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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-17 · 7 (17.2.1911) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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«eile 102 Dr. Blochs WochttWrfft. Sir. 7 Es wäre eine historische Tat gewesen, der vernichtenden Macht des Antisemitismus die Kraft eines Rothschild entgegenzusetzen und stauäarä works für die bedrängte Iudenschaft zu schaffen. Das soll wahrhaftig keine Klage oder Anklage sein. Es ist unendlich viel geschehen "für das Judentum. Aber nicht die eine große Tat. Der verstorbene Freiherr hat sich zu dieser nicht bewogen gefühlt. Auf ihm übte der Gedanke keinen Druck aus, dah seine Millionen seinem Volke zugerechnet wurden und daß die Juden einen verstärkten Schutz durch ihre groben Männer brauchten. Auch der vor seinem Bruder Heimgegangene Freiherr Nathaniel hat diese lleberzeugung nicht gehabt. Er hat einen Nachlab von zwanzig Millionen für eine allgemeine Nervenheilanstalt gewidmet und zum Dank wurde das Andenken des Toten geschmäht, von einer „jüdischen Stiftung" gesprochen, welche kein Bezirk in seinen Grenzen beherbergen wollte, bis es schließlich an die Grenze der Stadt verbannt wurde. Auch Baron Albert verteilte seine Wohltaten nach beiden Seiten, unterstützte Kirchen so gut wie Synagogen, jüdische Gelehrte so gut wie arische. Damit soll durchaus nicht gesagt sein, dah er auf der einen Seite hätte aufhören oder die Zuwendungen verringern sollen. Ein Geschlecht der Rothschild hat Verpflichtungen gegen die Allgemeinheit und soll sie ganz und voll erfüllen. Dabei aber sollen seine führenden Chefs nicht vergessen, dab allen Personen und Unternehmungen jeder Art die Mittel der breiten Oeffentlichkeit und des Staates zur Verfügung stehen, nicht aber den jüdischen. Die Juden find durch die antisemitische Agitation in ihrem Erwerb gestört, dem Staate gegenüber aber haben sie nur Pflichten, aber keine Rechte, — es wäre denn, sie wären Rothschilds, könnten Renten begeben und Panzerplatten liefern. Das erzeugt eine grohe und dringende Notwendigkeit, dah die starken jüdischen Faktoren der jüdischen Oeffentlichkeit ganz besonders zu Hilfe kommen. Um nur ein Beispiel zu geben: Die Entrechtung und Beraubung der galizischen Schänker hat wieder einmal ein krasses Beispiel dafür gegeben, wie systematisch die Polen und Ruthenen ihre Juden auszuhungern. Da wäre wohl Gelegenheit für einen Rothschild, aus der jüdischen Hausindustrie in Galizien eine Industrie und Arbeitsgelegenheit für Tausende von Händen zu schaffen. Es gibt kein Hindernis dafür, in Rußland gibt es auch jüdische Fabriksarbeiter zu zehntausenden. Fall Nummer zwei: Das jüdische Gewerbe braucht dringend eine Kreditorganisation, sie wäre mit Rotschildschen Mitteln ein Kinderspiel. Fall Nummer drei: Die jüdische Durchwanderung kommt aus Mangel an Geld in Oesterreich immer wieder ins Stocken. Das ein kleiner Bruchteil für ein Wirtschaftsprogramm großen jüdischen Besitzes. Vielleicht hat der verstorbene. Baron keine Gelegenheit zur beabsichtigten Durchführung gehabt und hat mit den Mitteln dafür die Ideen dazu seinen Nachkommen hinterlassen. Die Ahnen -er Familie Rothschild. Die Familie Rothschild darf mit gerechtem Stolze auch auf ihre großen Ahnen, unter denen es auch hervorragende rabbinische Autoritäten gegeben, blicken. In den W. Mitteilungen Nr. 49 (1856) wird hierüber folgendes berichtet: Bekanntlich war der erste Gründer der weltbekannten Bankhäuser Rothschilds nicht bloß Finanzier, sondern auch Gelehrter. Nicht allein mit einem bei Geschäftsleuten ungewöhnlichen, jüdischen Wissen ausgerüstet, kam der mehr durch seiue musterhafte Rechtlichkeit, als durch seinen Reichtum berühmt gewordene Mair Rothschild nach Frankfurt, sondern auch als verdienstlicher Archäolog und ausgezeichneter Numismatiker, was ihm sogar später den Umgang mit gekrönten Häuptern verschaffte. Wenigen dürfte es aber bekannt sein, daß die Freiherrn v. Rothschild auch sehr geachtete Rabbin er unter ihren Ahnen zählen. Nach dem Memorialbuch zu Worms, so berichtet der gelehrte Verfasser des a’p'-tt nwßj, war R. Mendel Rothschild (1732) mehrere Jahre Prediger in Prag, hierauf Rabbiner in Bamberg, später Landrabbiner in Hessen und zuletzt Rabbiner in Worms, wo er an vierzehn Jahren das Rabbineramt bekleidete. Die betreffende Stelle in seinem Buche lautet: „Mendel war ein ausgezeichneter Talmudist, der Kabbala sehr mächtig, und verfaßte viele hebräische Werke, die ungedruckt blieben. Er fastete mehrere Jahre alltäglich, schenkte der Synagoge eine Thora- Rolle mit einem Vorhang vor der Bundeslade, auch einen messingenen Leuchter, auf welchem an Sabbath- und Festabenden Lichter angezündet und die Kosten hiefür zum Teil von den Zinsen der unterlegten 20 Gulden bestritten werden sollten." Auf dem Leuchter, der noch gegenwärtig in der Synagoge benützt wird, befindet fich eine eingravierte, hebräische Rundschrift in sehr erhebender Weise auf den wohltätigen Spender. Die Familie Rothschild entstammt nach der Angabe des Verfassers „Schem hagedolim" der Familie des erwähnten Rabbi, weshalb es nicht überflüssig sein mag, wenn wir hier nach Werke Q*1 2^2 ">28 (Fürth 1766) die Stammtafel der Familie Rotschild, soweit sie unfern Rabbi Mendl betrifft, geben: Jsaac Rothschild (Vorsteher in Frankfurt a. M), Salomon Rothschild (Rabbiner in Würzburg und Friedberg), Mendel Rohtschild, dessen Epitaph auf einem Grabstein des israelitischen Friedhofes zu Worms zu lesen, Salomon Rothschild (in Oellingen), Boas Raphael Rothschild (Verfasser obigen Werkes). — Boas fügt hinter Jsaac auch die Worte hinzu: ovn 'wk -IVN nrt»i oin'N $uo, es ist somit die Familie Rothschild nicht nur eine der berühmtesten, sondern auch eine der ältesten in Israel usw. Zum Schluffe sei noch bemerkt, daß der Gründer des Bankhauses Rothschild, Meier Rothschild (geb. 1743 zu Frankfurt a. M.) in seiner Jugend die talmudischen Hochschulen „Jeschiboth" zu Prag, Preßburg, Lemberg und Warschau besucht und sich gediegene talmudische Kenntnisse angeeignet hat. Trotz seines, oder richtiger wegen seines streng religiösen Lebenswandels erwarb er sich das Vertrauen gekrönter Häupter. Besonders gewogen war ihm der Landgraf von Hessen, dessen großes Privatvermögen zweifellos eine Beute Napoleons geworden wäre, wenn er (Meier nämlich) es nicht auf wunderbare Weise, wobei er sich der größten Gefahr aussetzte, gerettet hätte. Das ist der Charakter eines „echten Talmudjude n". Im Jahre 1812 hatte Meier Rothschild das Zeitliche gesegnet. Vor seinem Hinscheiden erteilte er in echt patriarchalischer Weise seinen fünf Söhnen, Anselm, Salomo, Nathan, Charles und James, den Segen, beschwor sie, dem Glauben der Väter treu zu bleiben und fest zusammen zu halten. Dr. Fr. Die Kondolenzen. Im Aufträge des Kaisers hat Generaladjutant G. d. K. Graf Paar aus Budapest folgendes Beileidstelegramm an Baron Alfons Rothschild gerichtet : „Seine Majestät vernahmen mit Bedauern das Ableben des Freiherrn von Rothschild, Euer Hochwohlgeboren heute zu Gott Heimgegangenen Vaters, .und geruhen, Herrn Baron und Geschwistern allerhöchst ihrer wärmsten Teilnahme an dem Schmerze pb dieses schweren Verlustes huldvollst zu versichern. Im allerhöchsten Auftrag: Graf Paar." Vom Erzherzog Franz Ferdinand langte folgende Depesche an: „Zu dem schweren Verlust,, den Sie erlitten,, spreche ich Ihnen und Ihren Brüdern mein aufrichtigstes Beileid aus. Erzherzog Franz."

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