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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-10 · 10 (10.3.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
10 (10.3.1911)
Date
1911-03-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 164 Nr. 10 Dr. «lochs Wochenschrift. nun durch einen Glücksfall oder kaufmännische Genialität reich geworden ist, hat jährlich ein Einkommen von drei bis vier Millionen. Jeder weih, daß dies in Berlin W nichts mehr außergewöhnlich Seltenes ist. Nun ist es interessant, was dieser reiche Jude mit dem Geld, das doch eine reale Macht ist, anfangen wird. Da ist so ein Jude aus Polen oder Posen oder irgend woher, ganz frei von germanischer Vergangenheit in Berlin zur Macht gelangt und hat nun die Fähigkeit, auf deutsche Verhältnisse in irgend einem engeren oder aveiteren Kreise bestimmenden Einfluß auszuüben. Man meint füglich, daß er trachten werde, seine Farbe, seine Gedankenwelt durchzusetzen. Was aber tut dieser Jude? Er mietet sich ein Barockpalais, kauft sich ein königliches Schloß, womöglich unter der Bedingung, daß es den Titel „Königliches Schloß" weiter führen darf. Dem Mann muß doch eigentlich unheimlich sein in dem königlichen Schloß. Jedes Barockornament müßte ihn doch daran erinnern, wie niederträchtig die Herren, die das Barockpalais erbaut haben, seine Väter und Großväter behandelt haben. Was für ein merkwürdiger Geschmack ist das, sich in eine Gegend hineinzusetzen, die der vollständige Ausdruck dessen ist. was die ärgsten Feinde des Judentums geschaffen haben. Genau so ist's mit der Geselligkeit. Wir haben keine moderne Form der Geselligkeit mehr. Nun kommt ein Jude, unbelastet von allen germanischen Traditionen, also geeignet, eine neue Geselligkeit zu schaffen. Was tut aber der Jude? In England nimmt er sich einen Butler, einen Kammerdiener, der die feinen Herren bedient, und wird nun, was sehr lustig wirkt, der ängstliche Diener seines Bedienten, von dem er alle Gewohnheiten der Aristokraten lernt. Diese reichen Juden leben nicht ihr eigenes Leben, sondern sind in lächerlichster Weise die Affen und Bedienten einer fremden Geselligkeit und fremder Lebensgewobnheiten. Ueberall finden sie diese E'fheinung. Auch in der Literatur. Wie ungeheuer tö'icht ist das geheimnisvolle Interesse, dir geheimnisvolle Sympathie, die jüdische Autoren für germanische Sagenkreise haben! Jeder von diesen Berliner modernen Juden macht ein verzücktes Gesicht, wenn er den Namen des Königs Artus hört. Warum? Er ist der König Artus für die Juden. Ich mißbillige diese Juden, aber psychologisch bewundere ich sie, ich bewundere das Gehirnkunststück, das sie zustande bringen. Ilm noch einmal vom Reichtum der Juden zu sprechen: Was machen die reichgewordenen Juden mit ihrem Geld? Sie sind Wohltäter, manchmal in großem Stil. Schön, prachtvoll. Sie bauen dem deutschen Kaiser Kriegsschiffe. Sehr schön. Aber warum? Wozu? Sie geben dem Kaiser das Geld, damit er auch eine Luftflotte machen kann. Nun sagt man ia, das menschliche Leben beruht auf Beziehungen und Gegenbeziehungen, und wenn ich als reicher Jude dem deutschen Kaiser das Leben so erleichtere, so muß er doch auch mir wohl einen Gefallen tun. Was aber tut er? Er läßt meinen Sohn nicht Offizier werden! Er sagt dem reichen Juden: „Ja. Sie sind ein famoser Mensch. Sie haben mir jetzt wieder anderthalb Millionen gegeben für eine Regatta" oder so. „Aber es tut mir leid. Ihr Sohn kann doch nicht Richter werden. Das geht nicht. Das feinere Rechtsgefühl fehlt euch." Der Jude, der anderthalb Millionen gegeben, steht da und läßt sich das vom Kaiser oder von einem hohen Beamten sagen, der ihm dabei jovial auf die Schulter klopft: Sie sind ja eigentlich gar kein Jude! Was sind das, frage ich, für Menschen, denen man kein höheres Lob sagen kann, als wenn man ihnen sagt: das, was sie sind, sind sie eigentlich nicht? Nun denken Sie sich die breite Masse des Volkes, die Durchschnittsintelligenz des deutschen, französischen, tschechischen Volkes, die solchen Erscheinungen gegenubersteht. Alle diese Völker in Europa bestehen ja nur aus zwei großen Parteim, alles andere sind kleine Differenzen. Es gibt nur zwei Parteien, die herrschende, feudale und die geknechtete, zur Freiheit strebende. Ueberall haben wir zwei Gruppen, die feudale, die an der Herrschaft festhalten will, und die liberale oder humanistische oder demokratische Gruppe, den anderen Teil der Menschheit, der empor will, der das alte Joch brechen will. Wie müssen sich nun diese beiden Parteien zu diesem Reformjudentum stellen. Glauben Sie, die alten feudalen Herren, die herrschende Klasse, können eine Freude haben an diesen konservativen feudalen Juden? Ich glaube nicht. Die bloße Existenz dieser feudalen Juden ist ja doch schon ein großes Fragezeichen. Denn mögen sich die Juden noch so sehr bemühen, feudale Formen anzunehmen, die feudale Welt wird sie immer von sich abwehren und abwehren müssen. Und der demokratische, der emporstrebende Teil der Menschen, der hat sich oft schon direkt für die Juden begeistert, so in der Zeit der Freiheitskriege von 1800 bis 1810, wo jeder freiheitlich gesinnte Mensch für das Judentum geradezu schwärmte. Und diese Begeisterung hatte ihre natürliche egoistische Begründung: Das bedrückte Bürgertum, der bedrückte Arbeiterstand sahen in den Juden ihre natürlichen Freunde gegen den gemeinsamen Feind. Nun ist es aber eine sehr merkwürdige Tatsache, daß die Juden, wie sie zu Geld kommen. auf die feudale Seite übergehen. Daher das tiefe Befremden unter den demokratischen Parteien, daher Klagen über die Unzuverlässigkeit der Juden. Für mich ist es aber noch etwas ganz anderes, was mich befremdet und was mir zugleich furchtbar leid tut: In diesem ungeheuren Kampf der Demokratie gegen die feudale Welt brauchen wir das Judentum und wenn die Juden sich als' Rasse, als Volkstum deklarieren würden, könnten sie eine Rolle in diesem Kampfe spielen wie keine andere Nation. Aus einem einfachen Grunde. Die Juden hätten es.nicht nötig, sentimental zu sein' im Kampfe gegen die feudale Welt. Denn wir Nicht-Juden tragen doch in unserem Innern die alten ererbten Wahnvorstellungen unserer Kindheit, wir müssen uns immer erst von der feudalen Welt, in deren Suggestion wir ausgewachsen sind, losmachen. Ich habe in London eine Versammlung der englischen Lords gesehen. Und wie ich die englischen Ladys und Peers in ihren Kostümen anläßlich einer Thronrede daherkommen sah, ergriff mich die Schönheit des Bildes so sehr, daß es mir fünf Minuten lang aufrichtig leid tat, daß diese so wunderschöne, ästhetisch so prachtvolle Welt zugrunde gehen soll. Das ist die verdammte Sentimentalität, die davon herrührt, daß wohl mein Urgroßvater ein Knecht gewesen ist, der sich vielleicht ganz wohl gefühlt hat, daß er Fürsten, dienen konnte. Irgend eine Welle ist in meinem Blut, die mir manchmal eine so sinnlose Ehrfurcht vor der Vergangenheit einflößt. Aber doch den Juden nicht! Die waren doch nicht in die Ideale der feudalen Welt eingeschlossen. Die waren doch in der Judengasse mit dem gelben Fleck! Und jetzt werden sie sentimental, wenn sie — ein Barckornament sehen! Wie prachtvoll könnten die Juden in der modernen Welt wirken, wenn sie, von diesem Mangel an Sentimentalität, von diesem Ballast an unnützer Ehrfurcht vor der Vergangenheit befreit, brutal in diese Welt hineingreifen würden und sagen würden: Eure Vergangenheit haben wir Gott sei Dank nicht mitgemacht, wir schätzen sie nicht, wir brauchen sie sie nicht, wir wollen vorwärts. Das ist das psychologische Problem für die Juden. Und das habe ich nicht zuerst erkannt und hätte es vielleicht nie gesehen, wenn mir nicht ein großes Glück im Leben widerfahren wäre. Ich rechne es nämlich zu den wirklich großen Glücksfällen meines Lebens, daß ich den größten Juden unserer Zeit von Jugend auf persönlich

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