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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-27 · 4 (27.1.1911) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Blochs Wochenschrift. Seid- 67 Wesen Ideal-Realismus, idealistischer Modernismus und realistische Idealität ist, darf als die Seele des amerikanischen Judentums angesehen werden. Als den bedeutsamsten Vertreter dieses Ordens außerordentlicher Gedankenkomplexe und Gefühlsgebilde, konnte mau den Großmeister Julius Bien betrachten. Er war der Organisator und Reformator, Lehrer und Führer des zur Weltvereinigung gereiften Ordens. Deutsche Juden trugen eine Mischung von Judentum und Europa nach Amerika und legten den Grund zur B'nei B'rith-Organisation; der aus Deutschland stammende Julius Bien verpflanzte den Ordensgedanken, in dem sich Judentum und Amerika verdichten, nach Europa. Weun Geheimrat Timendorfer das stolze Wort hat sprechen können: „Auch im Reiche unseres Ordens geht die Sonne nicht unter!" so dürfen wir ausrufen, die Sonne des Ordens, der Name Julius Bien, wird in Israel nicht untergehen! IV. Bezeichnend für den bessern Teil der ruflischen Juden ist das Hervortreten des Junghebräischen und des Lebendigjüdischen. A. L Luwinsky und S. P. Rabinowitz repräsentieren den Junghebräismus und Baron Dawid Ginzburg das Lebendigjüdische auf den Höhen der russischjüdischen Gesellschaft. Luwinski und Rabinowitz weihten ihre Kraft dem Zionismus. Auf den Kongressen war es mir vergönnt, mich mit ihnen zu unterhalten und sie als Fackelträger der „altneuen" hebräischen Kultur, des jüdishen Lebens und des Palästinismus schätzen zu lernen. Rabinowitz betonte mehr den alten, historisch gewordenen Hebräismus und Luwinsky den neuen, werdenden und zukunftsreichen. Rabinowitz seufzte mehr Judentum und Luwinsky „lachte es" — allerdings lachte er vielleicht, „um nicht zu weinen." An der Haltung und den Aeußerungen des Rabinowitz merkte man den Goluth-Hebräismus, aus Luwinsky Feuilletons stieg die Ahnung des Hebräismus der Zukunft hervor. Ein weltliches Judentum, das doch den traditionellen Nimbus des geistlichen Judentums trug, ein praktisches Judentum, welches durch das theoretische erleuchtet wurde, ein russisches Judentum, das im Originaljüdischen wurzelte, erlosch mit Baron Dawid Ginzburg, welcher der geborene und durch Erziehung auserlesene Führer der russischen Juden war. In England, wo auch die aus Deutschland stammenden Juden im Laufe der Zeit das Gepräge englischen Wesens annahmen, beklagt man das Ableben eines alten und eines jungen Gelehrten — Dr. Friedländer und Dr. Adler. Dr. Friedländer, den ich im Hause seines Schwiegersohnes Dr. Gaster kennen lernte, verriet in seinem Wesen philosophische Abgeklärtheit; er war nicht nur Uebersetzer des „Nore Neboehim“, sondern „lebte" nach demselben. Der junge Dr. Adler wußte seine eigenen Wege im Dienste des Judentums zu gehen, sodaß man ihn nicht als bloßes Anhängsel seines berühmten Vaters zu betrachten hatte; er war ein Bahnbrecher der Idee Jungisraels in England. Während Friedländer die altehrwürdige Lehre des Judentums durch die Pflege derselben zu erhalten suchte, strebte der verstorbene Adler vorwärts, den lichten Höhen der Zukunft entgegen. V. In Galizien, wo die jungjüdische Bewegung durch die Zugehörigkeit zu Oesterreich und den Entwicklungsgang der Juden einen „westöstlichen" Charakter hat. besaßen wir in dem so rasch dahingerafften Abgeordneten Dr. Gabel einen wertvollen Vertreter und fleißigen Vorkämpfer eines politischen Judentums, das dem geistigen Nationalismus förderlich ist. In Rumänien, wo die Verhältnisse nach großen Juden schreien, wo die auch für Geistesfelder nötigen „Dünger" angehäuft sind, wo aber das durch Vergangenheit und Gegenwart geformte Milieu alle Kräfte brachlegt, kann eine jüdische Eigenkultur schwer entstehen und können erstrangige Größen nur selten gedeihen. Ein Mann, der als Zionist und Bnei-Brith Hohes gewollt und viel geleistet, war B. Samsoni aus Piatra, der in Palästina seinen Geist ausgehaucht. Hebräische Sprache und Kultur war sein Lebensideal. Dem palästinenfischen Geiste suchte er eine Heimstätte in allen Institutionen, in welchen er eine führende Stellung hatte, zu gründen und für seinen Leichnam suchte und fand er in Palästina eine Heimstätte. Wie verschieden auch die genannten Männer in Bezug auf die Bedeutung und Art ihrer Wirksamkeit waren, fie alle leuchten am Himmel des Judentums. Dr. I. Niemirower. Der kleine Uerfohnnngslag.*) Eine liturgische Studie von Dr. Armin Abeles-Wien. Man mag über den inneren Wert der Kabbalah wie immer denken, ihr großer Einfluß auf die Gestaltung der religiösen Praxis im 16-, 17. und 18. Jahrhundert kann nicht bestritten werden. Wenn Grätz volle Kübel von Zorn und Spott ausgießt, über alles was Kabbalah und Kabbalisten betrifft, so haben jüngere Forschungen uns gelehrt, dieses Urteil mit einiger Vorsicht aufzunehmen und die Kabbalah als ein Kind der Zeit und ihrer Not zu begreifen. Wie es aber im Leben oft geschieht, daß Kinder über die Köpfe ihrer Eltern wachsen, so hat die Kabbalah letzterdings die Zeit beherrscht, aus deren Schoß fie hervorgegangen. Und noch aus einem anderen Grund. Seit dem 14. Jahrhundert wurde das Studium des Talmud und der rabbinischen Literatur besonders in Italien und Frankreich mit rücksichtsloser Strenge unterdrückt. Sollte er nicht versanden, mußte der Strom der religiösen Lehre und Ueberlieferung sich ein neues Bett graben, um sich frei ergießen zu können. Ein solches war die Kabbalah, die merkwürdigerweise von den Bannflüchen der Päpste verschont geblieben, ja sogar in christliche Kreise eingedrungen war. Mit der ganzen Kraft, die freigewordenen Energien innewohnt, bemächtigte sich der jüdische Genius dieses eigenartigen Gebiets, da wo Geist und Gemüt sich gleicherweise ausleben konnten. Aus solchen Verhältniffen und nur aus ihnen heraus vermag man die wie ein Hilferuf klingenden Worte zu begreifen: „Heutzutage, wo uns das Teuerste entriffen und vom Feuer verzehrt wird, so daß wir uns mit den Diskussionen Abajes und Rabas nicht befassen können, hat uns Gott in seiner Barmherzigkeit diese (die kabbalistischen) Bücher zugesandt, uns zu beleben und in dieser düsteren Zeit zu erleuchten. . . . Wären uns auch diese Hilfsmittel entriffen, was bliebe dann den Wißbegierigen zu tun übrig? Sollte er, etwa um Gottes Größe und Macht zu erkennen, zu Boccacio oder zur Geschichte der Könige seine Zuflucht nehmen? *) Diesem Tatbestand entpricht auch, daß es um jene Zeit kaum einen namhaften jüdischen Gelehrten gab, der. mochte seine religiöse und philosophische Weltanschauung wie immer geartet sein, sich des Zaubers der Kabbalah erwehren konnte, nicht etwa aus kabbalistischer Ueberzeugung, sondern vielmehr, weil fie infolge der traurigen Zeitverhaltnisse als ausschließliche Trägerin der Tradition gelten mußte. Indes die Kabbalah hat A n m erkung. Vorstehende Arbeit wurde der Redaktion noch vor Erscheinen des Aufsatzes »Jom Kippur katan« von Herrn Dr. M. Friediger übergeben und zwar als jener bereits zum Drucke bestimmt war. Zu dem Artikel des Herrn Dr. Friediger schreibt uns Herr Dr. Fr.: Ueber den Ursprung des Brauthes, am Rüsttage des Neumondes zu fasten etc., ist schon viel geschrieben worden. M. Bruck hat in seiner Schrift Pharisäische Volkssitten und Ritualien, 8. 42, dem »kleinen Versöhnungstag« ein eiuenes Kapitel gewidmet, wo er ebenfalls auf R. Jizchak Lurija, J. Emden, M. Korduero etc. hingewiesen. Auch N. Brüll hat im B. Chan., 10. Jahrg., Nr. 21 dieses Thema behandelt. Bemerkt muss nur noch werden, dass es auch hervorragende rabbinische Autoritäten gegeben, die Gegner dieses »neuen Brauches«, dessen Ursprung im Talmud nicht zu finden sei, waren. So z. B. h it R. Chajke, der in der Mitte des l7. Jahrhunderts in Grodno als Rabbiner fungierte, diesen Minhag abrogiert. ppi T2"X *p'*n rr.*o *?mi px:n '»'2 nnmx *nya»i p"2"r’ m»y*7 SS2 nm 1*0*2 m an:o *?B2 »in» mm D'anao *">"» ix'xm »in *220 j»mi »eb D"pm r>yi m"V"2i 0*pDlB21 llö^fO 11272 X*7» 2*121 D'2^2 1*7X2 O'»in 121 D»ll!221 (Vergl. Scheerit Jakob 1. Altona 1777.) Dr. Fr. r) Vgl. Emanuel C. Jekutiel: ml1?» raijMa Mantua 1558.

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