Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 9 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 144 Nr. 9 De. Blochs WochenWM. Albert Freiherr v. Rothschild. Im Stadttempel in der Seitenstettengasse hielt am 23. v. M.,'abends halb 7 Uhr, der Vorstand der israelitischen Kultusgemeiude eine Gedächtnisfeier für den am 11. v. M. verblichenen Freiherrn Albert v. R o t h s ch i l d ab. Der Trauerfeier wohnten die Söhne des Verblichen ea, die Freiherrn Alfons, Louis und Eugen v. Rothschild bei. Außerdem waren erschienen: Der Präsident der Kultusgemeinde Doltor Alfred S t e r n, Vizepräsident Dr. Gustav K o h n mit allen Mitgliedern des Kultusvorstandes und des Bethausvorstandes, sowie die^Sekrctäre kaiserlicher Rat Dr. Lieben und Dr. Adler, ferner Vizegouverneur der Bodenkr^ditanstalt Herz, Baronin Charlotte Königswarte r, David R. von G u t m a n n , vom Bankhaus S. M. v. Rothschild Einzelprokurist Blum, die Prokuristen Kantor und Dr. P o l l a k, sowie Sekretär Bettelheim, der ehemalige Erzieher der Söhne Dr. R e t t y. ferner Dr. D. H. Müller, Hofrat Dr. A. Pollitzer, Regierungsrat Dr. Schlag. Dr. Edm. K o h n als Vertreter der Humanitären Vereine „B'ne Brüh", die Rabbiner Dr. Schmieds, Dr. Gelbhaus, Doktor Rosenmann, Dr. Funk, Dr. Reich, Dr. K a m i n k a, P a p o, Kustos Dr. Frankfurter, Verwalter Doktor K o r a n y i, Religionsinspektor Professor K a n i tz, Inspektor Langfelder, die Gemeinderäte Dr. Hein, N e u st a d t l, Dr. Schwarz-Hiller und Stein, Dr. Adolf Stein, Dr. Hans v. M a u t h n e r, Hermann Ritter v. G o l ds ch m i d t, Bavkdirektor K u r a n d a. kais. Rat Lichtenstadt, kais. Rat Steinhübl, Dr. Friedeberger, Direktor des israel. Taubflummeninstituts, die Oberkantoren kais. Rat Singer, Bauer und S ch o r r, die Obmänner der Tempelvereine Adolf H o f m a u u (4. und 5. Bezirk) und Hermann Beck (8. Bezirk), Armenamtsvorstand Josef I e l l i n e k, für de« Vorstand des Israelitischen Frauenvereines „Greisinnenfürforge" (Hausarme): Die Vizepräsidentin Frau Sophie Deiches und die Borstandsdamen Rosa W i e s n e r und Frau Dr. Anselm H a l p e r n, sowie Abordnungen zahlreicher humanitärer Vereine, sowie zahlreiche Andächtige. Eröffnet wurde die Trauerfeier mit dem Vortrage des vom Professor S. S u l z e r komponierten Psalmes, den Oberkantor Fuchs, begleitet vom verstärkten Chor unter Leitung Professor Josef Sulzer's vortrug. Dann hielt der Oberrabbiner Doktor Güdemann die Gedenkrede. Hofrat Prof. Dr. Gustav v. Braun. Im hohen Alter von 82 Iahren ist Gustav v. Braun, einer der noch überlebenden Grützen der alten Wiener medizinischen Schule, gestorben. 2m Jahre 1829 zu Zistersdorf in Niederösterreich geboren, studierte er in Prag und Wien. Vom Jahre 1873 bis zu seinem 71. Lebensjahre wirkte er als Vorstand der Hebammenklrnik im Allgemeinen Krankenhause und auch nach seinem Rücktritt vom Lehramte noch viele Jahre als eifriges Mitglied des Obersten Sanitätsrates. Seine Klientel in den hohen und höchsten Kreisen der Wiener Gesellschaft hinderte den edeldenkenden und humanen Arzt nicht, sein segensreiches Wirken auch bei den ärmsten und niedersten auf das gewissenhafteste zu betätigen. Er war ein Mann von seltener Ruhe und Milde, das Prototyp eines edlen und guten Menschen, von seltenster Arbeitskraft, und zeichnete sich trotz seines hohen Wissens und seiner hervorragenden sozialen Stellung durch eine geradezu schlichte Bescheidenheit aus. Herr Hofrat Braun zählte zu den „Frommen der Völker", denen nach dem Talmud die ewige Seligkeit gesichert ist. Jüdische Kranke haben ihm zahlreiche Wohltaten zu danken. So möge denn auch in diesen den spezifisch jüdischen Interessen gewidmeten Blättern seines Hinscheidens in Wehmut und in Dankbarkeit gedacht werden. Die Entrechtung der Schenker. Gorlice. Als Beispiel himmelschreienden Unrechtes, das uns im Gorlicer Bezirk seitens der matzgebenden Faktoren zugefügt wurde, dienen folgende Fakten: a) In der Stadt Gorlice existierten mit Ende 1910 37 Propinationsschänken. Der Gemeinderat hat auf Anfrage der Vezirkshauptmannschaft in zweimaligem, einstimmigen Votum beschlossen, datz sowohl die bisherige Zahl der Schenker, als auch dieselben Schenker zu erhalten sind. Die Statthalterei hat für Gorlice blotz 15 Schenken bestimmt. Erteilt wurden aber darunter: 7 Schankrechte, 1 Bierschankrecht und 1 Verschleitzrecht an ganz nene,bisherindiesem Berufe gar nicht gewesene, meistens gut situierte Bewerber. Unter diesen Bewerbern fanden sich : 1 Fabrikant und Realitätenbesitzer, 1 Realitätenbesitzer, Schweinehändler, Selcherei und Spezereiwarenhandlung-Inhaber, die Frau eines Steuer-Abteilungs- Unterbeamten und Realitätenbesitzer, ferner ein kinderloser Fabriksaufseher und Realitätsbesitzer usw. Unter diesen Bewerbern sind zwei, die auch jetzt nicht einmal das Schankrecht selbst ausüben, sondern es für fettes Geld an gewesene Schenker verpachten. b) Im nahegelegenen Glinik moriampolski wurde dem bisherigen Schenker, der zirka 70 Iahre alt ist ünd selbst zirka 50 Jahre nach seinem Vater und Grotzvater das Schankrecht ausübte und hievon autzer seiner Familie noch zwei kranke grotzjährige Söhne sowie Waisen von zwei verstorbenen Kindern zu erhalten hatte, und für den sich sowohl die Gemeinde als auch die Schenkerkvrporation aussprach, die Konzession verweigert und an dessen Stelle an eine bisher in einem anderen Bezirke wohnende, hier ganz unbekannte Person, in einem unentsprechenden Lokale erteilt, c) Im benachbarten Siary existierten bis nun zwei Schenker, nämlich eine Witwe und ein sehr schwerkranker, inzwischen verstorbener Mann, beide mit vielen Kindern. Aber die Schankkonzession wurde einem reichen Bauern, der, nebenbei gesagt, Mitglied des Bezirksrates ist, erteilt, der das Gewerbe nicht selber ausübt, sondern das Recht der armen, entrechteten Witwe für gutes Geld verpachtete. Diese drei Beispiele dienen zur Genüge, wie hier mit der Erteilung und Verweigerung der Schenkerkonzessionen vorgegangen wurde. Die Unzufriedenheit der „begünstigten" Schenker. Während so viele Tausende jüdischer Schenker alle Mittel in Bewegung setzten, eine Konzession zu erlangen, befinden sich die glücklicher Begünstigten in einer nicht geringeren Erregung als ihre leer ausgegangenen Berufsgenossen. Sie haben wohl Konzessionen erhallen, aber sie sind für sie nutzlos, da sie mit solchen Abgaben verbunden sind, datz es fast besser wäre, sie nicht zu besitzen. Die zahllosen Klagen der bereits konzessionierten Schenker haben die Lemberger Handelskammer auf Antrag des Kammerrats Edmund Rauch- Stanislau veranlatzt, in dieser Angelegenheit eine Konferenz einzuberufen, die auch vor einigen Tagen in Lemberg stattgefunden hat. An der Konferenz nahmen teil: Präsident der Lemberger Handelskammer Samuel von Horowitz, Vizepräsident Bätschewski, die Kammerräte Rauch und Rutzmann, die Krakauer Handelskammer durch den Kammerrat Schwanenfeld und Vizesekretär Dr. B e r e s und die Vrodyer Kämmer durch Herrn Kapelusz vertreten. Ueberdies nahmen auch mehrere Abgeordnete an der Konferenz teil. In der Beratung haben sämtliche Anwesende die Notwendigkeit einer Aenderung der Verhältnisse unerkannt. Schlietzlich wurde beschlossen, datz die von den Handelskammern gewählten Landtagsabgeordneten eine Deputation aller städtischen Abgeordneten organisieren, die