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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-24 · 8 (24.2.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 126 Dr. Mochs Wochenschrift. selben Stunde, als in Wien Christ und Jude die Bahre Rothschilds mit Blumen schmückte, torkelten die Angestellten des Werkes vom Balle heim. Und zwei Tage darauf sah man die Witkowitzer Deputationen hinter dem Sarge des Baron Rothschild schreiten, um der Trauer der Werkangestellten Ausdruck zu geben ... Der Dahingeschiedene war doch nur ein Jude.. . Was sagen die nunmehrigen Chefs.des Witkowitzer Werkes zu solchen Roheitsausbrüchen? Bethausverein „Am Bolkert. Unter ungewöhnlicher Teilnahme vieler kreise des zweiten Bezirkes fand Sonntag, am 19. Februar 1911, abends 5 Uhr, in dem Vereinstempel, II., Fugbachgasse 7, der zum Zeichen der innigen Teilnahme Md hohen Verehrung des Verewigten schwarz drapiert war, die Trauerfeier für den verstorbenen Albert Freiherrn von Rothschild statt. Nebst dem Gesamtvorstande des Bethausvereines waren in Vertretung des Kultusvorstandes die Herren Dr. Josef Winternitz, Dr. Gustav Heilpern, S. Brod und S. A. Wasservogel erschienen. Schon vor der angefetzten Stunde war das Bethauslokal zur Gänze gefüllt, so daß ein großer Teil der Trauerteilnehmer im Vestebül verbleiben mutzte. Auch die Damengalerie konnte die Zahl der Besucherinnen nicht fassen. Lautlose Stille trat ein, als Oberkantor Giblichmann mit dem Chore, verstärkt durch mehrere Mitglieder des Chorpersonales der Kultusgemeinde, das Schirmst vortrug. Diese Trauerstimmung wurde noch vertieft und verstärkt durch die inhaltsreiche Trauerpredigt des Vereinsrabbiners Herrn I. L. Abeles. Nach dem erfolgten Vortrage des El mole Rachamim wurde die würdige Trauerfeier geschlossen. Nach kurzer Unterbrechung wurde die 34. ordentliche Generalversammlung eröffnet. Nach Konstatierung der Beschlutzfähigkeit begrüßte der Präsident KV. Schramek die in Vertretung des Kultusvorstandes erschienenen Herren Dr. Josef Winternitz, den Obmann der Bezirkskommission des II. und XX. Bezirkes und den Kultusvorstand Dr. Anselm Halpern, weiters den Kultusvorstand Herrn S. Brod und den Tempelvorstsher Herrn S. A. Wasservogel, das Ehrenmitglied Herrn Salomon Beck, und Herrn Leopold Weinwurm. Weiters gedachte er in warmen Worten des leider so früh verstorbenen Gönners des zu erbauenden Tempels, des Albert Freiherrn von Rothschild und verfügte, nachdem sich die Gesamtteilnehmer zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen erhoben hatten, datz diese Trauerkundgebung im Protokolle einverleibt werde. Nach Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung durch den Schriftführer Dr. Moritz Kohn und nach debätteloser Genehmigung des durch den Vereinsrevisor Herrn Moritz Fürth erstatteten Gebahrungsausweises wird dem Vorstände unter lauter Beifallsbezeugung das Absolutorium erteilt. Hierauf ergriff Herr Samuel Adler, als Obmann der Schulsektion des Bethausvereines, das Wort und hob hervor, datz die im Vorjahre errichtete Sprach- und Bibelschule in ihrer Entwicklung bedeutend vorwärts schreite, datz, wahrend im ersten Schuljahre nur 60 Schüler den Unterricht genossen, im heurigen Schuljahre die Zahl der Schüler schon die dreifache Zahl erreicht hat, darunter eine stattliche Anzahl, die das Gymnasium oder die Realschule besuchen. Gleichzeitig wies er auf die glänzenden Erfolge der ersten Schlutzprüfung hin und gedachte des plötzlich dahingeschiedenen Rabbiners Herrn Dr. E. Dawid, der dieser Prüfung anwohnte und die Erfolge rühmend anerkannte. Herr Dr. Winternitz bemerkte, datz er über persönliches Ersuchen des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern erschienen sei, in dessen Namen und Aufträge er die besonderen Leistungen dieses Vereines auf kulturellem Gebiete, die musterhafte Verwaltung und Leitung zu rühmen habe, dem Vereine, als einem der wichtigsten Zentren des echt religiösen Lebens in Wien, das grötzte Wohlwollen entgegenbringe und daher den Tempelbau mit besten Kräften und wärmstens fördern wolle. Indem er noch den Dank seines Mandatars für die gewissenhafte Pflege des Religionsunterrichtes in der Sprach- und Bibelschule zum Ausdrucke brachte, schlotz er sich auch im eigenen Namen diesen nun zum Ausdrucke gebrachten Weisungen und Aufträgen an. Sodann ergriff der zweite Delegierte der Kultusgemeinde Herr Dr. Heilpern das Wort und brachte zum Ausdrucke, datz die Ursache der Doppelvertretung darin liegt, weil die Kultusgemeinde mit offensichtlicher Freude wahrnimmt, mit welch grotzem und intensivem Fleitze das Kultuswesen einerseits, und die religiös sittliche Erziehung der Heranwachsenden Äugend andererseits in diesem Vereine gepflegt und gehegt wird, welch letzterer Mühewaltung die Muttergemeinde das höchste Interesse entgegenbringt. Gleichzeitig brachte er die Versicherung vor, datz er im Kultusvorstande der Dolmetsch des regen, geistigen Lebens dieses Vereines sein wird. KV. Herr S. Brod erklärte, datz er stets ein begeisterter Anhänger der Talmud-Thora ist, und da er sowohl aus den Zeitungsberichten, als auch aus dem Jahresberichte wiederholt entnommen hat, datz die Sckulsektion dieses Bethausvereines grotzes Gewicht auf die Kenntnis des jüdischen Urtertes legt, und die Schuljugend auch in die Kenntnis und Beherrschung der jüdischen Grammatik einführt, er mit Vergnügen und Befriedigung dieser ansehnlichen Generalversammlung anzuwohnen Gelegenheit nahm, und die sachlichen Darlegungen mit Interesse verfolgte. Hierauf wurde zum nächsten Punkte der Tagesordnung, „Wahlen", übergegangen. Der turnusmäßige Austritt traf im heurigen Jahre nachstehende Vorstandsmitglieder: Obmann Adolf Schramek, Obmannstellvertreter Elkan Bauer, Schriftführer Dr. Moritz Kohn, Kassier Josef Fischer, Obmannstellvertreter des Baukomitees Bernhard Fischer und das Ehrenmitglied Salomon Beck. An den Wahlen nahmen 52 Mitglieder teil. Die sechs ausscheidenden Herren wurden wieder- und, mit Rücksicht auf die hohen Aufgaben beim Baue des neuen Tempels, die Herren Hermann Ehrenfeld, Friedrich Allina. Michael Glogau, Adolf Glaser, Moritz Rosenblatt und Ignaz Reiser neugewählt. Sodann wurde die Generalversammlung nach zweistündiger Dauer geschlossen und die Konstituierung des Vorstandes für Samstag, den 25. Februar 1911, abends 8 Uhr bestimmt. Verband der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen. Der Ausschuß des Verbandes hielt am 15. d. M. unter dem Vorsitze des Obmannes Professor Dr. Heinrich P o l l a k eine Sitzung ab, in welcher zahlreiche und wichtige Agenden ihrer Erledigung zugeführt wurden. Jn^Angelegenheib der nichtdefinitiven Religionslehrer an den Staatsmittelschulen, deren Lage den Ausschuß schon in der Jännerfitzung eingehend beschäftigte, wurde nachfolgende Resolution mit Motivierung an den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde im Wortlaut beraten und beschlossen. Während der Staat, in dessen Dienste die israel. Religionslehrer an den österr. Mittelschulen stehen, nur wenigen der Standesgenossen eine gesicherte Existenz bietet, die Kultusgemeinde ihrerseits, obgleich sie dazu gesetzlich nicht verpflichtet ist, den Religionslehrern an den Volks- und Bürgerschulen eine; gesicherte Existenz verliehen hat, befinden sich die nichtdefinitiven Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen in einer sehr mißlichen, der Gerechtigkeit keineswegs entsprechenden Lage. Ganz besonders diejenigen, die ausschließlich diesem Berufe obliegen, da sie auch jene

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