Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 3 (29.1.1911)
- Date
- 1911-01-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 40 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 3 Was würden Sie, hochverehrter Mr. Carnegie empfinden, wenn Ihnen wegen Ihrer Religion der Eintritt in irgend ein Land verweigert würde? Friede ist ein glorreiches Attribut aber Gerechtigkeit ist größer und erhabener! Warum wollen Sie nicht diesen unschätzbaren Edelstein in Ihren Kranz großer und edler Taten als Letztes einfügen? Ihr ergebener S i m o n W o l f." Die amerikanischen Blätter stimmen dem Briefe Wolfs zu und sind der Meinung, daß er nicht ohne praktische Wirburg auf den Milliardär bleiben werde. Eine Resolution der Moskauer Gesellschaft für slavrsche Kultur. In der letzten Sitzung der Moskauer Gesellschaft für slavische Kultur, an welcher unter anderem auch die Politiker Roditschew, Senator Professor Wernadski, die Polenführer Zarowski und Kqrwowski teilgenommen haben, hat unter Vorsitz des Mitgliedes der Akademie Korsch nach eingehender Debatte folgende Resolution angenommen : 1. Die Rechtsbegrenzungen der Juden stehen im Gegensätze zur heutigen menschlichen Kultur. 2. Das Bestehen des begrenzten jüdischen Ansiedlungsgebietes hat dazu geführt, daß in Polen eine unnatürliche Ansammlung von Juden erfolgt ist, welche die ökonomische und kulturelle Entwicklung, sowohl der Juden wie auch der übrigen Bewohner Polens störend beeinflußt. 3. Die abnormale Lage der Juden in Rußland verstärkt in ihnen das Gefühl der Abgesondertheit von der übrigen Bevölkerung. Alus diesen GMnden anerkennt die polnische Sektion der slavischen Gesellschaft, daß die Interessen des Staates, der polnischen Kultur, und die Interessen der Juden selbst es fordern, daß sämtliche gegen die Juden bestehenden Rechtsbeschränkungen annulliert werden^ daß! vor »allem aber der AnsiMungsrayon aufgelassen werde. Jedes Versäumnis in dieser Richtung bestärkt nur die polnische Gesellschaft in der Auffassung, daß die Regierung die Juden als ein schädliches Element betrachtet und die Absicht habe, aus Polen ein jüdisches Ghetto zu machen, um auf diese Weise die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Juden Polens zu stören." Ein neues Werk Wer die fpamolischen Juden. Der akademische Verein spaniolischer Juden in Wien, „Esperanza", hat beschlossen, einen Almanach in spaniolischer Sprache herauszugeben, in welchem eine übersichtliche Geschichte der Spaniolen in der ganzen Welt geboten werden soll. Sämtliche hervorragenden Spaniolen sollen zur Mitarbeit an diesem Werke herangezogen werden. Das Buch wird Abhandlungen über die folgenden Hauptthemen enchallM: Die gegenwärtige Lage der Sephardim. Die Dezentralisierung der Sephardim. Das Problem des Müsch-spanischen Idioms. Die spaniolische Schrift. Die Psychologie der Sephardim und ihre Statistik. Die Geschichte der Sephardim und ihre Historiker. Ihre Journalistik und ihre Literatur. Ihr Leben und ihre Sitten. Ihre Volksliteratur: Romanzen, Erzählungen, Rätsel, Sprichwörter usw. Die Organisation der Sephardim: Gemeinde, Schulen, Jeschiwvth und verschiedene Gesellschaften. Das geistige und religiöse Leben der Sephardim. Sephardim und Aschkenasim. Die Zukunft der Sephardim und des Judentums. Auszeichnung eines jüdischen Generals. Das Pariser „Journal Officiell" meldet: Der Kommandant der 6. Infanterie-Brigade, General M. Heymann, ein Jude, wurde auf' Vorschlag des Kriegsministers zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Dieselbe Nummer gibt unter mehreren anderen Auszeichnungen an Juden auch die Ernennung des Dramatikers Pierre Wolff zum Offizier und den Sekretär der Pariser Faculte des Lettres Uri, sowie den Professor in der medizinischen Fakultät in Lille, Werthjeimer, zu Chevaliers der Ehrenlegion. Juden als Soldaten. Aus Paris wird gemeldet: „Der bisherige Oberstleutnant Valabrögue, interimistischer Kommandant des 43. Artillerie-Regimentes, wurde zum Oberst befördert und mit dem definitiven Befehl des Regimentes betraut. Der Bataillonsches Lewy wurde zum Oberstleutnant befördert. Der Leutnant Stern von dem 11. Bataillon der Jäger zu Fuß, Leutnant Gomez im 15. Dragoner-Regiment und Leutnant Kaufmann im 23. Jnfanterie-Regimente wurden zu tzauptleuten ernannt und teils bei ihren Regimentern behalten, teils in andere versetzt." Die rumänischen Juden bei Gericht als Vagabunden erklärt. Ein wegen Bankrott eingesperrter Glaubensgenosse ersuchte das» Tribunal zu Jassy um vorläufige Entlassung aus der Haft; der Gerichtshof wies dieses Ansuchen mit der eigenartigen Motivierung zurück, daß Vagabunden nach dem Gesetze nicht durch Kaution-Erlegung aus der Haft entlassen werden können — und alle rumänischen Juden, die nicht naturalisiert sind, als Vagabunden betrachtet werden müssen. Die Tote« des Jahres 1910 ♦ Von Rabbiner Dr. I. Niemirower-Jaffy.. Nicht alle jüdischen Persönlichkeiten, die im Jahre 1910 ihren Familien und Wirkungskreisen durch den Tod entrissen wurden, sollen hier aufgezählt werden. Es gilt vielmehr das Leben einiger großer Toten zu skizzieren, die man als Leuchttürme der Juden der Länder, in welchen sie gewirkt, betrachten darf. In jedem Lande gestaltet sich das Geistesleben der Juden in besonderer Weise und die großen Toten, die im Gedächtnisse ihrer Stammesbrüder fortleben, enthüllten das Wesen der Gemeinschaften, in welchen fie sich entwickeln konnten. Ich werde in diesem Zusammenhänge über M. A. Klausner und H. Hildesheimer aus Deutschland, Julius Bien aus Amerika, Luwinsky, S. P. Rabinovitz und Baron Ginzburg aus Rußland, Friedländer und Adler aus England, Abgeordneter Gabel aus Galizien und B. S a m s o n y aus Rumänien sprechen. Die deutschen Juden haben sich in unserer neuen Geschichte durch Geistesgröße in modernem Sinne und eine in Taten sich umsetzende Herzensgüte ausgezeichnet. Menschen und Werke, hervorragende Wissenschaftler des Judentumes und bedeutsame Hilfsorganisationen manifestierten die imponierende Kraft der deutschen Juden. M. A. Klausner und Dr. Hirsch Hildesheimer gehörten beiden Welten an: , Der Welt des Denkens und der der Tat. Die Lebensarbeit des Ersteren hatte ihre Wurzel in der Geistesstärke, die des Letzteren in der Herzensgüte. I. M. A. Klausner war ein Geistesheld. Alles an ihm war Stärke, Kraft: auch die Offenbarungen seines Herzens hatten den Farbenton eines starken Geistes. Aus seinen geistvollen und kraftstrotzenden Reden, kunstvollen und Kühnheit atmenden Schriften, planvollen und wirkungsreichen Taten offenbarte fich