Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 3 (29.1.1911)
- Date
- 1911-01-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Dr. Vkochs WochenWM. ««Re SS Nr, 3 Infanterieregiment Nr. 45. assentiert, verzichtete jedoch auf die Emjährigen-Begünstigung und frequentierte durch zwei Jahre die Infanterie-Kadettenschule in Brünn, die er am Kaisertage 1877 als. Offiziersaspirant verlieh. Mai 1878 wurde er Leutnant. Als Oberleutnant kam er Jänner 1883 zum Infanterieregimente Nr. 13, fungierte in dieser Charge als Kommandant und Lehrer der Einjährig-Freiwilligen-Abteilung und wurde „in Anerkennung des eifrigen und erfolgreichen Wirkens in dieser Dienstesverwendung" im Jahre 1888 vom Kommando der 12. Infanterie-Truppendivision belobt. Um diese Zeit wurde ihm vom Regimentskommando der ehrende Auftrag erteilt, das Material zur Geschichte dieses alten und an wechselvollen Schicksalen so reichen Truppenkörpers zu bearbeiten. Eine Aufgabe, die durch den Umstand, als das Regiment durch den Napoleonrummel vom Jahre 1809 bis 1814 aufgelöst war und später, bis zur Katastrophe von Königgrätz, sich ausschließlich aus Lombarden und Venetianern ergänzte, keine leichte war, und die Behandlung des Stoffes, ohne das Historische zu tangieren, viel Takt und Geschicklichkeit erforderte. Neben dem Inhaber, dessen Namen das Regiment für immerwährende Zeilen zu führen hat, wird auch der Name Friedrich Mandels, des Autors der Geschichte dieses Truppenkörpers, in dessen Blättern unvergänglich bleiben. Mandel wurde auch seinerzeit, nach Beendigung dieses Geschichtswerkes, mit dem Ritterkreuz 1. Klasse des herzoglich-anhaltschen Hausordens Albrecht des Bären ausgezeichnet. Im Juli 1894 heiratete Mandel, seit November 1889 Hauptmann, die Frau Sidome Gehler, geborene Westreich, die an seinem Grabe heute trauernde Witwe. Nachdem er November 1901 zum Major avanzierte, wurde er nach neunzehnjähriger Dienstzeit im selben Regiment, in den Aktivstand der k. k. Landwehr übersetzt, rückte November 1906 zum Oberstleutnant vor, erhielt im August 1908 das Militärverdienstkreuz und kam im Jahre 1910 als Oberst und Regimentskommandant zum Landwehr-Infanterieregiment Nr. 34 nach Iaroschau, wo ihn am 7. d. M. der Tod ereilte. Mandel wurde nach Wien überführt und hi>er bestatttet. Wie Oberst Mandel über seine Zugehörigkeit zum Judentums dachte, geht aus einigen Zeilen eines an mich gerichteten Briefes hervor: „Ich beglückwünsche Sie aufrichtig zu Ihrem so zeitgemäßen Unternehmen. Neben den beiden romanischen Armeen, ist es auf dem Kontinente nur noch unsere, die in bezug auf die Behandlung der Offiziere jüdischen Glaubens, bald an jene heranreicht." Und weiter: „Ein tüchtiger Offizier zu seiih hat immer als ehrenhaft gegolten. Christliches oder jüdisches Glaubensbekenntnis hat mit Tüchtigkeit keinen ursächlichen Zusammenhang und verdient dieses ebensowenig einen Vorwurf, wie jenes einen sonderlichen Vorzug". Und nach sonstigen Ratschlägen Zum Schlüsse: „Es ist keine Phrase und ehrlich gemeint. Und wenn ich Ihnen in Ihrem so schönen und patriotischen Unternehmen in irgend welcher Weise behilflich sein kann, so .bin ich hiezu gerne bereit." Zahlreiche, um so wertvollere Verehrer und Freunde, als er von der Existenz der meisten gar nichts wußte, betrauern seinen Tod und werden dem so früh Dahingeschiedenen ein treues Andenken bewahren. -p * * Mittwoch, den 11. d. M. fand am Zentralfriedhöfe, bei überaus zahlreicher Beteiligung der Familienangehörigen und Freunde, sowie pffizieller Kreise die Beerdigung dieses verdienten Offiziers stgtt. Der Kultusvorstand war durch den II. Vizepräsidenten Hofrat Dr. Rappaport und Sekretär Dr. Adler vertreten, ferner waren anwesend Kultusvorsteher Karl Lemberger, Gemeinderat Dr. Hein. Herr Maximilian Paul-Sch>ff. viele militärische Deputationen, so die Vertreter seines Regimentes, das in Jaroslau stationiert ist, ferner von den Kameraden in Stryj, Infanterieregiment Nr. 33, von Przemysl Nr. 18, vom Regiment Freih. v. Albori Nr. 89, vom Generalstabe, von einer Division reitender Landwehr-Infanterie, von den Offizieren und Unteroffizieren, welche sämtlich prachtvolle Kränze am Sarge niederlegten. Säbel und Tschako des Verblichenen lagen während der Zeremonie auf dem Sarge. Die liturgische Funktion versah 1. Kantor Serebrenik mit verstärktem Chore und nach erhebender Rezitation des „Hazur" hielt der k. u. k. Militär-Seelsorger Dr. Armin Abeles in militärisch-adjustiertem Ornate die ergreifende Trauerrede, in der er den geraden, soldatischen Charakter, die Unerschrockenheit und Strenge gegen sich und andere, wie auch anderseits die seltene Herzensgute des Verewigten, namentlich im Kreise der Familie, in beredten Worten schilderte. Die Erde sei ihm leicht! vom Jahrmarkt des Lebens. Die deutschen Juden in Amerika an Andrew Carnegie. Viel besprochen wird in Amerika ein Brief, den einer der bedeutendsten deutschen Juden in Amerika. Simon Wolf, anläßlich der großen Friedensstiftung an den Milliardär Andrew Carnegie gerichtet hat. Der bedeutsame Brief lautet in deutscher Uebersetzung wie folgt: „An den Honorable Andrew Carnegie! Ihre glänzende Spende im Interesse des Friedens ist allen Lobes wert, und unterstreicht in seiner Einfachheit -ähnliche Spenden, die bereits für denselben Zweck gestiftet wurden. Es ist sicherlich ein glorreiches Vorrecht, von der Vorsehung mit Glücksgütern und mit einer Energie gesegnet zu sein und durch solche fürstliche Spenden zu beweisen, daß Sie ein Recht haben, reich zu sein. Niemand vermag Ihren Schritt höher einzuschätzen, als Ihre Mitbürger deutscher Gehurt jüdischen Glaubens. Ich brauche nicht erst zu betonen, daß ich den Frieden liehe und übe: mein Volk hat der Welt den „Fürsten des Friedens" gegeben, aber, wie sagt doch Patrick? „Es kann keinen Frieden geben!" Dasselbe sagte auch ich: Es kann keinen Frieden geben, so lange die zivilisierten christlichen Regierungen der Welt zugeben, daß das dunkelste Rußland seine Bürger jüdischen Glaubens verfolgt und mordet, und so lange unsere große Republik untätig die Erniedrigung hinnimmt, daß ihre Pässe durch Rußland mißachtet werden, wenn sie sich in den Händen amerikanischer Bürger jüdischen Glaubens befinden. Innerhalb zwanzig Jahren sind eine Million russisch-jüdischer Flüchtlinge in unseren Häfen gelandet, dank der Anmenschlichkeit Rußlands. Unsere Hafenstädte sind überfüllt. Tausende werden jährlich zu großen Entbehrungen und Leiden deportiert, Leiden, die durch die unnatürliche Emigration verursacht wurden. Die amerikanischen Bürger jüdischen Glaubens haben einsichtsvoll und patriotisch daran gearbeitet, dieses Problem zu lösen und diese zukünftigen amerikanischen Bürger zu erheben, aber alle ihre Mühen und alle ihre Kundgebungen und Proteste sind nutzlos und vergebens» so lange Männer wie Sie und andere edle Christen nicht auf den Plan treten und mit aller Ihnen zu Gebote stehenden Machte, fordern, daß Rußland seine barbarische Handlungs-^- weise einstelle, und es vor allem zwingen, die amerikanischen Pässe anzuerkennen.