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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-24 · 12 (24.3.1911) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 186 Dr. BloKs WocheMM. Nr. 13 hat wie die „Reichspost". Es ist nicht etwa ein Einzelschicksal, das am letzten christlichsozialen Parteitag entschieden wurde, es ist das Symptom einer politischen Entwicklung, welche immer rascher wird. In seiner ziemlich kleinlauten Erwiderung hat Vergani zur Abschwachung des Eindrucks gesagt, es sei nur der klerikale Flügel der Partei versammelt gewesen. Nun wohl, aus diesem Flügel, wurde nun die oberste Instanz der Partei gebildet. Mau darf auf die Entscheidungen und auf die Vorstöße der neuen Leitung gespannt sein. Es ist eine alte Tatsache, daß die Klerikalen bei all ihrer Erfahrung und Klugheit doch schließlich an einer historischen Eigenschaft scheitern, an ihrem Machthunger. Auch die Geßmaunpartei wird sich schwerlich zurückhalten und wird selbst durch ihre Taten die Bevölkerung warnen. Dann wird die Zeit gekommen sein, in welcher alle Parteien des Fortschritts an Terrain zurückgewinuen. Der ahnungsvolle Weiskirchner hat sich nicht unter das Kommando Geßmanns stellen wollen und ist ausgewichen. Er weiß eben genau, daß die Zeit des dauernden Klerikalismus vorüber ist. In Oesterreich weiß man bereits, daß man diesem die Rückständigkeit gegen andere Staaten zu verdanken hat, und will sich nicht wieder absperren lassen. Wenn einmal die Christlich-Sozialen ihre Maske vollends abwerfen und sich dem Klerikalismus in die Arme werfen, dann ist nicht nur Vergauis Glück zu Ende, sondern das der ganzen. Sippe, die ihrem Mühldorfer Vorkämpfer am Ende ihres Aufstiegs einen wuchtigen, vom Standpunkt des Fortschritts wohlverdienten Tritt gegeben hat. Der Konxrssionenskandal im Polerrkiub. In Tarnobrzeg, einem idyllischen Städtchen Galiziens, wurde dieser Tage über einen Prozeß verhandelt, der nun auch hoffentlich die naivsten Gemüter über das aufklären wird, was man gemeiniglich „Parteimoral" und „politische Anständigkeit" zu nennen beliebt. Soviel Waffer werden sämtliche galizische Wasserstraßen nicht enthüllen, um die Schmach abzuwaschen, mit der dieser Skaudalprozeß das Ansehen des Polenklubs bedeckt hat. Dieser Skandal hat seine Vorgeschichte in der Aufhebung der Schaukkouzesfiouen. Bekanntlich sah sich die österreichische Regierung veranlaßt, wie wir alle wiffen, aus moralischen Gründen, tausenden jüdischen Schenkern die Konzession mll einem Schlage zu entziehen, um sie den notleidenden Schlachzizen, wie Potocki, Lubomirski rc., zur Hebung ihrer wirtschaftlichen Lage zu verleihen. Noch lebt in aller Erinnerung der Zug der Tausende von Elenden, die zum Parlament zogen, um im Namen der Menschlichkeit ihre Existenzvernichtung zu verhindern. Sie haben die Festigkeit Sr. Exzellenz des Herrn Weiskirchner nicht zu erschüttern'vermocht und gaben nur Herrn Lazarski, Obmann des Polenklubs, Gelegenheit, einige jener Phrasen anzubringen, die einem besonders bei einem solchen Anlaß den Glauben an die Menschhell überhaupt rauben können. Nichts brachten diese Armen von ihrem Bittgang nach Hause, als die wohlmeinende Versicherung der diplomattschen Exzellenz, daß der ganze Demonstrattonszug. ein unnützer Aufwand gewesen sei und daß eine Deputatton von zehn Schenkern dasselbe erreicht hätte — nämlich nichts. Das war der ganze Erfolg der Allion in Wien, und wer sich der eifersüchtigen Rivalität, mit der der Polenklub seit längerer Zell im Antisemittsmus den Christlich-Sozialen Konkurrenz macht, bewußt ist, war von Vorneherein klar informiert. Um diese Zell ahnte niemand, daß bereits in der Person des Abgeordneten Paduch dem jüdischen Volke ein Retter erstanden war. Wer Herr Paduch ist, werden die wenigsten wiffen. Er ist ein Abgeordneter von hervorragender Unbedeutendhell, Müglied der bäuerlichen Fraktion der Nationaldemokraten, jener Dekorationsabteilung des Polenklubs, die vertragsmäßig verpflichtet ist, der Pattei den Anstrich biderber Ehrlichkeit zu geben. Dieser Paduch, an dem wir jetzt ein Schulbeispiel niederträchtigster Gewinnsucht und Korruption demonstrieren können, spielte bis vor kurzem den bäuerlichen Ehrenmann. Da unterbrach mit einem Schlage die Aufhebung der Schankkonzessionen die Geradlinigkeit seiner Weltanschauung. Herrn Paduch brach es das Herz, daß man diesen armen jüdischen Familien das Brot wegnahm, er konnte es nicht mehr mitansehen, wie so prachtvolle Konzessionen unbenützt dalagen — mit einem Worte, er benötigte dringend Geld. Und so elend galizische Juden gewöhnlich auch sind, für gewissenlose Spekulanten haben sie immer noch eine prachtvolle Einnahmsquelle gebildet. So entstand plötzlich ein förmliches, unkonzessioniertes Bureau für gewerbsmäßige Vermittlung von Konzessionen, deffen Seele Herr Paduch war und das er mit zwei Gleichgesinnten erfolgreich betrieben haben soll. Ihre Namen find, um auch sie dem Dunkel ihrer bescheidenen Existenz für kurze Zeit zu entreißen, Wiacek und Fiedler, ein herrliches Kleeblatt der polnischen Bolkspartei. Nun, dies wäre nicht der erste Fall von Korruption,^ der in galizische« Landen, wo die anderen Industrien nur schwach gedeihen können, entdeckt wurde und hoffentlich auch nicht der letzte, wie wir im Jntereffe der uneigennützigen Volksvertreter wünschen. Daß das krasseste Elend der Juden die Aasgeier nicht abhalten wird, an ihren wirtschaftlichen Resten sich-gütlich zu tun, ist etwas, worüber wir bereits resigniert zur Tagesordnung übergehen. Aber der Prozeß in Tarnobrzeg, den Wiacek, als der Mindestkompromittierte natürlich gegen Kanarek angestrengt hat, der diese ganze mißduftende Affaire in einer öffentlichen Versammlung zur Sprache gebracht hatte, enthüllte nun eine solche Menge entzückender Details, daß wir uns nicht versagen können, einige Blütenlesen aus den Korrespondenzen auszugsweise wiederzugeben. Selbstverständlich leben diese spekulativen Herrschaften im besten Einvernehmen mit dem bekannten Pater Stojalowski, der mit seiner Jerusalemer Lampe einst jene ungeheuren Wunder vollbrachte, die selbst Alladins Zauberlampe in den Schatten stellten und dessen Skrupellosigkeit entweder pathologisch oder überirdisch ist. Wiacek bittet den „geliebten Bruder" Paduch, den Pater Stojalowski im Lemberger Landtage dringendst aufzusuchen. Augenscheinlich benötigte er den bewährten Segen und den frommen Rat dieses Kirchenlichtes. Durch diesen Besuch in seinen Grundsätzen neu gestärkt und gefestigt, schreibt nun Paduch einige Briefchen: „Lemberg, 3. November. Herren Majer Safir und Golinger! A conto des Wechsels habe ich heute durch Ihren Herrn Vater für die Arbeit, eine Schanllonzession zu erwirken, 800 Kronen erhalten. Am Montag hat Ihr Vater zur Ergänzung der Wechselsumme 300 Kronen zu bezahlen. Anton Paduch. Herren Majer Safir und Golinger! Geehrter Herr! Der Reichsratsabgeordnete Adalbert Wiacek aus Machow kommt mit mir Montag nach Lemberg. Es muß also Ihr Vater für uns Montag die restliche Summe auf den Wechsel geben; wenn nicht, bekommen Sie nicht die Konzession. Achtungsvoll A. Paduch. Lemberg, 3. November 1910. Herrn Wolfelmann in Podwoloczyska. A conto des Wechsels von 2000 K habe ich durch Ihren Vater 300 K behufs Erwerbung einer Schankkonzession erhalten. Am Montag hat Ihr Vater 1700 K zur Ergänzung der Wechselsumme zu. bezahlen, sonst ist die Verleihung der Konzession nicht sicher. Mit Schätzung und Achtung Anton Paduch. . Geehrter Herr! Montag wird \ Reichsrats - Abgeordneter Adalbert Wiacek mll mir nach Lemberg kommen, daher muß Ihr Vater für uns am Montag die restliche Wechselsumme bezahlen, sonst bekommt Ihr die Konzession nicht. A. Paduch.

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