Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 4 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 60 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 4 mehrerer Paragraphen der Statuten auf der Tagesordnung.^^zelstaatliche Gesetzgebung eingegriffen werden solle. Ihnen Diese Aenderungen sollten nach dem Antrag der Opposition denH schloß sich der Staatssekretär des Reichsjustizamtes Dok- Einfluß der Mitglieder auf den Gang der Geschäfte dadurch Dior Lisco an, der die Erklärung abgab, daß der Antrag stärken, daß die Zahl der Vorstands- und Ausschußmitglieder, M Gröber aus diesen Gründen für die verbündeten Regiedie seither aus 5 bzw. 6, zusammen 11 Repräsentanten bestand,W rungen unannehmbar sei, zumal er auch auf rituelle Vorauf zusammen 17 erhöht werden sollte. Außerdem sollten die % schriften von gar nicht anerkannten Religionsgesellschaf- Lehrer der dieser Gemeinde unterstehenden Schulen, die seither K/ten bezogen werden könne. Es sei zweifellos, daß das nur passives Wahlrecht besaßen, in Zukunft auch aktives Wahlä Schächten als solches nicht unter die Strafvorschrift falle; recht erhalten. So war denn infolge dieser interessanten Punkte denn es könne unmöglich als roh bezeichnet werden, wenn der Tagesordnung die seltene Zahl von 410 Mitgliedern erdadurch eine Befolgung von Religionsvorschriften erfolgt, schienen. Zunächst wurde der Rechenschaftsbericht, der eine äußerst Auf eine Anfrage des fortschritlichen Abgeordneten Mülsorgfältige Ausarbeitung kundtat, zur Verlesung gebracht. Er meldete das erfreuliche Ergebnis, daß trotz Gleichstellung der Lehrergehalte mit den staatlichen Schulen und trotz mancher anderen unvorhergesehenen Mehrausgaben daS vorjährige Defizit vollständig beseitigt ist. Das konnte allerdings nicht geschehen, ohne daß die Milgliederbeiträge erhöht wurden. Die Erhöhung beträgt indessen nur 14.000 Mark, eine für unsere Verhältnisse allzu hohe Summe. Der große Wortführer der Opposition gegen deu alten Vorstand war Herr Moritz A. L ö b, der die Anträge aus Satzungsänderung dialektisch sehr scharf begründete und auch rednerisch gut vorbrachte, indessen doch nicht den gewünschten Eindruck auf die Zuhörer hervorzurufen imstande war. Als er sich dazu verflieg, das „Schnorrengehen" bei den Mitgliedern zu tadeln, zog er sich vonseiten des Vorsitzenden, Herrn Dr Israel R o o s, eine scharfe Rüge zu, der es zurückwies, dem Appell an die Hochherzigkeit der Freunde eine solche Bezeichnung beizulegen. Auch Herr Schwarzschild rief einen Entrüstungssturm hervor, als er — da von dem Wahlrecht der Lehrer die Rede war — einen Satz aus den Klageliedern zitierte, nach dem man Knechte nicht über sich herrschen lassen dürfe. Ihm antwortete Herr Professor Dr. S u l z b a ch in gebührender Weise. Endlich ergriff das Vorstandsmitglied, Herr Jakob R o s e n h e i m, das Wort, der in packender Rede alle Einwände gegen den seitherigen Modus glänzend widerlegte. „Was wollt Ihr denn eigentlich von uns?* rief er aus. „Sind wir denn nicht durch Euer Vertrauen gewählt? Haben wir nicht alles zu Eurer Zufriedenheit besorgt? Auch wir würden gerne die Satzungen nach Ihrem Wunsche ändern, aber politische Gründe schwerwiegender Art hindern uns daran. Es ist doch nicht möglich, alles in die breite Oeffentlichkeit zu bringen. Und von den 410 Mitgliedern ist doch nicht jeder so urteilsfähig und so genau informiert, daß er sagen könnte, daß die gewünschten Aenderungen von Vorteil seien. Schließlich ging der Zettel des seitherigen Vorstandes mit überwältigender Majorität durch. Nur 68 Stimmen waren für das neue System. Ein Antrag, nach dezn Herr Rabbiner Dr. Breuer in Zukunft nur dann von der Kanzel herab gegen den Zionismus sprechen dürfe, wenn er seine Gegnerschaft religionsgesetzlich begründe, wurde mit der Bemerkung zurückgewiesen, daß der Vorstand nicht das Recht habe, in derartigen Dingen dem Rabbiner Vorschriften zu machen. Die Verhandlungen währten über vier Stunden. Berlin^ (Die Schächtfrage im deutschen Reichstage.) Die zweite Beratung der Novelle zum Strafgesetzbuch erschöpfte sich während der ganzen Sitzung des Reichstages in der Erörterung der Schächtfrage. In der Kommission hat der Antrag des Zentrumsabgeordneten Gröber — der alle landesrechtlichen Bestimmungen, die „in die rituellen Vorschriften einer Religionsgesellschaft üb«; das Schlachten von Tieren eingreifen", für unzulässig erklärt — eine erhebliche Mehrheit gefunden, und Abgeordneter Gröber trat auch im Plenum energisch für diesen seinen Antrag ein. Das Schächten prinzipiell bekämpften die antisemitischen Abgeordneten Graf und Werner, sowie der Konservative Siebenbürger. Herr Gräf bezeichnete die Kommissionsmehrheit als „Schächtblock". Der konservative Abgeordnete Wagner sowie der nationalliberale 'Redner Heintze betonten ihre Achtung vor jenen orthodoxen Juden, die an den Ueberlieferungen der Väter festhalten, erklärten sich aber aus staatsrechtlichen Gründen dagegen, daß hier in die einler-Meiningen erweiterte der Staatssekretär dann noch seine Erklärungen dahin, daß, wenn die Bestimmung im Entwurf bleibe, das ganze Gesetz unannehmbar sei, scheide man aber die Bestimmung über die Tierquälerei völlig aus, so würde er die Novelle den verbündeten Regierungen zur Annahme empfehlen. Der sozialdemokratische Redner Frohme verwies auf die Pferderennen und die Jagd, wobei sicher viel schlimmere Tierquälereien vorkämen als beim Schächten. Die Antisemiten mußten den Schmerz erleben,, daß sich bei der Abstimmung die erdrückende Mehrheit des Reichstages zum „Schächtblock" bekannte. Der Antrag Gröber wurde gegen die Stimmen vereinzelt-r Natwnalliberal''r und Konservativer sowie die der Antisemiten angenommen. Berlin. In der Aula der Knabenschule der jüdischen Gemeinde hielt am Abend des 27. Dezember die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums unter zahlreicher Beteiligung weiter Kreise ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Professor Dr. M. Philippson, erstattete den Jahresbericht. Wir heben aus demselben folgendes hervor: Die Zahl der Mitglieder hat eine weitere erfreuliche Vermehrung erfahren. Der Stand der Kasse ist gleichfalls günstig zu nennen, besonders nachdem Frau Marie Errera-Brüssel, Herr Generalkonsul Franz Philippson, Brüssel und Herr Baron Edmund v. Rothschild der Gesellschaft insgesamt 14.000 Mk. für besondere wissenschaftliche Aufgaben zur Verfügung gestellt haben. Es erschienen im Berichtsjahre der 1. Band der talmudischen Archäolog'ie v.on S. Krauß, die Gasmmelten Aufsätze H .Steinthals über Juden und Judentum in 2. Auflage, die Studie I. Rösels über die Reichs steuern der deutschen Judengemeinden, sowie eine Reihe weiterer, von der Gesellschaft subventionierter Schriften. Im nächsten Iahr hofft der Vorstand, mit den ersten Veröffentlichungen des Corpus Tannaiticum, dem 1. Bande der Germania-Judaica und dem 2. Bande des Maimonideswerks an die Öffentlichkeit zu treten. Aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages Ludwig Philippsons wird eine von seinen Söhnen veranstaltete Ausgabe ausgewählter'Schriften Philippsons erscheinen, welche die Mitglieder der Gesellschaft kostenlos erhalten. Eine Reihe weiterer Schriften stellt der Jahresbericht den Mitgliedern zu ermäßigten Preisen zur Verfügung. Nach Entgegennahme des Berichtes wählte die Versammlung durch Zuruf den bisherigen Ausschuß wieder, worauf Herr Dozent Dr. Horovitz- Breslau seinen Vortrag über die Stellung des Aristoteles bei den Juden des Mittelalters hielt. Die Versammlung nahm den Vortrag mit lebhaftem Beifall entgegen. — Der Generalversammlung war am Vormittag eine Ausschußsitzung vorangegangen, die sich hauptsächlich mit den wissenschaftlichen Aufgaben der Gesellschaft beschäftigte und mehreren Forschern namhafte Subventionen bewilligte. Das Andenken des um die jüdische Allgemeinheit verdienten Dr. Hirsch Hildesheimer ehrte der Ausschuß durch Erheben von den Sitzen. — Der Jahresbericht ist von Herrn D r. Nathan, Artilleriestraße 9, kostenlos zu beziehen.