Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 5 (3.2.1911)
- Date
- 1911-02-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 76 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 6 schlichen haben, ehe Sie das erste Mal die Kanzel bestiegen. Und so haben auch Sie mit Ihrem eindrucksvollen Worte sich das Gehör der Tausende und Tausende unsere Glaubensbrüder errungen. Der Tausende, welche auch hier in unserem Tempel bis in die letzten Tage und selbst heute noch Ihrem Worte lauschten. Möge der Geist und die Willenskraft, die in Ihnen leben. Ihnen noch lange ungeschwächt erhalten bleiben, mögen Ihnen noch lange, lange Jahre beschieden sein, uä ineob w’esrim schonob, bas ist der Herzenswunsch, den ich für unsere Gemeinde, für den Vorstand, für deren Vereinigungen, für unsere Iudenschaft Ihnen darbringe. Dr. Schmied! hat aus Aalaß seines Geburtsfestes zahlreiche Ehrengeschenke, Glückwunschadrefsen, eine besonders künstlerisch ausgestattete vom Vorstande der Wiener Kultusgemeinde, sowie eine große Zahl von Briefen und Telegrammen aus dem In- und Auslande erhalten. Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" sandte an Dr. Schmied! nachstehende Zuschrift: Hochzuverehrender, ehrwürdigster Herr Doktor! Die ergebenst Unterzeichnete Vereinsleitung schließt sich tiefbewegt dem großen Kreise derer an, die aus Anlaß des eben vollzogenen Uebertrittcs in ein neues Dezennium ihrem ehrwürdigen geistigen Oberhaupt« die innigsten Segenswünsche darbringen. Umso freudiger folgt sie dieser ihrer Herzensregung, als diese der aufrichtigen Verehrung entspringt, die sie dem Jubilar entgegenbringt. Erblickt sie doch in seiner ehrfurchtgebietenden Erscheinung, die an die großen Propheten gemahnt, die Verkörperung des idealen Judentums! Angesichts des so reich beinhalteten Lebens Euer Ehrwürden, der Sie so vielen Tausenden Trost gespendet, so viele in das Eheglück geführt, ein großer unvergeßlicher Lehrer mehrerer Generationen gewesen sind, mag es kühn scheinen, daß auch wir mit unserem bescheidenen Wirkungskreise uns berufen fühlen, einige Worte an den Weisen mtt so profundem Wissen zu richten. — Dennoch drängt es uns, in der sicheren Annahme, mttde beurteilt zu werden, uns zu amalgamieren mit den vielen Tausenden, deren Wunsch dahin ausklingt. daß eS noch viele Jahre Euer Ebrwürden gegönnt sei, in voller geistiger Rüstigkeit die Früchte eines bedeutenden Lebens zu genießen. Euer Ehrwürden haben daS junge Glück des Volkes Israel, bissen Fesseln endlich gesprengt wurden. mita> zuiehen die Gelegenheit gehabt. Dem jähen Aufstiege folgte allmbald die Reaktion. Wir können nur zu sehr den tiefen Schmerz ermessen, der sich Euer Ehrwürden bemächtigen mußte, als die so beklagenswerten rohen Angriffe auf das erwählte Volk, mtt dem das väterliche Herz Euer Ehrwürden durch zahllose Faden unzerreißbar verbunden ist, erfolgten. Allein dem wettschauenden Blicke Euer Ehrwürden wird es nicht entgangen sein, daß auch diese Bewegung, wie so oft in der Geschichte, im Abflauen begriffen ist, was mindestens die rüde Form betrifft: und so dürfen wir hoffen — und dies bildet unseren zweiten, unseren speziellen Wunsch — daß Euer Ehrwürden noch das Verglimmen dieses durch Buben angefachten Brandes erleben, daß auch diese Freude den Lebensabend Euer Ehrwürden verschönern werde! Wien, 27. Jänner 1911 In aufrichtiger Verehrung „Verein zur Abwehr des Antisemitismus": Der Schriftführer: Der Präsident: F. R. Engel. Dr. Joh. Szeberinyi rn. p. ex toto corde gratutatur ii -\ tibi vir summe venerende. Wie« Montag am 30. Jänner 1911 fand die Generalversammlung des „Vereines zur Unterstützung israel. Handwerker uud Kleingewerbetreibender" in den Räumen des israelitischen Humanüätsvereines „B'nai B'rith", Wien, IX., Univerfitätsstraße 4, statt. Infolge Ortsabwesenheit des Präsidenten, Herrn Dr. Bela T a u s s i g. führte der I. Vizepräsident, Herr Direktor Jgncy Zolles, den Vorsitz. Nachdem er die Versammlung eröffnet und die Anwesenden, insbesondere die Delegierten der israelttischeu Kultusgemeinde Wien und des Humanitätsvereines „B'nai B'rith", Wien, mit herzlichen Worten begrüßt hatte, widmete er dem verstorbenen Vereinspräsidenten Herrn Baurat Wilhelm S t i a ß n y, sowie dem verstorbenen Vizepräsidenten Herrn Hofrat Sigmund T a u s s i g einen warmen Nachruf, der von den Anwesenden stehend angehört wurde. Der von Herrn Dr. Rudolf Fürth erteilte Rechenschaftsbericht, sowie auch der Bericht des Rechnungsführers des Vereines Herrn Gustav Frankl über Einnahmen und Ausgaben wurden genehmigt. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden wiedergewählt die Herren Simon Ernst, Dr. Rudolf Fürth, Direktor Heinrich Glücksthal, David Horowitz, Ignaz Zolles und Dr. Bela T a u s s i g. Ferner wurden neugewählt die Herren Adolf Haag und Sebastian M o n d o l f o. Zu Zensoren wurden wiedergewählt: Herr Alfred W a i z n e r und Herr Jakob Mensch. Namens der israelitischen Kultusgemeinde ergreift das Wort Herr S. B r o d als Vertreter, um dem Bereinsvorstande für seine Tätigkeit in warmen Worten den Dank auszudrücken. In der nach dieser Versammlung abgehaltenen konstituierenden Vorstandssitzung wurden gewählt die Herren Doktor Bela T a u s s i g zum Präsidenten, Direktor Ignaz Zolles zum I. Vizepräsidenten, Direktor Heinrich Glücksthal zum II. Vizepräsidenten, Richard P e t s ch e k zum Schriftführer, Sebastian Mondolfo zum Schriftführer-Stellvertreter, Gustav Frankl zum Rechnungsführer und Dr. Rudolf Fürth zum Sachwalter. Außer den genannten Herren gehören dem Vereinsvorstande noch an die Herren: Egon Frankl, Karl Freund, D. Horowitz, Dr. Arthur K u r a n d a, kaiserl. Rat Johann Lichten st ad t, Alfred Pollak v. Rudin, k. k. Kommerzialrat, Ernst Simon, Viktor Schwadron, Dr. Sigmund S t i a ß n y, Richard Wiener. 1 Die 37. Generalversammlung des Tempelvereines für die Bezirke Wieden-Margarethen in Wien fand Sonntag den 21. Jänner unter überaus zahlreicher Beteiligung der Mitglieder, und Festgäste statt. Anwesend waren unter Anderen: Kultusvorsteher Dr. Leo H a l p e r n in Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde, Obmann der Bezirkskommission k. k. Kommerzialrat M. Hacker, Obmann Jakob S. Straßberg und Vorsteher Em. Schidrowitz vom Tempelverein Favoriten, Obmann Philipp N u ß b a u m vom Bethausverein Wieden, Gemeinderabbiner H. Reich, die Vorstandsdamen des Israelitischen Frauenwohltätigkeitsvereines Wieden-Margarethen, die Frauen Amalie Bamberger, Karoline H o f m a n und Alice Fischer. Nach herzlicher Begrüßung der Erschienenen durch Obmann Adolf H o f m a n n, welcher seiner Freude Ausdruck gab, nach langjähriger, rastloser Arbeit endlich in den Räumen des schönen, dem ganzen Bezirke zur Zierde gereichenden Kaiser Franz Josef-Jubiläumstempels die Versammlung begrüßen zu können, erfolgte die Erstattung des Rechenschaftsberichtes durch den Schriftführer Franz Frankl. Dem interessanten Jahresberichte entnehmen wir, daß im Tempel 10 Trauungen, 20 Barmizwahs stattfanden. Der Vorstand erledigte seine Agenden in 10 Ptenar- und 100 Sektionssitzungen. Die Zahl der Vereinsmitglieder hat sich um 40 vermehrt. An Spenden erwähnt der Bericht 100 Kronen von Herrn Louis Freiherrn v. Rothschild, 200 Kronen von Herrn Kultusvorsteher Moriz B. Eisler, 200 Kronen von Herrn Ignaz Bleier, 400 Kronen als Kaddisch-Stiftung aus der Verlassenschaft des Herrn Gustav K l e p e t a r. Ferner: Ein prachtvolles, für die Festtage bestimmtes Paroches von Frau Mathilde Löwy zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten, je eine Schulchan-Decke von Fräulein Josefine Angermann und von Fräulein Berta Lichtb lau und eine stilvolle Chuppa (Trauhimmel) von Familie Bamberger. Ferner eine künstlerisch ausgefertigte Menorah von Herrn Juwelier Ignaz Groß als Votivspende zur Erinnerung an seine verstorbenen Eltern. Herr Desiderius W o l l n e r spendete neuerlich eine dem Tempelstile angepaßte Wanduhr. Herr Tapezierer I. Löwy spendete einen Prachtfauteuil für den Zeremoniensaal.