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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-24 · 12 (24.3.1911) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Dr. Wachs Wochenschrift Sette 195 Nr 13 neugegründete Verein hat die erste Feuerprobe aufs Beste bestanden. Se. Ehrwürden Herr Dr. Johann Stößler, von lebhaftem Beifalle begrüßt, hielt eine überaus launige, geistreiche Ansprache über Purim im Leben und Literatur und sührte zum Schlüsse einige gelungene Proben aus der sogenannten Massachet Purim an. Die Ausführungen ernteten stürmischen Beifall. Frau Dr. Else Subak sang, sich in den Dienst der Wohltätigkeit stellend, die große Arie aus „Die Jüdin" so zu Dank, daß sie Zugaben gewähren mußte. Ihre außerordentliche Leistung wurde mit Begeisterung ausgenommen. Herr Oberkantor Fuchs trug die Romance aus „Hugenotten" und „Min Kamezar" wirkungsvoll vor und erntete die gewohnten Applausstürme. Fräulein Kamilla Weisl, Herr S. Weigl und Herr L. Müller erregten das Entzücken des Publikums durch die Aufführung des „Nathan der Weise" (3. Akt: Ringerzählung). Nicht minder ergötzte das Violinkonzert (Szenedes Ballet von Berriot und Frühlingslied), aufgeführt vom Geschwisterpaare Elsa und Olga Stern. Das exakte Zusammenspiel erzielte die schönste Wirkung und wurde vom Publikum mit frenetischem Beifalle ausgenommen. Die Solovorträge: „Ich habe nichts" (Fräulein Hedwig Wessely), „Das Mauerblümchen" (Fräulein K. Weisl). „Ich bin nicht eifersüchtig" (Fräulein Hedwig Triescher), „Willst den Frauen Du gefallen?" (Herr Oskar Fürst) und „Ghetto von Beda" (Herr L. Müller) wurde von bewährten Darstellern vorgetragen und wurde ihnen die vollste Anerkennung zu teil. Die Klavierbegleitung besorgte in bewährter Weise Frau Charlotte Fuchs. Volle Anerkennung und der Dank des Vereines gebührt auch dem VereinSmitgliede Herrn Moritz Fürst, der das Arrangement des Festes tadellos durchführte.?Das namhafte Reinerträgnis wurde an Arme und Sieche verteilt. I. K. Budapest. Am 14. d. M. verschied hier Frau Dr. E. I. Blücher geb. Sophie Tarlau. Die Verblichene, eine durch ihren Seelenadel und ihre wahre Frömmigkeit in weiten Kreisen hochgeschätzte Dame, war die Witwe des vor drei Jahrzehnten verstorbenen Rabbiners und Orientalisten Dr. Efraim Israel Blücher. Ihr Hinscheiden rief überall tiefe Teilnahme hervor und manifestierte sich diese anläßlich ihres Leichenbegängnisses zu einer imposanten Trauerfeier. An derselben nahmen die Vertreter der Pester israelitischen Kultusgemeinde, der Pester Chewra-Kadischa, des P e st e r i s r ae l i t ischen Frauenvereines und zahlreiche Somnitäten der hiesigen Gesellschaft teil. Im Trauerhause hielten Rabbiner Dr. Julius Fischer, in der Leichenhalle Rabbiner P. Büchler- Moor tiefempfundene Nachrufe. Die gesanglichen Funktionen sowohl im Hause, wie auch beim Grabe versah Professor Oberkantor Lazarus mit dem Tempel-Männerchor. In der Verblichenen betrauert der Chef des Armenamtes der Pester Kultusgemeinde Josef Blücher seine hingebungsvolle, zärtlich liebende Mutter. Brody. Das Präsidium des israelitischen Schülerheims hat zum Zwecke, der Deckung eines Defizits ein Konzert veranstaltet, das einen glänzenden Erfolg hatte. Dank der hervorragenden Gesangsleistung der Frau Valerie Friedmänn (geb. Oppenheim aus Brünn), welche mit ihrer schönen Sopranstimme und ihrem künstlerischen Verständnis das Publikum zu begeistertem Beifall hinriß. Das Publikum bereitete der Sängerin viele Ovationen. — Einen gleich großen Erfolg hatte die vom jüdischen Volkshaus „Beth tzaam" zum erstenmal in Brody veranstaltete Purim-Feier, ein Maskenball mit Militärmufik. Das Publikum hat sich außerordentlich gut unterhalten und gelangt allmählich zur Erkenntnis, daß die Juden gut tun, ihre Feste unter sich allein zu feiern. D. K. Teschen. Am 5. März veranstaltete der hiesige jüdische Frauen- und Mädchenverein „Ruth" im Saale des Hotel Zentralbahnhof ein Purimfest. Kantor Fnchs hat mit Bravour und herrlicher Stimme mehrere Arien und Lieder zum Vortrag gebracht. Trotzdem die Ansprüche, die das zahlreich erschienene Publikum speziell an diesen Teil des Konzerts stellte, nicht bescheiden waren, wurden alle Erwartungen übertroffen und cntfeffelte namentlich die große Arie des Eleazar aus der „Jüdin" wahre Beifallsstürme. In dem folgenden Purimfestspiel überraschte Frl. Werbern als „Purim" mit ihrem glockenhellen Sopran und Frl. Grete Berger durch Spiel und Erscheinung als Esther und auch die Kleinen waren allerliebst und trefflich bei der Sache. Frl. Steinhard brillierte mit einem Klavierpart als geübte und virtuose Dilettantin und jeder andere der ausübenden Teilnehmer trug redlich zum Gelingen des Festes bei. Karaitische Mission nach Palästina. Die russischen Karaiten entsendeten im Sinne der Beschlüsse des letzten Karäerkongreffes eine Delegation von 10 Personen nach Palästina, um die dortigen karaitischen Institutionen und Heiligtümer kennen zu lernen und einen innigeren Kontakt zwischen den rußländischen und palästinensischen Karäern herzustellen. Rituelle Verpflegung aus den Schiffen des Oefterreichifchm Lloyd. Der „Oesterreichifche Lloyd" hat über Antrag des Herrn Direktors Rabbiner Horowitz in Jerusalem auf den österreichischen Eildampfern Triest—Alexandrien und zurück streng rituelle Küche eingeführt. Schon vorher hat der Triester Rabbiner Professor Dr. Bretholz wiederholt solche Anregungen gegeben: die nunmehrige Einführung ist recht dankenswert und dürfte von unseren reisenden Glaubensgenossen mit Freuden begrüßt werden. Die Konserven werden von Frankfurt a. M. bestellt, aus Fabriken, über die Rabbiner Breuer die Aufsicht führt. Das Geschirr ist neu. Besteck müssen die Reisenden selber mitnehmen. Die strenggläubigsten Glaubensgenossen dürfen in jeder Richtung ohne Bedenken diese rituelle Verköstigung in Anspruch nehmen. Feuilleton. Professor Mor Neuburgers Geschichte der Medizin des Mittelalters in ihrer Beziehung zur Geschichte des Judentums. Während eine Geschichte der Philosophie kaum mehr in der Bücherei des Gebildeten fehlt, dürfte man selbst unter den Büchern hochgebildeter Aerzte vergeblich nach einer Geschichte der Medizin suchen. Diese Lücke wird wohl nunmehr das soeben bei Enke in Stuttgart erschienene Werk unseres jungen Wiener Gelehrten ausfüllen (Geschichte der Medizin des Mittelalters, 2. Teil), das bei stupender Beherrschung und gründlicher Durchforschung seines erdrückend großen Materials eine solche Höhe der Gesichtspunkte und eine solche Durchsichtigkeit der Darstellung erreicht, daß jeder Gebildete dieses hochwichtige Fachwerk mit größtem Genuß lesen wird. Besonders aber jeder, der für jüdisches Geistesleben Interesse hat. Denn wie dem jüdischen Historiker die Geschichte der Juden im Mittelalter an vielen Stellen zu einer Geschichte der Medizin wird,*) muß jedem Historiker der Medizin jm Mittelalter diese zu einem Ruhmesblatt jüdischer Leistungen auf dem Grsamtgebiet der Medizin werden, durch die allein der Uebergang vom Altertum zur Neuzeit in ihrer jetzigen Gestalt möglich war. Dreifach war hier die Tat des Judentums: es schuf den Talmud, es arbeitete durch sieben Jahrhunderte in ununterbrochener Uebersetzertätigkeit, es war einer der Hauptfaktoren bei der Gründung der zwei ersten medizinischen Hochschulen in Europa. Nachdem es diese seine historische Aufgabe erfüllt, und. wie so oft, die Waffen zu seiner Bekämpfung selbst geschmiedet hatte, verschwindet zu Beginn des 14. Jahrhunderts wohl nicht der jüdische Arzt vom Hofe des Papstes, Kaisers und Königs, aber an der Ausübung der Wissenschaft gehemmt, verschwindet das Judentum durch Jahrhunderte bei dem Fortbau der Medizin. Mit Recht sagt Neuburger, daß der Einfluß und das Uebergewicht des Talmud auf den Fortbau der Medizin gar nicht abgemessen und abgewogen werden kann. Bewußt und unbewußt gingen seine Traditionen zu den Kirchenvätern und in den Koran über: die jüdischen Aerzte. die ja bis zum Anbruch der Neuzeit die führenden Praktiker von Europa blieben, waren von ihm beherrscht. Neben Jahrhunderte alten wertvollen Beob- *) So bat unte»' anderem Dr. Güdemann's „Jüdisches Unterrichtswesen während der spanisch-arabischen Periode" dem medizinischen Forscher wichtige Anhaltspunkte zur''Geschichte der^ Errichtung der ersten medizinischen Fakultäten in Europa gegeben.'

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