Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 11 Dr. Blochs Sette 171 die Art oder richtiger die Unart, mit welcher diese Leute ihre eigenen Autoritäten und die führenden Männer von ehemals nacheinander durch den Kot schleifen, muh auf jeden Unbefangenen einen puerilen Eindruck machen. Und wenn die ernsten Männer dieser Partei im Ausland solcher „Führung" und Aufführung schweigend zuschauen, dürfen sie sich nicht beklagen, daß über die gesamte Partei Urteile gesprochen werden, wie es aus dem Munde Hakki Paschas kam.- Die energische Verteidigung der Juden durch den Grotzvezier veranlatzte den Grohrabbiner Rabbi Chaim Nahum, dem Grotzvezier eine Dankesvisite abzustatten. Der Grotzvezier empfing den Chacham Baschi sehr freundlich und sagte datz er keine Gelegenheit werde vorübergehen lassen, um die Juden in jeder Beziehung in. Schutz zu nehmen. Er fügte noch hinzu, daß wenn „einige Scharlatane" (quatre cliarlatans et demi) das Projekt eines Judenstaates entworfen haben, so habe noch niemand .das Recht, an dem Patriotismus der Judenschaft in der Türkei zu zweifeln und dies um so weniger, als die Juden es wissen sollten, datz, wenn ein solcher Judenstaat in Palästina wirklich entstehen würde, die Juden selbst am meisten darunter zu leiden hätten, weil sich die gesamte' Christenheit kreuzzugartig gegen sie wenden würde. Der Grotzvezier erwähnte schließlich, datz in allerkürzester Zeit das neue Einwanderungsgesetz im Parlamente zur Beratung gelangen werde, das die Aufhebung des „roten Zettels" in Palästina zur Folge haben werde. Ein jüdischer Major der australischen Armee. Wie das englische Amtsblatt meldet, ist Mr. Isidor Jsaacsohn, Kapitän im 5. englischen Infanterieregiment, zum Major ernannt worden. Major Jsaacsohn ist Besitzer zahlreicher militärischer Auszeichnungen. Ein wackerer alter Krieger. Am 15. März l. I. erreichte unser lieb- und achtungswerte Kamerad Herr Moses Weber sein 80. Lebensjahr. Als Mitglied dem Krakauer MilitärEeteranen-Verein seit dem Jahre 1875 angehörend, war derselbe längere Zeit als Ausschußrat und Obmannstellvertreter tätig und fungierte mit Selbstaufopferung mit Rat und Tat. Er hat während der kritischen Zeit, wo dem Verein gänzlicher Verfall und Auflösung drohte, reichlich mit Geldspenden ausgeholfen; und erst als Greis hat er sich von der Funktionsleitung zurückgezogen, blieb aber weiter der treue, stets hilfsbereite Kamerad. Moses Weber, geboren am 15. März 1831, wurde im Jahre 1854 zum k. u. k. Heere assentiert. Im Jahre 1859 hat er die Feldzüge in Italien mitgemacht, focht bei Solferino und Magenta. Nachdem Moses Weber zehn Jahre, einen Monat und einen Tag im stehenden k. u. k. Heere aktiv gedient, hat er bei der k. k. Finanzwache Dienste genommen. Am 17. Mai 1866 ließ er sich freiwillig auf Kriegsdauer zum k. u. k. Infanterieregiment Nr. 20 assentieren. Vom Jahre 1866 bis zum 10. Februar 1874 hat derselbe ununterbrochen beim k. u. k. Infanterieregiment Nr. 20 in den Chargen vom Korporal bis zum Feldwebel aktiv gedient und wurde nach gänzlicher Erfüllung seiner Dienstesverpflichtung bei Uebertritt in den Zivil-Staatsdienst, mit Abschied ddo. Neu-Sandec, am 14. März 1874, entlassen. > Derselbe ist berechtigt, die ihm für sein Verhalten im Feldzuge des Jahres 1866 verliehene silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse, dann das Mannschaftsdienstzeichen 1. Klasse und die Kriegsmedaille zu tragen. Die Geschichte des k. u. k. Infanterieregiments Nr. 20 weiß über die Taten des Führers Moses Weber folgendes zu berichten: Als das 1. Bataillon in der Schlacht bei Skalic am 27. Juni 1866, durch. feindliche Kavallerie attackiert, ein Karree formierte, welches teilweise gesprengt wurde, hat er schnell mehrere Leute zur Formierung eines Klumprns aufgefordert, dieses tapfer verteidigt und selbst einen Kavalleristen erschossen. Auch hob er seinen verwundeten Hauptmann Puchreiner, welchem beide Füße durchgeschossen waren, auf und trug ihn unter dem heftigsten feindlichen Feuer an einen sicheren Platz, eilte dann wieder zur Kompagnie» welche alle ihre Offiziere verloren hatte, führte selbe mtt musterhafter Bravour und fand Gelegenheit, noch einen feindlichen Offisi'.r niederzumachen. Feldwebel Moses Weber hatte sich bereits bei Skalic ausgezeichnet und führte auch in der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 mit gleicher Tapferkeit, Umsicht und Besonnenheit das Kompagniekommando, wo er, obgleich am Arme erheblich verwundet, bis zum Ende des Kampfes an der Spitze der Kompagnie ausharrte und sich erst in der Nacht den notwendigen Verband anlegen ließ. Für diese heldenhaften Taten wurde Feldwebel Moses Weber am 27. August 1866 mit hohem Armeebefehl Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Albrecht ddo. Wien, am 2ü. August 1866, Nr. 23, mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse dekoriert. Seit dem Jahre 1875 ist Moses Weber Kantineur, gegenwärtig im k. u. k. Infanterie-Barackenlager in Pradnik Czerwony bei Krakau. Wir wünschen diesem wackeren Kameraden einen heiteren Lebensabend. („Militär-Kameradschaftsblatt" Nr. II, Wien 11. März 1911.) Zur Getfrage in England. Die englische Judenheit wird gegenwärtig von einer Getfrage in hohem Grade in Anspruch genommen. Bisher hatte England ein christlich-konservatives Scheidungsgesetz, ein lieberbleibsel des Mittelalters, das die liberale Regierung zu reformieren gedenkt. Chief-Rabbi Herr Dr. Adler lehnte in einem Gutachten das jüdische Scheidungsgesetz ab und forderte die Kommission auf, ein Gesetz zu schaffen, das diejenigen fremden Rabbis bestraft, die einen jüdischen Get ausstellen, bevor der Gerichtshof seinen Scheidungsspruch gefallt. Auf Befragen des Kommisfionspräfidenten, ob in den Ländern, wo der jüdische Get noch herrscht, die Juden moralisch Schaden nehmen, antwortete Herr Dr. Adler, daß die ungarischen Juden infolge des Get moralisch degeneriert seien. Die Aussage des Herrn Dr. Adler hat in vielen jüdischen Kreisen Englands und speziell im Eeast- End böses Blut gemacht. Eine leidenschaftliche Polemik in der englischen jüdischen Preffe war ihre Folge. Der Professor sür talmudisches Recht am Londoner Rabbinerseminar, Herr Dr. Samuel Daiches, trat mit einer Reihe talmudrechtlicher Aufsätze hervor, in welchem er Herrn Dr. Adler Jrrtümer nachweist. Andere traten noch schärfer auf. Natürlich hat auch Herr Dr. Adler Verteidiger gefunden. Jüngst hat auch der Oberrabbiner der sephardischen Gemeinde, Herr Dr. Moses Gaster, in die Diskussion eingegriffen zu Ungunsten des Herrn Oberrabbiner Dr. Adler, was natürlich kein geringes Aufsehen erregt. Diese Diskussion, eigentlich nur ein Gelehrtenstreit, hat sich auch zu einer Art Ost-Judenfrage potenziert, denn die ursprüngliche Frage ist verschoben worden. Es wird jetzt nur darüber diskutiert, wer Recht hat, der Ost-Jude mit seiner spezifisch-jüdischen Kultur oder der West-Jude, der im Kulturkreis seines westlichen Milieus lebt. Der Herr Obcrrabbiner hat nämlich während seiner Vernehmung den Ausdruck foreign rabbis (fremde, resp. ausländische Rabbiner) gebraucht. Daraufhin ist die Frage entstanden, was denn eigentlich der englische Rabbiner sei? Eine Berechnung in der Londoner jüdischen Preffe hat ergeben, daß alle Rabbiner in England, soweit sie keine „Ministers" (Gemeinde-Kleriker vom Synagvgendiener bis zum Prediger) find, vom Kontinent gekommen find, daß die englische Judenheit keinen einzigen Rabbiner hervorgebracht hat. Herr Dr. Adler selbst ist in Hannover geboren, Herr Dr. Gaster, Herr Rabbi Chaikin, Herr Dr. Schönfeld und wie die bedeutenden Gemeinderabbiner heißen, find ohne Ausnahme nicht in England geboren und erzogen. Die Mausrabbiner find alle russischen oder polnischen Ursprungs. Der jüngste Rabbiner, Herr Dr. Hochmann, ist ein Zögling des Berliner jüdischen Rabbinerseminars und ein deutscher Doktor. Alles, was die speziell englische Judenheit an jüdischer und hebräischer Gelehrsamkeit besitzt, ist entweder durch uns oder durch jüdische Rabbiner aus Deutschland vertreten. Es ist deshalb widersinnig und unrecht zugleich, von fremden und englischen Rabbinern zu sprechen und noch gar die „englischen" Rabbiner herauszustreichen und unsere Rabbis herunterzusetzen. _