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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-29 · 3 (29.1.1911) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
3 (29.1.1911)
Date
1911-01-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 48 langer Schnur um den Hals der Tochter befestigte Kruzifix Md, indem sie dasselbe mit hocherhobenen Händen in die Höhe hielt, erklärte sie der Mutter, daß sie ihre Tochter, welche durch die Taufe eine Heilige geworden sei, nicht eher berühren dürfe, als bis sie selbst das KreM geküßt habe. Als die Mutter sich natürlich wergerte, das m tun, durfte sie sich der Tochter nur in einem gemessenen Abstand nähern, und die beiderseitige .^Mterhaltung durfte sich auch nur wieder in russischer ^Sprache vollziehen, damit den Nonnen von derselben kein Wort entginge. Unter diesen Umständen konnte auch bei dem Besuche der Mutter von irgend welchen praktischen Resultaten und Erfolgen keine Rede sein, die beiderseitige Unterhaltung konnte sich nur in ganz äußerlichen Formen bewegen, zu einer gegenseitigen Herzensaussprache war alle Möglichkeit genommen, und die Mutter mußte bald wieder Meiden, zufrieden, nach langer schmerzlicher Trennung die Tochter nur überhaupt wieder gesehen und gesprochen zu haben. Nach den Besuchen der Mutter und Schwester mußte man also zu der bestimmten Ueberzeugung kommen, daß es absolut unmöglich war, auf direktem Wege über die augenblicklichen GcvauKn, Gefühle und Wünsche des im Kloster festgehaltenen Mädchens sich Gewißheit zu verschaffen oder gar einen Plan zu dessen Befreiung zu besprechen und zur Ausführung zu bringen, und daß man zu diesem Zweck, ohne dabei irgendwie Aufsehen und Verdacht zu erregen, die Vermittlung einer gewandten fremden Persönlichkeit in Anspruch nehmen müsse. Glücklicherweise fand sich auch bald eine griechisch-orthodoxe Frau in Jerusalem, welche sich auf Anfragen sofort bereit erklärte, eine solche Vermittlerrolle zu übernehmen^ Da die Frau seit langem mit den Nonnen im Kloster freundschaftlichen Verkehr pflegte, stand Or jederzeit der Zutritt in dasselbe offen und fouute sie sich auch ganz unauffällig dem jüdischen Mädchen nähern und sich völlig unbehelligt eingehend mit demselben unterhalten. Als Fazit dieser Unterredung brachte die Frau die Meldung zurück, daß das Mädchen den getanen Schritt bitter bereue, sich in der unfreiwilligen Gefangenschaft, in Deiche sie geraten, höchst unglücklich fühle und nur eine günstige Gelegenheit abwarte, um hoffentlich mit besserem Erfolg als bisher einen neuen -Fluchtversuch auszuführen. Die Worte der Botin wurden bestätigt, durch einen derselben für die Mutter milgegebenen Brief, in welchem die Schreiberin nur noch für kurze Zeit zu geduldigem Warten ermunterte, bis die günstige Stunde zu entscheidendem Handeln gekommen; sef. während sie zugleich die Mutter und Schwester bat. vorerst bis auf weiteres alle Versuche, sich direkt oder indirekt Mit ihr in Verbindung zu setzen, zu unterlassen, um die Nonnen in betreff ihres Vorhabens in völlige Sicherheit zu wiegen. Es vergingen nun aber nach diesen Bvrgän^n wiederum Tage und Wochen in entsetzlicher Ungewißheit, ohne daß auch nur die leiseste . stunde über d as fernere Schicksal der unglücklichen Schreiberin laus den dicken verschwiegenen Klostermauern auf > dem Oelberg hervorgedrungen wäre. Schon dachte man darum daran, den Botendienst mit der griechischen Frau auf dem Oelberg wieder aufzunehmen, als die wie aus den Wolken gefallene, vor Staunen und Enttäuschung ganz .fassungslose Mutter einen Brief von der Tochter aus Odessa erhielt, in welchem dieselbe nur kurz mitteilte, daß mau sie von Jerusalem nach der genannten Stadt transportiert habe, und die Mutter inständig bat, sofort zu ihr zu kommen. Also jetzt mit einem Schlage ein - ganz neuer Schauplatz der Handlung in dem aufregen- ■ den Drama, ganz neue Verwicklungen, ganz, neue unbekannte Verhältnisse und neue, in die Handlung eingreifende Personen! Was die bisherigen Jerusalemer russisch-orthodoxen Autoren, Akteure und Regisseure zu einer solchen, ursprünglich wohl kaum beabsichtigten radikalen Aenderung des Spielplanes und einem solchen einschneidenden Orts-, Personen- und Szenenwechsel bewog, dürfte inicht schwer zu erraten sein. Entweder schöpften die Nonnen aus den Besuchen der Mutter und der Schwester und der griechischen Frau hinterher doch noch schlimmen Verdacht, oder das Mädchen hatte inzwischen wirklich einen neuen verunglückten Fluchtversuch gemacht, auf alle Fälle schien es ratsamer, die gefährdete Beute jetzt an einem entfernteren unbekannten Orte im hl. Rußland in abfomte Sicherheit zu bringen. Die Mutter war nach Erhalt des Briefes mit der Einladung der Tochter sofort entschlossen, die Reise nach Odessa anzutreten, hätte aber, aus Mangel an den hierzu nötigen persönlichen Mitteln, ihr Vorhaben nicht zur Ausführung bringen können, wenn man nicht durch eine gemeinsame Kollekte das nötige Reisegeld für sie aufgebracht hätte. In Odessa angelangt, war es der Mutter nicht schwer, mit Hilfe der von der Tochter angegebenen genauen Adresse, bald das Kloster ausfindig zu machen, in welchem sie jetzt verborgen gehalten wurde. Ohne daß man sie gleich erkannte und irgend etwas Auffälliges ahnte, gelang es auch der Mutter sofort, Zutritt in das Kloster zu erhalten und die Tochter zu sehen und zu sprechen. Nach dem ersten .Freudenrausch über das glücklich gelungene Wiederfinden und Wiedersehen gab die Tochter zunächst einen Bericht ihrer Ueberführung nach Odessa, wozu ein neuer von ihr gewagter, aber wiederum vereitelter Fluchtversuch aus dem Kloster in Jerusalem die unmittelbare Veranlassung geboten, und wußte dann in den beweglichsten Worten nicht bitter genug darüber zu klagen, wie sie es hier in Odessa noch so viel schlimmer habe als in Jerusalem, da man sie in dem russischen Kloster nur zu den schwersten und niedrigsten Arbeiten wie Scheuern, . Putzen, Waschen usw. verwende, und wenn sie sich dem erhaltenen Befehl im geringsten widersetze, von der Oberin und den Nonnen in roher Weise mißhandelt werde. Die Tochter bat deshalb die Mutter, gleich nach ihrer Ankunft einflußreiche Mitglieder der Odessaer jüdischen Gemeinde auf das harte und traurige Schicksal ihrer Person aufmerksam zu machen und dieselben zu ihrer Befreiung änzuspornen. Mit dem Versprechen, in der angegebenen Richtung nichts unversucht zu lassen, was nur irgendwie Aussicht auf günstigen Erfolg verheiße, trennte sich darauf die Mutter von der Tochter. (Fortsetzung folgt.) Literat«». Der Nutzen des Lebens von Sir John Labbock ist soeben im Vervon Hermann Zieger, Leipzig zum Preise von M. 1.75 geheftet und M. 2.50 gebunden erschienen. Es ist ein Buch für alle ins Leben hlnaustretenden oder sich schon in ihm abmühenden Menschen, ein Buch für Jedermann, dem daran gelegen ist, den wahren Nutzen des Lebenim vollsten Umfang sich eigen zu machen. Lubbock, dessen „Die Freuden des Lebens" bereits drei Auflagen in deutscher Uebersetzung erlebt haben, zeigt sich auch in diesem neuen Werk als ein Lebenskünstler im edelsten Sinne des Wortes. Die Hochschatzung der Bibel überrascht bei einem Engländer nicht. Gern und immer wieder wird man nach dem Werke greifen und sich von ihm belehren und beraten lassen! Felix Holländer, Unser Haus. Verlag Erich Reiß, Berlin. Einen Roman nennt Holländer dieses Buch seiner Kindheits¬ und Jugenderinnerungen. Wie viel Dichtung zugesetzt ist, kann der Fernstehende nicht beurteilen. Aber die Wahrheit überwiegt offenbar. Wahr im weiteren Sinne, menschlich getreu find alle Figuren gezeichnet. Auch jüdische Beziehungen bietet das Buch, das Jeder mit Nutzen lesen wird. x. Roda Roda und Th. Etzel, Welthumor. Schuster u. Löffler, Berlin, Bölowstraße 107. Band II und III je M. 4.—, geb. M. 5.-. Was die Namen der Herausgeber versprechen, wird von den beiden Bänden redlich gehalten. Band II („Drei Meilen hinter Weihnachten") durchstreift nach saftigen Bissen die Volksliteratur der Afrikaner und Amerika-Neger ganz Asien (auch die Hebräer leisten eine Kontribution), Hellas und Rom und das Mittelalter müssen herhalten. In dem „Fröhlichen Jahrhundert" (Band III) finden sich

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