Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3021927-3021935--19981-3044994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 7 Dr. Blochs Wochenschrift. Leite 117 ZUM Ankauf von Holz und Kleidungsstücken für die arme notleidende Bevölkerung. Im Jahre 1904 — während der hier stättgefundenen Feuersbrunst — ist auch eine Synagoge, in welcher er betete, als Opfer der Flammen gefallen. Israel Bernard Goldstaub gab sich alle erdenkliche Mühe, um die Synagoge wieder aufzubauen und sie modern einzurichten. Der Leichenzug gestaltete sich — in Anerkennung seiner Verdienste — imposant. Die ganze städtische Intelligenz und eine große Menge der Bevölkerung nahm am Leichenbegängnisse teil, und in der Synagoge, welche vom Verblichenen erbaut wurde, hat der hiesige Rabbiner und Religionslehrer im hierortigen Staatsgymnasium, Herr Dr. Schapira, eine ergreifende Trauerrede gehalten. Am Friedhofe, am offenen Grabe, widmete der Bürgermeister der Stadt Buczacz, Herr Bernhard Stern, dem Verstorbenen einen warmen Nachruf und zitierte einen hebräischen Satz aus Jeremias, nämlich Kapitel 22, Vers 10: „Beweinet nicht den Toten und beklaget ihn nicht, sondern beweinet den hingegangenen Fortschrittsmann, der sich dem Wohle der Menschheit nicht mehr widmen wird!" Der Verstorbene hinterläßt eine Witwe, 5 Söhne und 2 Töchter. Ein Sohn, Herr Sigismund Goldstaub, ist Landes- und Gerichtsadvokat in Lniatyn, 3 Söhne, die Herren John, Adolf und Eleasar Goldslaub, wohnen in Berlin und ein Sohn, Herr Leo Goldstaub, in Nürnberg. Die eine Tochter ist an den Apotheker in Lemberg Herrn Hahn, die zweite an den Ingenieur Herrn Pomeranz verheiratet. Sofia. Mitte Jänner haben hier und in ganz Bulgarien die jüdischen Gemeindewahlen stattgefunden. Die Wahlbeteiligung war eine ungewöhnlich große, etwa 55 Prozent aller Wahlberechtigten. Gewählt wurden zum Präsidenten der sephardischen Gemeinde Herr John David Levi, zum Vorsitzenden des Kultusvorstandes in derselben Gemeinde Herr M. F a r k i, zum Präsidenten der askenafischen Gemeinde Herr Josef Ferber, zum Vizepräsidenten M. Adler, zum Vorsitzenden des Kultusvorstandes der hier allgemein geschätzte Herr Max Rosenbaum aus Hamburg, als Beisitzer Herr Hermann Bier st ein und Herr Bankdirektor Jacques Gaster. Prag. (Verein für unentaeltlichen Arbeitsnachweis.) Die am Sonntag den 5. Februar stattgefundene zehnte Generalversammlung bildete gleichzeitig die Feier des zehnjährigen Bestandes dieses auf rein humanitären und volkswirtscbaftlichen Grundsätzen beruhenden Vereines, dessen Ansehen und erfolgreiche Tätigkeit, in stetem Wachsen begriffen, in den letzten Tagen di'e besondere Anerkennung des k. k. Handelsministeriums erlangt haben. Die Sympathien, welche dieser Verein in allen Handels- und Gewerbekrersen genießt kamen auch in der zahlreichen Beteiligung an der Generalversammlung zum Ausdruck. Seitens des Landesausschusses war Herr Karl Kominek, Landesinipektor für Arbeitsvermittlung in Prag erschienen, welcher, vom Präsidenten Herrn Heinrich Denhof begrüßt, den Verein, sowie insbesondere den Präsidenten selbst zu deu eminenten Fortschritten auf dem Gebiete der Arbeitsversorgung wärmllens beglückwünschte. Hierauf verlas der Schriftführer Herr kais. Rat M. U. Dr. Alfred Bastyr den Geschäftsbericht, welcher ebenso, wie der vom Vereinskassier Herr Moritz Bondy vorgebrachte Kassenbericht mit allgemeinem Beifall genehmigt wurde. Aus den beiden Berichten war insbesondere zu ersehen, daß sich immer mehr Arbeitsuchende an den Verein wenden, andererseits eine immer größere Anzahl von Firmen in ganz Böhmen ihr Vertrauen durch Beitritt kundg dt. Dem nich langjähriger, intensiver Tätigkeit scheidenden Sekretär Herrn Eduard Weißkopf wurde seitens des Präsidenten, sowie der Versammelten wärmster Dank und Anerkennung ausgesprochen und der genannte Herr in den Vorstand kooptiert. Sodann teilte der Präsident die Uebernahme des Sekretariates durch Herrn Julius Bnnzl-Federn mit. Bei den hierauf stattgefundenen Wahlen wurde der frühere Vorstand wiedergewählt: cs erschienen Herr Rudolf Jserstein mit dreijähriger, Herr Josef Stroß mit ^einjähriger Funktionsdauer, sowie Herr Anton Glaser in das Revisionskomitee aewählt. Mit dem in tiefempfundenen Worten seitens Herrn Julius Pollak ausgesprochenen Danke an den Vorstand und dessen Obmann Herrn Hein ich Denhof schloß die solenne Versammlung. Feuilleton. Die Klrrrnen von Galiliia. Von H. Jork-Steiner. Rote Anemonen, so groß wie die Tulpen - die glänzenden Blüten zu hunderten beisammen. Dann in dichten Feldern, als seien sie in ganzen Aeckern hingesäet — Anemonen in zartem Lila, wie um zu zeigen, daß der liebe Gott auch Modefarben zu erzeugen versteht — und endlich weiße Anemonen - ein gut abgestimmtes Bild muß auch Helle Farbenflecke zeigen. Nun eine Fläche, aus dessen saftigem Grün blaue Spitzen brechen: wilde Schwertlilien und dicht bei, wie auf einer Bauerntruhe rote Tulpen. Ein Hügelabhang ist in brennendes Gelb gehüllt, das emporlodert an den Ginsterbüschen und in das trockene Heideland leckt; blaue Cascaden fallen nieder. — blühende Lupinen, oder ist es verwilderter Krapp? Ueberall aber steht die Cyklame in dichten Büscheln, dicker Blüten — neben den Lenzeskindern — die Blume des Spätjahrs, wie eine Myriade violetter, lila abgetönter Schmetterlinge. Und wir fahren mitten durch, die Augen weit geöffnet. Bild um Bild einzusaugen. Der Kutscher läßt die Pferde ziehen, wirft sich in die köstlichen, leuchtenden Pflanzen und bringt Arme voll der blühenden Gaben an unser Geführte. Blaue Blütentrauben hängt er den Pferden ins Geschirre, gelb leuchtet es aus den Rädern und die Passagiere sitzen eingez hüllt in allen Farben des gütigen Gottes, der sein Land so freigiebig zu schmücken weiß. Bergauf — bergab, unter dunklen Eichen, an blassen Oliven vorbei, neben blühenden Bäumen und schwellenden Sträuchern — immer weiter, weiter, in der lauen — duftgeschwängerten Luft. Und nun eine weite Fläche, ein kuppenbegrenztes Tal — das kcchl daliegt, fast traurig neben der verführerischen Schönheit der blumigen Tristen. Hier wird Korn gebaut. Die Brotfrucht verdrängt den Blumenflor: der Bauer vernichtete das Unkraut. Wir sind in Iemma, einer jüdischen Kolonie, die mit ihren dunklen Basalthäusern ernst, düster, fast traurig ins Tal blickt. Hie und da unterbrechen einige Bananenbäume das farblose Düster — sonst weit und breit nichts, was das Auge erquicken könnte. Nichts? Gar nichts? In einer jüdischen Kolonie! Und wo bleiben die Kinder? Eben kommen sie aus dem Betli liaseter, die Schule ist zu Ende — und um unseren Wagen wimmelt es von Blondköpfen mit schlichtem und krausen Haar, als sei Iemma ein friesisches Dorf. Nur das männliche Kindermädchen einer Kolonistin, ein bildschöner Araberjunge, zeigt den semitischen Typus. Die Kinder lärmen, trotz der feierlichen Sprache, die uns das Hebräische ist, genau so wie andere losgelassene Dorfkinder — „dein Schwesterchen, die Sarah kommt", rufen sie einem der Knaben zu, und für einen Augenblick verstummt der Lärm. Eine zarte Frau von südlichem Typus, das Haar schlicht gescheitelt, trägt ein Baby von etwa einem Jahre. Mutter und Kind blinkend in sorgsamer Nettigkeit. Das Kindchen jauchzt uns entgegen. Welch ein blumenhaftes Geschöpfchen. Der Mund mit seinen Kirschenlippen ist klein, in geschwungener Linie gezeichnet. Die glänzenden Augen blicken aus schwellenden Wangen, in denen kleine Grübchen nisten, Aermchen und Beine verschwinden fast in rosafarbenen Fettklümpchen, so daß man die kleine Menschenpflanze immerzu und überall abküssen möchte. Warum die Mutter unsere Zärtlichkeit teilnahmslos