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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-17 · 11 (17.3.1911) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 170 Dr. Mochs Wochmschrist. Nr. 11 verfügen kann. Mer die Kräfte seiner Verwalter und bisherigen Förderer werden zu schwach für die wachsenden Notwendigkeiten. Der immer schärfere Kampf ums Dasein druckt sich immer stärker in Krankheit und Not der Heranwachsenden Generation aus. Immer mehr arme jüdische Krüppel werden angemeldet und immer spärlicher fließen die Mittel zu. Das so hervorragende und notwendige Institut wird im Budget der Wohltätigkeit geradezu stiefmütterlich behandelt, wie bei der letzten am 11. März abgehaltenen Generalversammlung dieses Vereines vielfach geklagt wurde. Die Subvention vom Kultusvorstand ist eine minimale, bei den Tempelspenden wird es nicht berücksichtigt und auch die großen Wohltäter unter den Juden gedenken des Heims nur selten. Diese Verhältnisse sollen und müssen sich bessern. Gilt es doch, eine der ersten Pflichten der Humanität zu erfüllen und den vom Schicksal ganz Verlassenen, ganz Hilflosen die einziges Zufluchtsstätte zu erhalten, in welcher sie wenigstens vor der bitteren Sorge ums Dasein befreit sind. Möge daher jeder, der ein jüdisches Gemüt hat und Erbarmen mit der größten Not, sein Herz und ungesäumt seine Taschen öffnen für verkrüppelte Kinder in Laa bei Neulengbach, für ein Denkmal der jüdischen Nächstenliebe. Gerade für zarte, feinsinnige Liebe ist hier ein Bereich edelster und erlesenster Betätigung von unendlichem Segen und unendlicher Befriedigung.^ Die derzeitige Leitung des Vereines „Kinderheim" zur Gründung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte, rekonvaleszente und schwache Kinder jüdischer Konfession, sowie dessen Heim in Laa bei Neulengbach setzt sich gegenwärtig folgender Art zusammen: Kaiser!. Rat Dr. 8. Krüger, Präsident; Heinrich Egger, I. Vizepräsident; Emil K e 1 e t i, II. Vizepräsident; Louis Weiß, Schriftführer; Ignatz Frankl, Kassier. B u n z 1 Ludwig, Deutsch Jakob, E i ß 1 e r Robert, Eltbogen Hermann, F i s c h e 1 August, H a u d e k Max Dr., K a u d e r s Siegmund, Klein Ignaz, Mayer Albert, Reich Siegmund, Direktor, S a x 1 Maximilian, Dr., Stein Salomon, Waller Leopold, Weiß Fritz, Weiß Jacques, Generalkonsul, Vorstandsmitglieder. — Deutsch 8., Bak Ad., Revisoren; Neuda Leopold, Revisor- Ersatzmann. Vom Jahrmarkt des Lebens. Eine Zudem- und ZionistendMltte im türkischen Parlament. Am 1. März hat im türkischen Parlament eine Debatte siattgefunden, welche auch im Auslande allgemeine Aufmerksamkeit erregt hat. Mit Recht, es war die erste antisemitische Debatte im neuen Reich des Jungtürkentums. Die Oppositonsführer in der Türkei haben sich die parlamentarischen Kniffe einiger europäischer Parlamentarier angeeignet. umdemMinisterprästdentenbezw. dem Finanzminister unangenehm zu werden. Der gegenwärtige Großvezier Hakki Pascha, besten angeblicher Rücktritt erst wenige Tage zuvor gemeldet worden war, sowie der Finanzminister Djavid Bey (ein Dönme, Nachkomme jener zum Islam übergetretenen Anhänger Sabbätai Zewis, die rassenreine Juden sind) wurden von dem Redner der Opposition Ismail Hakki Bey sozusagen als „Judenknechte", als^heimliche Förderer des Zionismus angeklagt. Die Zionisten wollen ein jüdisches Reich aufrichten und der Redner fürchtet bereits einen Erfolg dieses Unternehmens. Die letzte türkische Anleihe sei ein Werk der Zionisten gewesen und durch die Bank National, welche Ernest Cassel aus London gegründet habe, hoffen die Zionisten die türkische Regierung allmählich in ihre Gewalt zu bekommen. . Der Großvezier Hakki Pascha antwortete dem Oppositionsredner. Er verteidigte den über allen Zweifel erhabenen Patriotismus der türkischen Juden sowie die der Türkei erwiesenen wertvollen Dienste einiger ausländischer Juden und erklärte, daß der Zionismus mit der Anleihe zunächst einmal gar nichts zu tun habe. Was aber dann die Befürchtungen Ismail Hakkis von der Gründung des jüdischen Reiches angeht, so erklärte der Großvezier (nach dem „Stamboul" vom 2. März): Un gouvernement ne 86 constitue pas ä Jerusalem et^en Palestina avec une poignee de charlatans.“ Eine *Handvoll Charlatane wird in Jerusalem oder in Palästina keine Regierung installieren" und.der Großvezier verstärkte den Gedanken Weiter, indem er diesen Zionismus als ganz bedeutungslos erklärte, zumal die Juden selbst nichts von ihm wissen wolltendiese Juden, die ein viel zu praktisches Volk seien, um einer solchen Chimäre nachzulaufen. Er fügte dann hinzu: „In einzelnen Ländern Europas werden die Juden verfolgt. Aus diesem Grunde sind sie gezwungen, nach Maßgabe ihrer natürlichen Vermehrung auszuwandern. Es ist bekannt, daß die reichen Israeliten sich mit der Kolonisation ihrer Glaubensgenossen beschäftigen. Die Hirsch und Rothschild haben für diese Zwecke ungeheure Summen ausgegeben. Sie haben sich bemüht, ihre Glaubensgenossen in solchen Ländern ansässig zu machen, wo es große unbebaute Territorien gibt. Ich glaube, sie haben in erster Linie Argentinien als geeignet für ihre Zwecke angesehen. Sie haben dort eine Anzahl Kolonien gegründet, bestehend aus Millionen von Emigranten (!) die aus Rußland und anderen Ländern ausgewandert waren. Sie haben auch an Palästina gedacht und sich dieserhalb an die Türkei gewandt. Dank der Erleichterungen, die unter der Regierung des Sultans Abdul Aziz der Niederlassung aller Einwanderer ohne Unterschied der Rasse und der Religion eingeräumt worden sind, kamen Emigranten aus Deutschland und andern Ländern, die sich in Palästina niederließen. Allein die Zulassung dieser fremden Emigranten, deren verschiedene Sitten und Lebensgewohnheiten mit denen der einheimischen Bevölkerung nicht harmonieren, mußte Schwierigkeiten erzeugen. Da die Einwanderer überdies ihre fremde Staatszugehörigkeit bewahren wollten, mußte man nach dem ruflisch-türkischen Kriege die Niederlaffung neuer Einwanderer verbieten, obgleich man die alten duldete. So blieben auch die Israeliten und die Deutschen, welche früher eingewandert waren, in Palästina. Es wurde dann die Einwanderungskommisston eingesetzt, die keine weitern Anstedlungen mehr erlaubt. Weiter erklärt der Minister, daß der von der Opposition konstruierte Zusammenhang zwischen dem Zionismus und Sir Ernest Cassel bei Gelegenheit der Anleiheverhandlungen nicht existiert. Sir Ernest Cassel, dessen Vorleben er nicht kenne, sei seines Wissens Anglikaner und nicht Jude. Der „rote Schein" wurde aufrecht erhalten. Er ist nichts anderes als eine Aufenthaltsbewilligung für 4 oder 6 Jahre. (!) Gegenwärtig, solange die Einwanderung nicht durch ein Gesetz geregelt ist, ist es natürlich, daß diese protuiorischen Maßregeln beibehalten werden. Schließlich wies der Ministerpräsident die verschiedenen Angriffe gegen jüdische Persönlichkeiten durch die Opposition zurück." Die „Welt" in Köln bemerkt: „Die Rede, die der Großvezier gehalten hat, hat wohl den zahllosen Gegnern des Zionismus einen guten Tag bereitet." Uns indeß will es scheinen, daß man in Köln die sogenannten „Gegner" des Zionismus nicht weniger unterschätzt als Hakki Pascha die zionistische Partei. Die europäische Judenheit wird vor allem mit großem Bedauern und tiefem Schmerze die Tatsache zur Kenntnis genommen haben, daß im türkischen Parlament der brutale, unwissende und grausame Judenhaß dieselbe Brutstätte gefunden^ wie in manchen europäischen Volksvertretungen. Die geringschätzigen Bemerkungen Hakki Paschas über die zionistische Partei darf aber nicht Wunder jnehmen. Der nächste Nachbar der Türkei ist nun einmal O esterreich-Ungarn, diese Reiche grenzen aneinander und unterhalten rege BHiehungein;; was aber in Wien als „zionistische Parteileitung" sich aufspieT

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