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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-10 · 6 (10.2.1911) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
6 (10.2.1911)
Date
1911-02-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Blochs Wochenschrift. 97 Literatur. „Für unsere Jugend*«. Dies der Titel eines neuen Buches, welches die Vereinigung israelitischer Religionslehrer and Lehrerinnen in Frankfurt a. M. (Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a'M.) für die jüdische Jugend herausgegeben hat und dessen Erscheinen einen jeden jüdischen Lehrer erfreuen wird, denn es ist ein Buch, welches allen jüdischen Kindern gefallen und auf alle Leser einen nachhaltigen Eindruck machen wird. Der Mangel einer jüdischen Jugendlektüre wurde niemal3 so sehr empfunden, wie in unserer Zeit, in welcher jüdische Kinder in der interkonfessionellen Schule ganz im christlichen Geiste erzogen werden. Wie anders kann dieser verderblichen Wirkung gesteuert werden, als durch ein schönes, gutes Buch, welches den Schülern Juden als handelnde Personen vorführt, ihre Tugenden schildert, ihre Fehler geisselt, ihre Grösse glorifiziert! Daran wird man nirgends zweifeln, besonders dort nicht, wo man überzeugt ist, dass der an vielen Orten nur einstündige Religionsunterricht nicht genügt und einer Ergänzung bedarf. Könnten wir den Schülern gute Jugendbücher allwöchentlich leihen, Bücher, die ihnen gefallen, die sie belustigen, unterhalten, belehren, dann stünde es anders um unsere Jugend; sie hätte ein reges Interesse für das Judentum und würde ihm stets treu bleiben; die heute so zahlreichen Abfälle vom Judentum würden sich stark reduzieren. Wir haben aber leider bis heute nur einige solcher Bücher und die sind wenig verbreitet. Besondere Jugendbibliotheken sind bis jetzt nicht begründet worden und wir haben die Schulbibliotheken nicht veranlasst, dass sie diese anschaffen und jüdischen Schülern leihen. Ich muss namentlich den grosstädtischen Rabbinen und Religionslehrern den Vorwurf machen, dass sie auf dem Gebiete der Jugendlektüre nichts leisten. Es ist geradezu beschämend, dass in Wien, wo es tausende jüdische Schüler gibt, keine einzige jüdische Jugendschrift erscheint, welche sämtliche Schüler lesen würden; diese würde uns grosse Dienste leisten. Warum wird sie nicht herausgegeben? Fehlt es an Geld? Nein, denn sie würde noch Nutzen tragen. Fehlt es an tüchtigen Männern? Nein, denn die sind (ich vermute es wenigstens) in Wien in grosser Zahl vorhanden. So lange wir nicht eine gute Jugendzeitschrift haben und für die Herausgabe guter Jugendlektüre nicht sorgen, haben wir für die Jugend nichts getan. Wenn wir schon selbst nichts schaffen, so ist es umsomehr unsere Pflicht, dass wir das Gute, das draussen im Reiche erscheint, fördern und verbreiten. Dies verdient namentlich das neueste Buch: „Für unsere Jugend“. Es ist sehr reichhaltig, bringt zwar auch Altes, aber nur Gediegenes. Alles wird den jungen Lesern gefallen und wenn ich auch weiss, dass sich ihnen beim Lesen öfters ein Tränenstrom aus den klaren Augen ergiessen wird, so bedauere ich sie doch nicht, denn die Tränen des Mitgefühls, welche der fühlende Leser vergiesst, machen glückselig. Rührend ist: Zwei Reiter, Eine Sedernacht in Madrid, Die zwei Fremden etc. Unterhaltend ist: Der Zar und der Rabbi, Korporal Spitz etc. Ich müsste fast alle 50 Titel nennen, denn alles ist interessant. Ich bin aber nicht der berufene Kritiker, sondern die Kinder vom 11.—15. Lebensjahr. Für sie ist das Buch bestimmt und sorgen wir dafür, dass sie es alle, alle, auch die Armen lesen. , Könnten wir nicht und sollten wir nicht auch in Oesterreich Aehnliches schaffen? Raudnitz a E ' Dr. Richard Feder. Über Doppelberichte in der Genesis. Eine kritische Untersuchung und eine prinzipielle Prüfung von Dr. Arthur A 11 g e i e r, Geistlicher Lehrer am Friedrichsgymnasium zu Freiburg i. Br. (Freiburger theologische Studien, 3. Heft.) gr. 8° (XVI u. 144) Freiburg und Wien 1911, Herdersche Verlagshandlung. Mk. 3.-, K 3.60. Diese Arbeit greift in die biblische Frage ein. In dem lebhaften Kampf, der darüber in den letzten zwei Jahrzehnten sich entspannen hat, wurde erkannt, dass nur Einzeluntersuchungen weiterführen können. In diesem Sinne schrieb vor zwei Jahren Professor Dr. Alfons Schulz in Braunsberg die Arbeit „Doppelberichte im Pentateuch“. Vorliegende Schrift wendet sich zum erstenmal in ausführlicher Begründung gegen sie, indem sie an den Genesisstücken zu zeigen unternimmt, dass die Auslegung von Schulz kritisch unzutreffend ist, und den Nachweis erbringen will, dass die prinzipielle Auffassung der Heiligen Schrift, welche der Behauptung von Doppelberichten zu Grunde liegt, mit der Tradition nicht vereinigt werden kann. Böhm L., Lieder eines fahrenden Ohossid. Humorist. Dichtungen für jüdische Geselligkeit. Illustriert von 8. Singer, Oberkantor, Kattowitz, nnd S. Kahn, Nürnberg. Verlag Louis Manasse, Hildesheim 1910. K 1.76. Diese Art jüdischer Kuplets, die in der Offenbach-Aera ihre Blütezeit erlebt haben, muten uns heute ein wenig fremdartig an. Man wird die Sprache ein wenig barock finden. Aber jüdisch empfunden sind sie und es wird einem warm ums Herz schon beim Lesen. Wir empfehlen die Probe mit dem „Anneg Schabbos“, „Der Schabbesgast“, „Nach Sukkoth zu gesund“, „Nichts zu Kiddusch und nichts zu Hawdole“, „Da muss man gehn ä Schale fragen“ und „Ä bittere Gewure hat doch so ’ne Frau“. Bekannten jüdischen Wiegenliedern nachempfunden ist: „Derweil schlof dich aus, mein Kind“. Wir können diesen Nachzügler einer längst verklungenen Literatur, die einst im Osten Deutschlands wirkliche Kunstblüten getrieben hat, mit ruhigem Gewissen allen empfehlen, die über einen harmlosen jüdischen Witz zu lachen sich noch nicht entwöhnt haben. x. Eine babylonische Quelle für das Buch Job? Eine literargeschichtliche Studie von P. Dr. Simon Landersdorfer 0. 8. B. (Biblische Studien, XVI. Band, 2. Heft) gr. 8° (XII u. 138) Freiburg 1911, Herdersche Verlagsbuchhandlung. M 4.—, K 4.80. Seitdem die grosse Bedeutung der babylonischen Kultur für Kanaan, speziell für Israel immer mehr zu Tage trat, hat es nicht an Gelehrten gefehlt, die sich auch bezüglich der beiderseitigen Literatur in mehr oder minder allgemeinen Behauptungen zu Gunsten einer gewissen Abhängigkeit der alttestamentlichen Bücher vom babylonischen Schrifttum ausgesprochen haben. Es handelt sich hier jedoch um ein Problem, das einzig und allein durch eine Reihe von Detailuntersuchungen klargelegt werden kann, so oft eben in einem konkreten Falle durch irgend welche auffallende Beziehungen die Frage nach dem literarischen Verhältnis zweier Produkte aufgerollt wird. Einen Beitrag zur Lösung dieses hochwichtigen Problems will vorliegende Arbeit liefern, indem sie einen einzelnen Fall einer eingehenden Untersuchung unterzieht. Obgleich der in Betracht kommende babylonische Text noch sehr lückenhaft ist und sich nicht einmal Anlage nnd Gedankengang im einzelnen sicher feststellen lassen, ergibt sich doch bei näherer Betrachtung mit aller Sicherheit das Resultat, dass die von mancher Seite behauptete Abhängigkeit des Buches Job vom babylonischen „Lied des leidenden Gerechten“ sich nicht erweisen lässt. Abgesehen von diesem Hauptergebnis dürfte die Arbeit auch deshalb von Bedeutung sein, weil sie zum ersten Male eine zusammenfassende Behandlung des hochinteressanten babylonischen Textes unter möglichst vollständiger Berücksichtigung der gesamten darauf bezüglichen Literatur bietet. Das dritte Buch Esdras und sein Verhältnis zu den Büchern Esra- Nehemia. Von P. Edmund Bayer 0. F. M. Gekrönte Preisschrift. (Biblische Studien, XVI. Band, 1 Heft.) gr. 8° (XIV und 162) Freiburg—Wien 1911, Herdersche Verlagshandlung. M 4.40, K 5.28. Die Geschichte des nachexilischen Judentums hat in jüngster Zeit grosses Interesse gefunden, und namentlich über die Periode der Rückkehr und der Wiederherstellung des jüdischen Gemeinwesens in der Heimat hat sich in den letzten Jahrzehnten eine reiche Literatur entfaltet. Die Hauptquelle für die Geschichte dieses Zeitraumes haben wir in den Büchern Esra-Nehemia. Zn ihnen existiert aber eine apokryphe Parallele, das sogenannte 3. Buch Esdras. Vorliegende Schrift will nun eine allseitige Orientierung geben über das Verhältnis des 3. Buches Esdras zu Esra-Nehemia, Die Hauptresultate sind folgende : 3 Esdras ist nicht das Fragment einer Uebersetzung des chronistischen Werkes, sondern eine in sich geschlossene Komposition, die eine Schilderung der Geschicke des Tempels von des Königs Josia Kultrestauration bis zur Gesetzesreform des Esra zum Inhalte hat. Es war ursprünglich in hebräischaramäischer Sprache abgefasst. Das Eigengut des Buches Kap. 3, 1—5, 6 hat der Kompilator selbst verfasst und dem Buche eingefügt, in dessen Aufbau es einen relativ notwendigen Bestandteil bildet. Literargeschichtlich ist 3 Esdras jünger als Esra-Nehemia, die Stellung der einzelnen Abschnitte in Esra-Nehemia ist älter. Die Chronologie der nachexilischen Geschichte, die schon in Esra- Nehemia nicht ganz stimmt, ist bei 3 Esdras noch mehr verworren. Der Wert des apokryphen Buches liegt auf textkritischem Gebiete. Engert, Dr. Th., Die Sünden der Päpste im Spiegel der Geschichte. Eine Modernisten-Antwort auf die Borromaeus-Enzyklika. Bd. II. M. 3.— (Vollständig in zwei Bänden IV und 382 8. gr. 8° M. 6.— oder beide Bände in 1 eleg. Halbfranzband M. 8.—). Leipzig, Verlag von Krüger & Co. Mit dem zweiten Band endet das Werk, das durch seine objektive Darstellung in hohem Masse geeignet ist, eine Übersicht über die Geschichte der Päpste zu bieten, da auch das Gute anerkannt wird, was das Papstt im in Bezug auf Kultur etc. geschaffen hat. Wir erleben gleichsam mit den tragischen Todeskampf des deutschen Königstums gegen das Papsttum, das die Weltherrschaft erstrebt. Die Päpste in Avignon, die Kreaturen des französischen Königstums, folgen, deren höchstes Streben die Bereicherung ihrer Verwandten ist. Immer tiefer sinkt das Papsttum, um bald in Alexander VI. und Julius II. auf der tiefsten Stufe moralischer Verkommenheit anzulangen. Der sittliche und religiöse Bankerott des Papsttums kurz vor der Reformation — das gibt den richtigen Masstab zur Beurteilung der Borromaeus- Enzyklika. Aus deh Schlusskapiteln ersehen wir, dass sich die I ' 5 n? j

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