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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-27 · 4 (27.1.1911) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 85 Nr« 4 Wahlen im Zionismus noch sonst Manches zu suchen haben, jede Gemeinschaft mit Ihrem Organe ablehnen werden. Ich meinerseits muß mich aufs Allerentschiedenste und Nachdrücklichste dagegen verwahren, daß Leon Kellner in einem zionistischen Organe in so — na, ich kann das Wort nicht unterdrücken — unflätiger Weise herabgewürdigt und verspottet wird. Ich erwarte Ihre Antwort auf diese Zuschrift — öffentlich oder privat — wie es Ihnen gerade paßt. Ich werde jedenfalls dafür Sorge tragen, daß diese Aeußerung meines Unwillens der zionistischen Oeffentlichkeit bekannt werde, wenn Sie es ablehnen sollten, es durch Ihre Zeitung zu tun. Ich zeichne mit Aller Achtung und erg. Zionszruß Dr. O. T h o n." („Der Jüdische Volksrat" Nr. 2.) Versammlung gegen die „Taufjuden". München. Die Ortsgruppe München des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte für Dienstag den 3. d. M.. abends, in den Saal der „Vier Jahreszeiten" eine öffentliche sehr stark besuchte Versammlung einberufen. Die Referenten Rabbiner Dr. Werne r-München und Landtagsabgeordneter, Rechtsanwalt und Notar Dr. C o h n-Deffau sprachen vor der auch von mehreren hundert Frauen besuchten Versammlung über die Unwahrhaftigkeit der Judentaufe, die zumeist aus gesellschaftichem Ehrgeiz und Streben nach öffentlichen Aemtern, nicht aber wegen inneren Antriebes zum Christentum erfolge und forderten alle Juden zum Beitritt in den 26.000 Mitglieder zählenden Zentralverein und zum Kampfe gegen den korrumpierenden Einfluß der Judentaufe auf. Schließlich wurde von der Versammlung folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die am 3. Jänner im Saale des Hotels „Vier Jahreszeiten" versammelten deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens legen Verwahrung ein gegen das Vorgehen des Staates, der durch Beförderung und Auszeichnung getaufter Juden Unwahrhaftigkeit und Gesinnungslosigkeit züchtet. Die Versammlung fordert von jedem Juden, daß er nicht durch Lässigkeit bei dem Uebergetretenen den Glauben aufkommen lasse, als sei seine Treulosigkeit unserem sittlichen Empfinden gleichgültig. Die Versammlung erwartet, daß alle Juden sich ihrer Pflicht bewußt sein werden, Schwankende auf die Unsittlichkeit eines aus äußeren Gründen erfolgenden Uebertrittes hinzuweisen, und insbesondere Eltern, die sich mit dem Gedanken trag n, ihre Kinder dem Judentum zu entziehen, über die Tragweite dieses verwerflichen folgenschweren Schrittes aufzuklären". Eine jüdische Fremdenlegion in der türkischen Armee. In der Konstantinopler Zeitung „Jeune Turc", erinnert der angesehene Publizist Seif-Ed-Dine-Gaßtow an den Versuch des großen polnischen Dichters Mickiewicz und seines jüdischen Sekretärs Armand Levy, eine jüdische Fremdenlegion für die türkische Armee anzuwerben. Das war im Jahre 1855, zur Zeit des Krimkrieges. Bekanntlich hat Mickiewicz damals auch polnische und andere Legionen für die türkische Armee organisiert. Ueber die geplante Judenlegion schreibt Seif-Ed-Dine: „Mickiewicz, obgleich selbst Katholik, kannte genau den Geist der jüdischen Raffe, die eine so große Zahl von Repräsentanten in Littauen, der Geburtsstätte des Dichters, besaß. Die Idee des Denkers war, daß diese Raffe, die trotz scheinbarer Assimilation ihren nationalen Charakter zu erhalten vermocht hat, imstande wäre, eine bewaffnete Macht im Dienste dieses Reiches zu bilden, für welches alle Israeliten Dankbarkeit empfinden müßten. Mickiewicz, der einst das Wort prägte: „Ich nenne mich eine Million, weil ich für Millionen Menschen leide", litt wirklich beim Anblicke notleidender erniedrigter Menschen; er wollte nicht nur seine Nation, sondern auch alle anderen Nationen sich zum Lichte und zur Gerechtigkeit erheben lassen. Aus diesem Grunde wollte er, der die Lage der russischen und polnischen Juden kannte, ihnen zur Wiedererrichtung jenes nationalen Ideals verhelfen, ohne das kein Volk sich entwickeln könne. Da er wußte, daß die Haupteigenschast der Juden die Liebe zu ihrer Raffe ist, so dachte er fich, daß er durch die Zusammensetzung einer ausschließlich aus Juden bestehenden Wehrtrupps, die fich in den Dienst der gerechten Sache gegen die Tyrannei stellen würde, in den Juden den Nationalstolz, das Andenken der Makkabäer und der großen Herren der Bibel erwecken und dadurch auch die Würde des jüdischen Volkes erwecken würde. Sein Sekretär Armand Levy, tat als Jude sein Möglichstes, den Plan durchzuführen, aber die Versuche scheiterten an dem Widerstande der einflußreichen Juden, die, zu stark assimiliert, Angst hatten, auf das Projekt einzugehen. Ich weiß nicht, ob das Projekt durchführbar war, aber erwähnenswert ist es immerhin." Dem Vertreter der „Aurore" gegenüber bemerkte der erwähnte Publizist überdies, daß er Kenntnis davon habe, daß die zwischen Mickiewicz und seinem Sekretär Armand Levy einerseits und den großen jüdischen Finanziers jener Zeit andererseits in dieser Angelegenheit gepflogene Korrespondenz noch existiert und daß es für die Juden von besonderem historischen Werte wäre, fie zu erwerben und ficherzustellen. Abnahme der Zahl der Juden in Galizien. Aus dem statistischen Materiale, welches der Landesausschuß den Teilnehmern an der Enquete über die Notlage der Juden in Galizien zur Verfügung gestellt hat, geht die Tatsache hervor, daß die Zahl der Juden in Galizien in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist. Da andererseits die Zahl der Geburten diejenige der Todesfälle bei Juden erheblich übersteigt, so ergibt sich das Faktum, daß der Ausfall ausschließlich der massenhaften Auswanderung der Juden aus Galizien zuzuschreiben ist. Dies dürfte auch der Beweggrund sein, weshalb die Veranstalter der Enquete auch die Regulierung der Emigration unter die Beratungsgegenstände ausgenommen haben. Eine neue dreisprachige politische Zeitung in Jerusalem. Sei, der vor nunmehr bald drei Jahren erfolgten Einführung der neuen Konstitution in der Türkei und der durch dieselbe gewährten Rede-, Druck-, Preß- und Zensurfreiheit ist, wie auf allen Lebens- und Schaffensgebieten, so besonders auch im Bereiche des Bildungs-, Literatur- und Zeitungswesens ein gegen früher ganz außerordentlich großer und ungeahnter Aufschwung und Fortschritt zu verzeichnen. Von den nur eine kurze Spanne Zeit hinter uns liegenden historisch ewig denkwürdigen und folgereichen Julitagen des Jahres 1908 bis heute hat namentlich die bis dahin numerisch und sachlich fast unbedeutende politische Presse und Literaturerzeugung eine geradezu ungeheure und staunenerregende Ausdehnung, Vermehrung und Entwicklung gewonnen, und das nicht allein in den größeren Städten des europäischen, kulturell weiter vorgeschrittenen Teiles der Türkei, sondern auch überall in den asiatischen Gebieten des weit ausgedehnten Reiches. Bei diesem allgemeinen Wettstreit des neuerwachten politischen, wirtschaftlichen, sozialen und wissenschaftlichen Lebens und Streitens konnten natürlich auch die alt berühmten, in religiöser und kultureller Beziehung für die ganze zivilisierte Welt so hochbedeutenden und unvergleichlichen Provinzen des türkischen Reiches, Syrien und Palästina, welche nach Jahrhunderte langem wirtschaftlichen und geistigen Verfall heute wieder eine gesegnete Zeit äußerer materieller und geistig-spiritueller Erneuerung und wachsender Blüte erleben, nicht Zurückbleiben und haben sich dieselben auf tatsächlich an der allgemein zu konstatierenden Bewegung der Geister bereits einen hervorragenden, höchst beachtens- und bemerkenswerten und ehrenvollen Anteil gesichert. Wie in den übrigen größeren Städten der europäischen Türkei, so hat auch, infolge der neu eingetretenen äußeren günstigeren und glücklicheren Umstände, gerade in Syrien und Palästina, namentlich die landessprachige, hier also die arabische und hebräische Presse einen bedeutenden Aufschwung und starken Zuwachs erhalten und wie numerisch an Zahl, so auch inhaltlich entschieden an Wert und Bedeutung gewonnen. Daneben sind nun aber auch hier und da politische Tages- und Wochenblätter in europäischen Sprachen ins Leben getreten, von denen man bisher hier zu Lande nichts

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