Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 3 (29.1.1911)
- Date
- 1911-01-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Veite 42 Dr. Blocks WochenfchM. vierzig Tage», an einem Montag, verließ (vgl. BK. fol. 82 a ToS; pv'tr p. 65). Außerdem besteht der Glaube, daß Gott au diesen zwei Tagen zu Gericht fitze, der Mensch aber durch sein Verhalten Gott gegenüber dieses Gericht beeinflussen könne. Ursprünglich dürsten diese Tage — die sogenannten zwei Lektionstage — deshalb gewählt worden sein, weil das Volk von jeher gewohnt war, an diesen Tagen mehr Zeit auf den Gottesdienst zu verwenden. Schon zu Esra's Zeiten war der Montag und Donnerstag für besondere Zwecke bestimmt. So führte er ein, daß an diesen Tagen beim öffentlichen Gottesdienst aus der Schrift gelesen werde und daß an ihnen der Gerichtshof zu Gericht fitze (vgl. noch O. Chajim §§ 134, 580). Wir begegnen im Mittelaller sogar dem Versuche, Fasttage, die dem jüdischen Datum nach auf irgend einen anderen Tag der Woche fallen, auf den nächsten Montag oder Donnerstag zu verlegen (Zuuz, Ritus, S. 125). In der Mitte des 16. Jahrhunderts und später begnügten sich die Kabbalisten nicht mehr mit diesen zwei Tagen, sondern verordneten in den Gemeinden, in welchen fie ihren Einfluß geltend machen konnten, daß täglich zehn Männer, die durch das Los bestimmt wurden, gleich wie am Bersöhnungstage, den ganzen Tag in der Synagoge mit Bußgebeten zubriugen sollten. So war dies zum Beispiel in Safet, dem Anfenthultsorte von Isaak Lurja und Moses Cordovero, der Fall. Unter den verschiedenen Einrichtungen, die Isaak Lurja, der große Kabbalist des 16 Jahrhunderts, genannt Ari (Aschlenafi R. Isaak, 1534 bis 1572), getroffen hat, befindet sich die Einführung des Fastens am Erew Rosch Chodesch, welchen Tag Moses Cordovero, ein Zeitgenoffe Lurjas (1522 bis 1570) den „kleinen Versöhnungstag" J^P oinannte (Pri Chadasch zu O. Chajim, §. 417). Den Ursprung und die Ursache gibt Lurja in seinem Siddur an und seine Worte fanden durch andere kabbalistische Werke, die zugänglich waren, Verbreitung. Hierüber lesen wir im im ibd des Israel Sonderlich (eä. Frankfurt a. O, 1701 p. 133) brnwi irrDS 'imv-wavn er löxr »jnnwfc pim n«pr bsa nwrnf? mr .nbin amna mm m\i wru n'mnm lapopai mte Demnach liegt der Grund des Fastens darin, daß der Mond sich allmälig verkleinert, bis er am Tage vor dem Neumond sein Licht einbüßt. Daß diese Naturerscheinung zur Begründung der Einführung eines Fasttages dienen konnte, liegt in folgender kabbalistischer Deutung derselben: Der Mond ist für uns Menschen ein Abbild jenes Mondes, der fich in den oberen, göttlichen Regionen befindet nnd der nichts anderes ist, als die göttliche „Schechina" selbst. Die Menschen find sündhafte Wesen, die die Welt mit Chilul Haschern erfüllen. Darüber trauert Gott und diese Trauer findet für uns Erdensöhne ihren sichtbaren Ausdruck in der Verkleinerung des Mondes. Aber auch wir sollen mit Gott unserer Sündhastigkett wegen trauern, deun fie ist die Ursache unserer Verbannung. Am Vorabende des Neumondes, am Tage, an welchem der der Mond ganz unsichtbar ist, sollen wir daher fasten und Bußgebete verrichten. Derselbe Gruud ist — im Namen Lurja's — in dem für verschiedene Minhagim wichtigen Werke des Salom Tobijjano amafc ivn (ed. 1753, p. 43 a) angegeben. Der Ursprung des P"2' ist demnach auf Isaak Lurja zurückzuführen. In seinem Siddur (unter dem Titel spr 5ip ed. Slobuta 1804) gibt er zunächst im Abschnitte (P'3' mtd) für die Benennung „kleiner Versöhnungstag" einen kabbalistischen Gruud und fügt hinzu: nuynrA *p5t nbien mip nny dn o'iwvoi nibena nmiSi m «fällt der Erew R. CH. vor dem Auftreten des Reulichtes, so faste man an drmselbkn und verrichte Bußgebete." Die Heimat dieser Einrichtung ist Palästina. Bon dort kam fie noch im 16. Jahrhundert vor allem nach Italien, dem damaligen Eldorado der europäischen Kabbalisten. Hier schrieb Jehuda de Modena (1571 bis 1648) bereitim Jahre 1614 einen eigenen Pismon für Liesen Fasttag und Abraham Gariani im Jahre 1626 in seinem Vnn twn ’nSowo _yid eine eigene Gebetsordnung. (Vgl. Zunz, Ritus, S. 151.) Die Verkleinerung des Mondes als letzten Grund für diesen Fasttag, doch in etwas geänderter Form, finden wir im ’ibn m» D des Salomo Ha-Levi Alkabaz (ed. Venedig 1584). S. 9a wird der Midrasch erörtert, der uns eine Unterhaltung zwischen Achaschwerosch und Haman erzählt. Haman klagt die Juden an, daß sie die persischen Staats- und Religionsgesetze außer Acht lassen und nach ihren eigenen Gesetzen leben, daß fie einen eigenen Sabbath, den Anfang eines jeden Monates u. s. w. feiern. Dies letztere will nun Alkabaz mit jener Haggada in Verbindung bringen, nach welcher der Mond wegen seiner Klage, er könne mit der Sonne, die mit ihm eine gleiche Größe hatte, nicht zu gleicher Zeit herrschen, verkleinert wurde. (Chulin 60b.) Darunter müsse nun Israel leiden. Aber es könne sich, so klagt nun Haman, vor der Gewalt der Feinde durch den zur Sühne bestimmten Beck -laab retten, denn dies ist „eine Rettung ihrer Seele aus der Hand des Feindes". Zu dieser Erklärung fügt Alkabaz hinzu: 2->n VttESM* *-rr® D'pös my tnynö® rwyts 'rau «p ismKarvi iMtnp „Jetzt aber, da unser Heiligtum zerstört ist, gibt es eifrige Leute, die statt zu opfern, fasten." Ich will es in diesem Zusammenhänge nicht unerwähnt lassen, daß es im 17. Jahrhundert verbreitet war, zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels am Montag und Donnerstag zu fasten. Diejenigen aber, die infolge körperlicher Schwäche das viele Fasten nicht ertragen können, sollten (nach dem pvin s]cv p. m) wenigstens einen Tag im Monate u. zw. am Erew R. Ch. fasten. Der je» Tissa dv verbreitete fich ziemlich schnell in den Gemeinden Europas und wurde ein Gemeingut des Minhdg. Der mystische Grund verblaßte allmälig, aber der Fasttag blieb und zwar auf Grund der oft betonten. Warnung, keinen Monat vorübergehen zu lassen, ohne einen Tag gefastet zu haben. So bemerkt R. Jakob Emden: m anpo D'tinm ' B&BflSl VIT ril.T" P«T TjWyTpY HBiv“'I745). Hier ist die Ursache des Fastens mit dem Neumonde an fich in keinen Zusammenhang gebracht. Von diesem Tage gilt das, was von anderen Fasttagen auch: das jüdische Volk, das im Gewühle der Welt seine Mission vergißt, soll immer wieder an seine Würde, an den innigen Zusammenhang mit Gott erinnert werden. Daß man den »T"iy hierzu bestimmt hat, ist, abgesehen davon, daß man von jeher gewohnt war, an diesem Tage zu fasten, darauf zurückzuführen, daß der Rosch Chodesch selbst als man „eine Zeit der Sühne" gilt, an welchem die Sünden des ganzen Monates gesühnt werden (Pri Chadasch O. CH. 8 417). Mit der Sühne ist das Fasten eng verbunden; da aber das Fasten am Rosch Chodesch, als an einem Festtage, untersagt ist, fastet man am Vorabend dieses Tages. Menachem Asaria de Fäno (V"vn), der um das Jahr 1620 in Italien lebte und Jünger des Moses b. Jakob Cordovero war, kennt in seinen nTB'n 'Jipn (Rga. N. 79) den Brauch, daß fromme und eifrige Leute am Erew Rosch Chodesch einen „kleinen Versöhnungstag" und einen „Fasttag" veranstalten, bemerkt aber, daß sie besonders darauf achten mögen, die Abendmahlzeit nach dem Fasten noch vor dem Eintritt der Dunkelheit einzunehmen, um nicht am Rosch Chodesch selbst zu fasten. Bemerkenswert ist der Rat Asarias, nicht direkt am Erew R. Chodesch zu fasten, sondern am letzten Montag oder Donnerstag vor Rosch Chodesch, damit, wenn das Neulicht (der Moled) bereits am Tage vor dem Neumonde auftritt, man nicht im neuen Monate faste. Auch der Ari warnt schon vor dem Fasten nach dem Erscheinen des Moled: bp my DTip L81 n^ynri (Kol Jakob; vergl. nmn«*? ncrt p. 43d.) Daß Asarja Montag oder Donnerstag vorschlug, liegt in dem oben erwähnten Grunde. Er klagt aber selbst, daß die „Frommen in Israel" seinen Rat nicht befolgten. Von R. Israel Sarük (Kabbalist um 1620, Schüler Lurjas) wird überliefert, daß er auch am Tage des Moled fastete, aber nur bis der Moled eingetreten war. (Magen Abraham j§ 417.) (lieber das Fasten am Erew Rosch Chodesch vergl. nach NVv nvv 'v des Moses