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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-03 · 9 (3.3.1911) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
9 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. S Dl*a BlOCh’S Jahrgang XXVIII Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. —-□ ... □- Wien, 3. März 1911 Lrscbelnt jeden Frettag. > Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngasse 15. c Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. O 0 —=ü O p Vr;ngspreis für Vesterrrüh: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ansland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. r Anzeigen: Die 4malgespal» b tene Petttzeile 24 Heller. £ OP --9 O L. ü. Pofisparkaffenamt Slearlng-Verk ebr Mr.S10.976. Redattion und Administration: Wien JX/i, Hahugasse Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. Inhalt: Leitartikel: Die Schulaktion der Israelitischen Allianz in Galizien. — Wie der rumänische Ministerpräsident im Auslande spricht und im Jnlcnde handelt. — Die Zurückweisung jüdischer Offiziere im deutschen Heer. — Kommunal-Hygiene des Talmuds. — Der kleine Bersöhnungsiaz. — Korrespondenzen: Lord Rothschild für die Ostjuden in London. Albert Freiherr von Rothschild. Hofrat Professor Dr. Gustav v. Braun. Die Entrechtung der Schenker. Die Unzufriedenheit der „begünstigten" Schenker. Alliance Jsraälite Universelle. Berlin. Grausame Judenvertreibungen in Rußland. Petersburg. Früchte des Antisemitismus in England. — Vermischtes. — Feuilleton: Theodor Herzl's Mutter. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Me Schulaktion der Israelitischen Allianz in Galizien. Wie bekannt, sah sich die „Israelitische Allianz zu Wien" vor zwei Jahren ungeachtet des Umstandes, daß das Hilfswerk für die russischen und rumänischen Juden ungeschwächt fortdauert, veranlaßt, ihre Schulak.tion in Galizien wieder aufzunehmen, da die Baron Hirsch-Stiftung, die das von der Allianz vor mehr als dreißig Jahren begonnene kulturelle Hilfswerl für Galizien übernahm, nun an der Grenze ihrer Mittel angelangt, keine neue Schule mehr begründen kann. Die Allianz begründete zunächst mit Beginn des Schuljahres 1909/10 zwei polnisch-jüdische Volksschulen in Budzanow und O l e s k o und ermöglichte im Verein mit der Baron Hirsch-Stiftung einem Komitee, das sich aus der Mitte der Ortsbevölkerung gebildet hatte, die Gründung eines Kindergartens in Chrzanow. Diese Anstalten entwickelten sich im verflossenen Jahre in der erfreulichsten Weise. Die Allianz legte an allen. Orten großen Wert darauf, Hand in Hand mit der ansässigen, zumeist chassidischen Bevölkerung zu gehen. So nimmt in Chrzanow, neben der ausgezeichnet wirkenden Präsidentin Frau Dr. Helene Berggrün, die Frau des dortigen chassidischen Rabbiners Frau Serl Igra tätigen Anteil an der Leitung des Kindergartens, der sich denn auch bei der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreut. Gegenwärtig besuchen die Anstalt mehr als 50 Kinder. Wie sehr diese Gründung Anklang bei der Ortsbevölkerung fand, geht schon daraus hervor, daß die Subvention, die der Kindergarten bisher erhielt, heuer reduziert werden konnte, so daß die Hoffnung besteht, daß sich der Kindergarten im Laufe der Zeit selbst wird erhalten können. Auch die Schule in Budzanow, die sofort nach ihrer Begründung von der Bevölkerung sympathisch ausgenommen wurde, kann als erfolgreiches Unternehmen bezeichnet werden. Die Schule wurde im Schuljahre.1909/10 sowohl vom k. k. Bezirksschulräte als auch vom Kreisschulinspektor der Baron Hirsch-Stiftung visitiert. Beide Funktionäre sprachen ihre volle Zufriedenheit mit den Leistungen der Schüler und der Leitung der Schule aus. Herr Kreisschulinspektor Sperber hob noch besonders hervor, daß sich die Kinder an die herrschende Ordnung gewöhnt haben und die Unarten und Unsitten, deren sie vom Hause eine Menge milgebracht haben, allmählich abstreifen. Im heurigen Jahre wurde ein zweiter Jahrgang eröffnet,' beim Schluß des ersten Semesters 1910/11 besuchten 28 Knaben die erste und 43 die zweite Klasse. Der Schulleiter errichtete bereits voriges Jahr einen Schulgarten, in welchem die älteren Knaben in ihrer freien Zeit mit gesundheitsfördernden Gartenarbeiten beschäftigt werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient der an der Schule bestehende Abendkurs für Erwachsene: die Zahl der Frequentanten dieses Kurses beträgt heuer 42. Der Unterricht wird gesondert für Analphabeten und solche, die bereits lesen und schreiben können, erteilt. Die Institution der Elternabende, bei denen die Eltern über die Prinzipien einer den hygienischen Anforderungen entsprechenden Haltung und Erziehung der Kinder aufgeklärt werden, wurde auch heuer eifrig gepflegt. Größere Schwierigkeiten bereitete der Allianz, wie schon mitgeteilt, die Schule in Ol es ko. An diesem Orte, an dem seit fast vierzig Jahren kein einziger jüdischer Knabe die öffentliche Volksschule besuchte, entfaltete der chassidische Rabbi eine fanatische Agitation gegen die neugegründete jüdische Anstalt. Vergebens wurde ihm von der Leitung der Allianz angeboten, in das aus angesehenen jüdischen Persönlichkeiten bestehende Lokalkomitee einzutreten, um auf diese Weise Einfluß auf die Leitung der Schule zu gewinnen und sich zu überzeugen, daß die Schulkinder in streng-jüdischem Sinne erzogen werden. Der gegen moderne Bildung mißtrauische Rabbi ließ von seinem Kampfe gegen die Schule nicht ab: er versagte den Eltern jener Kinder, die in die Allianz-Schule eingeschrieben wurden, den Eintritt in das unter seiner Leitung stehende Bethaus, er versuchte mit dem wirtschaftlichen Boykott gegen sie vorzugehen und veranlaßte schließlich seine Anhänger, ihre Knaben in die christliche Landesvolksschule einzu-

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