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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-24 · 12 (24.3.1911) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 12 PpB Blocll’s ^«hrs-ms XXVI» Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -dzz ... □- Wien, 24. März 1911 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, ix/i, Hahngasse 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. OG - ■ - —- =DO 'p Vrxugsprris für Vrstrrrrich: Cj Halbjährig 8 Kronen: j Einzelexemplare 50 Heller. > Jür's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. i Anzeigen: Die 4malgespal- 2 tene Petttzeile 24 Heller. O O O -.. . —0 J — —o o r B. ft. Postfxarkaffrnamt Q Sleartng-Verk ebr «r. 810.976. Redaktion und Administration: O Wien n/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. J pp — - —Qo Inhalt: Leitartikel: Vergani's Glück und Ende. — Der Konzessionenskandal im Polenklub. — Jubiläumsausstellung im Künstlerhause. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Jubelfeier des italienischen Volkes. Die Bekehrung des Kanonikus Rohling. Der Prophet Ezechiel und das Dezimalmaß. Die russische Regierung gegen die Ernennung eines jüdischen Generals in Frankreich. Caraffo Essend! über den Zionismus. Baron Hirsch's Million an die russische Synode. Dr. M. Fluegel aus Baltimore. — Korrespondenzen: Rekonvaleszentenheim „Philanthropia". Demonstration gegen den Rektor der Czernowitzer Universität. Auszeichnung des Oberrabbiners von Rom. Dr. Chawkins Berufung nach China. Delegierten-Konferenz der Kiewer Emigrationsgesellschaft. Z ir Geschichte der Judengesetzgebung in Finnland. Der Fortschritt der Juden im Farmwesen. Die traurige Lage der Juden in Tripolis. — Vermischtes. — Feuilleton: Professor Max Neuburgers Geschichte der Medizin des Mittelalters in ihrer Beziehung zur Geschichte des Judentums. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Uergani's Gtrick und Ende. Das hat er nun davon, der Ehrenbürger von Mühldorf, die zaubergewaltige Erscheinung. Jahrzehntelang war Vergani der große Bannerträger der schwärzesten Reaktion, die Posaune der Christlich-Sozialen, der allein berufene und patentierte Retter des christlichen Volkes und nun haben sie den Armen erbarmungslos geschächtet wie ein Huhn. Geßmann hat seinen Heerbann zu einer christlichsozialen Parteiversammlung zusammenberufen. Bei diesem wurde ein mixtum compositum von Parteivorstand gewählt, über dessen Zusammensetzung sich jeder Gegner der Christlich-Sozialen aufrichtig freuen muß. Denn niemals wurde offenkundiger, daß der große Rat der Partei nicht aus den berechtigten Vertretern großer Organisationen besteht, sondern ausschließlich aus Getreuen Geßmann's, und daß er die Aufgabe hat, Bannbullen gegen alle zu schleudern, welche an den fünfzehnprozentigen Dividenden der Geßmann'schen Baukreditbank oder an den Geheimnissen von Bauüberschreitungen kritteln oder sonst eine eigene Meinung haben. Außer der Wahl der Aufsichtsbehörde über die richtige Gesinnung hatte die Tagung noch einen zweiten höheren ZweL Sie war ein Gang in dem großen Duell zwischen „Deutschem Volksblatt" und „Reichspost", bei welchem das Organ Vergani-s seine tötliche Verwundung erhielt. Nicht nur wurde es nicht als offizielles Parteiblatt anerkannt, sondern die Erwähnung seines Namens wurde mit Entrüstungsrufen ausgenommen. Wenn nicht der Ehrenbürger von Mühldorf es verstanden hätte, bei der Rettung des christlichen Volkes Millionen zu verdienen, so könnte man seinem Schicksale das Mitleid nicht versagen. So wie etwa ein großer Feldherr, wenn er auch einen Krieg siegreich geführt hat, durch den Neid kleinerer Geister der Verleumdung anheimfällt und schließlich gekränkt und verbittert vom Undank in die. Verbannung gestoßen wird, so ist es auch dem zaubergewaltigen Leiter des „Deutschen Volksblatt" gegangen. Und doch hat auch er einen großen Krieg siegreich gewonnen. Das „Deutsche Volksblatt" hat den modernen Zeitgeist auf allen Linien zurückgeschlagen, hat der Wissenschaft vernichtende Niederlagen beigebracht, den Fortschritt aus weiten Gebieten getrieben, dafür den Vor» märz wieder in die Herrschaft eingesetzt und dem Pöbel einen großen Teil seiner Macht wieder zurückgegeben. Seine Waffe war die niederträchtigste Lüge, die schamloseste Verleumdung und mit diesen hat es den Juden die Gleichberechtigung im Staate genommen, den Rassenhaß über die Gesetze gestellt, den Ritualmord die Anerkennung verschafft, die Religion der Juden in den Kot gezerrt, schwere Unruhen hervorgerufen. Das sollte in einer antisemitischen Partei als hohes Verdienst angesehen werden, sollte die christlichsoziale Unsterblichkeit verleihen. Statt dessen kommt das Anathema der Geßmannpartei und Vergani ist gewesen. Ist das die deutsche Treue, die germanische Geradheit, die christliche Ehrlichkeit, von der Vergani im redaktionellen und manchmal auch im Inseratenteil seines Blattes so enthusiastisch schwärmt? Es wären vermutlich sehr hübsche Ausdrücke gewesen, in denen Vergani berichtet hätte, wenn sich ein gleichartiger Vorgang in jüdischen Kreisen abgespielt hätte. Daß es die christlichsozialen Führer einander doch durchaus nicht verzeihen können, wenn einer den anderen beim Beutemachen stört! Geßmann hatte es doch sicher sehr geschickt darauf angelegt, Bürgermeister von Wien zu werden und die „Reichspost" strengte alle Kraft zu seiner Unterstützung an, als Vergani mit seinen Richtigstellungen von Luegerworten und Enthüllungen über Geßmanntaten das ganze schöne Spiel verdarb. In diesem Gange des Duells blieb Vergani siegreich. Aber gegen den ganzen Strom kam er nicht auf. Seine Zeit ist vorüber. Das bischen Bürgertum und Demokratie, das die Christlich-Sozialen mehr oder minder ehrlich vertraten, wird nun auch verschwinden. Die Vorbereitungszeit ist vorüber, die rein Klerikalen wollen ernten, was die Christlich-Sozialen so lange in vergiftetem Boden gesäet haben, der Wiener Heerbann wird immer häufiger in den Dienst des Klerikalismus gestellt, das Hauptquartier der Partei wird jetzt ganz in Klöster und Bischofssitze verlegt und die Beauftragten der Klerikalen in der politischen Ocffentlichkeit werden Faktoren, welche ihre Ergebenheit gegen die Geistlichkeit hinreichend bewiesen haben. Schon hat der Bürgermeister Neumayer Schwierigkeiten, weil er Miene macht, ein selbständiges Bürgertum zu vertreten. Und nun wird Vergani erbarmungslos ausquartiert, weil er gegen die Kirche nicht die gehörige Botmäßigkeit gezeigt

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