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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-17 · 7 (17.2.1911) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 7 Qro Bloch’s I«hrg«ng XXVI» Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. -□ - Wien, 17. Februar 1911 Lrscbelnt jeden Freitag. , Brief-Adresse: Wien, ix/ir Hahngaffe 15. v Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. De^ugsprris für Vrfkrrrriltz: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. -t, Anzeigen: Die 4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. o u —D o f A. ft. Pofisxarftayrnarnt Q Slearing-Verkebr «r. 810.976. Redattion und Administration: Wirn IX/i. Hahngaffe Nr. 15. j) Telefon Nr. 14.847. J oO _ Oo Inhalt: Leitartikel: Rothschild. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Paul Singer. Der Antisemitismus in Polen. Die fortgesetzte Selbst - Schändung der Täuflinge in Budapest. — Der kleine Versöhnungstag. — Eine moderne jüdische Propagandaschrift. — Korrespondenzen: Die galizischen Schänker in der Speisehalle der „Einheit". Budapest. Die Massenp-tition der galizischen Schanker in Wien. Von der Chewra-Kadischa. Ordentliche Generalversammlung des Tempelvereines des XIII. Bezirkes. Tempelverein des VIII. Bezirkes der Stadt Wien. Wien. Ableben des Ehrenpräsidenten der Sarajewoer Sepharden - Gemeinde. Die Pestepidemie und die Juden. Die judenfreundliche Kälte. Ein großer jüdischer Rechtsschutzverband in London. Die australische Regierung über Zangwills Australien-Projekt. Ableben des Dermatologen Dr. Siegmund Lustgarten. Roosevelt und die rumänischen Juden. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Blumen von Galiläa. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Rothschild. Pomphaftes Trauergefolge schritt hinter dem einfachen Sarge, in welchem nach der Väter alter Sitte Baron Albert Rothschild zu Grabe getragen wurde. Im Walten des Schicksals wieder der große Trost für die Armen, welchen ihr Dasein eine wuchtige Last und ein Fluch ist: Vor dem Angesicht des Todes wurde der Mann ihnen wieder gleich, dessen Namen vielen Hunderltausenden seiner hungernden Prüder der Begriff des Reichtums, eine märchenhafte Sehnsucht, ein Traum von irdischer Allmacht war. Tatsächlich beherrschte der Verstorbene auch ein kleines Königreich mit Zehnlausenden von Untertanen, einem Budget, wie von einem kleinen Staat, mit meilenweiten Länderstrecken. Aber der Nimbus war noch immer größer als der faktische Besitz. Es gibt adelige und geistliche Großgrundbesitzer genug, -deren Vermögen das des Rothschilds erreicht und übersteigt. Nur, daß diese im Verborgenen bleiben, während der Namen Rothschild den Blick der Massen geradezu hypnotisiert. Das gibt nun Anlaß zu Fragen und Betrachtungen. Welche Verwendung haben seine Schätze gefunden? Sie waren nicht bloß ein Privat- oder Geschäftsvermögen, dessen Inhaber sich durchaus in nichts einen fremden Einspruch oder eine Kritik gefallen lassen muß. Mit den vielen Millionen Rothschilds war nämlich die Gesamtheit der Juden vor der Oeffentlichkeit belastet und auf sie zeigten immer die antisemitischen Agitatoren, wenn sie von dem „jüdischen Reichtum" und unserer angeblichen Macht sprachen. Mit dem größten Unrecht natürlich. Es besteht tatsächlich nicht der mindeste Zusammenhang und kein Grund zu verächtlichen Hinweisen. Das Kapital der Rothschilds stammt durchaus aus Geschäften, welche vom ersten bis zum letzten nur mit Regierungen christlicher Staaten gemacht wurden, die schärfste Kontrolle und Kritik vertragen und eine so patriotische Tendenz hatten, daß sie mit dem Adel, der Hoffähigkeit und hohen Orden belohnt wurden. Auch der verstorbene Chef des Wiener Hauses stand persönlich und geschäftlich auf der Höhe. Selbst die exklusivsten aristokratischen Zirkel konnten ihm das Zeugnis nicht versagen, daß er je einen andern Anstoß erregt hatte, als den durch seine Abstammung. Seine Mittel wieder erlauben dem Baron in der Finanzwelt ein edles Vorbild zu sein und seine großartigen, weltumspannenden Verkehrs-, Industrie- und Bankunternehmungen im vornehmsten Stile zu führen. Auch bei der Ausübung seiner sozialen Pflichten zeigte er sich von der nobelsten Seite, trug zur Pflege der Wissenschaft, Kunst und Wohltätigkeit mit .freigebigen Händen bei. Und doch bleibt noch eine kritische Glosse übrig und das war sein Wirken als Jude. Nicht das Leben. Es ist eine schöne und bewundernswerte Tradition im Hause der Rothschild, daß sie ihr Judentum wie einen Krönungsmantel tragen und um so stolzer betonen, als es sie nicht gehindert hat, ein Weltfaktor zu werden und überall hohe Würden zu erlangen. Fest und treu blieb Baron Albert was er war, der Tradition dienend und dem eigenen Triebe gehorchend. Die Fahnenflucht hat er verachtet und über die Fahnenflüchtigen kam manches scharfe Wort auf seine Lippen. Für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde hegte er ein hohes Interesse und er ließ sich über alle Vorgänge jeder Zeit ausführlich Bericht erstatten. Sein Name ist mit allen jüdischen Wohltätigkeitsanstalten von segensreicher Bedeutung verknüpft und nach Tausenden zählen die Personen, denen er in aller Stille und ohne jeden Anspruch auf Dank in verzweifelter Lage geholfen hat. Gar viele Menschen hatten der Wirksamkeit des im Hause Rothschild bestehenden eigenen Wohltätigkeitsbureaus die Gründung einer Existenz, die Rettung aus schwieriger Lage zu danken. Das Bekenntnis also blieb nicht nur reine Theorie, sondern zeigte sich auch in einer ständigen und hochherzigen Hilfeleistung für jüdische Zwecke. Aber — und dieser Vergleich soll die Grundlage einer Einwendung geben — Baron Edmund Rothschild in Paris hat mit mächtigem Griff die Kolonien in Palästina geschaffen. Darf man nicht von einem Wiener Rothschild eine ähnliche Aktion erwarten, soll nicht seine Fürsorge fiir seine Glaubensgenoffen gleich großartige Dimensionen annehmen?

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