Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 10 (10.3.1911)
- Date
- 1911-03-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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IHtttvT-wr&V.'r*^iXax:+tt*m*Lr'iVZS!r34»^.jj--\ r«rjryj*?a...r'g w,.M ■ ».f».tgpi.« ^eite l6ö Dr. Blocks WocherrickM. Nr. 10 lavdeS nach Kulparkow, wo er am 30. Dezember 1902 und 16. April 1903 untersucht, mit Gutachten der zwei ärztlichen Sachverständigen Dr. Kohlberger und Dr. Kruszyuski auf Veranlassung des Bezirksgerichtes II Lemberg als geistig normal anerkannt und am 19. Mai 1903 in seine Heimatsgemeinde Wiznitz bei Bochnia in Galizien befördert wurde. Die Verhängung einer Kuratel wurde vom Bezirksgerichte Wiznitz abgelehnt, da die durchgeführten gerichtlichen Erhebungen ergaben, daß Hofstadter geistig normal war. Die Gemeinde wollte den völlig Substistenzlosen nicht behalten und Hofstädter führte nun ein Wanderleben in Oesterreich. Deutschland, Frankreich, stets im größten Elend lebend, w:e z. B. in Frankfurt a. M., wo er vom 9. bis 19. September 19,5 ohne Nahrung lag, bis die Frankfurter Polizei auf ihn aufmerksam gemacht wurde und er durch Dr. Deutsch vom Königswarter Spital Nahrung erhielt. Ebenso erging es ihm im Winter des Jahres 1906 in Wien. Il, Taborstratze 61, wo der städtische Armenarzt Dr. Sonek den Mann vor dem Verhungern rettete. Als er stch nicht zu belfen wußte, warf er am 9. Jänner 1907 von der II. Galerie des österreichischen Abgeordnetenhauses in Wien Flugzettel in den Saal, worin er seine Leidensgeschichte erzählte. Damals brachten die Wiener Blätter kurze Notizen, die Behörden wurden auf ihn aufmerkiam, der Wiener Advokat Dr. Ernst Weis, I., Hegelgaffe 19, führte die Wiederaufnahme des Verfahrens durch und mit Urteil des Kreisgerichtes Ragusa vom 12. Dezember 1908, Vr. 184/8—79 wurde das ungerechte Urteil aufgehoben und Hofstädter freigesprochen, nachdem schon früher am 9. März 1908 der I. Staatsanwalt Hofrat Lux interveniert und ihm eine Abschrift des ersten Urteils hatte zukommen laffen. Hofstädter verlangt nun eine Entschädigung für ungerechtfertigte Verurteilung, doch hat er bisher keinen Heller erhalten. Dafür hrt das Bezirksgericht Leopoldstadl I, in dessen Rayon er jetzt wohnt, es durchaesetzt. daß er unter Kuratel gestellt wurde, obwohl maßgebende Persönlichkeiten im Wiener Laudesgerichte sich gegen die Kuratel ausgesprochen hatten. Nachdem tzofstädrer am 4. Mai 1910 und am 24. November 1910 von Wiener Gerichtsärzten viele Stunden untersucht, ausgefragt und inqniriert worden war, wurde, was mit Rücksicht auf den Fall Odilon, Luise von Koburg rc. Niemanden wundern wird, die Kuratel über Hofstädter ausgesprochen, wahrscheinlich nur deshalb, um mit dem Manne, den man als lästigen Querulanten betrachtet, fertig zu werden. Seit Monaten lebt Hofstädter hier in Wien im größten Elend dhtte Mittel, ohne He.fer, ohne Unterstützung. Seit 4 Wochen sind Tee und trockenes Brot feine einzige Nahrung. Das Bezirksgericht Leopoldstadt in der Oberen Donaustraße, Abteilung I, das jetzige Kuratelgericht. scheint warten zu wollen, bis der Mann verhungert ist. und auch das Justizmiuisterium scheint denselben Zeitpunkt abzuwarten. Dieser Fall kann leicht eintreteu, wenn dem Manne, der jetzt 63 Jahre alt ist, nicht bald eine materielle Unterstützung zuteil wird. Vielleicht bewirken diese Zeilen, daß Spenden für den unglücklichen, bedauernsweitcn Mann einlangen und er in die Lage versetzt wird, sih einen wenn auch noch so armseligen Erwerb zu schaffen, bis die Entschädigung, die ihm gebührt und auch versprochen wurde, endlich gewährt wird. Dr. Fritz Tauber Wien, IX , Pramergffse 21, II. St., T. 82. Korrespondenzen Aus der Plenarsitzung des Kultnsvorftandes vom L. März 1911. Spenden: Von Herrn Theodor und Frau Adele Fische! zum Andenken an ihren verstorbenen Vater Siegwund L. Mandl zur Verteilung an würdige verschämte Arme.K 5000.— Von Herrn Anselm Markus s. A. zur Verteilung an Arme jüdischer Konfession. „ 1704.24 Von Frau Dr. Berta Bacher zur Errichtung euer Doktor ' Eduard Bacher'schen Kadisch-Widmung, 4°/gige österr. Kronen-Rente. „ 2000.— Von Sr. Exzllenz H rrn Gouverneur Dr. Rudolf Sieghai anläßlich des Ablebens seiner Gemahlin für die Wohltätigkeits-Einrichtungen der Kultusgemeinde . . . „ 1000.— Von Frau Therese Styaßny, geb. Boch s. A. ein Legat rur sofortigen Verteilung an Arme ... . . „ 500.— Vo r Herrn k. u. k. Oberstabsarzt Dr. Oswald Byk anl. des Ablebens seiner Gattin Amalie, geb. Lothringer für Arme .. „ 100.— 'Von Herrn Artbur G-ünhut zur Ve teilung an dürftige oder kranke Frauen.. 100.— Spenden imGemeindebethauseIL,Tempelgasse Nr. 3: Von den Herren: Rektor Dr. Adolf Schwarz X 10.—, Josts Singer 10.—, Julius Klein 100.—, Rabbiner Dr. Moses Rosenmann 16. Gustav Leichter 10.-, Philipp Kohn 10.—, Moriz Kahn 10.—. Im Präsidialberichte wird mitgeteilt, daß ein ungenannt sein wollender Wohltäter zum Zwecke der seinerzeitigen Errichtung eines Zubaues zum Kaiser Franz Joseph-Jubiläums- Knaben-Waisenhaus in Ergänzung' früherer Widmungen einen weiteren Betrag von K 50.000.—, und zwar K 20.000.-— in einer Lebensverficherungs- Polizze und K 30.000.— in Rentenobligationen bei der Kultusgemeinde erlegt habe. Dem Spender wird für diese neuerliche Bekundung seiner außerordentlichen Munifizenz der Dank votiert. Im Einlauf befinden fich weiters: Dankschreiben des Herrn Baron Louis von Rothschild namens seiner Geschwister für den zur Ehrung seines verstorbenen Vaters Herrn Baron Albert Freiherrn von Rothschild veranstalteten Trauergottesdienste. Dankschreiben der Frau Regine Koppstein für die Gratulation anläßlich der ihr zuteil gewordenen Allerhöchsten Auszeichnung. Dankschreiben der Kinder der verstorbenen Frau Rosa Zifferer für die Teilnahme anläßlich des Hinscheidens ihrer Mutter. Chewra Kadischa Fünfhaus. Die Trauerfeier für die verstorbenen Mitglieder des Vereines, welÄe alljährlich am 7. Adar stattfindet, hat am Montag den 6. März, abends 6 Uhr, im Fünfhauser Kultusgemeindetempel stattgesunde». Unter den Erschienenen bemerkte man den Kultusvorsteher Herr Emauuel Grünwald, den Obmannstellvertreter der Bezirkskommlss'onen XII bi; XV Herrn Anton Pick, Herrn Böiserat Solomon Beer, die beiden Söhne des sel. Herrn kais. Rates Wilhelm Pollak und den ge'ammten Vorstand der Chewra-Kadischa mit seinem Präses Herrn Heinrich Neufeld an der Spitze und viele Vertreter von verschiedenen humanitären Vereinen her Bezirke Xll bis XV. von den Damen Frau Dr. Margarethe Grunwald, Frau Laura Tauffig, die Frau des stl. Herrn kais. Rates Wilhelm P llak, Frau Berta Pollak, Frau Regiue Landeis und deren Tochter Frau Emma Fischler und v eie Vorstandsdamen versch ebener Wohltät'gkeitr Vereine. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Grunwald hielt eine dieser Andacht-entsprechende Ansprache, worin er des jüngst verstorbenen Freiherrn Albert v Rothschild gedachte und den Verlust, den die Gemeinde, wie auch die Chewra- Kadischa durch das Ableben der Vereinsmitglieder Kommerzialrat Gottlikb Tauffig, kais. W Ibrlm Pollak, Leopold Landeis, Doktor Siamund Bars, Adolf Grünspan erlitten, bervorbob. Herr 1. Kantor Schleifer hatte in gewohnter Wuse ergreifende Psalmen und für den sel. Herrn Albert Freiherrn v. Rothschild ein LU mols rnebawim vorgetragen. Mit dem Kadischgebete des Gesamtvorstandes für die verstorbenen Mitglieder schloß die Feier. , Abends fand das Brudermahl der Chewra-Kadischa Fünfhaus in den Sälen, XIV. Bezirk, Reindorfgaffe Nr. 3, unter dem Vorsitz des Vereinspräsidenten Heinrich N e u f e l d statt und nahm einen sehr würdigen und animierten Verlauf. Unter den Ehrengästen befanden sich: der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Kultusvorsteher und Vizepräsident der Chewra-Kadischa-Wien Herr Dr. Markus Spitzer, Kultusvorstrher Samuel Steiner; von dem Rabbinate waren erschienen außer dem zuständigen Gemeinderabbiner mit dem Sitze in Fünfhaus Dr. G r u n w a l d, die Rabbinen Doktor Bach, Dr. F e u ch t w a n g, Dr. B a u e r, von dem Beamtenkölp.r der Kultusgemeinde Sekretär Dr. A d l e r, Amtsleiter Freistadt rc. Der Erste Sekretär der Kultusgemeinde kais. Rat Dr. Lieben hat sein Fernbleiben schriftlich entschuldigt. Der Bereinspräsioent Dr. N e u f e l d begrüßte die Ehrengäste und die zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder mit einer herzlichen Ansprache. Nach dem dritten Gang erhob sich Präsident Dr. Alfred Stern und brachte den Kaisertoast aus. Die Rede des Präsidenten wurde von der Festversammlung stehend angehört, welche begeistert in das Hoch auf ben Kaiser einstimmte, worauf von der Musikkapelle die Volkshymne intoniert wurde. Rabbiner Dr. Grunwald toastierte auf das Wohl des verehrten Präsidenten Dr. Stern, welchem die Versammlung begeisterte Ovationen darbrachte. Kultusvertreter phil. et jur. Dr. Markus Spitzer feierte den ehrwürdigen Rabbiner Doktor Schmied!. Es sprachen ferner die Rabbiner Dr. Bach, Dr. Feuchtwang und Dr. Bauer (auf den durch Unwohlsein am Erscheinen verhinderten Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav Kohn), Kommerzialrat