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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-27 · 4 (27.1.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Blochs Wochenschrift. Seit« «1 Der Rückgang der italienischen Juden. Nur selten dringen zu uns Nachrichten über die politische Lage der Juden in Italien. Desto merkwürdiger klingt die Mitteilung von einer Interpellation, die süngst der Deputierte Rosadi, ein italienischer Abgeordneter, an den Unterrichtsminister gerichtet hat, in welcher der Minister gefragt wird, weshalb die für den 4. und 5. Oktober 1910 anberaumt gewesenen Schulprüfnngen wegen der jüdischen Feiertage verschoben wurden, da doch die italienischen Schulen streng weltlichen Charakter haben. Die Antwort auf diese Interpellation ist bisher noch nicht erfolgt. Aber die Tatsache selbst ist umso interessanter, als es ja bekannt ist, daß die italienischen Juden im Allgemeinen nicht zu den Religiösen zählen und daß die noch vor kurzem bestandenen jüdischen Gemeinden in stetem Rückgänge begriffen find. Viele noch bestehende Provinzgemeinden sind ohne Rabbiner, es fehlt in ihnen jedes religiöse Leben und die Synagogen werden das ganze Jahr, selbst an den hohen Feiertagen nicht geöffnet. Bezeichnend hierfür ist die Gemeinde Pomponesco, wo die wenigen zurückgebliebenen Juden die ganze synagogale Einrichtung, in welcher es auch manchen wertvollen Kunstschatz gab, mitsamt den Thorarollen einfach veräußerten. Nur dem Einschreiten des Oberrabbiners von Florenz gelang es, im Wege einer Sammlung einen Fonds aufzubringen, um die Gegenstände zum Teile zurückzuerwerben. Demnächst soll übrigens eine Konferenz von Vertretern der jüdischen Gemeinden Italiens stattfinden, in welcher auch über die Mittel beraten werden soll, durch welche solche Fälle in Zukunft hintangehalten werden könnten. Bei dieser Gelegenheit sei auch darauf hingewiesen, daß erst jüngst bekannt wurde, daß in Sizilien ein Badeort existiert, dessen Heilquellen den Namen „Maimonides-Quellen" führen. Es wäre interessant, zu erfahren, wann und durch wen diese Heilquellen ihren Namen erhielten. In Sizilien gibt es nur wenige Juden, zumeist Regierungsbeamte. Seit der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 hat es hier überhaupt keine größeren jüdischen Siedlungen gegeben. Der Zar als Verleger eines Hetzblattes. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Für die hohe Gönnerschaft, deren sich die extremreaktionären Verbände erfreuen, mag folgende Tatsache dienen, die jetzt in aller Munde ist. Das berüchtigte Organ der Schwarzen Hundertschaften, die „Rußkoje Snamja" hat, wie wir berichteten, vor wenigen Wochen sein Erscheinen einstellen müssen. Finanzielle Schwierigkeiten schlimmster Natur haben den Niedergang dieses Hetzblattes herbeigeführt. Der Herausgeber des Blattes, der bekannte Hetzapostel Dr. Dubrowin, zog sich grollend vom politischen Leben rurück. Nun ist dem Blatte ein Retter in der Person des Zaren erstanden und die „Rußkoje Snamja" erscheint seit einigen Tagen wieder. Der Zar, der unlängst dem Nationalistenklub zu Verlagszwecken eine Spende von 40.000 X übergeben ließ, hat auch augeordnet, daß die „Rußkoje Snamja" künftighin auf Kosten seiner Prioatschatulle herausgegeben wird. Das Hetzblatt dürste nun keinen Geldmangel mehr leiden. Demission des russischen geheimen Staatsrates Heilperin. Nach dreißigjähriger Amtstätigkeit in ruffischen Staatsdiensten hat der wirkliche Geheimrat I. M. Heilperin um seine Pensionierung angesucht. Geheimrat Heilperin, der zuletzt Vizedirektor des Justizdepartements im Ministerium war, ist der einzige Jude, der in Rußland eine so hohe Amtsstelle bekleidet und wäre er nicht Jude, oder hätte er, wie mancher seiner Amtskollegen den Lockungen nachgegeben und seinen Glauben gewechselt, so wäre er schon längst Justizminister geworden. Da Geheimrat Heilperin nunmehr einsieht, daß er ohne das Opfer seiner Ueberzeugung nicht weiter avancieren kann, entschloß er sich, sein Amt niederzulegen und sich ausschließlich öffentlichen jüdischen Angelegenheiten zu widmen. Auch bis nun hat Geheimrat Heilperin sich an allen russischen jüdischen Angelegenheiten beteiligt. So steht er an der Spitze der Gesellschaft zur Förderung der Handwerke unter den Juden und die Gesellschaft zur Verbreitung der Auftlärung unter den Juden hat ihn jüngst zum Vorsitzenden gewählt. Und nun dürfte er auch zum Präsidenten der Petersburger Kultusgemeinde als Nachfolger des jüngst verstorbenen Baron von Günzburg gewählt werden. Geheimrat Heilperin ist ein ausgezeichneter Kenner der jüdischen Geschichte und ein ausgezeichneter Hebräer. Man sieht ihn in Regierungskreisen nur ungern aus dem Amte scheiden, da er zu den befähigtesten und treuesten Beamten zählte und besonders bei den im vorigen Jahre vorgenommenen Revisionen der Intendanturen große Umsicht an den Tag legte. Vermischtes. Rabbiner Dr. Adolf Schmiedes 90. Geburtstag. Aus Anlaß der Vollendung des 90. Lebensjahres Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Adolf S ch m i e d l findet am Samstag den 28. d. M. um halb 9 Uhr vormittags im Leopoldstädter Tempel ein feierlicher Gottesdienst statt, bei welchem Herr Oherrabbiner Dr. Gü d em a n n die Festrede hält. Freitag den 27. d. M., abends, im Leopoldstädter Tempel Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Grunwald. * * * Der Vorstand der Chewra-Kadischa Fünfhaus, Tarnergasse 32, hat aas Anlass des 90. (Geburtstages Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmied), dessen langjähriges Ehrenmitglied der Jubilar ist, zu seiner Ehrung wohlgetroffene Bilder anfertigen lassen und stellt den Verehrern des ehrwürdigen Jubilars gegen eine beliebige Widmung zu Gunsten des Vereines diese zur Verfügung. Zum Jubiläum des Rabbiners Dr. Adolf Schmiedl. Anläßlich des 90. Geburtstages Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl wurden von dem neu eröffneten „Residenzatelier für Photographie" (I., Fleischmarkt) künstlerische Aufnahmen gemacht und sind Kunstdrucke mit und ohne Ornat im Atelier zu haben. Wien. Der Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien hat in der Sitzung vom 24. Jänner 1911 einstimmig beschloffen, Se. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. Adolf Schmiedl in dankbarer Anerkennung der Förderung der Vereinsintereffen anläßlich seines 90. Geburtsfestes zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Wien-Mariahilf. Die Vermählung der jüngsten Tochter des Präsidenten des Mariahilfer Tempelvereines. Kultusvorsteher Herr Dr. Jakob Engel, gab seinen Borstandskollegen erwünschten Anlaß zu einer besonderen Ehrung des allgemein beliebten Brautvaters. Einem alten Brauche gemäß begab sich am Vortage der Trauung eine Deputation des Vorstandes, bestehend aus dem Vizepräsidenten Friedrich P o l l a k und den kaiserlichen Räten Friedrich P o l l a k und Tosef T o f f l e r, in die Wohnung des Gefeierten und der Sprecher der Deputation, Herr kaiserlicher Rat Pollak, gab in überaus warmen, herzlichen Worten den Gefühlen aufrichtiger Verehrung für den verdienstvollen Präsidenten und innigsten Glückwünsche für das Brautpaar Ausdruck, indem er gleichzeitig als Widmung der Vorstandskollegen ein von Künstlerhand verfertigtes Aquarellbild, eine vortreffliche Darstellung des Mariahilfer Tempels, überreichte. Bon dieser Ovation sichtlich freudigst bewegt, dankte Herr Dr. Engel im eigenen Namen und den seiner Familie für die ihm erwiesene Auszeichnung und versicherte auch seinerseits seine von ihm so hochgeschätzten Kollegen seiner unwandelbaren, freundschaftlichen und dankbaren Gesinnung. Wien. (Verlobung) Herr Johann L ö w y, Sohn des Großindustriellen Herrn Adolf L ö w y, Wien, hat sich mit Fräulein Saba Reich, Tochter des Kommerrates und Vorstandes der Prager Kreditbankfiliale Lemberg, Herrn M. H. Reich, verlobt.

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