Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 172 Dr. Blochs WocheMM. Nr. U Em katholischer Bischof Wer das Judentum. Anläßlich der Jnthronisierung des neuen Bischofs von Speyer. Dr. Faulhaber, überbrachte auch der hiesige Synagogenausschuß die Glückwünsche der israelitischen Kultusgemeinde. Bei dieser Gelegenheit bedauerte der Bischof, daß seitens seiner Glaubensgenossen viel zu wenig Wert auf die Tatsache gelegt werde, daß das Christentum auf dem Boden des Judentums entstanden ist. . Mit besonderer Hochachtung sprach er von dem reichen- Schriftschahe der Juden, aus dem klar hervorgehe, daß die leider in unserer aufgeklärten Zeit immer noch auftretenden Anschuldigungen wegen Ritualmorde in das Gebiet der Märchen zu verweisen wären. In seiner Tätigkeit als Theologie-Professor in Straßburg habe er seine Kandidaten immer auf das Unsinnige solcher Anklagen hingewiesen. Auch über das Verwerfliche des Antisemitismus sprach sich der Bischof aus. Korrespondenzen Fortschrittlicher VürgerverM „Donauclub". (Sitz: Wien. II.. Praterstraße Nr. 8.) An die geehrten Herren Wähler des II. Bezirkes! Die Wählerlisten für die demnächst ftattfindenden Ergänzungswahlen des I., II. und III. Wahlkörpers für den II. Bezirk (Leopoldstadt) sind bereits an die Herren Wähler zur Versendung gelangt. Die Wählerliste liegt zur allgemeinen Einsicht im Lokale des Fortschrittlichen Vürgervereines „Donauclub". II.. Praterstraße 8 (Eafe Fetzer), auf. Diejenigen Wahlberechtigten, die keine Wählerliste zugesandt erhalten haben. Werden dringendst gebeten, sich behufs Reklamation ihres Wahlrechtes ehebaldigst im obengenannten Lokale zwischen V»2—3 Uhr mittags einzufinden, damit seitens des Wahlbureaus der fortschrittlichen Partei sofort die notwendige Reklamation durchgeführt werden kann. Es sind hiezu als Ausweise über das beanspruchte Wahlrecht Zuständigkeitsdekret, Heimatschein, Geburtsschein, Meldezettel und Steuerdokumente erforderlich. Da die Reklamationsfrist bereits am 24. dieses Monats endet, werden die Herren Wähler dringendst gebeten, etwaige Reklamationen sofort vornehmen zu lassen, da nach dieser Zeit jene, die nicht in der Wahlliste enthalten sind, das Wahlrecht unter keinen Umständen ausüben könnm. Es gelangen 5 Mandate aus dem ersten, 1 Mandat aus dem zweiten und 1 Mandat aus dem dritten Wahlkörper zur Besetzung. Wenn die fortschrittlichen Wähler ihre Pflicht tun und streng der Parole des Fortschrittlichen Bürgervereines „Donauclub" Folge leisten werden, ist an dem Siege der fortschrittlichen Sache nicht zu zweifeln. Wer dem Wahlkomitee des Fortschrittlichen Bürgervereines „Donau club" beitteten will, ist gern Willkommen. Anmeldungen nimmt der Obmann des Nominierungskomitees, Fabrikant Siegfried Lengsfplder, II., Obere Donaustraße 59, entgegen. Der Fortschrittliche Bürgerverein „Donauclub". < Die dieswöchenttichm Wahlen der Wiener Handelsangestellten. Für Sonntag den 19. März sind die Wiener Händelsangestellten beiderlei Geschlechtes, sofern sie dem Gremium angehören, also Mitglieder der Gremialkrankenkasse sind, berufen, ihre Vertreter in den Gehilfenausschuß und in die Leitung der Gremialkrankenkasse zu wählen. Da unter den nahezu 33.000 Wahlberechtigten ein ziemlich bedeutender Prozentsatz Juden zu finden ist, wir jüdische Angestellte also in dieser Gruppe eine Macht darstellen, die nicht übersehen werden kann, geziemt es sich wohl, in diesem, die Interessen des Judentums aller Schichtungen gewidmetenjSpalten zu diesen Wahlen vom speziellen Standpuntte der ungescheut zum Judentum sich bekennenden Angestellten Stellung zu nehmen. Zwei Parteien stehen sich, die Werbetrommel rührend und um das Verttauen der Angestellten werbend, in diesem Wahlkampf gegenüber, der besonders diesmal mit einer bei solchen Wahlen vorher niemals beobachteten Vehemenz geführt wird. Die sogenannten deutschnationalen Rassenantisemiten präsentieren uns zur Wahl als Gehilfenobmann den getauften galizischen Juden Mar Biedermann, eine bisher ganz unbekannte Größe, der seine wahre Stammeszugehörigkeit damit vergessen machen will, daß er in Beschimpfungen alles Jüdischen und der jüdischen Angestellten im besonderen seine scheinbar etwas rassereinen Heilobrüder nach Kräften zu überbieten sucht. Die sozialdemokratisch organisierten Angestellten treten wieder mit ihrem Führer Karl Pick als Kandidaten für das Mandat des Gehilfenobmannes auf den Plan, der gerade auch nicht darnach angetan ist, bei den von der sozialistischen Heilslehre noch nicht erfaßten jüdischen Angestellten übcrströmende Begeisterung zu erwecken, weil er es immer ängstlich vermieden hat, sich offen als Jude zu bekennen und so den Typus der in der Sozialdemokratie so üppig gedeihenden, ihre Religions- und Stammesangehörigkeit verleugnenden Juden darstellt. Das Naheliegendste für die jüdischen Ang:st^?m wäre es daher wohl, diese beiden obengekennzeichneten Parteien unter sich zu lassen und sich in ihr Duell überhaupt nicht zu mengen, wenn man sich, vom. Standpunkte der Angestellten betrachtet, nicht sagen müßte, daß der Gehilfenverttetung der kaufmännischen Angestellten eine für das Leben jedes Einzelnen nicht unerhebliche Bedeutung zukpmmt, daher .guch-wir.jüdische.Angestellte es nicht unterlassen dürfen, unseren bedeutenden Einfluß auf die Zusammensetzung der Gehilfenvertretung gellend zu machen. Uns darüber einmal klar geworden, müssen wir. da wir aus verschiedenen Gründen dermalen nicht in der Lage sind, Berufskollegen unserer Denkungsart in die Gehilfenvertretung zu entsenden, bestrebt sein, da wir nun einmal wählen wollen, von den zwei Uebeln das kleinere zu wählen. Da steht nun die Sache so: Ueberall, wo dies durch unser Hinzutun möglich ist, müssen wir verhindern, daß ein antisemitischer Maulheld, einer von der Gilde der Eott-Nimm-Verehrer, zu Aemtern und Würden gelangt, vermittels welcher er seine schädliche und verhetzende Minierarbeit erfolgreich beginnen könnte. Wir müssen in diesem speziellen Falle, wo wir die Macht dazu haben, bis auf den letzten Mann, verhindern, daß unsere, gedeihlicher, ruhiger, wirtschaftlicher Arbeit im Dienste der Angestellten geweihte Gehilfenverttetung ein Tummelplatz antisemitischer Beulepolitiker werde, die, einmal am Ruder, den jüdischen Angestellten 'so manchen wirtschaftlichen Schaden zufügen könnten und würden. Wir müssen aber auch, indem wir mithelfen, die antisemitische Pestbeule, vom, Gott sei Dank, noch gesunden Körper der Wiener Angestelltenschaft zu entfernen, dadurch gleichzeitig deutlich unseren Ekel vor einem Renegaten dokumentieren, der die Stirne hat, die Ehre des jüdischen Volkes und damit auch — was wohl das schändlichste ist — die Ehre seiner Ellern und Voreltern zu besudeln. Dadurch ist das kleinere Uebel von selbst gegeben. Es heißt: Karl Pick! Wir wollen gar nicht leugnen, daß sich die sozialdemokratische Gehilfenverttetung bisher ganz nennenswerte Verdienste um die Angestellten erworben hat: für uns aber kommt in erster Linie immer die Frage in Bettacht, ob sich der Mann, der um unsere Stimmen wirbt, wenn er Jude ist, auch offen als solcher bekennt. Dies ist nun — wie schon früher hervorgehoben -r bei Pick nicht der Fall. Und