Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 180 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 11 delbilder, ein historisches Diorama, ein Schauspiel, in dem eine Idee vom ersten Menschen bis zu Marr und Laffalle totgehetzt wird. „Ach, Majestät", begann ich, „mir ist die „Tragödie des Menschen" von Madach bekannt und den „Meister von Palmyra" verehre ich — selbst bei der Operette „Adam und Eva" bin ich gewesen-" Es ging erbarmungslos immer höher und höher. Längst schon sahen wir die Berge von Judäa wie kleine Maulwurfshügel, die Gletscher des Libanon wie weihe Schafe unter uns. Im Osten leuchteten die eisstarrenden Spitzen des Himalaya, im Süden glänzte der Nil wie ein zartes Band, es hoben sich schroffe Gipfel aus den Urwäldern Afrikas und ebneten sich wieder unter unseren Blicken. Im Westen ein breites Meer, dann ein langer Landstreifen: Amerika. 2m Nordwesten die kleine, vielgezackte Fläche: das war Europa. Und mitten drin ein kleiner, winziger Fleck, ein dunkler Punkt: — das muhte meine Heimat fein.- Die Bewegung hörteauf: wir standen fest. Der König sprach: „-Zeige mir Deine Heimat." . „Herr, man sieht so wenig davon und sie ist so winzig von hier oben", entgegnete ich. „Und nun erzähle", forderte er mich aus. „Sprich von Deinem Leid, von dem Deiner Nächsten in der Heimat." Als ich nun zu sprechen begann, drang die Morgensonne strahlend durch, die Luft klärte sich und man sah deutlich die Städte auf der ganzen Erde, und darinnen die einzelnen Bauten. Die Sonne wurde immer strahlender, der Blick tiefer, dah er in die Häuser drang. — Dort drüben im Vatikan zu Rom sah ein ehrwürdiger Greis mit einem Buche in der Hand: um ihn viele Herren in farbigen Talaren. Von dort aus zogen sich Bänder in alle Städte Europas und über alle Meere. Sie einten viele Millionen Menschen und alle hatten sie ein Buch zur Hand. — Und von Zion zog eine Linie weit über die Lande in abenteuerlichem Gewirre und darinnen Männer mit Riemen um das Haupt, einen hellen Mantel um die Schultern, und sie hielten ein Buch in Händen. Und dann hoben sich viele kleine Gruppcn von Männern und Frauen, und sie hielten alle ein Buch. Von Europa bis Asien, bis nach Afrika und über Amerika hinaus. — Von Mekka schwebte eine Wolke hernieder auf Jerusalem, sie zerteilte sich im ganzen Morgenlande und bis gegen Süden im schwarzen Weltteil, und in den Nebeln sahen Männer, deren Haupt von einem Turban umwunden war, und sie hielten ein Buch. — Und das Sonnenlicht klärte die Luft und ward immer heller. Die Nebel wichen. Und auf all den Büchern glänzte es in goldenen Lettern: „Die Psalmen Davids!" Das Licht strahlte und glühte, bis dah es in die Tiefe drang. Die Erde öffnete sich, aus dem Duster stiegen die Toten, eine Generation — das Licht drang weiter» die Erde gab die Toten heraus: eine zweite Generation. Und in immer weiteren Tiefen hellte dre Sonne das heimliche Düster, dah eine Geschlechtsfolge um die andere zur Höhe stieg, bis daß sie mehr waren als ein halbes Hundert. Die Städte waren erfüllt von Menschen in allerlei Kleidung, mannigfaltig und seltsam zu schauen: sie sahen in den Häusern und im offenen Felde, sie drängten sich in der Wüste und fuhren in zahllosen Schiffen auf den Meeren. Alle aber schauten sie empor gen Osten. Sie bewegten die Lippen und einten die Stimmen, dah ein mächtiger Chor aufstieg und ein gewaltiges Tönen anhub. „Herr, was ist der Mensch, dah Du sein.gedenkst, und des Menschen Kind, dah Du ihn so achtest. Ist doch der Mensch gleich wie nichts, seine Zeit fährt dahin wie ein Schatten." Die Lust erdröhnte von dem gewaltigen Singen und die Erde erbebte. David hob die Arme hoch — der Chor verstummte. — Das Bild schwand meinen Blicken... Ich stand wieder im Saale mit Seraja, dem Schreiber, vor dem König, den ich fragend anblickte. „Willst Du wissen, was das bedeutet?" so nahm er das Wort. Ich nickte. „Nichts für den, der die Idee nicht kennt." „Jedenfalls eine grohe Perspektive von diesem Berge Zion aus," wagte ich schüchtern zu bemerken. Der König nickte wie Einer, der da sagen will: „Ah, Du fängst an zu begreifen." — Dann nickte er abermals, wie zum Abschied — ich war entlassen. Ich verbeugte mich tief, und als ich den Kopf erhob, stand ich auf der Straße auf dem Berge Zion am Eingang zum Abendmahlsaale, wo das Grab Davids ist, das den Moslim gehört. Literatur. ktm ix 2-p "cd ■p-iy;nW bv ’itf fbn .TH JV2 pwn mn 1122 N222 mrm VKtpnts» nnts v '2?>2v .... f"2 Tn ,TTÖ N21N22V DnVÖH TlSH ’ ♦ ♦ ♦ VpYXT Buchdruckerei von Leopold Katzburg. Vacz (Ungarn) Verlag Karl Kohn, Wien, VIII., Florianigasse 44/8. Von dem Führer der sogenannten mährisch-talmudischen Schule R. Brauch Frankel erzählt man, er habe spitzfindige. Diskussionen mit wegwerfender Geberde unter dem Ausruf: „Preschborg!" abgelehnt. Dieses spöttische Prädikat mag wohl auf manches geistige Kapergut gepaßt haben, das unter der Preßburger Flagge segelte; dasselbe aber auf die Preßburger Schule im Allgemeinen anzuwenden, das wäre ein Trugschluß. Wer die Responsen des großen Chassam Sofßr. kennt, der weiß, daß sie von dem schon im Talmud feststehenden Grundsatz getragen werden: »leukim sch’mate alibe d’hilchossgc, das heißt: Alle theoretische Disputation lediglich der religiösen Praxis dienstbar zu machen. Und in religiös-praktischer Hinsicht durchweht alle diese Responsen der ebenfalls schon im Talmud rezipierte Grundsatz: »K’rav b’issuro uch’schmuel b’dino«: in ethischer Hinsicht gleichsam der kategorische Imperativ des rigorosen Rav; in zivilrechtlicher aber, daS Humanitätsprinzip des milden Samuel. Das moralische Subjekt fromm und sittlich lauter bis zur Unerbittlichkeit, das Gerichtswesen aber das Forum der Zdokoh und nicht der Zeokoh (man vergleiche etwa die Responsen des Chassam Soför gu Schulchan Aruch Oracb Chajim mit denen zu Choschen Mischpat). Und als Geist von diesem Geiste des Meisters. dokumentiert sich das vorliegende Werk eines seiner hervorragenden Jünger, des Rabbi David Kohn-Bistritz s. A., Enkel des Prager Fabrikanten und — Rabbinatsasseffor R. Salmen Emerich (s. Einleitung). Seinen Zeitgenoffen galt der Autor als rn'kurssern ön zorich rajoh. War es doch der nachmalige Hamburger Oberrabbiner Markus Hirsch, der, damals noch in Alt-Ofen, im Sterbejahr unseres Autors, anno 1863 am 7. Adar, in einem Hespkd seinen frühen Heimgang tief betrauerte. Der Nachwelt mag der Hinweis genügen, daß seine Ideen in den „Responsen Chaffam Svfsr" und k* nrio einen breiten Raum füllen. Dieser Mann ist es nun, dessen verklärter Geist in seinem vorliegenden, posthumen Werk an die talmudische Welt herantritt. In diesen Hagahoß zum Schulchan Aruch Jore dtzah rauscht mächtig ein Strom unerschöpflicher halachischer Gelehrsamkeit. Was ist an dem kaum 50jährigen Autor mehr zu bewundern: Die stupende Vertrautheit mit der einschlägigen Fachliteratur. (dem Rambam, Rabat», Ritba, Raschba, Raschbaz, dem L'wusch und Schach, um nur die wichtigsten zu streifen), die haarscharfe Dialektik, wenn er, der Methode seines großen Lehrers getreu, medame milso l’milso ist, oder endlich die peinliche Akribie bei Festsetzung der religiösen Norm? Qualitäten, welche übrigens in den Approbationen des Rabbinates Vacz und Wien betont werden. Den berufenen Pflegern des din torah bietet sich hier eine Fundgrube halachischen Wissens dar, und zwar vielfach von hervorragender Aktualität, wie zum Beispiel Pass palter, S. 1 ff., oder tinok schemösso echov machmoss miloh, S. 219 f., oder mol w’lo poro, S. 122 f. Und dieses Werk verdankt seine Veröffentlichung der Pietät eines Sohnes des Autors Herrn Karl Kohn i.n Wien, der die bedeutenden Druckkosten trägt. Den Erlös des Werkes aber widmet er dem edlen Zwecke, an der Stätte der rabbimschen Wirksamkeit seines verklärten Vaters in Szomerein-Milchdorf bei Preßburg eine Talmud Thora unter dem Namen »besä Dovid«