Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 8 (24.2.1911)
- Date
- 1911-02-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 124 Nr. 8 t /'o%a*Jr s Dr. Vlochs Wochenschrift. Israeliten auch nur der Letzte zu bleiben, dem dieses Zugeständnis erteilt wurde. Lasten Sie uns daher, meine Herren, vereint hoffen, daß durch die Gnade Gottes, durch die Milde des erhabenen Herrschers und durch die Weisheit seiner Ratgeber, welche bis jetzt vielleicht nur darum, um nicht an verjährte Präventionen zu rasch anznkämpfen, langsamen Schrittes zur Erteilung der Konzestionen sich bewogen befunden, doch nun von der vorurteilsfrcyen Stimmung der biedergefinnten Bürgerschaft Wiens überzeugt, die Gesamtheit unseres in so vielen Stürmen sich erhaltenen Stammes bald zu dem langersehnten Ziele gelangen wird, das der dankerfüllte Jsraelite als das teuerste Geschenk von seinem angeborenen Vaterlande mit treuer Bürgerpflicht zu bewachen und gewistenhaft zu bewahren sich bestreben wird. Lassen wir das Vertrauen und den Mut nicht sinken, daß bald die Zeit nahen , wird, wo den zu allen Opfern auf dem Altäre des ihm teueren Vaterlandes stets bereitwilligen, jüdischen Untertanen vergönnt seyn wird, bey dem Genüsse gleicher Rechte die mühsam errungenen Früchte geistiger Ausbildung dem öffentlichen Staatsdienste mit strengem Pflichtgefühle zu weihen, wo den österreichischen Israeliten auf dem heimatlichen Boden, den mancher seiner Kinder in den Tagen der Gefahr mit seinem Blute getränkt, außer der kleinen Scholle Erde, die erst am letzten Ziele des Daseyns sein Eigentum wird, auch während des Lebens eines freyen, unbeschränkten Besitztums sich zu erfreuen haben wird. Ihre Gottgefälligen Worte: Bruderliebe und freundliche Wohltätigkeit wären das Erbe unserer Väter, ist der reine Widerhall aus dem Herzen eines Sohnes, dem es so wie seiner sämtlichen Familie, stets die heiligste Pflicht seyn wird, die weisen und frommen Lehren unseres verehrten, unvergeßlichen in Gott ruhenden Vaters dadurch zu erfüllen, daß, so viel in unseren Kräften steht, wir nie verabsäumen werden, der gesamten, leidenden Menschheit brüderlich dem hülfesuchenden Glaubensgenosten väterlich, unter welcher Zone ihn auch die Geisel des Drangsales treffen mag, mit Rat und Tat beyzustehen. Jndesten bleiben die Spenden, von dem Segen, den der Allmächtige mir und den Meinigen verliehen, doch immer nur Erdengüter. Sie aber, meine verehrten Herren Vertreter! haben höheres Verdienst sich erworben. Sie find es, welche ein himmlisches Gut unseren Kindern hinterlaffen, denn durch beharrlich frommes Streben haben Sie die Gottesverehrung zu einer heiligen Weihe erhoben, wodurch der religiöse Glaube in Israel zum Frommen des Vaterlandes und jedes Einzeln neue Wurzel schlagt und in den gläubigen Busen selbst fremder Religionsbekenner Erbauung und Ehrfurcht gegen unseren Glauben und Achtung gegen deffen Bekenner verbreitet. Ja, der heilige Funke der Gotteslehre, den Sie in der zarten Brust unserer Jugend immer mehr anzufachen sich bemühen, wird zur sicheren Feuersäule sich gestalten, die uns vorschreiten wird, das noch herrschende Dunkel der Vorurteile zu bannen und uns bald als Morgenröte jenes Tages zu leuchten, der Israels Söhnen ein gleiches Recht mit allen anderen Staatsbürgern bringen wird. Ja, meine Herren; kommen wird der Tag, an dem Ihre edlen Bestrebungen von dem ruhmvollsten Erfolge, den einzigen, den Sie wünschen und begehren, gekrönt werden, dem Rechte für Alle, dieser Tag, an dem ich, wenn auch der erste, doch nicht der einzige jüdische Bürger sein werde, wird für mich ein wahrhafter Freudentag seyn. Möge Gott uns Allen das Glück schenken, diesen Tag mit unseren Augen noch zu sehen und freudig zu begrüßen. Nicht besser, meine Herren! weiß ich Ihnen meinen Dank für Ihre Teilnahme als durch diesen Wunsch auszudrücken. Genehmigen Sie die Versicherung meiner höchsten Hochachtung und Verehrung S. M. Freiherr von Rothschild m. p. Paris, den 26. Jänner 1843. Korrespondenzen Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 12. Februar 1911 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Vor Eingang in die Tagesordnung hält der Präsident dem verstorbenen Baron Albert Rothschild einen Nachruf, den wir in voriger Nummer veröffentlicht haben. Weiters gedenkt der Präsident in warmen Worten der vor wenigen Tagen verschiedenen Präsidentin des Frauenhortes Frau Rosa Zifferer und rühmt deren soziales und humanitäres Wirken. Im Einlaufe befinden sich an Spenden: Von einem'Anonymus durch Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern für einen wohltätigen Zweck.K 100.— Von Frau Rachel Marmorosch anl, des Sterbetages des sel. Herrn Jakob Marmorosch für wohltätige Zwecke . . . „ 40.— Von Frau Marie Stern anläßlich des Todestages ihres fel. Gatten Siegmund Stern für die Chewra-Kadifcha . . „ 20.— Spenden im Gemeindebethause II., Tempelgasse 3: Von den Herren: Rabbiner Dr. Rosenmann K 10, Heinrich Kollmann 30, Moriz Oesterreicher 10, Bernhard Spielmann 50, Max Knöpfelmacher 10, Friedrich Karbach 1000, Dr. Adolf Schmied! 80, Adolf Schramek 800, Dr. Gustav Kohn 20, Dr. Alfred Stern 185, I. Mayer, Proßnitz 50. Summe K 1525. Weiters die Zuschrift eines Gemeindemitgliedes, welches sich zur Zahlung einer Kultussteuer von K 300.— pro Jahr anstatt der vorgeschriebenen Steuer von K 120.— pro Jahr freiwillig bereit erklärt. Zur Verleihung gelangen die Erträgnisse nachfolgender Stiftungen und Legate: 1. Dr. Hayum S. Goldschmidt Legat zirka K 48.000 an zwanzig Institutionen, bezw. Vereine der Kultus - gemeinde in Beträgen von K 200.— bis K 7500.—. Da vielfach von bisher aus diesem Legate nicht beteilten Vereinen Ansprüche auf Beteilung geltend gemacht werden, deren Berechtigung der Vorstand anerkennen muß, wird beschlossen: Es ist den aus dem Goldschmidt-Legate beteilten Vereinen mitzuteilen, daß dieselben, soferne eine Verpflichtung zu deren Subventionierung nicht besteht, schon von der nächsten Verleihung ab auf eine regelmäßige und andauernde Zusendung aus diesem Legate nicht rechnen können. 2. Dr. Adolf Sacks Techniker-Stiftung 14 Plätze K 600.—. 3. D r. Adolf Sack s'sche Stiftung für HerzundAortakrankemit dem Erträgnisse von zirka K 8000.—. 4. KaiserFranzJosePh Jubiläums-Waisen- Stiftung 11 Plätze K 200.—. 5. D r. Osias H. S ch o r r-S t i f t u n g für Hörer der Wiener theologischen L e h r a n st a l t 15 Plätze K 600.—. 6. Elisabeth Ungar-Stiftung für Studierende, die sich zu Rabbinern herünbilden, X 2000.—. 7. Albert Baum-Stiftung für Techniker 12 Plätze K 200.—. Nach Erledigung einer Reihe von Subventionsansuchen und Personalien wird die Sitzung um 1 Uhr geschlossen. Karo« AU»ert fUrtljfdjtU». Im Sitzungssaale des Spitals der isr. Kultusgemeinde auf dem Währingergürtel veranstalteten der Vorstand der israel. Kultusgemeinde und die Direktion des Spitals eine Trauerkundgebung für Freiherrn Albert von Rothschild. Zu der Trauerfeier hatten sich eingefunden von der Familie des Verblichenen, Alfons Freih. v. Rothschild; ferner Oberrabbiner Doktor G ü d e m a n n, der Präsident der israel. Kultusgemeinde Doktor Alfred Stern mit den beiden Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h nl und Hofrat Dr. Rappaport, sämtliche Mitglieder des Kultusvorstandes und des Bethausvorstandes, die Sekretäre kais. Rat Dr. Lieben und Dr. Adler, Rabbiner Doktor F e u chft w a n g, die Präsidentin des Damenkomitees des israel.