Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Dr. Blochs WochenMift. Seite IN viele Juden gar nicht in der Wählerliste stehen. Zudem ist die jüdische Bevölkerung Hietzings fast durchaus bemittelt. Arme finden sich nur wenige. Es ijt weiterhin Sorge zu tragen, daß die Mitgliederzahl des Tsmvelvereines wächst und wie bisher wird persönliche Agitation dazu beitragen. Das zweite wichtige Moment bildet der Ankauf eines Baugrundes zur Errichtung eines Tempels. Der jetzt benutzte Betsaal ist zu klein und teuer. Entsprechend große und der Bestimmung passende Lokale sind im dreizehnten Bezirke nicht zu finden. Da die Herren des Tempelvereines die Betätigung des Glaubens an heiligen Orten für die Erhaltung und Festigung des Iudentums für wertvoll und wichtig halten, da ferner im Bezirke selbst für würdige, weihevolle und eindringliche Abhaltung der religiösen und Familienfeiern gesorgt werden muh. weil alle anderen Kultstätten zu weit entfernt sind, da endlich die Leitung glaubte, daß aus einem gläubigen und national denkenden Hetzen auch der Sinn für Gutestun entsteht, dieser aber wir die Religiosität die höchste Form der Sittlichkeit ersetzen kann, ist das Bestreben darauf gerichtet, ehestens einen Tempel im 13. Bezirke zu erreichen. In der Tat ist der Baugrund bereits zur Hälfte bezahlt und die zweite Hälfte wird ehestens aufgebracht werden. Erst nach schuldlosem Grunderwerb wird der Tempel errichtet werden. Ilnd hiebei wird wieder der Grundsatz festgehalten werden, der Gemeinde und den Nachfolgern keine Lasten aufzubürden. Für diese Bauidee herrscht im Bezirke allgemeine Begeisterung. Drittens verzeichnet die Geschichte des Hietzinger Tempelvereines die Wahl seines Vorstandsmitgliedes, des allgemein verehrten und geschätzten Hofiuweliers Mar Zirner zum Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde. Der Vorsitzende begrüßte neuerlich diesen Erfolg des Tempelvereines, weil er überzeugt ist, daß Herr Zirner nicht nur die Interessen Hietzings energisch vertreten wird, sondern das; auch an ihm die allgemeine jüdische Wohlfahrt einen Vertreter haben wird. Insbesondere wünschte Dr. S. Krenberger Eintreten für die Erweiterung des Wahlrechtes in den Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde. insbesondere durch Schaffung einer dritten Kurie der Minderbesteuerten. Herr Kassier S. Hoffmann erstattete den Kassenbericht und Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Isidor Spielmann beantragte als Revisor das Abfolutorium für die musterhafte Kassen- und Buchführung. Darauf begrüßte Herr Kultusrat Kommerzialrat Leopold Simon im Namen des Kultusvorstandes und im eigenen den Verein, erklärte, daß er eine besondere Freude und Genugtuung empfinde, datz in diesem vorgeschobensten Bezirksteile eine so starke und eifrige Tätigkeit sich entwickle, versprach seine und des Kultusvorstandes Förderung und Unterstützung und besprach dann in glänzender, durch grotze Erfahrung und Sachkenntnis unterstützter Weise die Mirage des Tempelbaues und des Wahlrechtes. In beiden Fällen mahnte er zur Vorsicht und wünscht vor allem keinen V"unk und Vomp im Temvel und genaue kaufmännische Berechnung beim Bau. Er^bekennt sich seiner als Gegner der Ausdehnung des Wahlrechtes, weil der Kultusvorstand keine politische, sondern eine administrative Institution ist und weil das Steuerrscht und die Steuerpflicht nicht geregelt und fixiert sind. Den Ausführungen des Redners folgte Beifall. Herr Kultusrat Hofiuwelier Mar Zirner dankte nochmals für die Unterstützung seiner Wahl und entwickelte in kurzen markigen Worten sein Programm. Eintreten für die Interessen des Bezirkes und energische Mitarbeit für die allgemeine Wohlfahrt der Wiener Iudenschaft. In der strittigen Frage des Wahlrechts werde er sich erst informieren und sicher das Beste zu entscheiden suchen. — In trefflichen Worten begrüßte das Vereinsmitglied Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Ludwig Pick den Verein und die Leitung, worauf Herr Ingenieur Hajek die Wiederwahl des gesamten Ausschusses per Akklamation beantragte. Dies geschah denn auch. Der Vorstand besteht also aus folgenden Herren: Dir. Dr. S. Krewberger, Obmann: Hermann Kuner, Iean Hertzka, Obmannstellvertreter: Gustav Jakob, Schriftführer: Doktor Ernst Karman. Schriftführerstellvertreter; Samuel Hoffmann, Kassier; Isidor Bernfeld, Kassierstellverlreter; Hermann Kuner, Jakob Popper, Ferdinand Herzog. Tempelvorstände: Isidor Güns, Iakob König, Josef Smetana, Mar Zirner, Vorstandsmitglieder: Fritz Blüh. Leopold Goldner. Leopold Redlich. Stellvertreter im Vorstände: Iosef Barkan. Franz Josef Klein. Hof- und Gericktsadvokat Dr. Isidor Spielmann. Revisoren. Tempelbauvercm des VIII. Bezirkes der Stadt Wien. Am 12. Februar dieses Jahres fand die ordentliche Generalversammlung des Tempelbauvereines des VIII. Bezirkes der Stadt Wien, Neudeggergasse 12, im Tempelgebäude statt und gab Zeugnis von der stets fortschreitenden Entwicklung dieses Vereines unter der zielbewußten Leitung seines Vorstandes. Der Präses, Herr Hermann Beck, eröffnete die Versammlung, konstatierte deren Beschlutzfähigkeit und begrüßte die Erschienenen," insbesondere der Gemeinde- und Vereinsrabbiner Herrn Dr. Moriz Bauer, den Delegierten der Kultusgemeinde und gleichzeitigen Vertreter des Tempelvereines im IX. Bezirk. Herrn Gottlieb Bettelheim und den Herausgeber der ..Ossterreichischen Wochenschrift" Herrn Dr. Josef Bloch. Entschuldigt haben ihr Fernbleiben der Präsident dre Kultusgemeinde Herr Dr. Adolf Stern, ferner die Herren Kultusvorstände Salo Cohn, Dr. Jacob Engel, David Ritter v. Gutmann, Em. Grünwald. Dr. Anselm Halpern, Dr. Heinrich Schreiber, Ad. Schrämet. Kommerzialrat Leopold Simon und Pereinsvorstand Herr Lazzaro Vitali. Der Vorsitzende gedenkt in warmen Worten des leider so früh verstorbenen Gönners und Gründers des Tempels des Baron Albert v. Rothschild, ebenso der verstorbenen Mitglieder und bittet zum Ausdruck der Trauer sich von ihren Sitzen zu erheben. Der Schriftführer Herr Dr. Sigmund Goldberger gibt einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahr. Der Verein schreite in der gedeihlichen Entwicklung fort, und es bedürfe nur einer etwas größeren Unterstützung seitens der Kultusgemeinde, um den Bestand der Fortführung für immer zu sichern. Er erwähnt mit bestem Danke die zahlreichen Spenden, die dem Tempel in Geldbeträgen und Gegenständen zu gottesdienstlichen Verrichtungen gewidmet wurden und appelliert an die weitere Munifizenz der Tempelbesucher und Gönner des Vereines. Der Revisor Herr S. Bauer bringt den Gebahrungsausweis und das Bilanz-Konto zur Kenntnis der Generalversammlung. Beides wird genehmigt und dem Vorstände einstimmig das Absolutorium erteilt. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden einstimmig wiedergewählt die Herren: Hermann Beck. Albert Frankl. Dr. Sigmund Goldberger. Ludwig Horch. Jakob Modern als Ausschutzmilglieder: Herr Mar Platschek als Ausschußstellvertreter und' die Herren S. Bauer, Hermann Stern (neu) und Philipp Weiß als Revisoren. Der Delegierte der Kultusgemeinde Herr Gottlieb Bettelheim dankt namens der Kultusgemeinde für die Einladung und beglückwünscht den Verein zu seinem Vorstande und dessen hervorragende Leistungen. Er ver-