstelle f!ür Armenpflege". Dr. Kaminka („Allianz"), Univ.-Prof. Dr. Josef Pollak (Wiener Armenanstalt), ferner die Herren Dr. S ch a n z e r aus Pilsen, Dr. Hahn aus Teplitz, Dr. Thein aus Pardubitz, Dr. Hermann aus Brünn, Heilpern aus Bielitz, Taussig aus Linz und M a y e r aus Graz. ' \ Samstag, den 25. d. M., abends, versammelten sich die Delegierten im Saale des „Hotel de l'Europe" zu einem gemeinsamen Abendessen, welches überaus gemütlich und anregend verlief. Es toastierten Dr. Samuely auf die anwesenden Delegierten der Kultusgemeinden.. Dr. Bloch auf Prof. P h i l i p p s o h n, Prof Phil ip psohn auf die österreichische Iudenschaft, Sekretär Fleischer auf die „Israelitische Allianz" und den Verband der tschechischen Kultusgepremden Böhmens, Doktor Kaminka auf die „Oesterreichisch-Israelitische Union" und Dr. Thein auf das Gelingen der gemeinsamen Arbeit. :; ü j!iliJii Nach Schlutz der -Konferenzverhandlungen folgten die Delegierten einer Einladung des Herrn kaiserl. Rates Dr. Krüger zur Besichtigung des „Elisabethheims für Lehrmädchen und Arbeiterinnen", II., Malzgasse 7, und sprachen sich über die Einrichtung und Organisation dieser Anstalt in der anerkennendsten Weise aus. Die DeutralsteUe für da» jüdische Armen wesen. Am 18. März - l. I. fand im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde die fatzungsgemätze 3. ordentliche Delegiertenversammlung statt. Die Wiener Wohltätigkeits- und Humanitäts-Institutionen waren durch ihre Delegierten vertreten. Auch eine große Anzahl von Privatwohltätern und Ehrengästen nahm an der Versammlung teil. Dem Berichte des Kuratoriums, welcher zustimmend zur Kenntnis genommen wurde, ist zu entnehmen, daß die Zentrastelle in diesem Iahre zwei bedeutende Aktionen eingeleitet hat und zwar die Abdirigierung fremder armer Kranker aus den Spitälern in ihre Heimat und die Zentralisierung der Kinderbekleidungsvereine durch Rayonierung. , Vizepräsident Herr Dr. Rudolf Schorstein eröffnete die Versammlung in Vertretung des Präsidenten, Herrn k. k. Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, mit der Begrüßung der zahlreich erschienenen Delegierten, Privatwohltäter und Ehrengäste. Vor Eingang in die Tagesordnung widmet der Vorsitzende dem am 4. Februar l. I. verstorbenen Kuratoriumsmitgliede, Frau Rosa Zifferer, ehrende Worte des .Gedenkens. Die Versammlung hört diesen Nachruf stehend M und beschließt dessen Einverleibung in das Sitzungsprotokoll. Nach Erstattung des Tätigkeits- und Finanzberichtes durch den Vorsitzenden, welcher lebhaften Beifall fand, begrüßte Herr kais. Rat Ionas Weil, die Versammlung im Namen des Kultusvorstandes, beglückwünschte das Kuratorium zu seinen bisherigen Erfolgen und wünschte ihm fernere Fortschritte, insbesonders im Sinne der vorbeugenden Armenpflege. Herr S. Fleischer, Sekretär der Oesterreichisch«-Israelitischen Union, erläutert die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Wohltätigkeits-Institutionen und berichtet über die von der Oesterr.-Israel. Union eingeleitete Aktion zur Einschränkung des Wanderbettels. Hierauf schreitet der Vorsitzende zum Punkte „Wahlen in das Kuratorium" und berichtet, datz die Mandate der Frau Laura Goldschmidt und des Herrn Doktor S. Samuely in diesem Iahre ablaufen, datz für