Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 9 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Dr. Bkochs WocheiMM. Sette 148 schoß und sich dadurch den Haß der hervorragendsten Kabbalisten zugezogen hatte. So erzählt er in der genannten Schrift, wie er in Gefahr war, von I. Saruk einmal beinahe tätlich insultiert zu werden, indem ihm dieser gelegentlich eines Disputs über einen Ausspruch des Rabbi Me'ir ein Brot an den Kopf werfen wollte. Wenn Leon Modena^) trotz alledem sich dazu verstanden hat, ein Poem für den kleinen Versöhnungstag zu schreiben, so ist das nur vom Gesichtspunkte seiner eigenartigen Doppelnatur erklärlich, welche ihn die.Kabbalah aufs heftigste bekämpfen, zugleich aber auch mystischen Schwärmereien und kabbalistischen Träumereien erliegen ließ. Vielleicht auch fühlte sich sein leicht erregbares Gemüt von der neuen Einrichtung des kleinen Versöhnungstages besonders angezogen. Daß sein Pizmon aber von kabbalistischer Seite gutgeheißen und in das Gebetritual ausgenommen wurde, beweist jedenfalls, daß Leon Modena zu jenen Männern gehört, auf welche das Lieblingswort Caligulas, oäeriut dum metuant — anwendbar ist. Dem aber sei wie nur .wolle, unbestreitbar ist die Tatsache, daß niemand kabbalistischer gedacht und gefühlt als der geniale Rabbiner und Kartenspieler von Venedig in jenen Stunden, da ihm die Muse den genannten Pizmon in die Feder gezaubert, worin die kabbalistische Theorie des kleinen Versöhnungstages einen geradezu klassischen Ausdruck gefunden^). Der Pizmon, dessen Sprache bei aller Klarheit nicht frei von paitanischer Künstelei ist, zerfällt in fünf Strophen, deren Versmaß nach dem Schema —w /-/--/-/-/gebildet ist. Die erste Strophe besteht aus zwei, die übrigen aus drei Zweizeilern die untereinander reimen. Außerdem wird das letzte Wort der ersten Strophe als Durchgangsreim mit dem Schlußwort einer jeden Strophe benützt. Anstatt ->u in der letzten Strophe wird auf Gruud glaubwürdiger Zeugen mit Baer ■otk-i mn zu lesen sein, wodurch nicht nur das Versmaß hergestellt, sondern auch die freilich auch chronologisch unhaltbare Annahme, wonach nu eine Anspielung auf Sabbatai Zewi enthielte^), aus der Welt geschafft erscheint. Wenn der Neumond auf einen Sabbat fällt und der kleine Versöhnungstag Donnerstag abgehalten wird, soll nach N. M. Hanover* * 3 4"), da in solchem Fall von rr'V'v nicht gesprochen werden kann, statt ** W222 Wöa gelesen werden 41). Die nächstfolgenden drei Stücke find der Liturgie des Versöhnungstages entnommen, die zwei ersten aus dem deutschen, das letzte aus dem römischen Ritus4-). Ueber Verfasser, Form und Inhalt dieser Stücke ist in den einschlägigen Werken von Zunz, Luzatto, Landshut alles Wissenswerte enthalten und eine Wiederholung überflüssig. Das folgende Stück' pyn ba ktk gehört ebenfalls der Liturgie des Versöhnungstages an. Im deutschen Machsor findet es mit einigen Varianten als Epilog der Abodah seine Stelle, während sein Ursprung im spanischen Ritus zu suchen ist, wo es auch für die zehn Bußtage benützt wird. Von hier kamen zwei Relationen in das deutsche Machsor, von welchem die eine, die des kleinen Versöhnungstages, dem ursprünglichen Text nahekommt, während die zweite, die des Versöhnungstages durch Drucker und Abschreiber ziemlich korrumpiert erscheint. Um nur ein Beispiel anzuführen, ist das sinnlose -psb ppsu® rtö min aus dem Versöhnungstag des deutschen Machsor, durch “f? lipm* tr^n des spanischen zu korrigieren, wobei v'-nn auf Grund I. B. M. 49, 26, von Via zu trennen und durch „unser Vater" zu übersetzen ist, während es von dem Abschreiber mißverständlich als Verbum „lehre uns" aufgefaßt wurde4^. 37) Ari Noham, Kap. 26. Libowitz, Leo Modena, Wien 1905. 38) In dem Pizmon sind die beiden kabbalistischen Hauptmomente des kl. Versöhnungstages enthalten, er beginnt mit ni' D-p'v und schließt mit der Bitte um Wiederausrichtung des Tempels und die baldige Ankunft des Messias. Nach Geiger a. a. O. hätte der Pizmon die Aufnahme ins Ritual vorzüglich diesem Umstande zu verdanken. 3») Der Zahlenwert von vvtti i» ist gleich dem von '2L vov 40) jvit 'iprv Lemberg 1860. 40 Josef Jospa, der Verfafler des sjev M2 JiTO scheint diese Leseart noch nicht gekannt zu haben, vielmehr soll nach seiner Ansicht der kleine Versöhnungstag in solchem Falle überhaupt entfallen. 43) Landshut, a. a. O., S. 55. Römisches Machsor 1856. **) Abudraham, Abschn. Versöhnungstag, und Oppenheim, im Hanescher, -III., S. 114. Das Stück ist nach P^n gebildet, das zu den ältesten Formen der Abodah gehört.44) Ebenso ist das den poetischen Teil unseres Gebetrituals abschließende Widui des Rabenu Niffim der Liturgie des Versöhnungstages entnommen. Wie Rappaport") überzeugend nachgewiesen, bildet es einen Teil der Gebetordnung, die Niffim, gleich seinen Lehrern und Kollegen Hai, Saadja, Chananel, für die Festtage verfaßt haben dürfte. Aus einem solchen -na von Niffim sei das uns vorliegende entnommen, welches in manchen Teilen mit dem von Saadja übereinstimmt, von dem Niffim durch die Vermittlung von Hai vieles ausgenommen hat.4") Im Machsor Algier, Tunis und manchen spanischen Riten erscheint das Widui im Schacharith des Versöhnungstages, von wo es in das Gebeiritual des kleinen Versöhnungstages übernommen wurde, freilich nicht, ohne daß bei solcher Uebernahme der ursprüngliche Text mannigfache Schäden erlitten. So zum Beispiel ist im dritten Absatz -p'jttn1? vb das sinnstörende *6 zu streichen, anstatt L''v^>n2 2*?22 zu lesen. Der mit Tiwn beginnende Schlußpaffus fehlt im spanischen Machsor, auch wir würden ihm keine Träne nachweinen. Ec erweist sich bei näherer Betrachtung als willkürlicher, in den Zusammenhang nicht passender Zusatz, wogegen das sp mische Machsor einen schönen und des R. Nissim würdigen Abschluß dieses Absatzes zeigt.4?) In manchen Ausgaben findet sich nach dem Eröffnungspsalm 102, die Akedah pan '">22 r>y von Jchudah ben Samuel,4") ebenso hinter 2'su einige Techinnoth, von welchen die des I. Nagara besonders hervorgehoben zu werden verdient. Nicht bloß wegen ihrer poetischen Schönheit, sondern vielmehr weil Nagara, wiewohl gleich Modena, einer der bestgehaßten Gegner der Kabbala, an dem Zustandekommen dieser Einrichtung geistig mitgeholfen hat.4'4 Freilich, seine Techinnah hält sich frei von jeglicher Mystik, sie behandelt den kleinen Versöhnungstag lediglich als >1122 I&T, während das kabbalistische Moment von rn' v'p-2. ganz unberücksichtigt bleibt?") In manchen Gemeinden erscheint das Gebetritual durch 122*72-8 abgeschloffen?4) Der kleine Versöhnungstag ist aus dem Rahmen einer privaten Veranstaltung allmälig herausgewachsen und zu einem allgemeinen, öffentlichen Bußtag geworden. Davon zeugt z. B. die Verordnung, wonach, wenn der kleine Versöhnungstag auf einen Sabbat fällt, an dem vorhergehenden Donnerstag zu fasten fei.52) Wie jedoch die meisten kabbalistischen Einrichtungen, hat auch diese vielfachen Widerspruch hervorgerufen und es ist ihr trotz der eifrigsten Propaganda nur in einigen wenigen Ländern gelungen, sich das Heimatsrecht zu erwerben. Korrespondenzen Lord Rothschild für die Ostjuden in London. In der Jahresversammlung der 4°o Jndustrie-Wyhnungs-Gesellschaft, deren Vorsitz er führte, führte Lord Rothschild den Nachweis, daß die 800 jüdischen Mieter — unter 842 Mietern - der Gesellschaft fast ausnahmslos pünktlich ihre Miete zahlen. Es sei das der beste Beweis gegen die Verleumdungen gewisser Zeitungen, die da behaupten, die Ehrlichkeit der Juden des Londoner Ostends sei nicht beglaubigt. 44) Elbogen, Studien r. Gesch d. jüd. Gottesd. S. 64. 45) Bikture Halttim, Biographie Nissims. 48) Landshut a. a. O. S. 381. 47) Abudraham, a. a. O. Oppenheimer a. a. O. 40 p'3t njNP ed. Prag 1868, in der Wiener und Lemberger Ausgabe ist sie nicht zu finden. 49) Vital Calabrese äußert sich über ihn: -ert va n'ön *2 -row . . . .-1*722 vgl. Graetz, Gesch. d. I. IX, 406. 50) *78*1»' rvn'öT, Venedig. ") Baer, Abodath Israel, Roedelheim 1868. b») I. Sukes v->n r>'2 zu Or. Chajim 687.