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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-24 · 8 (24.2.1911) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 184 Dr. Vlochs WochMchrfft. Nr. 8 Das Ideal der sozialen Gerechtigkeit ist der erste der großartigen Werte, wonach es keine eigentliche Sklaverei geben sollte, da auch der Sklave ein Mensch ist, und sein Beruf ist Freiheit. Denn die Bibel gebietet dem Herrn, den Sklaven nach abgelaufener Frist von sieben Jahren in Freiheit zu setzen. Die soziale Gerechtigkeit spricht auch aus dem Gebote der Bibel: „Du sollst das Land nach Familien verteilen". — Nicht minder großartig ist der zweite Wert, das Ideal des diesseitigen irdischen Glückes, welches dem Menschen Glück verspricht hier auf Erden für das Gute, das er tut. dem ganz unbekannt find jene krankhaften Ideen, daß die Niedrigen im Jenseits erhöht, die Hohen erniedrigt werden. Und vielleicht das Erhabenste, das ein Volk je geschaffen, ist der dritte der drei Werte, die Idee der Nationalität und Jnternationalität. In den Sagen anderer Völker findet sich die Entstehungsgeschichte des betreffenden Volkes, in der Bibel die der ganzen Menschheit. Bei Jesaia ist der Gedanke an einen Weltfrieden unter den Völkern zu finden, wo die Nationen, jede unter ihrem Gotte, jede mit ihrer eigenen Kultur, friedlich nebeneinander wohnen. Der Grundgedanke ist der echte Realismus, er rechnet mit der Tatsache, daß es Völker gibt, daß jedes seine Kultur hat. Alle diese Werte, die das hebräische Volk vor Jahrtausenden geschaffen hat, sind im modernen Sozialismus formuliert. Was dieser heute fordert, das hatten die alten Hebräer schon in Palästina. Als das jüdische Volk in die Diaspora kam, war es schon ein festes Gefüge, das vermöge der Werte, die es geschaffen, nicht mehr verschwinden konnte. Ein Volk, das Ewiges geschaffen, kann nicht verschwinden, es muß weiter schaffen, und wenn es nicht schafft, so verharrt es in der Hoffnung auf eine Zeit, wo es wieder schaffen wird. Diese Hoffnung hat das Judentum erhalten, hat ihm die Möglichkeit gegeben, die Leiden der Diaspora zu ertragen. Soll auch der Sinn der Diaspora klar werden, so muß man sich die Entwicklungsgeschichte des jüdischen Volkes seit dem zweiten Jahrhundert vor Augen führen. Als es in die Diaspora kam, war es bestrebt, da es sich anzupaffen und auf die eigene Individualist zu verzichten begann, wenigstens die eigenen, alten Werte zu schützen. Aber durch die Anpaffung verlor das Judentum seine Würde und seine Existenz wurde nutergraben. Denn jedes Volk lebt von Werten und der Würde, lebt, wenn zwischen Beiden Harmonie besteht. Sowie nun das Judentum seine Würde verlor, wurde es öde und leer, konnte nichts Neues mehr schaffen und verwandte seine ganze Mühe nur darauf, die alten Werte zu konservieren. Daher die zahlreichen Kommentatoren, die ganze arabisch-jüdis he Literatur jener Zeit. Das Judentum, das in Palästina fortschrittlich war, erstarrte hier, es hatte im späteren Mittelalter den anderen Völkern nichts mehr zu geben. Als nun die anderen zu schaffen begannen, kam ein Umschlag Sein würdeloses Dasein konnte das Judentum nicht mehr ertragen, es wollte anerkannt sein und da verkaufte es seine Werte für die Würde. Es kam die Emanzipation, die Affimilation. Man nahm ftemde Werte an, um nur Würde zu bekommen. Aber auch das hat nichts genützt. Ohne neue Werte zu schaffen, kann das Judentum auch nicht leben, zumal auch die Würde fehlt. Und das Rätsel der jüdischen Geschichte kann gelöst werden, gelöst durch die Tat. Das jüdische Volk will wieder heimkommen, um neue, ewige Werte zu schaffen, es will wieder ein heiliges Volk sein, ein Voll, das Gott schafft. Das müssen wir vollführen helfen. Die ausgezeichneten Ausführungen des Redners lösten stürmischen Beifall aus. _ Literatur. Ein jüdisches Jahrbuch. Den Freunden der jüdischen Literatur steht eine willkominene Ueberraschung bevor. Ein jüdisches Jahrbuch mit reichhaltigem Inhalt und in geschmackvoller Ausstattung wird demnächst der Oeffentlichkeit übergeben werden. Der akademische Verein „Emma fja, Czernowitz, Herrengasse 7, der bei der Herausgabe dieses Werkes keine Mühe scheute, sieht nunmehr der Realisierung eines seiner Lieblingsgedanken entgegen. Es soll allen Juden, die für jüdische Wiffenschaft und aktuelle jüdische Fragen Jntercffe haben, ein Buch in die Hand gegeben werden, welches die Stellungnahme bedeutender jüdischer Persönlichkeiten zu aktuellen Tagesfragen und in gefälliger Abwechslung gelehrte Diskussionen bietet. Es soll jährlich einmal erscheinen und nach den Intentionen der Herausgeber ein Spiegelbild der zeitweiligen geistigen und politischen Regungen der Zeit werden. Die bedeutendsten Männer der jüdischen Moderne werden im ersten Jahrgange zu Worte kommen, nnd zwar: Dr. Maier Balabau, Selman, der Judenmeister aus Drohobycz; Dr. Nathan Birnbaum, Aussichten und Einblicke; Dr. Martin Buber, Die Mythen des Chassodismus; Doktor I. Eliaschoff, Dr. Birnbaum und die jüdische Moderne; Dr. Leo Kellner. Das Rassenproblem; Dr. Ernst Müller, Einiges zum Probleme des Golus; Dr. Daniel Pasmanik. Die sieben Lügen des modernen Judentums; Dr. Samuel Rappaport, Harkavi; Dr. Max Rosenfeld, Die nationale Autonomie der Juden in Oesterreich; Dr. Marck Scherlag, Franzos als Jude; Solomon Schiller, Achad-Raam; Dr. Ignaz Schipper. Die Entstehung des Ghetto in Polen; Reichsratsabgeordncter Adolf Stand, Nordau, Mann der Tat und Redner; Dr. Birnbaum; Dr. Oslos Thon, Die gegenwärtige Lage im Zionismus; Davis Trietsch, Umschwung in der Türkei und die jüdischen Palästinabestrebungen. Man kann seinem Werke mit Spannung entgegensehen. -Die Hilfe«, Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Herausgegeben von Friedrich Naumann, H. d. R. Nummer 7. 16. Februar 1911. Aus dem Inhalt: Friedrich Naumann: Die drei gefährlichen Stimmen. — Ernst J a e c k h : Potsdam, Bagdadjind London. — Georg Hohmann: Der bayrische Liberalismus. — Heinz Pott hoff, M. d. R.: Selbstverwaltung in der Angestellten-Versicherung. — Adolf Neumann-Hofer, M. d. R.: Die Zuwachssteuer. — Unsere Bewegung. — Soziale Bewegung. — Gottfried Traub: Unbedingt.— Paul Zschorlich: Humperdinck II. — Ricarda Huch: Ein vergessenes Buch aus alter Zeit. I. — Karl Wilhelm Fritsch: Um Michelburg. Roman. — Wilhelm Homberg: Primula Veris. Gedicht. — Büchertisch — Politische Notizen. — Buchverlag der „Hilfe“ Berlin-Schöneberg. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Jaden. Berlin C. 2. An der SpandaUerbrücke 15. Begründet von Dr. Arthur Ruppin. — Redigiert von. Dr. Bruno Blau. Februar 1911. Heft Nr. 2. 7. Jahrgang. Inhalt: 1. Abhandlungen. Dr. oec. publ. Jakob Sega 11, Berlin: Die Juden in Bulgarien. (Forts, und Schluss.) - J. Lestschinsky, Charlottenburg: Die Tätigkeit des Iuformationsbureaus der „Jewish Colonisation Association“ in Russland. — B. Goldberg, Wilna: Die jüdische Presse in Russland. — Neue Beiträge zur Statistik der Juden in Rumänien. — II. Statistisches Archiv. Die berufliche Gliederung der Juden in Berlin im Jahre 1907. — Die Eheschliessungen in München von 1891 bis 1909 nach dem Bekenntnis der Getrauten. — Bevölkerungsbewegung in Oesterreich im Jahre 1907. — Konfession der Studierenden an der Universität in Lemberg im Wintersemester 1906/07 und 1907/08. — Zur Unterrichtsstatistik der Juden in Florenz. — Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Algier von 1861 bis 1906. — Die Ergebnisse der Berufszählung vom 12. Juni j907 im Grossherzogtum Luxemburg. — Zahl der Juden im Kanton Luzern. — Der jüdische Nationalfonds im Jahre 1910. — HI. Literatur. »Palästina« Monatsschrift für die Erschliessung Palästinas. 20. Jänner, Nr. 1/2. VIII. Jahrgang, 1911. Sondernummer. Inhalt: Adolf Böhm, Wien.: Die Bedeutung der Palestine Land Develepmont Co. — Dr. Eugen Katz, Hannover: Landwirtschaftliche Kov ysation in Palästina. — Die Siedlungsgenossenschaft. — A. Aaronsohn, Haifa: Die französische Kolonisation in Nordafrika. — Wildwachsende Getreidearten in Palästina. — Innere Kolonisation in Deutschland. — lnschriftenfunde. — Bericht der P. L. D. C. — Die Anlage von Pflanzungen in Palästina. — Land- und Gartensiedlungen. — Die Ziele der P. L. D. C. — Palästinareise. — Redaktion und Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9. Kriefkafterr K. F. Wir erfahren von verläßlicher Seite, daß der zweite Band der „Ethik des Judentums" von Moritz Lazarus, herausgegeben von Professor Dr. D. August Wünsche, unter Mitwirkung von Rabbiner Dr. Winter, in diesem Frühjahr im Verlage von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. (und in derselben vorzüglichen Ausstattung wie der erste Band) erscheinen wird. Ph. K. Solche „Gedichte" sind ein Attentat auf den guten Geschmack und dem gesunden Menschenverstand. A. R. in Sttafinitz. In Angelegenheiten des Kindes ist einzig und allein der Kultusvorstand zur Reklamation kompetent. Josef L. in W. Frieda L ö b l, geb. in Sopran, wohnhaft in Wien, XV1L, Römergasse 79, ist aus dem Judentum ausgetreten. Ob sie konfessionslos geblieben oder katholisch geworden, ist uns unbekannt. Loewith, Mlozow. Abonnement bis 31. Jänner 1912 bezahlt. B. M. Eine Geschichte der Familie Rothschild enthält das Feuilleton der „Oesterreichischen Wochenschrift" Nr. 38 und 39 1909. R. M. Unter den Anwesenden bei der Langselderfeier war auch der Oberoffizial der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Sigmund W e i n st e i n.

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