Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 10 (10.3.1911)
- Date
- 1911-03-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Dr. BloKs MocheMM. Sette 159 es /herangewachsen, und die Liebe und Anhänglichkeit zur angestammten Konfession entfacht war, an den Hof des Pharao bringt, wo die große Königstochter es Mose - nennt, weil sie es aus dem Wasser gezogen. In diesem Namtzn liegt eine Lebenspflicht des jüdischen Volkes, indem'es zu allen Zeilen die Verlassenen und Bedrängten aus den Strömungen der Bedrückung herausgezogen, ohne Rücksicht auf Konfession und Nationalität der Bedrängten: und in diesem Lebensprogramm offenbart sich das, was wir unter mosaischem Bekenntnis verstehen, womit der Redner jene Richtung des staatlichen Kinderschuhes abwies, welche die Auslieferung Kinder verschiedener Konfessionen an eine bestimmte Konfession anstrebt. Primararzt Dr. Dobrovits, Präses der wissenschaftlichen Sektion, dankte im Namen des Publikums dem Redner für die genußreichen belehrenden Ausführungen. Die Judenverfolgung^ ju Rußland. Grauenvolle Szenen. , P o dwoloczysk a. Eine am 1. März, nachts, aus Rußland hier angekommene jüdische Familie berichtet von Greuelszenen, die sich im Gouvernement Tschernigow bei den neuerlichen Iudenausweisungen ereigneten. . Der Gouverneur, hat an alle Behörden die Weisung ergehen lassen, sämtliche Juden die weniger als zehn Jahre dort wohnen, unverzüglich auszuweisen: demgemäß gehen die Behörden mit rücksichtsloser Strenge vor. Kranke und Greise werden aufs Pflaster geworfen. In Tscheljabinsk bekam der Getreidehändler Kopalenski den Befehl, binnen 24 Stunden den Ort mit Weib und Kind zu verlassen. Da aber die Frau erst seit sechs Tagen Wöchnerin ist, bat er um einen Aufschub, wurde abgew'iesen, und nach 24 Stunden erschien die Polizei, um die Familie gewaltsam zu entfernen. Kopalenski wurde von einem Polizisten mit der Nagäika erschlagen, fein Diener durch einen Revolverschuß gelötet. Die Wöchnerin erlitt einen Ohnmachtsanfall und wurde in das Spital transportiert, wo sie an einer Lungenentzündung, die sie sich durch den Transport zuzog, starb. - Nach Meldungen aus Jassy in Rumänien treffen dort fast, mit jedem Zuge jüdische Flüchtlinge aus Bessarabien ein. Aus Mohilew wurden mehr als hundert jüdische Familien ausgewiesen. Dabei kam es zu einem blutigen Kampf zwischen den Polizisten und den ausgewiesenen Juden, wobei beiderseits Reoolverschüsse abgegeben und acht Personen tödlich verletzt wurden. Der Teil der jüdischen Bevölkerung, der die Mittel zur Reise hat, flüchtet, aus Furcht vor Pogromen, über die Grenze nach Rumänien. Der Vater des Schachmeisters Tartakower, ein bekannter Kaufmann in Rostow am Don, ist heute Nacht, wie uns ein Privattelegramm meldet, mit seiner Frau ermordet worden. Tartakower war österreichischer Staatsangehöriger. , Leeds. Von Dienstag, den 7. bis Donnerstag, den 9..März fand hier im großen Saale des Beth-Hamidrasch, Lower Brunswick Street, die erste Konferenz der orthodoxen Rabbiner in England statt. Das Programm für «die Verhandlungen enthielt folgende Punkte: 1. Wahl des Präsidiums, 2. Eröffnungsrede, 3. Festsetzung der Tagesordnung. Als erstes Referat war ein Vortrag des Herrn Rabbiner Hurwitz, Sunderland, über „Kindererziehung ustd' Förderung der Thoralehre" vorgesehen. Als zweiter Referentsprach Herr Rabbiner Bloch aus Birmingham über ,;Die Weihe der jüdischen Familie". Am zweiten Verhandlungstag sprach Herr Rabbiner Hellmann aus Glasgow über die Frage der „Ehescheidungen und Chaliza"< Herr Rabbiner Iaffe aus Manchester betitelte seinen Vortrag „Gegen die Assimilation". Das Referat über die „Hechscherim-Frage" übernahm Herr Rabbiner Hurwitz-Sunderland, über die Herstellung von Ritualien (Tefillin usw.) Herr Rabbiner Deiches aus Leeds. Am letzten Verhandlungstage referierte Herr Rabbiner Rabinowitz-Liverpool über „Die Sabbatheiligung" und als letzter Redner war Herr Rabbiner Schönfeld-London bestimmt, der über „Die Organisation der orthodoxen Rabbiner wie überhaupt der gesetzestreuen Iudenheit in England" sprach. Die Testamentsbr'stimmungen des Lord Swaythling. London. Aufsehen erregen die Testamentsbestimmungen des neulich verstorbenen Lord Swaythling, früheren Sir Samuel Montagu, der mit einer Nichte des verstorbenen Sir Moses Montefiore verheiratet gewesen ist. Er war Chef des Bankhauses Samuel Montagu & Comp, und 1907 zum Mitglied des Oberhauses ernannt worden. Lord Swaythling legt nicht nur allen seinen Erben die Bedingung auf, beim jüdischen Glauben zu bleiben und nur Personen jüdischen Glaubens zu heiraten, sondern trägt auch den Testamentserekutoren auf. seinen zwei Töchtern Marion und Lilian bis zu drei Vierteln ihres Anteils zu entziehen, wenn sie fortfahren sollten, das Reformjudentum, den sogenannten Liberal Iudaism, irgendwie direkt oder indirekt zu unterstützen. vermLscbtes. Wien. Der Zyklus der vom Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstalteten Vorträge aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur pro 1910/11, findet am Donnerstag, den 16. März, halb 8 Uhr abends, im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, mit einer Vorlesung deS Fräuleins L i a Rosen seinen Abschluß. Wien. („O esterreichisch-Jsraelitische Union.") Samstag den 11. d. M., ‘/28 Uhr abends, findet im Saale des „Hotel Guth", II, S t e f a n i e st r a ß e 14r ein Vortrag des Herrn Dr. Armin Abel es „Randglossen zur Estherrolle" statt. Auszeichnung eines tüchtigen, jüdischen Handwerkers. Gegenüber verschiedenen Nörglern in und außerhalb des Judentums, welche die tüchtigen Leistungen jüdischer Handwerksmeister anzweifeln, bereitet es uns Genugtuung, daß in dem antisemitischen Wien und in dem antisemitischen Zeitalter tüchtige, jüdische Handwerksmeister inmitten des brandenden Judenhasses Anerkennung und Auszeichnung finden — Anerkennung und Auszeichnung selbst in den Reihen der gegnerischen Partei. So hat die Genossenschaft der Anstreicher und Lackierer in Wien einstimmig beschlossen, Herrn Max W a ck l e r, k. k. Hofanstreichermeister, in Anerkennung seiner 25jährigen Berufstätigkeit ein Ehrendiplom zu widmen. Das künstlerisch ausgestattete Ehrendiplom wurde dieser Tage dem Ausgezeichneten durch die Herren Genofsenschaftsvorsteher in einer Festsitzung überreicht, indem sie ihm ihre besonderen Glückwünsche zu der wohlverdienten Auszeichnung ausdrückten. Wien. (Adelheid W e r t h e i m.) Dienstag den 7. d. M. wurde unter großer Beteiligung der Verwandten und Freunde Frau Adelheid Wertheim, Gattin des Schriftstellers Abraham W e r t h e i m, mit dem sie durch 42 Jahre in glücklichster Ehe lebte, im 64. Jahre ihres in Gott ergebenen Lebens zu Grabe getragen. Rabb. Dr. Armin A b e l e s schilderte in einem tiefempfundenen Nachrufe das Leben und Wirken dieser edlen, feinsinnigen Frau, die nur die Liebe zu ihrem Gatten und ihren Kindern l-bte. Unter den zahlreich erschienenen Trauergästen bemerkte man auch den greisen Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, der es sich nicht nehmen ließ, dieser guten, wahrhaft jüdischen Frau das letzte Geleite zu geben.