Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 9 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bloch« Wochenschrift. Nr. g g Sette 138 schreiben in der Erwartung, dadurch die gefürchtete jüdische Anstalt überflüssig zu machen. Da nur unter Hinzurechnung der Juden die sonst hauprsächlich von ruthenischen Bauernkindern besuchte öffentliche Volksschule jene Mehrheit von polnischen Schulkindern aufweist, die notwendig ist, um der Schule den Charakter einer polnischen Anstalt zu geben, gelang es ihm, die Unterstützung der Bezirksschulbehörden zu gewinnen. Erst am 6. Dezember 1909 konnte die Schule eröffnet werden, da der Bezirksschulrat das Schulgebäude, das nach dem übereinstimmenden Urreile berufener Fachleute dem Gebäude der öffentlichen Schule in jeder Beziehung überlegen ist, als „den hygienischen Anforderungen nicht vollkommen entsprechend" befand. Erst nach einer persönlichen Intervention des Sekretärs der Allianz Herrn Dr. Kaminka beim Präsidium des Landesschulrates in Lemberg war es gelungen, die von der Bezirksbehörde bereiteten Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Seither konnte sich die Schule ungestört entwickeln, wenn auch die Frequenz infolge der unablässigen Bemühungen der Schulgegner, noch einiges zu wünschen übrig lägt. Die Schule wurde im vorigen Jahre und auch heuer vom k. k. Bezirksschulinspektor Niedzwiecti visitiert, der sich mit den erzielten llnterrichtserfolgen durchaus befriedigt erklärte. Am Schlüsse des vorigen Schuljahres wurde eine Schulfeier veranstaltet, an der sich außer den.Mitgliedern des Lokal-Komitees auch der Vorsitzende des' Ortsschulrates, sowie der Leiter der öffentlichen ^Volksschule Herr Dabrowski beteiligten und bei der schöngebundene Gebetbücher von orthodorem Ritus als Prämien verteilt wurden. Der Leiter der öffentlichen Volksschule, der der Schlußprüfung beiwohnte, erklärte, daß er solche Leistungen von den jüdischen Knaben an keiner ^Schule nach einem Jahre ausweisen könne. Die Schulkinder wurden sowohl voriges Jahr als auch Heuer von der Allianz mit Winterkleidern und Schuhen versorgt. Auch in Olesko besteht in gleicher Weise wie in Budzanow ein Abendkurs für Erwachsene, der von 20 Personen frequentiert wird. Aehnliche Schwierigkeiten, nur in gesteigertem Maße, erwuchsen der Allianz bei der von ihr zu Beginn des heurigen Schuljahres in Niemirow (im Bezirke Rawa ruska) neu kreierten Volksschule. Auch hier waren es die Chasiidim, die unter dem Einflüsse des Beizer Wunderrabbi eine heftige Gegenagitation entfalteten. Die Schwierigkeiten machten sich schon bei der Aufnahme des Schullokales geltend. Nur mit schwerer Mühe gelang es der Allianz gegen ein hohes Entgelt ein Gebäude für die Schule zu finden, da niemand es wagte, gegen das Verbot des Wunderrabbi der Allianz sein Haus zu vermieten. Das Schulhaus wurde entsprechend adaptiert und es gelang der Allianz, die keine Kosten scheute, auch hier dasselbe so auszugestalten, daß es allen hygienischen Anforderungen entsprach und das Gebäude der öffentlichen Schule, das, wie auch offiziell zugegeben wurde, sich in sehr schlechtem Zustand befindet, weitaus übertrifft. Die Einschreibungen zeitigten angesichts der Gegenagitation der Schulgegner einen sehr schönen Erfolg: es wurden 26 Knaben angemeldet und der Unterricht konnte Ende September beginnen. Die .Schulgegner ruhten aber nicht und gebrauchten allerlei nicht einwandfreie Mittel. Sie bewirkten, daß der Bezirksschulrat in Rawa eine eigene Kommission nach Niemirow zur Besichtigung der Allianz-Schule entsandte, die einige Mängel am,Gebäude konstatierte. Diese mußten durch kostspielige Reparaturen behoben werden. Im Bethause wurde der Obmann des Schulkomitees Herr Apotheker Kaczka als gefährlicher Sünder erklärt; dreimal wurden gegen ihm wegen angeblich schlechter Führung seiner Apotheke Anzeigen bei der Statthaltern in Lemberg erstattet. Das Mitglied des Schulkomitees Herr k. k. Bezirksrichter Dr. Wiesenberg wurde denunziert, daß er sein Amt zu Agitationszwecken mißbrauche, es wurden Pamphlete ausgegeben und die Behörden wurden von den einflußreichen Ehassidim fortwährend unter allen möglichen Vorwänden um energisches Einschreiten gegen die Allianz-Schule angegangen. Auch hier suchte man ähnlich wie in Olesko die Allianz-Schule dadurch überflüssig zu machen, daß der öffentliche Schulzwang, der bisher nie zur Anwendung gelangte, jcheinvar mit großer Strenge durchgeführt wurde. Mehr als hundert tüdische Knaben wurden in die öffentliche Schule „eingeschrieben", die aber in gleicher SBe^e wie früher dem Unterrichte auch weiterhin fernblieben. Ende Dezember gelang »es den Ehassidim, die Sperrung der Allianz-Schute zu veranlassen. Die Allianz ließ sich aber durch diesen Erfolg der Schulgegner nicht entmutigen; es wurden sofort alle nötigen Schritte eingeleitet, um diese vollkommen unbegründete Verfügung der Vezirksbehörde wieder rückgängig zu machen. Am 24. Januar fand eine neuerliche „kommisiionelle Besichtigung" der Schule statt. Leider gelang es den fananschen Gegnern der Allianzschule, die Kommission wieder zur Abgabe eines für die Anstalt ungünstigen Befundes zu bewegen. Es wurde eine Reihe zum Dell gar nicht bestehender, zum Teil aber ganz unwesentlicher Mängel konstatiert. So führte die Kommission unter den Gründen, die gegen die „Eignung des Gebäudes" zu Schulzwecken sprechen, u. a. auch den Umstand an, daß der Vorraum zum Schulzimmer nicht getüncht sei und daß sich hinter dem Ofen des seit mehr als drei Wochen nicht benützten Schulzimmers Kehricht angesammelt habe! Die Schwierigkeiten, die der Allianz-Schule in Niemirow bereitet wurden, kamen auch bei der Debatte anläßlich der Enquete zur Linderung des Elends unter den Juden in Galizien, die erst jüngst in Lemberg stallfand, zur Spräche." Es'würde hier darauf hingewiesen, daß das erste und vornehmste Mittel zur Behebung der großen Not unter den Juden Galiziens die Verbreitung der elementaren Bildung sei, da nur auf diese Weise die Erwerbsfähigkeit der Juden gehoben werden könne. Das Verhalten der Bezirks- Behörden wurde von verschiedenen Seiten einer scharfen Kritik unterzogen und auch einzelne polnische Blätter befaßten sich mit der Angelegenheit. Endlich fühlte sich der Landesschulrat dazu veranlaßt, die Wiedereröffnung der Schule zu gestatten. Ende Februar konnte in Niemirow der Unterricht wieder ausgenommen werden. Auch in Niemirow wurden die armen Schulkinder mit Winterkleidern und Schuhen von der Allianz beschenkt. Der größte Teil der ansässigen Bevölkerung konnte sich, ungeachtet der kürzen Zeit der Wirksamkeit der Schule, davon überzeugen, daß auch hier die Kinder in strengreligiösem Sinne erzogen werden. So kam es, daß die Schule allmählich auch unter den Angehörigen der besseren Schichtender orthodoxen Bevölkerung Freunde gewann. Dies kam dadurch zum» Ausdrucke, daß sich bereits im Dezember vorigen Jahres in den Abendkurs für Erwachsene, der ursprünglich nur von Handwerkerlehrlingen und Angehörigen der ärmsten Kreise besucht wurde, auch Söhne aus besserem Hause Einschreiben ließen. Ja, von einzelnen chassidischen angesehenen Bürgern wurde dem Schulleiter erklärt, daß die Zahl der Schüler im nächsten Jahre bedeutend höher sein werde. Die zweite der von der Allianz im September 1910 neu begründeten Schule (es ist somit die fünfte Anstalt, die die Allianz im Laufe von zwei Jahren in Galizien ms Leben rnf) die Volksschule in Potok zloty, hatte fast mit keinen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die ansässige Bevölkerung kam der Schule mit großem Interesse entgegen. Nur der chassidische Kultusvorsteher nahm eine ablehnende Haltung ein. Er ging darin