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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-17 · 7 (17.2.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 106 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 7 drücker spielt. Sie erinnern die Dolen daran, daß die ersehnte, angekündigte Autonomie Polens nur aus dem Prinzip des harmonischen Zusammenlebens aller Nationalitäten in Rußland entspringen kann. Die Polen ihrerseits suchen sich durch den Hinweis auf die kulturelle Eigenart der Juden in Polen zu verteidigen, die eine Gefahr für das Polentum bedeute. Sie weisen hin auf die stark verbreitete Jargonpreisr und auf die fünf Jargontheater, die im Gegensatz zu polnischen Bühnen sich blühenden Lebens erfreuen. Ja, sie klagen — weil es ihnen so patzt und in Petersburg gern gehört wird — den Jargon am datz er bewutzt und unbewußt eine germanisierende Rolle spiele und preußischen Okkupationsgelüsten — dieser Spuk ist immer vorhanden - gefährlich vorarbeite. Die gesamte polnische Presse propagiert jetzt den Antisemitismus in seiner brutalsten Form, Männer mit literarischem Namen, wie Prus, Swientochowski, Niemojewski scheuen sich nicht, den politischen, ökonomischen und sozialen Boykott der Juden zu proklamieren. Es läßt sich überhaupt nicht verkennen, daß die gesamte Politik der polnischen DumavertretunL sich in der letzten Zeit nach rechts wendet und datz sie nicht abgeneigt ist, mit der russischen Reaktion, von der sie in der gegenwärtigen polnischen Konstellation Vorteil erhofft, zu liebäugeln. Dies würde sich freilich schließlich als ein grausamer politischer Irrtum Herausstellen, und es dürfte nicht allzu lange dauern, bis sich bei den Polen die Reue darüber einstellt, zu Gesetzen, die eine Verleugnung aller liberalen Prinzipien darstellen, milgeholfen zu haben. Warschau. Die russische Regierung holt zu einem neuen Schlag gegen die Polen aus. Nach der Ausscheidung des Ehelmer Landes soll nunmehr auch Litauen vom Königreich Polen abgetrennt werden. Es wird eine neue administrative Einteilung jener Gebiete geplant, in denen die litauische Bevölkerung die Majorität bildet, so zwar, datz aus den Gouvernements Kowno, Wilna, Grodno und Suwalki zwei neue Gouvernements gebildet werden sollen. Dieselben würden sodann aus dem Territorium Kongretzpolens .ausgeschieden und den russischen Gouvernements zugezählt werden. Auch eme Kolonisierung nach preußischem Muster plant die russische Regierung an den Westgrenzen des Königreichs Polen. Die fortgesetzte Selbst-Schandung der Täuflinge in Budapest. Einer der vornehmsten Budapester Klubs ist der llnionklub, m dem sich die Hautefinance zusammenfindet. Er wird gewöhnlich her „Millionärklub" genannt und hat seine eleganten Lokalitäten im Hotel Hungaria. In der letzten Zeit wurden vom Baron Emmerich Fejervary, dem Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Baron Geza Fejervary, zwei Herren zur Aufnahme in den Klub empfohlen, und zwar der ehemalige Reichstagsabgeordnete und Sohy des früheren Handslsministers Ludwig Horanszky und der Direktor der Ungarischen Bank- und Handelsaktiengesellschaft Emmerich Vajda. In der Sitzung, in der über die Aufnahme der beiden Herren entschieden werden sollte, präsidierte der bekannte frischgebackene „Katholik", Großindustrielle Alexander Deutsch-Hatvany. Horanszky wurde ohne jede Debatte in den Klub aufgenommen. Als jedoch über die Aufnahme Vajdas abgestimmt werden sollte, erhob sich Herr Deutsch-Hatvany und führte aus, dag nach den Statuten des Klubs die Zahl der jüdischen Mitglieder kontingentiert sei und daß nur 40 Prozent der Mitglieder jüdischer Konfession sein dürfen. Wenn diese Zahl vollständig sei, könne ein neues jüdisches Mitglied erst dann ausgenommen werden, wenn ejn Sitz durch Austritt oder Todesfall frei werde. Infolgedessen müsse die Aufnahme Vajdas vorderhand in Schwebe gelassen werden. Als Horanszky von dem Beschluß Kenntnis erhielt, erklärte er, datz er auf die Aufnahme nicht reflektiere, da er einem Klub, der konfessionelle Rücksichten hegt, nicht angehören wolle. Daraufhin begab sich Herr Deutsch-Hatvany sowohl zu Baron Fejervary als auch zu Horanszky, um die Angelegenheit wieder gut zu machen, und sicherte für die nächste Sitzung die bedingungslose Aufnahme Vajdas zu. Die Geschichte erhält noch dadurch eine ganz besondere Pointe, datz Vajda.schon seit vielen Jahren der evangelischen Kirche angehört. Jedenfalls hat die Budapester Täuflings-Gesellschaft wieder eine sogenannte Affäre, die große Heiterkeit erregt. Das deutschsprachige Judentum im Anstand. Unter diesem Titel behandelt Davis Trietsch (Berlin) im letzten Vierteljahrshefte des Vereines für das Deutschtum im Ansland die wenig bekannte Tatsache, daß von den annähernd 121/* Mill'vnen Juden der ganzen Welt volle 11 Millionen deutschsprachig sind. Zwar ist das von den Juden des Auslandes gesprochene Idiom zum größten Teil das sogenannte Judendeutsch, aber es ist doch dem Deutschen ebenso gut verständlich, wie viele deut'che Mundarten, die aus dem deutschen Sp rachbereich auszuschaltcn niemand einfallen würde. Zudem ist auch die Zrhl der mehr oder weniger reines Deutsch sprechenden Juden im Ausland bedeutend. Nrch Trietsch zählt Rußland 5,880 000 deutschsprachige Juden, dann folgt Oesterreich-Ungarn mit 2.150.000. In Amerika hat Groß-New-Iork allein 1,200.000 deutschsprachige Juden; Rumänien zählt deren -75.000, England 250.000 und Frankreich, hauptsächlich Paris, lOo.ooo. In der europäischen und asiatischen Türkei sind neben 400.000 Spaniolen 100.(00 deutschsp achige Juden nachzuwersen. Jerusalem, das bei 100.000 Einwohnern eine Zweidrittelmehrheit von Juden hat, ist dmch diese eine überwiegend deutschsprachige Stadt. Auffallend ist im Orient die starke Beteiligung auch deS nicht deutschsprachigen Judentums am deutschen Schulwesen. So haben die deutschen Schulen in Jassy, Rustichuk, Philippopel. Konstantinopel, Saloniki und Beirut jüdische Schüler von 38 bis al Piozent und in Konstantinopel ist die Z ihl der mosaischen Säckler (288) fast so groß wie die der evangelischen (1^5) und der katholischen (W9) zusammen genommen. In Kleinasten und Nordafrika ist allerdings der Einfluß der Alliance Jsrael'te Universelle bisher wesentlich zugunsten der französischen Sprache wirksam gewesen. Am deutlichsten und für das Deutschtum am ungünstigsten tritt da« in Ma oUa hervor, von wo aus das Judentum al; kaufmännischer Vermittler bis zu oen entlegensten Oasen der Sahara dank der uwfaffenden Tätigkeit der französischen Allianceschulen im Dienste französischer Handelsausbreitung tätig ist. Sogar in weiten Gebieten Südamerikas sind nach den neuesten Feststellungen der Alllance Jsraeläe Universelle viele Hunderte marokkanische Juden als Kleinhändler tätig. Sie werden von der Alliance als europäisierendes Element — selbstverständlich van Paris aus im französischen Sinne — begrüßt. Neuerdings hat sich übrigens aus der Mitte der Alliance selbst deutscher Widerspruch gegen die allzu sehr vorwiegende Förderung des Französischen erhoben. Hierzu bemerkt die „Kreuz-Zeitung" (vom 4. Februar 1911): „Zweifellos hat der Verfasser darin recht, wenn er die Deutschsprachigkeit dieser Million ausländischer Juden, zumal im Orient, als einen wichtigen Faktor für dis Ausbreitung deutscher Kultur und Wirtschaftsinteressen im Auslande bezeichnet. Der kleine Uersöhurrngstag.^) Eine liturgische Studie vo.r Dr. Armin Abeles-Wien. (Fortsetzung.) Wie an allen anderen Fest- und freudigen Gedenktagen erscheint im Talmud das Fasten am Neumondtag ausdrücklich verboten12) Die Volkssitte ging jedoch noch einen Schritt weiter. So ängstlich war sie auf die Wahrung der Festesfreude dieses Tages bedacht, daß das Verbot des Fastens auch auf den Vortag des Neumonds ausgedehnt wurde, so daß der Neumondtag in diesem Belang wichtiger erscheint als der Sabbat, an dessm Rüsttag das Fasten in talmudischer Zeit mindestens ")Taanith15b So heißt es auch im apoklhphischen Buch Judith: Judith fastete alle Tage ihrer Witwenschaft mit Ausnahme der Sabbate und Nmmondtage. Kap. VIII b.

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