Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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«eite 110 Dr. Blochs Wochenschrkst. Nr. 7 Abg. Lazarski tröstete die Frauen und versicherte ihnen, der Polenklub werde sich alle Mühe geben, ihr Los nach Tunlichkeit zu bessern. Der Obmann des Ruthenenklubs Dr. Okuniewski erklärte, er werde sich ebenfalls für die Schaffung eines Uebergangsftadiums einsetzen, er machte jedoch auf die großen Gefahren aufmerksam, die der Alkoholgenuß für die ruthenischen Bauern mit sich bringe, deren kulturelle Entwicklung dadurch gehindert werde. Es müsse darnach getrachtet werden, dem Alkoholausschank in Galizien unbedingt zu steuern. Er und sein Klub werden sich für die Einführung gerechter Uebergangsbestimmungen für die Beschädigten einsetzen. man müsse sich hiebei aber auch das moralische und materielle Wohl des ganzen Volkes vor Augen Hallen. Um 1 Uhr nachmittags verließ die aus zirka 2500 Personen bestehende Deputation das Parlament und begab sich in die zur Ausspeisung bestimmten Lokalitäten. Nach der Ausspeisung'zogen'die galizischen Schenker, unter denen sich an 400 Frauen befanden, in zwei Zügen zu den Versammlungslokalen, und zwar ins Hotel Central und „zum goldenen Widder". Alle Teilnehmer waren durch blaue Maschen gekennzeichnet. Für halb 4 Uhr war der Beginn der Versammlung angesetzt, aber schon eine Stunde früher waren beide Versammlungslokale so überfüllt, daß sie gegen weiteren Zuzug polizeilich abgesperrt werden mußten. In den Versammlungen hat Abgeordneter Breiter in polnischer Sprache, Abg. Stand in jüdischem Jargon gesprochen. Als die Abgeordneten im Saale erschienen, kam es zu erschütternden Szenen. Hochbetagte Greise, alte Frauen mit weißem Kopfe warfen sich ihnen zu Füßen, küßten ihnen die Hände und beschworen sie unter Tränen, ihnen ru helfen. Die Abgeordneten hatten Mühe, die von Hoffnungslosigkeit gebrochenen Leute zu beruhigen. Heftiges Schluchzen der Versammlungsteilnehmer unterbrach oft die Rede der Abgeordneten, die in beiden Versammlungen sprachen. In beiden Versammlungen wurden schließlich konforme Resolutionen angenommen. Um halb 12 Uhr nachts erfolgte die Rückfahrt der Schenker nach Galizien, undJnur fünf Deputationsmitglieder begaben sich nach Budapest, wo sie vom Ministerpräsidenten Dr. Freiherrn v. Bienerth in Audienz empfangen wurden. Die galizischen Schänker in der Speisehalle der „Einheit". Der größte Teil der zweitausendköpfigen Schänkerdeputation wurde in der großen Speisehalle des jüdischen Vereines „Einheit" verköstigt. Der Verein „Einheit" hat sich diesen unerwartet großen Anforderungen an seine Leistungsfähigkeit gegenüber wieder, wie schon oft, auf der Höhe seiner Aufgabe gezeigt. Abgesehen von seinen täglichen 940 Gästen konnte der Verein überdies noch 1400 galizische Schänker Mittags und Abends mit kompletten Mahlzeiten versehen. Wieder hat sich gezeigt, daß die großartige, moderne Einrichtung der Küche und Speisehalle der „Einheit", II., Malzgasse 12, den größten Anforderungen zu entsprechen vermag. Die in der Speisehalle der „Einheit" gespeisten Schänker, die während der Mahlzeit von dem die rituelle Aufsicht führenden Rabbiner der Schiffschul. Herrn F ü r st. begrüßt wurden, waren auch voll des Lobes sowohl über die Qualität der dargereichten Speisen, wie auch über die musterhafte Ordnung, in welcher das gewiß nicht leichte Arrangement abgewickelt wurde. Besonderes Lob verdient es, daß die „Einheit" von den obenerwähnten 2300 Portionen 600 vollständig gratis zur Verfügung gestellt hat. Der Obmann des Vereines Herr Bernhard Hofbauer und das Vorstandsmitglied Herr Fischer haben die Ausspeisung persönlich überwacht. Budapest. Heute nachmittags um i/g4 Uhr empfing Ministerpräsident Freiherr von Bienerth im Hotel Hungaria die von den Abgeordneten Mahler, Stand und Dr. Straucher geführte sechsgliedrige Deputation der galizischen Schänker. Der Ministerpräsident sprach eingehend auch mit jedem einzelnen Mitglied der Abordnung. In längerer Ansprache führte er dann aus, daß er mit allem Eifer bestrebt sein werde, die vorkommenden Härten zu mildern. Bezüglich der Schaffung von Uebergangsbestimmungen konnte der Ministerpräsident keine bestimmten Zusagen machen, doch gewann die Deputation den Eindruck, daß von seiner Seite der Frage mit aufrichtigem Wohlwollen die größte Aufmerksamkeit zugewendet werden wird. Der Kabinettschef erklärte, er werde sich darüber mit dem Handelsminister Dr. Weiskirchner und dem Statthalter von Galizien Dr. Bobrzinski auseinandersetzen. Vorläufig dürsten voraussichtlich 900 Nachtragskonzefsionen zur Erteilung gelangen. Bon der Chewra-Kadischa. Montag, den 13. Februar dieses Jahres, wurden die Delegierten des Vorstandes der Chewra-Kadischa, welche sich der pietätvollen Aufgabe der Leichenbegleitung in dankenswerter Weife unterziehen, vom Präsidenten der Chewra - Kadifcha Herrn Salo Cohn zu einer geselligen Zusammenkunft eingeladen, bei welcher eine gegenseitige Aussprache stattfinden, Wünsche und Anregungen gegeben werden, sollten. Die Zusammenkunft nahm einen überaus würdigen Verlaus und wurde durch einen munifizenten Akt des Präsidenten Herrn Salo Cohn abgeschlossen. Mehrere Delegierte betonten nämlich unter anderem die Dringlichkeit einer sofortigen Unterstützung armer "Leidtragender und gaben die Anregung, daß den Delegierten derCchewra- Kadischa diesbezügliche' gewisse Vollmachten gegeben werden sollten. Herr Salo Chon, welcher diese Anregung als sehr zweckentsprechend bezeichnete, erklärte hierauf, zur Bildung eines Fonds für diesen Zweck einen Betrag von Kronen 10.000 zu widmen. Diese hochherzige Erklärung wurde von der Versammlung mit stürmischem Beifall entgegengenommen, in deren Namen Vizepräsident Herr Dr. Markus Spitzer dem Danke an den munifizenten Spender in warm gefühlten Worten Ausdruck gab. Dem Beispiele des Präsidenten folgend/widmeten für den gleichen Zweck Herr Vorsteher Jacob Kann einen Betrag von Kronen 500 und Herr Vorsteher Carl Lemberger einen Betrag von Kronen 300. Ordentliche Generalversammlung des Tempelvereines des XIII. Bezirkes. Am 30. Januar fand die sechste ordentliche Generalversammlung dieses jüngsten Wiener Tempelvereines unter guter Beteiligung der Mitglieder statt. Die Vereinsleitung hatte die Freude, Herrn Kommerzialrat und Kultusrat Leopold Simon als Vertreter des löblichen Wiener Kultusvorstandes begrüßen zu können. Der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. S. Krenberger, konnte in seinem Berichte das verflossene Jahr als ein gesegnetes, für die Zukunft des Vereines sicher glückliches bezeichnen. Die für eine solche Hoffnung bestimmenden Momente waren folgende: Im abgelaufenen Jahre hatte der Verein 33 neue Mitglieder gewonnen. Er erreicht heute schon die Zahl der Mitglieder anderer Tempelvereine und steht nur mehr den Tempelvereinen des zweiten, zwanzigsten und neunten Bezirkes nach. Aber mit dem Anwachsen des dreizehnten Gemeindebezirkes steigt auch die Zahl der jüdischen Einwohner. In der letzten Wählerliste für die Wiener Kultuswahl waren für Hietzing 209 Zensiten verzeichnet und in der Kurie der Höherbesteuerten zählt Hietzing 16 Herren. Run darf man nicht vergessen, daß viele Hietzinger Einwohner in den inneren Bezirken ihre Bureaur haben und daselbst Wähler sind und daß ferner