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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-10 · 6 (10.2.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
6 (10.2.1911)
Date
1911-02-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 96 Dr. Vlochs Wochenschrift. ftt. 6 Schon in den Briefen des Apostels Paulus wird erwähnt, daß bereits im Jahrhundert der christlichen Aera in Salonichi eine zahlreiche Judengemeinde bestanden habe. Im 15. Jahrhundert liehen sich wieder zahlreiche Juden aus Norddeutschland, Ungarn und Polen in Salonichi nieder. Die stärkste jüdische Einwanderung erfolgte jedoch nach 1492, dem Zeitpunkte der Vertreibung der Juden aus Spanien. Gegen Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts siedelten sich ungefähr zwanzigtausend Juden in Salonichi an. Sie bildeten 36 verschiedene Gruppen: Zwei Gruppen von Juden hatten diese spanischen Flüchtlinge bereits in Salonichi vorgefunden: die Aschkenasim und die Italiener. Rabbi Jacob Ben Habib de Zamora erzählt in seinem historischen Werke, dah er in Salonichi eine Anzahl hervorragender Rabbiner vorgefunden habe. Die italienischen Juden besahen hier zwei Synagogen und zwar eine der sizilianischen und eine der Juden von Pulra. Der Rabbiner der italienischen Iudengemeinde hieh Samuel Franco. Der gröhte Teil der aus dem Lande des katholischen Ferdinand und Jsabeua geflüchteten Juden waren auf der Suche nach einem Zufluchtsland und wendeten sich an Bayazet II und baten ihn um seine Gastfreundschaft. Der Sultan gewährte sie ihnen mit Vergnügen, denn er war froh, neue Untertanen zu gewinnen, die durch das Band der Dankbarkeit an seine Krone zu binden und überdies Salonichi, das damals noch sehr schwach bevölkert war. 1>urch eine Anzahl tätiger und ergebener Elemente zu bevölkern. Bezeichnend für diesen Sultan ist der verbürgte Ausruf, den er rvrr seinem Hofstaate gemacht hat: „Man sagt, Ferdinand sei ein weiser König. Wie kann das möglich sein, wenn er fein Land verarmt, um das meinige zu bereichern?!" Banyazet trug seinen Gouverneuren auf. die Juden entgegenkommend aufzunehmen und ihnen die Ansiedelung zu erleichtern. Diejenigen, welche die Juden unterdrückten, oder ihnen ein Leid zufügten, wurden strenge bestraft. Rabbi Capsali erwirkte vom Sultan grohe Begünstigungen für seine Glaubensbrüder. Die Juden, die sich in Salonichi ansiedelten, waren so zahlreich, dah die übrigen Elemente schließlich in den Hintergrund traten. Der Dichter Samuel Osque nennt Salonichi „die Mutter Israels", weil es den verfolgten Juden Schutz und Obdach gewährte. Die kastilianische Sprache wurde beibehalten, jedoch allmählich verderbt im Gebrauche und durch die Sprachen, die die Juden hier von ihrer Umgebung täglich hörten. Die spanischen Juden lebten in ihrer neuen Heimat sehr glücklich. Sie luden ihre Verwandten, die sich auf ihrer Flucht in andere Länder, so nach Frankreich und Italien gewandt hatten, ein, gleichfalls nach Saloniki zu kommen. Don Juda Senor Vanbaneste, der Sohn eines spanischen Finanzministers. dem es gelungen war, einen grohen Teil seines Vermögens zu retten, lieh sich ebenfalls in Salonichi nieder und gründete daselbst eine grohe Bibliothek, die er den Studierenden zur Verfügung stellte. Man nahm das Talmudstudien wieder auf, gründete eine Hochschule, in welche rabbinische Wissenschaft und Astronomie gelehrt wurde. Der wirtschaftliche Wohlstand stellte sich allmählich wieder ein, dank dem Unternehmungsgeiste der Juden und den Beziehungen, welche diese mit ihren Glaubensbrüdern in allen Ländern unterhielten. Der 'Fiskus fand in dieser Tätigkeit eine wichtige Quelle neuer, reichlicher Einnahmen. Von den Gelehrten jener Epoche seien hier besonders erwähnt: Josef Passy, Meir Arama, Salomon Cavalliero, Samuel Uziel, Samuel-el-Bohri, Josef ben Pahia, Salomon Mitrani, Salomon Häzen, Abraham Sidalvo, Abraham ben Salomon Tailcttak, Jacob ben - Habib, Perahia Cohen, Aron Asia, Samuel Fresco und vor allen der berühmte Moche Almosnino. Die Juden haben ihre Sitten erhalten. Sie haben ihren Kult in der alten Ursprünglichkeit bis auf die heutige Zeit überliefert. Sie waren sehr fromm und wirtschaftlich. Allmählich verbanden sich die einzelnen Gruppen mit einander und waren für ihre Umgebung der Gegenstand der Bewunderung und des Neides. Indrn in der Mufik. Am 6. Dezember 1910 war der hundertjährige Geburtstag des phänomenalen Solobassisten und Chordirigenten Carl Frankel, der 40 Jahre lang im Wiener Stadttempel an Seite des Meistersängers und Komponisten Salomon Sulzer so hervorragend gewirkt hatte. Fränkel, der Beherrscher des Contra C in des Mundes Urgewalten, sang auch oben F ein gleichmäßig ausgeglichenes Register, volles Metall mit edler Tonfärbung, und der Mann war im wahren Sinne des Wortes ein Ersatz der Orgel. Dr. Adolf Fnchku f sagte von Fränkel, wie aus seinem Munde nie ein falscher Ton gekommen, so kam auch nie ein unwahres Wort über feine Lippen. Sein biederer Charakter, seine edle Männlichkeit war mit echter, wahrer Religiosität verbünden, er war ein tüchtiger Musiker, der das Chorpersonal selbst unterrichtete, und mit seinem kleinen Finger in dezenter, ruhiger, unauffälliger Weise ohne Nervosität den Chor dirigierte. Er vermählte sich mit Salomon Sulzers einziger Schwester Henriette, in treuester Liebe und Anhänglichkeit Sulzer und dessen Familie ergeben. _______ Carl Frankels Vater war Rabbiner Josef Fränkel in Grünstadl in der Rheinpfalz in Deutschland, dessen Söhne als jüdische Sänger unter dem Namen Grünstädter Kinder in den Synagogen Deutschlands sangen und bis nach Paris berufen wurden. Bei einem in der Synagoge in München abgehaltenen Gottesdienste wurden die Grünstädler Sänger nach Hohenems berufen, wo sie den Fabrikanten Josef Sulzer besuchten, der ihnen erzählte, daß sein Sohn Salomon Oberkantor in Wien sei. Sie hatten in Hohenems solchen Beifall, daß die Familie Sulzer ihren Sohn in Wien auf diese.Sänger aufmerksam machte, und so wurde Carl Fränkel nach Wien berufen^ und Sulzers^ Schwager! _ _ Einer der Grünstädter Sänger, Jzig Fränkel, war Kantor in Grünstadt, sein Schwiegersohn Moritz Rosenhaupt, ein bedeutender Sänger und Komponist, war Oberkantor in Speyer, dann in Nürnberg, der Nachfolger des Herrn kais. Rates Oberkantor Singer, der von Nürnberg nach Wien kam. Ein Grünstädter Sänger Isidor Fränkel war Oberkantor in Mainz, dann in Philadelphia, Oberkantor der Rodef Scholem-Gemeinde und Armenkaplan der Unionarmee. Carl Fränkel in Wien war ein Vater seiner Choristen, er überwachte das Studium der armen Knaben in den Schulen, verschaffte ihnen Unterstützung und Stipendien, brachte sie in das Konservatorium für Musik zur Ausbildung, wo ihm besonders Prof. Weis wacker zur Seite stand. Das Beispiel des gottbegnadeten Künstlers S. Sulzer fand da günstig vorbereiteten Grund und Boden, und alsbald wurden die Chorsänger des Wiener Stadttempels gesuchte Oberkantoren in Europa und Amerika. Opernsänger wie Sontheim, Robitschek, u. a. und der jüngst verstorbene Angelo Neumann, einer der hervorragendsten Operndirektoren des Kontinentes sangen untfr Sulzer und Fränk-l im Seitenstettener Tempel in Wien.

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