Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 5 (3.2.1911)
- Date
- 1911-02-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 76 Rr. 6 Dr. Blocks Wochenschrift. stein in der Krone unserer Wohlfahrtsinstitutionen auszugestalten, verlas Herr Dr. Alfred Glogau den Jahresbericht, dem wir entnehmen, daß der Frauenhort im Jahre 1911 auf seine Kinderbekleidung, Mazzothverteilung, Kurkosten für 85 Kurschütz linge, Wöchnerinnen und Beteilung von 886 Armen insgesamt 46 65 2 Kr 5 3 Heller verausgabt hat. In dem Kaiser Franz Josef-Arbeiterinnen Erholungsheim, das durch Zuball schon im ersten Jahre erweitert werden mutzte, haben 151 junge Mädchen, Arbeiterinnen, Beamtinnen, Lehrerinnen, Schriftstellerinnen und bildende Künstlerinnen Aufnahme gefunden, da dasselbe für immer weitere Kreise erwerbender Mädchen ein Bedürfnis geworden ist, die in der herrlichen Gegend von Seebenstein vier Wochen völlig kostenlos Aufnahme, Verpflegung, Aufsicht und geistige Anregung und Anhaltung zur Hauswirtschaft finden. Namentlich die Ausgestaltung dieses Heims möchten wir den wohlhabenden jungen Damen unter unsern Glaubensgenossinnen ans Herz legen. Nachdem der Kassenbericht der Frau Bette lbe im und der Revisionsbericht des Herrn Ignaz Simon, sowie die Wiederwahl der vier hochverdienten, seit vielen Jahren im Verein wirkenden Damen Cäcilie Vunzl, Sofie Deutsch, Käthe Reif und der Kgssierin Regine Vettelheim per Akklamation über Antrag des Herrn Dr. Schn epp genehmigt worden war und Herr Gemeinderat Eltbogen die Grütze des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft überbracht hatte, hielt Frau Ziff er er den verstorbenen Mitgliedern einen ergreifenden Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Sie schlotz mit der Bitte, den Frauenhort, der nach den Worten eines alten jüdischen Weisen ein lebender Baum der Wohltätigkeit geworden sei, auch ferner zu hegen und zu pflegen. Wir können uns diesem Wunsch nur anschlietzen, und hoffen, datz der Frauenhort, der an Allerhöchster Stelle für sein patriotisches und humanitäres Wirken K)ie höchste Anerkennung gefunden, auch in weitesten Kreisen unserer Glaubensgenossen die Förderung durch Spenden an Geld, Material. Lebensmitteln für's Heim usw. findet, die seine überaus ersprietzliche Tätigkeit verdient und die immer verzweifeltere Lage der jüdischen Frau aus dem Arbeiter-, kleinen Grwerbs- und herabgleitenden Mittelstände dringend notwendig macht. Wer dem Frauenhort hilft, hilft der armen jüdischen Mutter, also jenen Kreisen, auf denen die Zukunft und Erziehung unseres Stammes beruht. Das Ehrenbankett für Oskar S. Straus. Eine Rede Carnegies. Die Newyorker Friedensgesellschaft hat zu Ehren des aus seinem Amte scheidenden Botschafters in der Türkei Oskar Straus ein Bankett veranstaltet, an welchem eine sehr vornehme Gesellschaft teilnahm. Das bedeutendste Moment der Veranstaltung war der Trinkspruch des gleichfalls anwesenden Milliardärs Andrew Carnegies. „Unter uns befindet sich," sagte Carnegie, „der Friedensstifter. Ich bin stolz auf die Erfolge, die er bereits hinter sich hat. Er hatte Erfolg in allen Positionen, die er sich selbst gewählt oder zu der dieses Land ihn berufen hat. Dreimal wurde er nach der Türkei entsendet, zweimal als Minister und einmal als Botschafter. Als er die Türkei verließ, da klang es gewissermaßen von der ganzen Bevölkerung ihm nach. Wir wünschen Sie zurück. Er hat alle bisherigen Rekorde geschlagen. Noch kein Mensch hat einen und denselben Posten dreimal erhalten und bekleidet. Sollte einst die Situation in der", Türkei kritisch werden, sollten wir Jemandes bedürfen,^ der eventuelle Schwierigkeiten zwischen der Türkei und« uns ausgleiche. so wird wieder der einmütige Ruf nach» Straus ertönen. Er hat für uns Begünstigungen in der Türkei erreicht, die keinem Zweiten gewährt wurden! Er ist ein Friedensmacher! Carnegie sprach dann über den wahren Sinn des Weltfriedens und setzte, die Hand auf die Schulter des neben ihm sitzenden Oskar Straus legend, fort: „Im Namen unserer Gesellschaft spreche ich Ihnen die tiefste Dankbarkeit und die Bewunderung aus, die wir für Sie als Menschen hegen und wünschen Ihnen ein langes, glückliches Leben. Wir sind glücklich- Sie wieder unter uns zu haben. Jetzt, da Sie wieder bei uns sind, werden Sie wieder für unsere Ziele arbeiten können, denn Sie sind ein Mann, dessen Arbeitskraft wir nicht entbehren können." Mr. Oskar Straus dankte in einer längeren friedenspolitischen Rede. Ruinierung weiterer jüdischer Existenzen in Galizien. Während in Lemberg die Enquete über die Notlage der Juden in Galizien tagte, hat die Statthalterei durch eine Verfügung abermals Hunderte jüdischer Familien um ihre Existenz gebracht. Eine große Anzahl jüdischer Familien hat nämlich bisher dadurch ihr Leben gefristet, datz die Männer in die Dörfer gingen und dort von den Bauern verschiedene Naturalien kauften, die sie dann in der Stadt auf den WöchenmärkteN weiter verkauften. Der Nutzen war ein sehr geringer und'diese „Dorfgeher" mutzten sich große Entbehrungen auferlegen und Hitze und Frost ertragen, um einen kleinen Verdienst herauszuschlagen. Aber selbst dieser kleine Verdienst wurde den armen von Geschäftsträgern der polnischen Konsumgenossenschaften (Kolka rolnice) mißgönnt. Die Bauern würden verhetzt und gezwung n, selbst diese kleinen Geschäfte lieber mit den Agenten der antisemitischen Genossenschaften zu machen. Nun stellt sich auch die Statthalterei, wie es scheint, in den Dienst dieser judenfeindlichen Genossenschaften, indem sie unter dem Vorwände der herrschenden Viehseuche den armen Juden das „Dorfgehen" verbot. Nach der Ernennung des Chacham Vafchi zum Senator. Der Grotzrabbiner der Türkei, Rabbi Chaim Nahum wurde vom Sultan zum Senator ernannt. Diese Ernennung wird - als eine um so größere Auszeichnung betrachtet, als außer dem bulgarischen Metropoliten von Monastir kein Oberhaupt einer anderen Kirche dieses hohe Amt bekleidet. Durch die Ernennung Rabbi Nahums zum Senator wird in den Kreisen der türkischen Judenschaft die Frage aufgeworfen, ob Rabbi Nahum nunmehr auch seinen Posten eines Grotzrabbiners beibehalten werde. Dem Redakteur der „Aurore" gegenüber erklärte der Grotzrabbiner, datz er wohl dem ehrenden Rufe des Sultans Folge leisten, in der Audienz jedoch die Bitte unterbreiten werde, die Geschäfte des Grotzrabbinates bis zur Wahl seines Nachfolgers führen zu dürfen. Aus dieser Enunziation geht demnach hervor, datz Senator Chaim Nahum den Posten eines Grotzrabbiners verlassen werde. Dies wird jedoch erst nach erfolgter Wahl des Medjlitz-Gesmain und nach dessen Bestätigung durch die Regierung geschehen. Cm jüdisches Museum in Paris. Die letzte Nummer des Organs der „Alliance Jsraelite Universelle", „Archives Jsraelites" enthält die Mitteilung von der bevorstehenden Gründung eines eigenen jüdischen Museums in Paris. Frankreich besitzt bekanntlich in den verschiedenen allgemeinen Museen zahlreiche Wundervolle jüdische Antiquitäten, die nun, wie der Aufruf betont, gesammelt und in einem Museum untergebracht werden sollen. Auch einzelne alte jüdische »Familien besitzen noch wahre jüdische Musealschätze, die »von den Nachkommen verschleudert oder im besten Falle