Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3020846-3021927-3021934--19951-3044963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 88 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 6 Vom Jahrmarkt des Lehens. Antisemitismus — Korruption. Zwei Fälle: Nach einer Häßlichen Antisemitenrede des vorige Woche im Prager Gerichtssaale demaskierten ehemaligen Abgeordneten BreznovskF fragte ich den damaligen Obmann des reichsrätlichen Jungtschechenklubs, weiland Dr. Eng l, aus welchen Gründen er es unterließe, diesen Menschen von seinen Rockschößen abzuschütteln? Dr. Engl antwortete mit einer sehr verständlichen Geste: Er ist ja kein wirklicher Antisemit! Ein Teilnehmer der Pariser Kommunal-Delegation in Wien sprach einem in Wien in hoher Stellung lebenden Landsmanne gegenüber das Befremden aus, wie es möglich sei, ein fo großes Gemeindewesen antisemitisch zu verwalten! Der Franzose, der die Wiener Verhältnisse sehr gut kennt, antwortete: „Die Leute find ja gar nicht wirkliche Antisemiten." Dann fügte er hinzu: „Der Antisemitismus ist nur die Platform zur Erreichung guter Stellen und guten Profits!" ' Der erste Fall und viele andere gleichartige Fälle zeugen von der vortrefflichen Kenntnis der Wiener Verhältnisie seitens der Franzosen. Ed. Singer. * _ * * Herr BreznovskF iti Prag, ein eifriger Agitator für den Ritualword der Juden, hat ein kleines Malheur gehabt. Er stand vor Gericht als Kläger, man hat ihm nachgesagt, daß er seinen Einfluß auf die Besetzung von städtischen Stellen verkauft gegen — eine Schachtel Zigarren und gegen ein Fläschchen Parfüm. Bteznovsk^ ist unn im Prager Gerichtssaal verurteilt worden. Denn der wegen Ehrenbeleidigung angeklagte Friseur Ferdinand Turek, der dem Stadtverordneten BkeznovskF für eine Postenvermittlung die „kleinen Geschenke" gemacht haben will, wurde fteigesprochen. Der Richter nimmt an: „Es ist nachgewiesen, daß Stadtverordneter BkeznovskF die Parfüms und die Zigarren als Entlohnung angenommen und sie nicht zurückerstattet hat." Der klerikale „6ech" behandelt die Frage an leitender Stelle unter bisher noch nicht dagewesenen Ausfällen gegen die im tschechischen Journalistenverein konzentrierte Presse. Unter dem Titel „Meuchler im Frack" (zäkemici ve fraku") erklärt das Blatt zunächst, daß Herr BreznovskF über ein „Schachterl übelriechender Parfüms und ein Schachterl Zigarren gestolpert sei und sich die Nase zerschlagen habe." Und nun fallen die Journale über ihn her und wollen ihn begraben, die Journale, deren Leute nicht blotz eine „zerschlagene Nase", sondern den ganzen Leib zerschunden haben und denen nichts anderes übriggeblieben ist, als die Hände — um vom Frischen zu nehmen. Der „Cedj sagt, es falle ihm nicht ein, für Herrn Breznovsk^ den Advokaten zu spielen, der sich unter die Ministranten der Sakristei des „Gott Nimm" gemischt, während viele seiner Kollegen und jetzigen Henker diesem Götzen Priesterdienste ihr Leben lang leisten. Herr BreznovslF hat daraufhin eine Zuschrift an das Klubprästdium der jungtschechischen Partei des Stadverordneten- Kollegiums überreicht, in welcher er die Einsetzung einer Kommission fordert, die seine Affäre zu untersuchen und sicherzustcllen hätte, ob er sich irgend einer unehrenhaften Handlung schuldig gemacht habe oder nicht. Er ist der Hoffnung, daß die juugtschechische Partei anerkennen werde, daß angesichts der von ihm entgegengenommenen, recht minimalen Geschenke er sich denn doch eigentlich der Unbestechlichkeit schon nahezu nähert. _ Der Nobel-FriedMspreis. Der Zentralvorstand der schwedischen Friedens- und Schiedsgerichtsvereine richtete an das norwegische Storthing-Nobel-Komitee die Aufforderung, in diesem Jahre den Nobel-Friedenspreis zwischen dem deutschen Redakteur der Friedenswarte. Fried, und der deutschen Friedensgesellschaft zur Verteilung zu bringen. — Alfred Hermann Fried, ein Schwager des verstorbenen M. A. Klausner, ist zu Wien am 11. November 1864 geboren. Er nimmt in der Friedensbewegung unserer Tage eine führende Stellung ein und hat sich durch zahlreiche Schriften und Uebersetzungen auf diesem Felde einen klangvollen Namen gemacht. Eine Titelblattzeichnung für Me jüdische Zeitung vom Maler Josef Israels. In den letzten Tagen wurde in der gesamten europäischen Presse die Erkrankung des Altmeisters Josef Israels gemeldet. Zur selben Zeit erschien die erste Nummer des offiziellen Organs der niederländischen Jto-Federation. Das Blatt, das den Titel „Jto" führt, hat eine künstlerische Kopfzeichnung, die den greisen Künstler Josef Israels zum Autor hat. Das Bild stellt eine Gruppe fliehender russischer Juden dar. Im Vordergrund steht eine Witwe, deren Mann von den Huligans ermordet wurde. Sie flieht mit ihren Kindern aus dem Lande, der 'Verderbnis. Sie flieht; sie weiß nur, von wo sie flieht, aber nicht: wohin? Die herrliche Zeichnung hat Josef Israels der Jto-Federation zum Geschenke gemacht. Der Statuensaal des Parift'r Pastrurinstituts. Das Kuratorium des Pariser Pasteurinstituts hat beschlossen, einen Teil der Jnstitutsbibliothek als Statuensaal zu verwenden, in welchem die Büsten der bedeutenderen Wohltäter der Anstalt Aufstellung finden sollen. Unter diesen Büsten befinden sich auch diejenigen des Barons Alphonse de Rothschild, der Mme. Furtado- Heine und des M. Osiris, die alle dem Pasteurinstitut viele Millionen Zur Verfügung gestellt haben. Das Pestserum einc's jüdischen Arztes. Das schreckliche Wüten der Pest in der Mandschurei hat viele russische Aerzte veranlaßt, diese verheerende Krankheit und ihre Heilungsmöglichkeit einem besonderen Studium zu unterziehen. Der berühmte russische Professor Dr. Metschnikoff hat nun in einem überaus zahlreich besuchten Vortrage erklärt, daß gegen die jetzt in der Mandschurei wütende Pest die Wissenschaft gegenwärtig kein verläßlicheres Mittel kenne, als die vom 'jüdischen Arzt Dr. Mordchai Chawkin erfundene Seruminjektion, nur leider wird davon zu wenig Gebrauch gemacht. Zu Josef Ungers „Letzte Betrachtungen und Bemerkungen" von Dr. Fr. senden uns die Herren I. W—r. und L. Wiesner nachfolgende weitere hebräische Parallelen: „Qui trop embrasse mal 6treint — wer zuviel umfasst, erfasst wenig“. nasn KBijrö ncsn .nasn ab nana ddsd „On entre, on crie — c’est la vie. — On crie, on sort — c’est la rnorf. —“ nfcip ,l?ipa «sv x\*i p rrfc*p ^pä hsv avs (Midr. r. zu Koheleth 5, 10) bipa abirn p -1122:1 bipa «a 0 a ."]b' ja an« xarc iaa x-:ri (Midr. r. zu Kobeleth 5, 14) „Auf einem alten Bauernhaus in St. Wolfgang am Obersee im Salzkammergnt steht (oder stand) der Spruch: Tue Gutes wirf’s in’s Meer Sieht’s der Fisch nicht Sieht’s der Herr.“ t •waten bw ana ’a a'an vs bv “pr6 Koh. IX, 1. _ Eine 360 Jahre alte ScÄerschüssel. Das Budapester neugegründete jüdische Museum ist in den Besitz einer sehr interessanten und wertvollen Anti-