Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 4 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 56 Dr. Blochs Wochenschrift Nl. 4 wußte, welche sich aber bereits zum größten Teil als existenzfähig erwiesen haben, indem sie sich hier und im Ausland schon auf einem festen, das Unternehmen auf eine sichere geschäftliche Basis stellenden Abonnentenkreis stützen können. Unter der immerhin beschränkten Zahl der neuerdings in einer europäischen Sprache herausgegebenen Blätter in Palästina nimmt die seit bald einem Jahre in Jerusalem in einer dreisprachigen Separat- Ausgabe erscheinende politisch-literarische Lokalzeitung „La V er it e-xh e T r u th - H ae,me th“ (Die Wahrheit) unstreitig den ersten Platz ein und erlauben wir uns daher, auf dieselbe hiermit die Aufmerksamkeit aller für die Vorgänge und Verhältnisse in der Türkei und im Orient, und speziell in Palästina interessierten Leser, deren Zahl unter Juden wie Christen bekanntlich ja keine geringe ist, naclidrücklichst hinzuienken. Wohl erschienen auch schon bisher und erscheinen noch jetzt in Jerusalem Monats- und Vierteljahr-Schriften in europäischen Sprachen, aber dieselben sind fast ausschließlich Organe der verschiedenen ausländischen katholischen und protestantisch-orthodoxen Missionsgesellschaiten, welche als Beigabe zu ihrem Haupttext in der Hegel wohl auch politische, lokalgeschichtliche, archäologische und sonstige Notizen aus Jerusalem und Palästina bringen, aber die allemal vorausgehende einseitige massiv-theologische Abhandlung oder erbauliche Betrachtung und Glaubenspredigt, noch mehr aber die aufdringliche religiöse Propaganda, welche in der Hauptsache den Inhalt dieser Blätter bilden und der Leser eoen auch jedesmal mit in den Kauf nehmen muß, lassen diese Art Lektüre nicht mit jedermanns Geschmack erscheinen, daß man dieselbe ohne weiteres und rückhaltlos empfehlen könnte. Da ist denn nun das neue Blatt^ auf weches wir hier die Leser empfehlend hinweisen, berufen, eine von vielen Seiten längst mit Unbehagen und Bedauern empfundene Lücke in der palästinisch-orientalischen Berichterstattung in einer das Gefallen und die Wünsche der großen Allgemeinheit mehr berücksichtigenden und besser befriedigenden Weise auszufüllen. Das neue, in jeder der drei Ausgaben inhaltlich verschiedene Blatt bespricht in seinem politischen und allgemeinen Teil regelmäßig die wichtigsten Tagesereignisse in allen Kulturländern der Welt, wobei selbstverständlich den Vorgängen, Plagen und Problemen in der neuen Türkei, sowie den Verhältnissen und Ereignissen in Jerusalem, Palästina und angrenzenden Ländern das Hauptaugenmerk gewidmet bleibt. Ein fortlaufendes, anziehendes Feuilleton nebst allgemein gehaltenen Artikeln philosophischen, pädagogischen, religiösen, literarischen und allgemein nützlichen Charakters, sowie eine ständige Kubrik für Wirtschafts-, Industrie-, Handels-, Geld- und Bankwesen sorgen sowohl nach der ideellen wie nach der praktischen Seite hin für nützliche Belehrung und angenehme Unterhaltung der Leser, wie auch dem Kunstsinn durch häufige gute Illustrationen Kechnung getragen wird. Als von besonderem Interesse erwähnen wir auch noch die Kubrik „Sprechsaal“, in welcher die Bedaktion, unter Wahrung eigner völliger Unparteilichkeit nach allen Seiten einlaufende Korrespondenzen aus den verschiedensten politischen, nationalen und religiösen Kreisen der Bevölkerung, soweit die in demselben enthaltenen Kritiken, Anträge, Vorschläge und Wünsche für die Allgemeinheit wichtig und nützlich erscheinen, ungehindert zu Worte kommen läßt, wodurch das neue Blatt auch berufen ist, nicht wenig zu einer immer größeren und besseren Verständigung und Annäherung der national und religiös, politisch und sozial so unendlich verschiedenen und gespaltenen und bis heute noch gar oft sich so gehässig und feindselig einander gegenüberstehenden und behandelnden Lichtungen und Parteien, Sekten und Kasten in dem in vieler Hinsicht noch recht unheiligen „heiligen Lande“ beizutragen. Was schließlich die hebräische Ausgabe „Haemeth“ anbelangt, so ist sie, ihrem sprachlichen Charakter entsprechend, hauptsächlich für rein jüdische Leserkreise berechnet, und somit fast ausschließlich von einem mehr religiös und politisch liberalen als streng nationalen Standpunkte aus, der Behandlung und Besprechung rein jüdischer Prägen und Interessen, besonders in Jerusalem und Palästina, daneben aber auch in der ganzen weiten jüdischen Diaspora der Welt gewidmet. Nach dem hier Gesagten glauben wir also mit gutem Gewissen allen verehrten Lesern und Leserinnen, welche sich für Palästina und den Orient überhaupt näher interessieren, ein Abonnement auf die eine oder die andere, oder auf alle drei Ausgaben der neuen Jerusalemer Zeitung dringend empfehlen zu dürfen und wollen wir zu dem Ende, last not least, auch noch besonders darauf hinweisen, daß dieses mehrsprachige Blatt auch als ein höchst praktisches und erfolgreiches Mittel zu betrachten ist, dem die französischen, englischen und hebräischen Sprachkenntnisse seiner Leser dauernd lebendig und in Hebung zu erhalten und ihren Wort- und Sprachschatz in jeder dieser Sprachen von Woche zu Woche mühelos und gewinnbringend zu bereichern. Der Preis eines Jahresabonnements beträgt für die wöchentlich zweimalige französische Ausgabe für das Ausland 15 Franken und für die wöchentlich einmalige englische und hebräische Ausgabe je Pranken 12.50. Bei gleichzeitiger Bestellung der französischen und einer der anderen Ausgaben reduziert sich der Bezugspreis auf 12 resp. 10 Franken und bei Bezug aller drei Ausgaben zusammen auf 10 resp. 8 Pranken jährlich. Man kann zu dem entsprechenden halben und viertel Preisen auch halb- und vierteljährlich abonnieren. Für Bestellungen beliebe man sich mit gleichzeitiger Ueberweisung des betreffenden Abonnementsbetrages, nach dessen Erhalt die sofortige regelmäßige Zusendung der Blätter erfolgt, gef. umgehend an die nachstehende Adresse zu wenden: Herrn Phil. Kieferndorf, Prediger a. D. lind Doaent in Jerusalem (Palästina). Die Toten des Jahves 1910. Von Rabbiner Dr. I. Niemirower-Jaffy.. II. Dr. Hirsch Hildesheimer war ein Muster und Meister der Herzensgüte. In bezug auf Frömmigkeit und jüdische Gelehrsamkeit zeichnete man ihn aus, indem man ihm als Sohn seines berühmten Vaters bezeichnete. In bezug auf gemeinnützige Wirksamkeit schuf er sich einen eigenen Ruhmestempel, trotzdem auch sein großer Vater zu den Rabbinern gehörte, die sich nicht auf die 4 Ellen der Theorie beschränken, sondern eine herrliche Welt edler Praxis errichten. Es ist hervorgehoben worden, daß man den Seminarlehrer und Gelehrten H. Hildesheimer manchmal vergessen, da man so oft über ihn als Mann der segensreichen Tat zu sprechen hatte. In Wirklichkeit schöpfte er seine ganze Kraft zu so mannigfaltiger Tätigkeit aus ein und derselben Quelle, aus der Quelle des Gemütes. Wenn er als Forscher das Wahre suchte, fand er immer das Gute. Seine Schüler denken an ihn als den herzensguten Lehrer. Aus Liebe zu Palästina befaßte er sich mit ihrer Geographie und gründete die „Esra-Gesellschaft". Er liebte nicht nur Gesamtisrael als Ganzes, sondern auch die Juden aller Länder als Einzelgruppen. Er gehörte zu den Führern des Hilfsvereines der deutschen Juden und fand dennoch Herzenstöne für die Pariser „Alliance". Er liebte nicht nur Gruppen von Menschen, sondern auch die einzelnen Individuen. Er betrachtete sehr viele als seine Freunde, er sprach fast alle seine Bekannten als „liebe Freunde" an — und dennoch waren ihm alle, mit welchen er in Berührung gekommen, tatsächlich als Freunde teuer. Daß er immer GuteS suchte und wollte, machte ihn zu einer „schönen Seele", zum „Salonorthodoxen" im guten Sinne des Wortes, rüstete ihn mit einer solchen Fülle von Toleranz aus, die man so selten bei so überzeugungsstarken Persönlichkeiten findet. Wer immer sich mit ihm unterhielt, wurde weicher gestimmt, versöhnte sich mit seinem Schicksale und mit dem seines Volkes. So oft es mir vergönnt war, mit Hirsch Hildesheimer in Berlin oder Paris über das Los der rumänischen Juden zu sprechen und Zeuge seines Mitgefühls zu sein, wurde es mir leichter ums Herz und mein Vertrauen zur Menschheit und Menschlichkeit wuchs. Fürwahr, Dr. H. Hildesheimer hatte es nicht nötig, durch viele fachmännische Gutachten zu beweisen, daß die jüdische Schächtmethode den Gesetzen edler'Menschlichkeit nicht widerspricht, die bloße Tatsache, daß er — das gute, edle Herz — für sie sich einsetzte, bewies zur Genüge, daß sie keine Quälerei sein kann! Alles, was das Gegenteil von gut ist, konnte in ihm keinen Verfechter finden. Als Sendbote deS Guten wird er im Gedächtnisse Israels bleiben. III. Das amerikanische Judentum, dem sowohl nach dem Ausspruche des Völkerpsychologen M. Lazarus als auch dem Prognostikon des hebräischen Schriftstellers Rubin Brainin die Zukunft gehört, charakterisiert sich durch eine gesunde Mischung von Idealismus und Realismus. Der Orden B'nei B'rith, dessen