Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 9 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Blochs Wochenschrift. Sette. 145 Nr. 9 sich zum Landmarschall zu begeben hat, um dort eine schleunige Aenderung der unhaltbaren Situation zu fordern. Ueberdies werden die galizischen Handelskammern ein gemeinsames Memorandum an den Landesausschuh unterbreiten, in welchem eine' gerechtere Aufteilung der Schenkerabgaben gefordert wird. Alliance Israelite Universelle. Der bisherige stellvertretende Präsident der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der A. I. U. Herr Iustizrat Mar Fuchs-Berlin ist zum Präsidenten, Herr Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Landau-Berlin und Herr Rabbiner Doktor Werner-München zu stellvertretenden Präsidenten der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft gewählt worden. Berlin. Am Mittwoch, den 22. Februar, hat in dem Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde. Rosenstraße 2/4, die Generalversammlung der Berliner Mitglieder der Alliance IsraEte Universelle stattgefunden. Der stellvertretende Vorsitzende des Berliner Lokalkomitees, Rabbiner Dr. Meiste, erstattete den Bericht. Er gedachte zunächst des schmerzlichen, fast unersetzlichen Verlustes, den das Lokalkomitee Berlin durch das am 7. September 1910 erfolgte Hinscheiden des Geschäftsführers der deutschen Konferenzgemeinschaft, Herrn M. A. Klausner erlitten hat. Die organisatorische Kraft Klausners, sein gediegenes, vielseitiges Wissen, seine nie versagende Hilfsbereitschaft, seine Beziehungen zu einer großen Anzahl leitender Staatsmänner, machten ihn, so führte der Vortragende aus, zu einem der fähigsten und geistvollsten Führer der Alliance in Deutschland, der dem Alliancewerk in unwandelbarer Liebe ergeben war. Die Amtsniederlegung des Herrn Geheimrats Goldberger bezeichnete er gls einen schweren Verlust für die Alliance Israelite Universelle. Herr Geheimrat Goldberger hat während her Dauer seiner Amtszeit in großzügiger und wirksamer Arbeit der Sache der A. I. U. unschätzbare Dienste geleistet und, im Verein mit Klausner, die Alliance in Deutschland zu hohem Aufschwung geführt. Nach der Amtsniederlegung des Herrn Geheimrats Timendorfer, der wegen Ueberbürdung in anderen Ehrenämtern die Präsidentschaft in der A. I. U. nur provisorisch inne hatte, übernahm der jetzige Präsident, Herr Iustizrat Mar Fuchs, die Leitung der Geschäfte. Ihm war es Vorbehalten, die Differenzen zwischen dem Zentralkomitee und der Deutschen Konferenzgemeinschaft beizulegen. Aus dem Bericht war ferner zu entnehmen: daß das Schulwerk der Alliance weiter Fortschritte gemacht hat, daß mehrere neue Schulen gegründet, daß die Alliance im Jahre 1910 für die von ihr in drei Erdteilen erhaltenen 150 Schulen über zwei Millionen Francs ausgegeben hat. Zu gunsten der persischen Juden, die durch die dort ausgebrochenen Unruhen schwer bedrängt waren, hat die Alliance mit Erfolg bei der persischen Regierung intervenieren lassen. Auch hat sie den unglücklichen Opfern des Aufstandes in Schiras eine gröbere Summe telegraphisch überwiesen. In den Städten des Orients und Afrikas, in denen die dort herrschende Choleraepidemie zahlreiche Opfer forderte, hat die Alliance mit ihren reichen Mitteln eingegriffen, und viel zur Linderung der Not beitragen. Die Generalversammlung nahm den Bericht mit Zustimmung und Anerkennung entgegen. Sie wählte die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder durch Äkklamation wieder. Gleichzeitig wurden vier neue Mitglieder per acclamationem in das Lokalkomitee gewählt. Dieses besteht jetzt aus den Herren dipl. Ing. Ludwig Adler. Professor Dr. Apt, Professor Dr. A. Baginsky, Mar Beer, Jlia Ber, Benno Braun. Siegfried Brunn, Kommerzienrat Alfred Cohn, Iustizrat Dzialoszinsky, Direktor Moritz Dorn, Rabbiner Dr. I. Eschelbach er, Heinrich Fraenkel, Sanitätsrat Dr. Fraenkel, Iustizrat Mar Fuchs, Stadtrat L. Ginkiewicz, Dr. Herbert Ginsberg. Dr. Mar Ginsberg, Rechtsanwalt Dr. A. Hantke, Gideon Heymann, Professor Dr. S. Kalischer. Geh. Medizinalrat Professor Dr. Landau, Dr. med. Eugen L e h - s eid. Rabbiner Dr. Emil Levy, Professor Dr. Mosse, Direktor Oskar Oliven, Louis Rosenbaum, Professor/Dr. Heinrich R o s in. Gustav S ach s, Rechtsanwalt Dr. balomon, Professor Dr. A. Silbergleit. Hermann Struck, Oskar T i e tz, Rabbiner Dr. S. M e i s s e, Dr. A. S. Yahuda. Grausame Judenvertreibungen in Rußland. Ueber die in der Presse kurz gemeldeten Iudenvertreibungen im Tschernigower Gouvernement wird noch aus Petersburg berichtet: Im ganzen Gouvernement werden die Juden aus den Dörfern. Kolonien und Fabriken vertrieben. Selbst in den Wäldern, wohin sich viele Juden geflüchtet haben, werden sie von der Polizei überfallen. Der Gouverneur lehnte es ab, die Juden, die sich an ihn mit Bittgesuchen wenden wollten, zu empfangen und hält die Bittsteller durch ein Polizeiaufgebot vom Gubernialgebäude fern. In vielen Dörfern hat die Polizei die Fenster und Türen aus den Iudenhäusern trotz der 30 Grad Kälte, die dort herrschte, ausgehängt, um sie auf diese Weise zu zwingen, je rascher das Dorf zu verlassen. Hierbei werden auch solche jüdische Familien nicht verschont, die schon Jahrzehnte lang in den betreffenden Dörfern wohnen. Petersburg. Der Hilfsverein der Deutschen Juden erhielt folgendes Telegramm: St. Petersburg, den 22. Februar, 11 Uhr abends. In der Duma wurde der Gesetzentwurf eingebracht, der die bestehenden Beschränkungen der Juden in der Wahl ihres Wohnortes und der Freizügigkeit von einem Orte nach einem anderen abschaffen soll. Der Gesetzesvorschlag, der von über 160 Deputierten unterzeichnet war, darunter von einer großen Anzahl rechtsstehender Deputierten, wurde von dem Kadettenführer Maklakoff in ausführlicher Rede begründet. Er sprach sich aus allgemein menschlichen und aus Staatsgründen für Aufhebung der nutzlosen Iudengesetzgebung aus, die nur dis Beamtenschaft und die russische Bevölkerung demoralisiere und die Millionen russischer Untertanen gegen Rußland aufbringe. Redner appelliert zum Schluß an das Gerechtigkeitsgefühl der russischen Volksvertretung und betont, daß eine Lösung der Iudenfrage in gerechtem Sinne einen Triumph des Gerechtigkeitsgefühls überhaupt bedeute. Von den Nationalisten beantragten die Abgeordneten Markoff und Tscherkastow die Ablehnung des Gesetzentwurfs ohne Ueberweisung an eine Kommission, indem sie unter den von der Rechten beliebten Ausfällen in niedrigster und gehässigster Weise gegen die jüdische Bevölkerung hetzten. Die in Rußland üblichen, von den Reaktionären stets angeführten Argumente, daß die Befreiung der Juden der anderen russischen Bevölkerung, insbesondere den großen russischen Bauernmassen Gefahr bringe, wurde, was besonders zu beachten ist, gerade von einigen Bauernvertretern der Arbeitsgruppe, den Oktobristen und den Parteilosen, als unbegründet zurückgewiesen. Ein den Oktobristen ungehöriger Bauernvertreter führte beispielsweise an. daß die Gouvernements mit jüdischer Bevölkerung nicht im geringsten ärmer seien, als Gouvernements mit nichtjüdischer Bevölkerung. Der parteilose Bauernabgeordnete Gulkin erklärte, wenn aus seinem Gouvernement. Bessarabien, die Juden ausgewiesen würden, würde der ganze Handel stocken und alle Bauern würden in schwere Abhängigkeit von den Großgrundbesitzern geraten. In ausführlicher warmer Rede trat der jüdische Abgeordnete Nisselowitsch für die Annahme des Entwur-