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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-24 · 8 (24.2.1911) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Blochs Wochenschrift. Teile 125 Versorgungshauses Frau Diamant mit mehreren Komiteedamen, der Sekretär des Bankhauses S. M. v. Rothschild Richard B.ettelheim, ferner Direktor der Krankenanstalt Primarius Dr. Karl Fleischmann, die Professoren Dr. Zuckerkand!, Dr. Ludwig Braun und Dr. B r e u e r, der Verwalter Doktor K o r a n y i und die Pflegerinnen des Spitals. Die Trauerfeier wurde mit einer Gedenkrede des Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern eingeleitet. Ansprache des Präsidenten Dr. Alfred Stern bei der Trauerseier nach Albert Freiherrn von Rothschild im Spitale der israel. Kultusgemeinde. Wir haben uns zu einer Trauerkundgebung versammelt, zu einer Trauerkundgebung nach einem der besten edelsten Mitglieder und Wohltäter unserer Gemeinde, Albert Freiherrn von Rothschild, den wir vor einer Woche zu seiner letzten Ruhestätte geleiteten. Daß wir unsere Trauerversammlnng an dieser Stätte abhalten, bedarf wohl keiner Begründung. An der Stirnseite und im Vestibüle dieses Hauses Prangt die Inschrift: „Zum Andenken an seinen verewigten Vater, Salomon Freiherrn von Rothschild, ließ Herr Anselm Freiherr von Rothschild dieses Krankenhaus aus eigenen Mitteln erbauen und einrichien. In dankbarer Anerkennung dieses Werkes der Menschenliebe widmet die israelitische Kultusgemeinde Wien dem edelmütigen Gründer diese Gedenktafel. Sie soll der Nachwelt Zeugnis geben von dem wahren Mitgefühle des Stifters für seine leidenden Mitmenschen und seinen Namen verherrlichen für alle Zeiten." Die Inschrift schließt mit dem Bibelworte: „Den Kranken mache ich gesund." In dem Archive der Wiener Kultusgemeinde findet sich eine Zuschrift des Freiherrn Salomon von Rothschild, in welcher er Ausdruck gibt (ich zitiere seine Worte): „Der Liebe und Treue, mit der er der israelitischen Gesamtheit angehört und der mit Gottes Beistand seine sämtliche Familie bis zum spätesten Gliede mit gleichem fromm religiösen Gefühle immer angehören wird. Bruderliebe und freundliche Wohltätigkeit sind das Erbe unserer Väter und dies ist der reine Widerhall aus dem Herzen eines Sohnes, dem es so wie seiner sämtlichen Familie stets die heiligste Pflicht sein wird, die reinen und frommen Lehren unseres in Gott ruhenden Vaters dadurch zu erfüllen, daß, soviel in unseren Kräften steht, wir nie verabsäumen werden, der gesamten leidenden Menschheit brüderlich, den hilfesuchenden Glaubensgenossen väterlich, unter welcher Zone ihn auch die Geisel des Drangsals treffen mag, mit Rat und Tat beizustehen." Goldene Worte, welche der Sohn des Schreibers jener Zeilen sich ins Herz prägte und sie in die Tat der Errichtung dieses Refugiums für die leidenden Glaubensbrüder zum Andenken seines Vaters übertrug. Dieses Krankenhaus, ein, wenn ich es so nennen darf, Freiherrlich Rothschild'sches Familien-Fideikommiß, erfreute sich der unausgesetzten Sorgfalt auch des jüngst Dahingeschiedenen. Der Zubau, behufs Errichtung einer chirurgischen und gynäkologischen Abteilung und die noch in seinen letzten Lebenstagen erfolgte Erwerbung des Nachbarhauses behufs einer besseren Aus» nützung der Räumlichkeiten des Spitales geben hiervon Zeugnis. Es ist gar nicht auszudenken, die Fülle des Segens; ein Durchschnittsbelag von 162 Kranken täglich, im Höchststände bis zu 179, eine Ambulanz mit 15.700 Kranken im Jahre, wie viele Hunderte, wie viele Tausende im Laufe der Jahre, denen das Leben gerettet, die Gesundheit, die Erwerbsmöglichkeit wieder beschafft, die ihrer Familie zurückgegeben werden, mögen heiße Worte des Segens sprechen über die Erhalter, vor allem aber über die Gründer dieser Anstalt. Und so rufe auch ich dem jüngst dahingeschiedenen Mitgliede der edlen Familie, dem edlen, unvergeßlichen Wohltäter Albert Freiherrn v. Rothschild das Segenswort nach: „Gesegnet sei das Andenken des Frommen und Gerechten!" Sodann sprach der Direktor des Spitals Primararzt Doktor Karl Fleischmann, der den Eifer hervorhob, mit dem Baron Albert Rothschild stets für das von seinem Vater gegründete Spital gesorgt hatte. Zum Schluffe verrichtete Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n das Sterbegebet für Baron Rothschild. Das Beileid der Stadl Wien. In der gestern stattgefundenen Gemeinderatssitzung brachte Gemeinderat Alfons Herold nachstehende Interpellation ein: „Ich erlaube mir, an den Herrn Bürgermeister die Anfrage zu richten, warum die Gemeinde Wien bei der Leichenfeier des Albert Freiherrn von Rothschild durch keinen einzigen Funktionär vertreten war. Die Bevölkerung Wiens ist geradezu erstaunt über diese Außerachtlassung. zumal der Verstorbene nicht nur der Israelitischen Kultusgemeinde den Betrag von 100,000. Kr. vermacht, sondern als Jude auch für die christlichen Armen Wiens eine Spende von 100,000 Kr. verfügt, daher selbst, was die Höhe der Spende betrifft, keinen Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Armen gemacht hat, überdies jederzeit bereit war, wenn es sich um gemeinnützige Zwecke handelte, mit vollen Händen zu geben, zugrunde gegangene Existenzen wieder aufzurichten, bei Iud und Christ so manche Träne getrocknet hat und stets der wohltätigste Mann Wiens gewesen ist. Schon das Gefühl der Dankbarkeit hätte die Gemeinde Wien bestimmen sollen, einem solchen Wohltäter der Menschheit, insbesondere der Gemeinde Wien, die letzte Ehre zu erweisen." Gemeinderat Reustadtl hat eine gleiche Interpellation überreicht. Der Vorsitzende verwies in Beantwortung der Interpellationen auf seine diesbezüglichen Mitteilungen im Einlaufe, bei denen er das nachfolgende Kondolenzschreiben des Bürgermeisters verlesen hatte, das diesem.cm "Doktor Alfons Freiherrn v. Rothschild gerichtet hat: „Anläßlich des schweren Verlustes, den Euer Hochwohlgeboren durch das Hinscheiden Ihres Vaters, des Herrn Albert Freiherrn von Rothschild, erlitten haben, beehre ich mich. Euer Hochwohlgeboren mein aufrichtigstes Beileid zum Ausdruck zu bringen." Auf dieses Kondolenzschreiben erwiderte Dr. Alfons Freiherr von Rothschild: „Für die Worte warmer Teilnahme anläßlich des so überaus schmerzlichen Verlustes, den ich erlitten habe, spreche ich Euer Hochwohlgeboren meinen innigsten Dank aus." Beim Leichenbegängnis" war auch der Verein „Providentia" durch seine Vizepräsidentin vertreten und hat sich auch durch eine Kranzspende beteiligt. In Witkowitz ein Ballfest, während die Leiche des verewigten Baron Albert Rothschild in Wie» aufgebahrt lag. Wir erhalten folgende unglaubliche Mitteilung über das Gebühren der arischen Oberherren in Witkowitz: Am 11. morgens ist Baron Albert Rothschild gestorben und schon vormittags traf die Trauerbotschaft in Witkowitz ein. Mittags wehten schon überall die schwarzen Fahnen. Am Abend sollte der Ball der Werkmeister des Witkowitzer Eisenwerkes stattfinden. Eine Deputation begab sich zum Direktionssekretär, um anzufragen, ob der Ball stattfinden könne (!) Der Sekretär verneinte selbstverständlich, was aber der Deputation nicht genügte. Sie begab sich in derselben Sache zum Generaldirektor, welcher die Abhaltung des Balles gestattete! Also während der Mitchef der Gewerkschaft auf der Bahre lag, fand im gewerkschaftlichen Hotel mit der gewerkschaftlichen Witkowitzer Werkskapelle der Ball der Gutmann-Rothschild'schen Werkmeister statt und währte bis in die Vormittagsstunden des Sonntags. Zur

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