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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-24 · 8 (24.2.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 132 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 8 gebildeten Jüngelchens an, aber anstatt sofort dem Wunsche des Taufknaben zu willfahren, entläßt er diesen mit folgendem Bescheid: „Die katholische Kirche gibt nicht nur die Namen der Ausgetretenen an den Portalen und sonstigen frequentierten Orten der Kirchengebäude durch Anschlag bekannt, sondern läßt diese Anschläge 1 Jahr aushängen. Was bei den Katholiken ein Brauch ist, kann bei den Juden nicht zum Unfug oder zu einer Ungesetzlichkeit umgestempelt werden. Das Staatsgesetz kennt hier keine Zwangsmittel, die dies verhindern: auch wäre es unmoralisch, in Handlungen einer religiösen Genossenschaft einzugreifen, die doch nur einen sittlichen Zweck verfolgen usw." Religionswechselgeschäfte. P r a g. In Nr. 4 der „Bonifazius-Korrespondenz" vom 15. d. M. findet man eine Zusammenstellung der Konversionen des Jahres 1910 samt Kommentar. Dieselbe ist nach den vier Diözesen B ö h m e n s geordnet und schließt mit einem Verlust für die katholische Kirche von 1815 Seelen, das ist um 597 Seelen mehr als im Vorjahre, ab. Von besonderem Interesse find die Daten, welche den Uebertritt aus der katholischen Kirche zum Judentume betreffen und dürfte es sich da wahrscheinlich weniger um wirkliche Konversionen, als um die Rückkehr bereits konvertierter Juden handeln. So find in der Erzdiözese Prag aus der katholischen Kirche zum Judentume 12 Personen, in der Diözese Leitmeritz 7 Personen und in der Diözese Budweis 2 Personen übergetreten. Die Koscherfleischfrage vor Gericht in London. Ueber einen Prozeß vor der Londoner Jury berichtet die „Frankfurter-Zeitung" : „Kläger war der Fleischer Hirsch, der Btklaate Myers ist Aufsichtsbeamter des jüdischen »Roard of Schechita«. Myers hat in den Blättern »Jewish World« und »Jewish Chronicle« Anzeigen erlaffen, die das von dem Kläger Hirsch verkaufte Fleisch als „trefa" bezeichneten und die Juden vor dem Genuß warnten. Der Beklagte und seine Verteidiger behaupten dabei nicht, daß das vom Kläger verkaufte Fleisch unrein, ungesund oder daß es nicht nach den Vorschriften des jüdischen Rituals geschlachtet sei. Ihr Angriff stützt sich lediglich darauf, daß der beklagte Fleischer keine Konzession von dem Oberrabbiner^ besitzt. Der Fall wirst ein Licht auf eine gewisse Entwicklung des englischen Judentums. Ein Gesetz vom Jahre 187« hat eine Anzahl jüdischer Gemeinden unter dem Namen »United Synagogues« zusammengefaßt und diesen, die nur einen kleineren Teil der in England lebenden Juden, namentlich der begüterten, umfassen, das Recht gegeben, ein Oberhaupt mit dem Titel »Chief Rabbi« zu wählen. Es ist zweifelhaft und durch die Verhandlung nicht klar erwiesen worden, welche Autorität diesem »Chief Rabbi« von der Judenschaft im ganzen Reiche zuerkannt wird. Der gegenwärtige Inhaber dieses Amtes Dr. Adler, der als Zeuge aussagte, beansprucht für /ich die Stellung der höchsten geistlichen Autorität der Juden, nicht nur für London, sondern filr England und sogar für das ganze britische Reich. Wie es scheint, ist im jüdischen Gesetz eine solche gleichsam päpstliche oder bischöfliche Autorität nicht herkömmlich; die englischen Gewohnheiten ermutigen allerdings derartige Tendenzen, die das Judentum in eine Art mosaische Staatskirche umgestalten würden. Diesen Ansprüchen treten andere Rabbiner entgegen und der klagende Fleischer hatte eine Schächterlaubnis von einem solchen erhalten. Die englische Jury befand sich nun in der schwierigen Lage, zu entscheiden, ob es jüdisches Gesetz sei, daß nur ein von einem bestimmten Rabbiner konzessionierter Metzger „koscheres" Fleisch verkaufen könne. Wie der Richter den Geschworenen in seiner Zusammenfassung sagte, dürsten sie sich nicht dabei beruhigen, festzustellen, was die Ansicht der Bücher Mose, des Talmuds und der Joreh Diah in dieser Streitfrage sei; sie hätten vielmehr unter Heranziehung der enormen Literatur der rabbinischen Entscheidungen und der mit gesetzlicher Kraft ausgestatteten Kommentare ihren Spruch zu fällen. Dieser Last fühlte sich die aus Christen bestehende Jury nicht gewachsen. Sie kamen nach einer Beratung von zwei Stunden zu dem Ergebnis, daß sie die Frage nicht beantworten könne und der Gerichtshof ging ohne Urteil auseinander." Allerhöchste Auszeichnung. Wie die amtliche „Wiener-Zeitung" meldet, hat Seine Majestät der Kaiser dem Direktor des Müdchenlyzeums in Mähr.-Ostra«, Herrn Alois Schwarz, de» Titel eines k. k. Schulrates verUehen. Die Auszeichnung dieses verdienten Schulmannes dürfte in erster Linie wegen seiner allgemein anerkannten Verdienste um die Gründung, Organisation und Ausgestaltung des Mädchenlyzeums in Mähr.-Ostrau, nicht minder auch mit Rücksicht auf die von ihm in früheren Jahren durchgeführten zahlreichen Gründungen von Kindergärten und Volksschulen im Ostrauer Reviere erfolgt sein. Auch die vielfache erfolgreiche literarische Tätigkeit sowie sein verdienstliches Wirken um die Organisation von Ausstellungen und Kongressen, insbesondere auf dem Gebiete der Kälte-Industrie, wurde durch diese Allerhöchste Auszeichnung geehrt. Dem in vielen Kreisen der Heimat und des Auslandes bekannten Fachmanne sind aus diesem Anlasse zahlreiche telegraphische und schriftliche Glückwünsche zugekommen. Berlin. Nach einer uns soeben zugegangenen Nachricht hat der nordamerikanische Staatssekretär für Handel und Gewerbe, Dr. Nagel, sich durchaus für die von der jüdischen Wohlfahrtsvereinigung, insbesondere von dem „Hilfsverein der deutschen Juden", sowie von der russischen „Jto" unternommene planmäßige Ueberleitung jüdischer Auswanderer nach Arbeiter und Handwerker bedürftigen Staaten des Südens, vornehmlich Texas, ausgesprochen, wobei die Regierung der Vereinigten Staaten die Arbeit obiger Vereine als zweckmäßig und patriotisch bezeichnete. London. „Daily Mail" vom 16. d. M. enthält folgende Nachricht: „Die jüdische Vormundschaftsbehörde (tlie jewish Board of Guardians) hat von der Whitechapel-Vormundschaftsbehörde verlangt, daß ein Findling Namens Joseph Salomon, der vermutlich jüdischer Abstammung ist, ihr übergeben werde. Es ist dies seit mehr als zwanzig Jahren der erste Fall eines jüdischen Findlings." _ Feuilleton Wb Morpurgo. Ein Monat ist es, daß in der größten Stadt Dalmatiens, im Diokletianischen Spalato, ein alter Jude die Augen für immer geschlossen, ein Jude, der es aber soweit gebracht, wie wohl noch selten einer der Stammes- und Glaubensgenossen in Oesterreich. Vid Morpurgo war durch vier Jahrzehnte der erste und einflußreichste Mann im dalmatinischen Königreiche — seiner kräftigen Mithilfe hat die kroatische Nation die günstige Wiedereroberung des Stammsitzes, des von den Venetianern latinisierten, aber sonst urkroatischen Dalmatiens zu verdanken — ohne Vid Morpurgos Mitwirkung wären „Weißkroatien" und „Rotkroatien" die Gegend von Split (Spalato) und Dubrovnik (Ragusa) leere historische Begriffe geblieben, statt wie heute, Bollwerke des Kroatentums. Dieser Vid Morpurgo, dessen Ableben Trauer im ganzen Lande hervorrief, war einer der unfern — Vita Morpurgo oder besser gesagt, Chajim Morpurgo war ein stolzer selbstbewußter sephardischer Jude, der nicht nur alle rituellen Vorschriften auf das genaueste einhielt, sondern auch mit allen Strömungen und Erscheinungen der modernen Judenheit wärmste Fühlung hatte. Darum ist es notwendig, daß auch die jüdische Presse seiner gedenke — und da es in den deutschsprachigen Blättern niemand tat, so will ich es versuchen — leider ein trauriger Dank für die Gastfreundschaft, die ich vor mehr als einem Jahrzehnt, als ferienreisender Maturant in seinem Hause genossen. Unter den mannigfaltigen Verhältnissen, in denen das Volk Israel in der Zerstreuung lebt, sind die dalmatinischen Juden fast die isoliertesten. Von den dem jüdischen Glauben treu gebliebenen Falaschas Abessiniens heißt es, daß sie überhaupt nicht wußten, daß es außer ihnen überhaupt noch Juden auf der Welt gäbe — und so sind sie den Bemühungen schwedischer Missionäre erlegen, die da sagten, das Volk Israels sei ausgestorben, und erst als auch jüdische Forschungsreisende ins Land drangen, erkannten sie die Täuschung und kehrten zum Judentum zurück. In Dalmatien war es bis vor kurzem fast ebenso — unter dreiviertel Millionen Einwohner gibt es vierzig jüdische Familien und in vielen Gegenden Dalmatiens weiß man noch heute nicht, daß die Juden, die Nachkommen der altbiblischen Israeliten, existieren. Ein gelehrter Bischof von Sebenico, Fosco, hat zwar vor Jahren ein Buch he.rausgegeben, wonach die Städte Dalmatiens von Juden gegründet worden find und die Städtenamen Dalmatiens

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