Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. s Dr. Vlochs Wochenschrift. Sette S1M den erweiterten Kreis des Zentralverbandes jüdischer Wöchnerinnen, als dessen erste Vizepräsidentin sie bis zuletzt so verdienstvoll wirkte. In den letzten Wochen, als Schmerzen sie schon durchwühlte§i, hatte sie die Freude, daß ihre Bemühungen zur Zentralisation der Kinderbekleidung von Erfolg gekrönt waren, und so werden Hunderte und Hunderte Kinder im Spätherbst dieses Jahres zum erstenmal dir Früchte genießen. deren Keime sie gelegt, deren Reifen sie nicht mehr sehen sollte. Die höchste Auszeichnung, die unseren Frauen verliehen werden kann, schmückte seit einem Jahr Frau Zifferer; höher achtete sie aber die Worte, die unser gütiger Monarch an sie, ^anläßlich der Verleihung des Elisabethordens, zu richten geruhte, und ihr bewiesen, daß das bescheidenstille Wallen, das tausende, tausende Tränen in Kellerwohnungen und Dachkammern unserer Großstadt getrocknet hatte, auch an der höchsten Stelle in Oesterreich nicht unbemerkt geblieben war. Möge der Geist des Friedens und der Eintracht, der milden Güte der so wohltuend von dieser Frau ausging, wie zarte Erinnerung an die Verstorbene, auch weiter um ihre Schövfungen schweben, und die Sympathie, die der Persönlichkeit der Verstorbenen gegolten, aus Pietät für sie auf ihre Schöpfung übertragen werden, damit dieselbe weiter blühe und gedeihe zu ihrem Andenken. Clotilde Benedikt. * * * Montag den 6. d. M. fand unter außerordentlich großer Beteiliaunq das Leichenbegängnis der"bekannten Pbilanthropin und Präsidentin des Vereines „Frauenhort" Frau Rosa Z i f s e r e r statt. An ihrem Sarge sprachen die Vizepräfidentin des Vereines „Frauenhort" Frau Jobanna F r ö b l i ch . der Präsident des Tempelvereines im IX. Bezirke Herr Gottlieb Bettelheim und kaiserlicher Rat Dr. Johann Anspitzer Worte des Nachrufes. Unter den Anwesenden bemerkte man die Baroninnen Königswarter und Gutmann, die Hofräte Ritter v. Hahn und Dr. R a p p a p o r t, Gemeinderat A l m e d e r, Dr. Max N e u d a , Dr. S p i e g l e r. Doktor Hildesheimer, Dr. G l o g a u, Prof. Ludwig Mandl, Dr. S ch n e p p und Dr. S. P o l l a k, die kaiserlichen Räte Arnold Fröhlich, Adolf N e u m a n n und Karl Hirsch. Konsul Felix S t i a ß n y , die Kommerzialräte Friedrich F a n t o und Emanuel Grab und viele Andere. Der Bund österreichischer Frauenvereine, die Frauenwohltätigkeitsvereine des 2., 5.. 7., 8., 13. und 20. Bezirkes, die Vereine „Jugendschutz", „Povidentia", Philanthrop!«", „Ferienheim". „Zuflucht" und der Verein ' für Hausarme waren unter Führung ihrer Präsidentinnen deputativ, der Vorstand des Vereines „Frauenhort" vollzählig erschienen. Wien. Der Verein zur Unterstützung isr. Handwerker und Kleingewerbetreibender Wien, IX.. Berggasse 4. versendet folgenden Aufruf: Mehr als zwei Dezennien sind seit der Gründung unseres Vereines verstrichen. Während dieser langen Zeitperiode stand der leider zu früh Heimgegangene Baurat Willheütn Stiaßny nicht nur an der Spitze desselben, er war, man kann es sagen, der Verein selbst. - An ihn wandten sich unsere hilfsbedürftigen Glaubensbrüder in ihrer Not: er unterzog sich der mühevollen Arbeit, die Gesuche auf die Dürftigkeit und Würdigkeit der Bittsteller zu prüfen, ja er stellte dem Vereine sein Privatbureau und sein Personale zur Verfügung, um demselben Auslagen zu ersparen; kurz, in feiner Person konzentrierte sich die Tätigkeit des ganzen Vereines. Dieser Mann, der im Rahmen der beschränkten Vereinsmittel seine hilfreiche Hand den in Rot und Bedrängnis Geratenen liebevoll entgegengestreckt und Existenzen, die vor dem Ruine standen, gerettet hat, er ist nicht mehr, und wir erfüllen nur unsere Pflicht, wenn wir das segensreiche Wirken dieses edlen Mannes dankbar anerkennen. Aber nicht als ganz hilflose Waise ließ er den Verein zurück. Als echter Meister der Baukunst war er sich darüber klar, daß die erste Bedingung für die Solidität eines Bauwerkes ein solides Fundament sein müsse, welches auch die Möglichkeit einer späteren Erweiterung des Baues gestattet. In diesem Sinne leitete er den Bau eines Humanitätswerkes: er schuf eine allerdings noch bescheidene Basis, auf welcher der weitere Aufbau desselben erfolgen kann, und an uns ist es nun, diesen Vau weiterzuführen und zu einem wahren Schutzhause gegen Not und Elend auszugestalten. Gerne unterziehen wir uns dieser Aufgabe: doch sollen wir derselben einigermaßen gerecht werden, sollen wir unsere Tätigkeit auf eine möglichst große Anzahl von Hilfsbedürftigen aus dem Handwerker- und Kleingewerbestande ausdehnen und nicht gezwungen sein, eine große Reihe unterstützungswerter Gesuche ablehnen zu müssen, ist es notwendig, unseren Fond zu vergrößern und neue Einnahmsquellen demselben zuzuführen. Wir gestatten uns daher an Sie mit der Bitte heranzutreten. uns in unseren Bestrebungen zu unterstützen, unseres Vereines durch Spenden zu gedenken und Ihrer Sympathie durch Fertigung der beiliegenden Beitrittserklärung Ausdruck zu verleihen. Viele können 'Vieles, eingedenk des Spruches: Kleine Tropfen Wasser, kleine Körnchen Sand, bilden das große Weltmeer, schaffen das weite Land. Wir sind überzeugt, daß Sie unserer Bitte G^bör schenken werden und zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Bela Tautzia. Obmann. Ignaz Iollrs, Obmann- Stellvertreter. Gustav Frankl. Kassier. Dr. Rudolf Fürth, Schriftführer. Richard Prtschek, Schriftführer- Stellvertreter. Egon Frankl. Karl Freund, Heinrich Glücksthal, David Horowitz, Dr. Arthur Kuranda, kaif. Rat Johann Lichtenstadt, Kommerzienrat Alfred Pollak Ritter von Rudin, Victor Schwadron. Ernst Simon, Dr. Sigmund Stiaßny. Richard Wiener, Vorstandsmitglieder. Antisemitismus in der österreichisch-ungarisch rn Armee. In der Budapester Laudon-Kaserne hat sich der jüdische Einjährig-Freiwillige Emmerich Stiller, der am 1. Oktober zur Festungsartillerie eingerückt war, mit seinem Dienstgewehr erschossen. Stiller, dessen Eltern in Kaschau wohnen, beklagte sich oft. daß er die Sekkaturen und Beschimpfungen, die er als Jude zu erdulden habe, nicht weiter ertragen könne und deshalb einen Selbstmord begehen werde. Auch in seinem Abschiedsbries hat Stiller die antisemitische Haltung seiner Vorgesetzten als Motiv seiner Tat angegeben. Zur Autonomie der Juden in Ungarn. Am il7. Jänner 1909 ist der Leitung der Landeskanzlei ein Erlaß des Kultus- und Unterrichtsministers zugekommen, in welchem die Regierung den Wunsch ausspricht, einen israelitischen Kongreß einzuberufen, der über die Schaffung einer einheitlichen Organisation der israelitischen Konfession beraten und beschließen soll. Das Zustandekommen dieses Kongresses wurde von Seite der Orthodoxen durch verschiedene religiöse Bedenken, die sie dem Kultus- und Unterrichtsministsr unter breiteten, bis zum heutigen Tage vereitelt. Wann dieser Kongreß tagen wird, ist ganz unbestimmt. Die Hauptaufgabe wäre es. die zwischen den Neologen und Orthodoxen bestehenden religiösen Differenzen nicht zu berühren und das Hauptgewicht nur auf die Schaffung einer einheitlichen Organisation zu legen.