Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Helte 118 Dr. Wochs Wochenschrift. Nr. 7 duldet? Fast scheint es, daß unsere Freude an der kleinen Sarah ihr Leid verursacht. „Welche Freude der Vater an diesem süßen, herzigen Kindchen haben muß?" „Sein Vater hat dieses Kind nie gesehen." Das ist mit dem Ausdruck tiefster Trauer, verzweifelnden Leides gesagt — daß wir innehalten in unserem Getändel mit Klein-Sarah, und ohne zu fragen, aufhorchen und — warten. Dicke Tränen stehlen sich aus den Augen der jungen Mutter und rollen auf den Nacken des Kindes. Arme Blume von Galiläa, mit welchem Tau werden deine zarten Glieder getränkt! Hie und da ein abgerissenes Wort und die ganze Tragödie haut sich vor uns auf. Man hat es ja gelesen und Vielleicht auch länger dabei verweilt — aber es zu erleben-zu erleben — daß der Mann tot heimgebracht wird — erschossen, aus dem Hinterhalt ermordet, medergeknallt von einem tückischen Araber, ohne jede Schuld ums Leben gekommen. Ein zufälliger Landbummler, ein jüdischer Tourist aus Rußland, war mit Arabern in Streit gekommen. Es hieß, sie wollten einen unmäßigen Preis für eine Fuhre, oder auch, daß sie ihm seinen photographischen Apparat nehmen wollten. Der Mann fühlte sich bedroht, machte von seinem Schießeisen Gebrauch, und verwundete einen seiner Gegner, der aus Mangel an ärztlicher Pflege starb. Bald darauf fand man zwei Juden als Opfer der Familienrache in ihrem Blute: in Sedjera einen, den anderen in den Gemarkungen von Jemma. Und dieses war der Vater Sarahs. Doch nein --- er wurde erst ihr Vater, als er längst im Grabe lag. Sein Blut hatte das Erdreich jgedüngt, der Samen quoll und keimte, es reiften die Früchte, und zwischen den Halmen der korngefüllten schritt ein schwerbeladenes Weib - der schmerzhaften Stunde entgegen — da sie ein vaterloses Kind. in die Welt setzen sollte. Und wie strampelt das rosige Dingelchen mit seinen dicklichen Beinchrn im sonnigen Licht von Galiläa, seltsam schön, wie aus einem Bilde von Rubens herausgeschnitten, und kräht vor Behagen. Der Vater aber, der Vater, er träumt weiter den Traum vom freien Juden auf freier Erde — tief in der Erde. Und Sarah wird heranwachsen, groß, schön und stark, ein rechtes, jüdisches Kolonistenkind. Die Mutter — je nun, wie soll sie's machen? Das Mädchen kommt in hie Fremde.- Wo sehen wir uns wieder? In Kairo als Bureaumädchen — am Kap, bei Kindern — oder in Ranada als Landarbeiterin? Wie viele gute, liebe palästinensische Mädchen enden so! Oder wirst du kleines Pflänzchen erstarken und wurzelecht im Boden der Heimat erblühen? Wirst du einst deine Kinder ans Grab ihres Ahnen führen und von seinem Opfertod erzählen? Wirst du? Wirst du ihnen die Mörder zeigen, die nach wenigen Monaten frei das Gefängnis verließen? — — — — — — Vor einigen Wochen ist ein Deutscher der wahnwitzigen Blutrache der Araber geopfert worden. Angesichts her türkischen und der deutschen Staatsrepräsentanten ist ein wohlgelittener und weit bekannter deutscher Grundbesitzer aus Haifa hingeschlachtet worden. Run muß das geschehen, was den Juden vorenthallen wurde: es muß Recht gesprochen werden. — — * "' * Jahre sind dahingezogen. Und wieder wandelt sich die Regenzeit zum blumenerfüllten .Lenz Galiläas — das Auge weidet sich an den wirren und doch harmonisch ineinander fließenden Farbenakkorden, es blüht und lockt allerwegen — die Blutmen steigen zu Berge und rufen die Wunder Gottes aus. Und von der Höhe des Dorfes Jemma leuchtet eine holde Blüte -- Klein-Sarah hat die Knospenblätter abgestreift — eine helle Blume, neigt sie sich der Erde zu,, m der ihr Vater ruht, das letzte jüdische Opfer fanatischer Blutrache. Literatur. Der Juden Anteil am Fortschritt der Kultur. 68 Seiten. 40 Pfg., bei grossen Bezügen billiger. Verein zur Abwehr des Antisemitismus, Berlin VV., Magdeburgerstrasse 14. Das Werkchen hat zwei Abteilungen: 1. Juden als Diplomaten, Minister und Politiker. 2. Die Juden in der Technik, der Kunst, der Wissenschaft und als Forscher, Entdecker und Eifinder. Anspruch auf Vollständigkeit erhebt das aufgeführte Material nicht; es genügt aber, um die gewaltige Mitarbeit der Juden an der heutigen Knltur zu zeigen. Sprachstudium. Le Traducteur, The Translator, II Traduttore, drei Halbmonatschritten zum Studium der französischen, englischen, italienischen und deutschen Sprache. Diese Lehrscbriften, welche soeben einen neuen Jahrgang beginnen, machen sich zur Aufgabe, das Studium der fremden Sprachen, wenn Vorkenntnisse schon vorhanden sind, auf interessante und unterhaltende Weise weiterzuführen. Die dem Urtext nebenan gestellte genaue Uebersetzung führt dem Leser in beiden Sprachen den richtig gewählten Ausdiuck vor, wodurch der Wortschatz vermehrt uud die Genauigkeit in der Wiedergabe des Sinnes erlernt werden kann. Jede .Nummer enthält neben einer durchlaufenden grossem Erzählung mannigfaltigen Lese- und Lehrstoff, Gespräche, kaufmännische Briefe, Uebersetzungsaufgaben, sowie eine besondere Rubrik für Brief-, Postkarten- und Zeitungsaustausch. Wer sich mit Sprachstudium befasst, dtm seien diese überall gut eingeführten,und bekannten Zeitschriften aufs Wärmste empfohlen. Probenummern für Französisch, Englisch oder Italienisch kostenlos durch den Verlag des Traducteur in La Chaux-de Fonds (Schweiz). Robert Hessen, Mutterwitz in Alltagsleben und Weltgeschichte, Umschlagzeichnung von F. v. Reznicek. Preis geheftet 1 Mark. Verlag von Albert Langen in München, Kaulbachstrasse 91. Diese Sammlung von hundertvierzig Antworten ist ein hohes Lied auf die natürliche Schlagtertigkeit, die blitzartig hervorspringt und sofort als ein Kunstwerk gefällt, das keiner Feile bedarf. Seltenes, nirgends Bekanntes tritt hier zum erstenmal vor ein scherz freudiges Publikum; alles Professionelle, Erfundene, Schreibtischmässige ist grundsätzlich ausgeschaltet worden. Das Kapitel der „Entgleisungen“ verhilft am Schluss der nicht minder wirksamen unfreiwilligen Komik zu ihrem Recht. Kuiz ein Buch für Leute, die gern lachen und ihren Schatz echter Lustigkeit gern vermehren. „Die Hilfe“. Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Herausgegebeh von Friedrich Naumann, M. d. R. Nummer 6. 9. Februar 1911. Aus dem Inhalt: Friedrich Naumann: Paul Singer. — Wilhelm Heile: Vor den Reichstagswahlen. — Walther Oppermann: Die Aufgaben des künftigen Theatergesetzes. — Wilhelmine Mohr: Die Frau in der Sanitätsinspektion. — Unsere Bewegung. — Soziale Bewegung. — Gottfried Traub: Nippen. — Paul Zschorlich: Humperdinck I. — Hermann Kienzl: Das Wiener Volk im „Jungen Medardus“. — Karl Wilhelm Fritsch: Um Michelburg. Roman. — Wilhelm Börker: Wolkenspiel. — Politische Notizen. — Buchverlag der „Hilfe“, Berlin ■Schöneberg. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle. Heft 2. XI. Jahrgang 1911. Inhalt: B. Samuel: Das Judentum in Galizien. — Ein bedeutender Fund althebräischer Inschriften aus der Zeit des Königs Ahab von Israel (mit 7 Illustrationen), Dr. A. 8. Yahuda. — Rabb. Dr. Kroner: Moderne Sprachweisheit. — Dr. B. Rohatyn: Die Gestalten des jüdischen Volkshumors. — Karl Schwarz: Hugo Kaufmann (mit 9 Illustrationen). — Vicki Baum: Rafael Gutmann, Erzählung (Schluß). — Ernst Ältkirch: Die portugiesische Synagoge (mit 7 Illustrationen). — Abschied von 'den Eltern, Noten. — Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Israelite Universelle“: An die verehrlichen Lokalkomitees der Alliance Israelite Universelle. — Geheimrat B. Timendorfer. — Eduard Cohen, mit Portrait. — Die Alliance-Expedition nach dem Yemen (Fortsetzung). — Notizen. — Schach. — Aphorismen. — Inserate. — Redaktion: Leo Winz, Berlin, 15, Knesebeckstraße 48/49. Verlag Ost und West, Leo Winz. Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstraße 32.