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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-03 · 9 (3.3.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
9 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 142 Dr. Blbchs WocheMM. Nr. s Von allergrößter Wichtigkeit für die Gesundheit ist aber die Untersuchung der Hauptorgane im Tiere, namentlich der Lunge. Man lese, was der französische Arzt Dr. Guenen de Mussy darüber geschrieben. „Welch außerordentliches Vorherwissen," ruft dieser aus. „Die Kontagiofität der Tuberkulöse ist erst seit kurzer Zeit dargetan; die Uebertragbarkeit dieser Krankheit wird noch nicht von Allen zugegeben — und siehe da, das jüdische Gesetz, der modernen Wissenschaft um Jahrtausende voraneilend, enthält in seinen Vorschriften diese prophylaktischen Maßregeln gegen die Tuberkulose. Denn wenn auch das Anpicken der Lunge an den Seitenwänden von anderen Ursachen herrühren kann, so ist doch die Tuberkulose die häufigste Ursache. *) Die Uebertragbarkeit von Krankheit, besonders solcher, die einen epidemischen Charakter haben, von dem Tiere, speziell von Schweinen auf Menschen wird auch an' anderer Stelle klar ausgesprochen; -) nur standen ihnen keine Mittel zur Verfügung, mit welchen sie solche Seuchen hätten bekämpfen können. Nur bei Nahrungsmittel konnten sie eingreifen, nur bei dem, was zum Munde eingeht. Wie weit sie gingen und von welch richtigen Ansichten sie sich bei ihren hygienischen Verfügungen leiten ließen, geht — um noch eine Einzelheit hervorzuheben — aus dem Umstande hervor, daß sie auch den Genuß des Fleisches von einem vergifteten Tiere untersagten, eine Verordnung, welche auch von den anderen modernen Fachmännern als richtig erkannt wird 8). Nach alldem wird der Franzose Leroy-Beaulieu4) vielleicht nicht so ganz unrecht haben, wenn er die sozial-hygienische Bedeutung dieses Teiles des jüdischen Gesetzes mit den Worten hervorhebt: Wenn unsere Schlachthäuser unter der Ueberwachung eines jüdischen Schächters stehen würden, so würde zweifellos die Zahl der Erkrankungsfälle verringert und die mittlere Lebensdauer verlängert werden. Der kleine Uersohnurrgstag. Eine liturgische Studie von Dr. Armin Abeles-Wien. (Schluß.) Der Name Jßp tbs m' taucht zum erstenmal bei M. Cordovero auf. Nach Angabe glaubwürdiger Zeugen 28) war er es, der diese Bezeichnung erdacht und auf den Fasttag vor dem Neumondfest angewendet hatte. Bon da ab wird sie zu einer stehenden in der Liturgie und deren Literatur, zuvörderst in Italien, wohin sie vermutlich durch Cordovero selbst oder seinen Jünger I. Saruk gebracht wurde. Zweifellos wurde in Italien auch das Gebetritual für den kleinen Versöhnungstag verfaßt, wiewohl über den Namen des Verfassers und die näheren Umstände der Zusammenstellung bis ans den heutigen Tag keine Klarheit geschaffen ist. Geiger, und nach ihm Brüll29) bezeichnen Leon Modena als den Ordner des Gebetrituals, beide jedoch sind den Beweis, welcher bei der ablehnenden Haltung Modenas gegen Kabbalah und Kabbalisten 80) nicht leicht zu erbringen ist, schuldig geblieben. Viel größere Wahrscheinlichkeit hat die, so viel ich sehe, hier zum erstenmal ausgesprochene Vermutung, wonach der Ursprung des genannten Rituals in einem jener Bet- und Bußvereine zu suchen sei, die im 16. und 17. 1) Zitiert von Nossig. Die Sozialhygiene der Juden. S. 86. 2) Taanith 21 b. Die Uebertragung von Schweinen auf Menschen soll wegen der ähnlichen Beschaffenheit der Därme mehr zu befürchten sein, als Lei anderen Tiergattungen. Vgl. hiezu Müller. Die Anatomie der Haussäugetiere. Wien 1885, 8. 324. Nachdem der Darm (beim Schweine) wieder beim Blinddarm angekommen ist, wird er plötzlich enger, jjeht dann, wie beim Menschen, rechts nach vorne bis zum Magen und zum linken Lappen der Bauchspeicheldrüse. 3) Chullin 58 b. Vgl. dazu Gerlach. Die Fleischkost der Menschen, Berlin 1875, 8. 82, der ganz derselben Ansicht ist, insbesondere, wenn der Tod durch ein starkes Gift erfolgt ist, welches schon in kleinen Dosen bei den Menschen pathogenetisch wirkt. *) Jsrael chez les nations, p. 186. Nossig. Ebendas. 8. 87. 28) Silvia zu Or. Chaim 417. Horwitz rS"V S. 120. 29) Ben Chananjah X 379. so) Vgl. die späteren Ausführungen. Jahrhundert im nördlichen Italien wie Pilze aus dem Boden schaffen. Wir besitzen Kenntnis von der Existenz eines Vereines, der in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts durch Fano, Norzi und Salam in Venedig eigens zu dem Zweck gegründet wurde, für die Einrichtung des kleinen Versöhnungstags Propaganda zu machen. Das von Moses Zakut verfaßte Vinn me»ö -no dieses Vereines zeigt das Gebetritual für den genannten Tag in derselben Form, in welcher wir es heute besitzen, mit Ausnahme einiger unbedeutenden Aenderungen, die noch zu besprechen sind.8*) Aehnlich verhält es sich mit dem Verein '“>'2» "iw der nach dem Zeugnis seines Schülers Aron Berechja aus Modena durch den berühmten italienischen Kabbalisten Menachem Azarjah Fano Ende des sechzehnten Jahrhunderts gegründet worden ist.82) Vielleicht ist es mehr als eine vage Hypothese, anzunehmen, daß M. A. Fano und I. Saruk, welchen der erstere ausdrücklich als seinen Lehrer bezeichnet,88) sich in die Arbeit der Redigierung des Gebetrituals für den kleinen Versöhnuugstag teilten, während Leon Modena zu dem fertigen Piutimkranz die Krone den Pizmon vr "i dv lieferte. Das genannte Gebetritual ist kein Originalwerk, sondern nach Kabbalistenart eine Kompilation von mehreren Stücken, die verschiedenen Gebetsammlungen angehören. Wenn ich von Kabbalistenart spreche, so verstehe ich darunter keineswegs ein Unvermögen. selbständiger Produktion, vielmehr die Taktik der Kabbalisten, ihren Einrichtungen durch Berücksichtigung der verschiedenen Riten leichteren Eingang in den betreffenden Ländern zu ermöglichen. Das ist auch der Fall bei dem kleinen Versöhnungstag, in dessen Ritual der deutsche, römische, spanische, beziehungsweise nordafrikanische Ritus vertreten ist. Als eine besondere Eigentümlichkeit verdient weiters hervorgehoben zu werden, daß mit Ausnahme des Pizmon von Leon Modena alle Stücke der Liturgie des Versöhnungstages angehören, mithin in keinerlei Beziehung zu dem Neumond stehen. Nach den früheren Darlegungen über die Entstehung des kleinen Versöhnungstages löst sich das. Rätsel auf einfache We.ise^ Durch das Hinzutreten des messianischen Moments ist dieser Tag unter der Hand der Kabbalisten seines eigentlichen, neumondlichen Charakters beraubt und zu einem allgemeinen Buß- und Bettag um Wiederaufrichtung des Tempels und Einführung des Opserkultus geworden, welche Gedanken in den genannten Stücken besonders scharf zum Ausdruck gelangen.84) Eingeleitet wird das Gebetritual für den kleinen Versöhnungstag durch den Psalm 102, der zu den ältesten Bestandteilen des Bußrituals gehört. Das Nämliche gilt von den Stücken ‘Dp Pk und d*bk “|Pk Pu, welche die ältesten Introduktionen der dreizehn Middoth darstellen und von der Litanei jp -O-,8 warn, deren ursprünglicher Platz im ältesten Ritual für die zehn Bußtage zu suchen ist88). - Hierauf folgt der Pizmon vt m c.v, dessen Verfasser Leon Modena ist. Abgesehen von dem Akrostichon, das seinen Vornamen Jehudah ergibt, wird die Autorschaft Modenas auch von Asulai und dessen Zeitgenossen Chananel Nephi ausdrücklich bezeugt88). Ich führe diese Zeugnisse an, weil der Name Leon Modena und kabbalistische Einrichtungen Begriffe sind, die einander auszuschließen scheinen. Hat es doch kaum jemals einen gefährlicheren und gefürchtcteren Gegner der Kabbalah gegeben als Leon Modena, der in seiner Schrift ..Brüllender Löwe" spottgetränkte Pfeile gegen deren Lehren und Einrichtungen ab- 30 Interessant ist die Bemerkung zum Tn, wonach man dasselbe nur leise sagen, nicht aber laut wiederholen solle: *np T"l? '2 •Kp bv 2V 2l,2D vTr-im ’nan sa) ‘lpan nnöWK tjd, Venedig. 33) vgl. Landshut mi tfn möy S. 188. In seinem Tikkune Teschubah Nr. 79, empfiehlt M. A. Fano den kleinen Versöhnungstag und schlägt vor, den dem Neumond vorangehenden Montag oder Donnerstag dafür zu bestimmen. Zunz, Ritus S. 180. 3i) In der hebr. Zeitschrift TM,-, Jahrg. 3. S. 27 werden für diese Eigentümlichkeit die armen Buchdrucker verantwortlich gemacht, die in ihrer Unwissenheit Selichoth und Piutim vom m*1 unpassender Weise zu pw gefügt. Diese Annahme ist so ungeheuerlich, daß sie nicht weiter diskutiert zu werden braucht. 39) Zunz, die synag. Poesie, S. 82, 153. Literaturgesch. S. 18. 3°) Geiger, Leon da Modena, Hebr. Teil, Einleitung.

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