Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 10 (10.3.1911)
- Date
- 1911-03-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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kl Cj£aL*’jU* '.'£i*i fTi1 ^L.< >v\ .ö&i£S^&lBK5äaRcS -•*■ *"■ 1«^ Seite 158 Dr. Blocks Wochenschrift. Nr. 10 und 60 weltlichen Mitgliedern, beriet über die Landesangelegenheiten. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Ieschiwahfrage gewidmet. Der orthodoxe Standpunkt: Tausend gehen ins Lehrhaus, einer nur ist zum Lehren berufen, macht aus der Jeschiwah keine R a b b i n e r bildungsanstalt, sondern eine Pflanzstätte der allgemeinen Thorakenntnis, die die Orthodorie als Kriterium des wahren Judentums betrachtet. Es ist ein Zeugnis hohen Idealismus, wenn noch heutzutage, in unserem materialistischen und dem Wirtschaftlich-Praktischen alles opfernden Zeitalter noch so viele junger Leute ihre beste Zeit dem Thorastudium widmen, mit der Aussicht, erst im zwanzigsten Lebensjahre Lehrlingsarbeit in seinem Berufe zu beginnen. Es wäre lächerlich, in Oberungarn, wo das Gros der Nichtjuden komplette Analphabeten sind, der dümmste Jude aber zumindest hebräisch versteht, und jiddisch schreibt und liest, höhere Bildung zu verbreiten und ein aussichtsloses gebildetes Proletariat zu züchten. Auch die Autonomiefrage wurde behandelt und billigte die Repräsentanz einstimmig die Haltung der Landeskanzlei. die von einer gemeinsamen Autonomie, als den Keim endlosen Kampfes in sich tragend, nichts wissen will, aber bereit ist, nach erwirkter zweiteiliger Autonomie in allen nichtreligiösen Fragen vereint mit der Neologie vorzugehen. — Es ist ein Zeichen der Zeit, daß zwei hervorragende Neologen: Hofrat Veszi und Doktor Weitzburg, der Sekretär der Pe st er Neologengemeinde, gegen die aussichtslosen llnifikationsbestrebungen der Neologen Stellung nehmen. — Hoffentlich kommt noch der Tag, wo die Neologen einsehen werden, daß es besser ist, in zwei Lagern autonom zu sein und sich dann in politischen und wirtschaftlichen Fragen zu vereinen, als dem Phantom einer einheitlichen Autonomie nachzujagen, die, als gegen deren Willen, der großen orthodoxen Majorität, absolut leicht zu erreichen ist. Die Zentralversammlung der Machsike Hadatz-Vereine forderte für die Religiosität sehr gute Resultate, da eine Zusammenfassung der Kräfte es ermöglicht, vielen religiösen Bedürfnissen zu genügen, die im Rahmen einzelner Gemeinden nur schwer und mit unverhältnismäßigen Kosten zu befriedigen sind. Die brennende Frage der Errichtung einer orthodoren Präparandie wurde nur in privaten Besprechungen erwogen, dürfte aber bald einer günstigen Lösung zugeführt werden. - m. Em jüdischer Richter des Obersten Gerichtshofes. . Wie das ungarische Amtsblatt meldet, hat der Kaiser den bekannten jüdischen Juristen Dr. Armin Fodor zum Richter an der königlich-ungarischen Kurie des Obersten Gerichtshofes in Ungarn ernannt. Diese Ernennung ist die allerhöchste Anerkennung der in unausgesetzter wissenschaftlich-juristischer Arbeit erworbenen Verdienste. Kurialrichter Dr. Fodor ist zu dieser hohen Auszeichnung, die sonst ergrauten Juristen noch als das erstrebenswerteste Ziel gilt, im Alter von 49 Jahren gelangt. Dr. Fodor ist der Sohn eines armen jüdischen Lehrers und hat selbst sein ganzes bisheriges Leben in bescheidener Zurückgezogenheit ausschließlich seiner Wissenschaft gewidmet. Der berühmte Jurist Ungarns, der verstorbene Justizminister Szilaghyi, ernannte ihn zum Bezirksunterrichter und betraute ihn mit den Vorarbeiten zu dem neuen bürgerlichen Gesetzentwürfe, an dem er bis zu dessen Gesetzwerdung im Vorjahre milarbeitete. Auch die Novelle zum Erekutionsgesetze ist sein Werk. Dr. Fodor wurde bei verschiedenen internationalen Kongressen im Auslande mit der Vertretung Ungarns betraut und seine fachwissenschaftlichen Werke bilden eine kleine Bibliothek der Jurisprudenz. Anläßlich der kirchenpolitischen Bewegung trat Dr. Fodor in zahlreichen wirkungsvollen Artikeln für die Rezeption der Juden ein. Die Lage der israelitischen Gememde-AngestelltM. Budapest. Eine Deputation der israel. Gemeinde- Angestellten überreichte dem Kultus- und Unterrichtsminister Grafen Johann Zichy ein Memorandum, sin welchem sie ihre Lage schildern und um die Regulierung ihrer Rechtsverhältnisse bitten. Im Memorandum wird ausgesührt, daß die Angestellten, in erster Reihe die Schächter und Vorbeter, der Willkür der Gemeindepräsidenten und der einflußreichen Gemeindemitglieder und auf der anderen Seite der Rabbiner aüsgesetzt sind und sehr häufig nichtiger oder kleinlicher Gründe wegen mit ihren Familien brotlos gemacht werden. Sie wünschen, datz der Schächter nach einjähriger Probezeit definitiv angestellt werde und nur nach dem für ihn ungünstigen Ergebnis einer Disziplinaruntersuchung entlassen werden könne: die Gemeinde möge verpflichtet werden, den Schächter und Vorbeter auf Pension und, für den Fall des Ablebens, auf das Dreifache der Jahresbezüge für die Hinterbliebenen zu versichern. Solange der Schächter durch die Disziplinarkommission endgiltig nicht verurteilt ist, sollen ihm seine Gagen und anderen Bezüge pünktlich ausgefolgt werden. Schließlich verlangen sie, daß behufs Regelung ihrer Lage, sowie der übrigen Angelegenheiten der .israelitischen Konfession eine Enquete einberufen werde. Rozsahegy. Die Rozsahegyer Chewra-Kadischa feierte am 27. Februar d. I. die 45. Jahreswende ihres Bestandes. Aus diesem Anlasse wurde eine Chewra-Sude arrangiert, an welcher fast sämtliche Mitglieder unserer Gemeinde teilnahmen. Präsident Herr Jakob Roth, dem anläßlich seiner Wiedergenesung eine herzliche Ovation dargebracht wurde, mellete in seiner Begrüßungsrede, daß Distrikts- und Schulstuhlprüfident Herr Doktor Bernhard Policzer, der im Interesse der Gemeinde und Chewra- Kadischa eine segensreiche Tätigkeit entfaltet, zufolge Unwohlseins an dem Feste nicht teilnehmen kann, und gab seiner Hoffnung Raum, daß derselbe bald wieder in bester Körper- und Geistesftische seine ersprießliche Tätigkeit den Gemeindeinstitutionen, namentlich der Schule und Chewra-Kadischa, widmen wird. Rabbiner Herr Emanuel Elsaß, Vizepräsident der Gemeinde Herr Dr. David Szilagyi und Herr Dr. Eduard Fischer sprachen mit vielem Beifall über d!e Bedeutung des Festes. Sekretär der Chewra-Kadischa Herr Adolf Kohn warf hierauf einen kurzen Ueberblick auf die Vergangenheit des Vereines, der anläßlich seiner Konstituierung nur 40 Mitglieder zählte. Gegenwärtig beziffern sich diese auf. 170. An der Leitung nehmen außer den Obgenannten noch regen Anteil Gemeinde- Präsident Herr Jakob Klein, die Herren Paul Horovitz, Hermann Teich und Rudolf Haase. Pozsony. Sonntag, den 26. Februar d. I., hielt Herr Rabbiner Dr. S. Funk in dem unter der Leitung Sr. Erzellenz des Grafen Geza Zichy stehenden Toldykör, auf Ersuchen des Präsidiums der wissenschaftlichen Sektion dieses Vereines, einen, wie die hiesigen Tagesblätter berichten, überaus interessanten Vortrag über das in Ungarn aktuelle Thema des Kinderschutzes. Vor 14 Tagen hatte in demselben Vereine der Referent der staatlichen Kinderschutzfrage. Ministerialrat Dr. Paul Ruft), einen Vortrag gehalten, in welchem er auf den Standpunkt des Evangeliums hinwies; währenddem Doktor Funk im Rahmen eines einstündigen, mit größter Aufmerksamkeit aufgenommenen Vortrages, den Beweis, an der Hand von Talmud- und Midraschstellen, liefert, daß das Judentum dir Kinderschutzfrage vom interkonfessionellen Standpunkt behandle. Der Vortragende bezeichnete als die Begründerin der Patronage jene Pharaonentochter, die den weinenden Knaben aus den Gewässern des Nils zieht, ihn aber nicht, was in ihrer Macht gelegen wäre, nach dem Pharaonenpalast bringt, um ihn in der Religion der Egypter gewalttätig zu erziehen, sondern sie liefert das Kind einer Jüdin aus, welche es erst, nachdem