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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-24 · 12 (24.3.1911) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19 Dr. BloKs WoKeMMt. Sette 191 Schriftführer Architekt I. Modern verlas den Rechenschaftsbericht, daß der Verein, gleichwie in den Vorjahren, auch in der abgelaufenen Berichtsperiode überaus segensreich gewirkt hat, dank der Opferwilligkeit und Munifizenz seiner Mitglieder und Gönner. Im Laufe des Jahres 1910 wurden im Heime 127 Personen neu ausgenommen. Es standen während des Jahres 1910 136 Personen in Pflege, und zwar durch 2520 Tage, was einer durchschnittlichen Verpflegsdauer von 18-5 Tagen per Person entspricht. Nach wiederholter Anerkennung der Tätigkeit der Vereinsleitung, insbesondere der unermüdlichen und aufopfernden Präsidentin wurde das Absolutorium erteilt und der Kassierin Frau Fanny Löwin für ihre präzise Führung der Kassageschäste der Dank ausgesprochen. . In Anerkennung der großen Verdienste, die sich Herr Architekt Jakob Modern um das Heim erworben hat, wurde derselbe einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden in den Vorstand neu gewählt: Die Damen Dr. Fanny Halberstamm, Laura C h e i t und Bertha Etzold, sowie Herr Dr. Leo H a l b e r st a m m. Demonstration gegen den Rektor der Czecnowitzer Universität. Der Rektor der Czernowitzer Universität erließ am Schwarzen Brett einen Erlaß, in welchem den jüdischen Studenten strengstens untersagt wird, bei der Inskription jüdisch als Muttersprache anzugeben. Da Deputationen und Protestversammlungen bisher keinen Erfolg hatten, beschlossen mehrere jüdisch-akademische Verbindungen und Vereine, alle offiziellen Veranstaltungen des Universitätssenats zu boykottieren. Den Anfang machte der jüdisch-akademische Kultusverein, der von der jüngsten Inqugürationsseier an der Universität fernblieb und keine Delegierten entsandte. Dieses Beispiel dürfte auch unter den übrigen jüdisch-akademischen Körperschaften Nachahmung finden. Auszeichnung des ObSrrabbiners von Rom. Der König von Italien hat dem Oberrabbiner von Rom anläßlich der Jubiläumsfeier den Orden der Krone von Italien verliehen. Der Vorstand der römischen Judengemeinde veranstaltete zu Ehren des ausgezeichneten Oberrabbiners ein Bankett, an welchem die Rektoren aller Hochschulen, Vertreter des Magistrats, der Stadt Rom und andere öffentliche Funktionäre teilnahmen. Charlottenbürg. Obwohl schon seit vielen Jahren das berühmte Polytechnikum hier von Tausenden jüdischer Studenten frequentiert wird, waren bisher nur ganz wenige in Privatpension wohnende Studierende in der Lage, sich rituell beköstigen zu können. Weder eristiert in Charlottenburg ein für die Polytechniker günstig gelegenes, noch billiges, noch überhaupt jüdisches Restaurant, und außer den hier wohnenden, am Polytechnikum studierenden jungen jüdischen Leuten, war auch den nicht wenigen. an den Musik- und Kunstschulen Studierenden keine Gelegenheit geboten, rituell zu leben. Von der richtigen Erkenntnis ausgehend, daß junge Leute, denen ohnehin kein Zutritt zu jüdischen Familienkreisen offensteht und die durch äußere Verhältnisse gezwungen werden, dem vielleicht noch letzten Angelpunkt und Berührungspunkt mit dem Judentum, durch Aufsuchen nichtritueller Restaurants zu entraten, Haben einige jüdische Männer beschloflen, eine Nensa aeaäomiea, ein Speisehaus für jüdische Studierende, überhaupt für jüdische junge Leute ins Leben zu rufen. Das junge Unternehmen soll schon mit Beginn des nächsten Sommersemesters ins Leben treten. Nicht nur in Deutschland allein, sondern auch im Ausland, das jährlich Hunderte von jüdischen jungen Technikern nach Charlottenburg entsendet, dürfte diese Nachricht mit großer Genugtuung ausgenommen werden. Es wäre daher auch sehr Wünschenswert, wenn die ausländische jüdische Presse von diesem Projekt Notiz nehmen würde. Da der Plan zu diesem Projekt von Männern, wie Jakob Tugendreich und Dr. Artur Kahn ausgeht, so braucht wohl kaum hinzugefügt zu werden, daß es sich hier nicht um ein geschäftliches, sondern um ein rein jüdisch-humanitäres Unternehmen handelt. Wenn erst dieser Plan, dem allerdings außerordentlich große Schwierigkeiten im Wege stehen, verwirklicht sein wird, so haben sich die genannten Herren in des Wortes vollster Bedeutung ein unsterbliches Verdienst um die jüdische studierende Jugend erworben. Möge es von Segen geleitet sein. Dr. Chawkms Berufung nach, China. Der berühmte russisch-jüdische Erfinder der Injektion gegen Pesterkrankung. Dr. Chawkin. hat unter glänzenden Bedingungen von der chinesischen Negierung die Einladung erhallen, nach China zu kommen, um dort den Kampf gegen die Verbreitung der Pestkrankheit zu leiten.! Telegierten-Konferenz der Kiewer Emigrationsgesellschast. Vorige Woche fand in Kiew eine Konferenz der Delegierten der Emigrationsgesellschaft statt, an welcher 60 Delegierte aus 50 Städten Rußlands und Polens teilnahmen. Dis Versammlung wurde von Professor Mandelstamm eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Dr. Fleischmann-Kiew und zu seinen Stellvertretern Dr. Goldberg- Ieletz und Rabbiner Kulischer-Schitomir gewählt. Es hielten Referate: Dr. Mandelslamm über die Auswanderung nach Galvsston, wohin die Emigrationsgesellschaft erst kürzlich die 50. Partie expediert hat: ferner Doktor Iochelmann, Ingenieur Löw und Dr. Bloch über die Enquete unter den Galveston-Emigranten, die ein befriedigendes Resultat ergab. Die Delegierten einigten sich nach eingehender Debatte darin, daß die konzentrierte Emigration nach Texas via Galvefton zu fördern und zu unterstützen sei. Während der Konferenz langten zahlreiche Glückwunsch- und Zustimmungsielegramme ein, ü. a. auch von Leopold de Rothschild, Israel Zangwill und Karl Stettauer aus London, ein. Mit besonderer Beruhigung wurde die Mitteilung entgegengenommen, daß die Aktion der Gesellschaft in Galveston nunmehr ungestört fortgeführt werden kann und daß die amerikanische Regierung die Bestrebungen der Gesellschaft selbst fördert. Zur Geschichte der Judengesetzgebung in Finnland. Die Sammlung der Iudengesetze in Finnland, die vor einigen Tagen unter den Deputierten der Duma verteilt wurde, enthält einige interessante und noch wenig bekannte Daten. Zunächst ist es die Feststellung, daß die Rechtsbegrenzungen gegen die Juden in Finnland noch aus jener Zeit stammen, da Finnland schwedischer Besitz war und in Schweden 1782 ein ausführliches Iudengesetz erlassen wurde. Die ersten speziell finnländischen Iudengesetze entstanden in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, enthalten jedoch keine neuen Begrenzungen, sondern haben bloß den Zweck, ausländischen Juden die Reise nach Petersburg oder anderen russischen Städten über Finnland zu verbieten. Die Schaffung neuer Begrenzungen wäre auch kaum möglich gewesen, da schon die alten schwedischen Gesetze die Niederlassung der Juden in Finnland verboten und die Juden, die in Finnland lebten, ganz rechtlos machten. In den in den Jahren 1872, 1875 und 1878 erlassenen Gesetzen über die Ausgrabung und Bearbeitung von

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