Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette B4 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 2 Von dem Brigittenauer isr. Unterftützungs- Bereiu, Wien, XX., Kluckygasse Nc.^11 (Tempelgebäude) echatten wir uachstehendeu Aufruf, den wir im Juterefse der guten Sache hiemit zum Abdruck bringen. An unsere jüdischen Glaubens- und Stammesgenossen! Erschreckend mehren sich die Delogierungen unserer armen Glaubensgenossen in der Brigittenau. Von Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde, wird die Vereinsleitung von solchen, aus ihrem dürftigen Heim gejagten, zähneklappernden Jammergestalten belagert und um Unterstützungen bestürmt. Diesem namenlosen Elende einigermaßen entgegenzutreten, ist heilige Aufgabe unseres seit 14 Jahren wirkenden israelitischen Unterstützungs-Vereines; derselbe hat in diesem Jahre für 71 delogierte Familien den Mietzins bezahlt, 54 Hausierer durch entsprechende Beiträge wieder in die Lage versetzt, ihre Familien ernähren zu können und ausserdem 17 halbverwaiste Kinder in Pflege gegeben, wodurch 4 Witwen in die Lage versetzt wurden, ihrem früheren Beruf als Köchinnen u. s. w. nachgehen zu können, ferner über 100 Schlafstellen im Männerheim besorgt. Nun sind die Vereinsmittel total erschöpft, die grosse Opfer Willigkeit der Brigittenauer Judenschaft aber vollends ausgenützt, darum sind die Unterzeichneten genötigt, die Mildtätigkeit edler, jüdischer Wohltäter in Anspruch zu nehmen. Wir bitten daher innigst, unserem Vereine, einem echt jüdischen Zedukuhvereine, gütigst eine Spende übermitteln zu wollen. Euer Hochwohlgeboren werden dadurch ein wahrhaft gottgefälliges Werk gefördert haben. Jede noch so kleine Spende ist willkommen und wird sowohl im Jahresberichte als auch in drei Zeitungen ausgewiesen werden. Spenden sind zu senden an den Brigittenauer israelitischen Unterstützungs-Verein, XX., Kluckygasse II. Für den Vorstand des israelitischen Unterstützungs-Vereins: Der Schriftführer: Der Obmann: Geza Klinger. _ Isidor Politzer. Jüdischer Turnverein Favoriten. Im Juli vorigen Jahres wurde unter Billigung aller jüdischen Kreise Favoritens der r,Jüdische Turnverein Favoriten“ gegründet, der sich die Aufgabe gestellt hat, das Turnen unter der jüdischen Bevölkerung Favoritens zu pflegen. Schon e'n halbes Jahr wird nun in einem gemieteten Turnsaale an 3 Tagen der Woche geturnt. Die immer steigende Zahl der Mitglieder, die Notwendigkeit, eine Altersriege und eine Kinderriege aufzustellen, einen Fechtkurs einzurichten, sowie unserer aufstrebenden Damenabteilung, die bisher nur einmal wöchentlich turnen konnte, einen zweiten Tnrnabend zur Verfügung zu stellen, zwingt uns aber, das bisherige zu kleine und den hygienischen Anforderungen nicht entsprechende Lokal zu verlassen. Der Verein hat daher einen neuen grösseren, seinem Zwecke entsprechenderen Saal aufgenommen, der noch mit den Turngeräten ansgestattet werden muss, um im Februar der Benützung übergeben werden zu können. Was der Verein bisher geleistet hat, musste er allein leisten. Nur eine kleine Anzahl von Förderern haben dem Verein einen Jahresbeitrag gewidmet. Sonst ist die jüdische Jugend des Bezirkes — denn ihrem Bemühen ist das Werk entsprungen — allein und ohne Unterstützung geblieben! Keine jüdische Behörde, kein jüdischer Verein hat sich bis jetzt gefunden, der uns irgendeinen Beitrag zu den Einrichtungskosten gewährt hätte! Die laufen den* 1 2 3 Ausgaben konnte der Verein - aus seinen niedrigen Mitgliedsbeiträgen decken — jetzt, da er vor der Notwendigkeit steht, für den Ankauf vonTurngeräten (Kostenpreis K 3000.—) eine Anzahlung von 500 Kronen zu leisten, muss er sich an einen grösseren Kreis wenden und seine Unterstützung erbitten. Es ist eine schöne Sache, für die wir bitten; jeder Jude sollte sie fördern, der sein Herz noch für Stammesgenos 3en schlagen fühlt. Was ein Jade für diesen Zweck gibt, das gibt er sich selbst. Muss es doch jeden selbstbewussten Juden mit G enngtnnng und Freude erfüllen, wenn es der jüdischen Turnbewegung gelingt, die von der Abfallseuche bedrohte jüdische Jugend wieder ihrer Väterart näherzubringen, der umwohnenden Welt aber wieder Achtung und Bewunderung vor dem jüdischen Namen abznringen. Spenden bitten wir an Herrn Rudolf Fried, X., Sehröttergasse 14 zu richten. Jede noch so kleine Spende wird dankend quittiert. Mitgliedsbeitrag: monatlich 1 K; Fördererbeitrag: jährlich mindestens 3 K; Stifter: einmaliger Beitrag von 50 K. Für den Jüdischen Turnverein Favoriten“ Rudolf Fried, Obmann, X., Schröttergasse 14 An unsere geehrten Abonnenten! Wir bitten um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, damit in der Zusendung des Blattes keine Verzögerung eintrete. Die geehrten Abonnenten werden ersucht, bei Einsendung des Abonnementsbetrages den zugesandten Posterlagsschein zu benützen. Die neu eintretenden Abonnenten werden aufmerksam gemacht, dass das Abonnement im Vorhinein zu bezahlen ist. Die Empfänger von Probenummern werden um gefl. Mitteilung ersucht, ob sie auf weitere Zusendung reflektieren. Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn: Ganzjährig K 16.—, halbjährig K 8.—, vierteljährig K 4.—. — Für Deutschland und alle übrigen Länder: Ganzjährig K 20.—, halbjährig K 10.—, vierteljährig K 5.—. Die Administration. Stiftung des Herrn Samuel Kolisch zum Andenken an seinen Bruder Ignaz Freiherrn von Kolisch. Anzahl der Plätze: Unbestimmt zusammen K 800.—. — Bewerbungsberechtigt sind: a) in erster Reihe arme Verwandte des Stifters und zwar: 1. Deszendenten desselben ohne Einschränkung auf einen bestimmten Grad. 2. Abstämmlinge der Großeitern des Stitters bis zum 6. Grade der Seitenlinie von dem Stifter ab gerechnet, b) in Ermanglung solcher, vier arme Israel. Familien in Wien. — Verleihungstag: 27. April 1911 — 29. Nissan. — Gesuchsbeilagen: Sämtliche Bewerber haben Zeugnisse über ihre Armut und Würdigkeit — mit dem Stifter verwandte Personen überdies den legalen Nachweis über diese Verwandtschaft zu erbringen. Von den mit dem Stifter nichtverwandten Bewerbern ist die Zugehörigkeit zum Judentume auszuweisen, — Letzter Tag der Einreichungsft ist: 31. Jänner 1811. — Einreichstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll). — Näheres in den von der Einreichstelle unentgeltlich zu beziehenden Gesuchsbögen. Baurat Max Fleischer’sche Wohltätigkeits-Stiftung. Anzahl der Plätze: Unbestimmt im Gesamtbeträge von K 154.—. — Bewerbungsberechtigt sind: mittellose, würdige, israelitische handel- oder gewerbetreibende Bewohner der Wiener Gemeindebezirke Mariabilf und Neubau; in Ermanglung solcher, auch sonstige Gemeinde-Angehörige der Israel. Kultusgemeinde Wien. Bevorzugt sind: Ehemalige Mitglieder des Tempelvereines für die beiden Geneindebezirke Mariabilf und Neubau, sowie Angehörige von Angestellten dieses Tempelvereines. — Auszahlungstag: 29. März 1911. — Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Gewerbeschein, Erwerbssteuervorschreibung, eventuell die auf die oben angeführten Vorzugsberecbtigten bezughabenden Nachweise. — Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Jänner 1911. — Einreichstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock. Sofie Barasch-Witwen-Stiftung. Anzahl der Plät re: Unbestimmt in dem Mindestbetrage von K 100.—, zusammen K 1000.—. — Bewerbungsberechtigt sind: in Wien wohnhafte unterstützungswürdige Witwen Israel. Konfession. Von der Verleihung sind Witwen ausgeschlossen, welche die Stiftung zwei aufeinanderfolgende Jahre erhalten haben. — Gesuchsbeilagen : Geburtsschein, Trauungszeugnis, Totenschein des Gatten, Armutszeugnis. — Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Jänner 1911. — Auszahlungstag: 16. April 1911. — Einreichstelle : L, Seitenstettengasse 4, II. Stock. — Näheres in den von der Einreichstelle unentgeltlich zu beziehenden Gesu'hsbögen. Wien, 1. Jänner 1911. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien. Markus und Therese Strassmann-Stiftung. Am 3. Mai 1911 gelangen aus den Zinsen obiger Stiftung an Bewerber israelitischer Konfession, die entweder von den Stiftern in direkter Linie abstammen oder in einem der in den Gerichtsbezirken Mähr.-Ostrau oder Poln.-Üstran gelegenen Gemeinden heimatsberechtigt oder ansässig sind, zur Verteilung: 1. Je K 300.— als Unterstützungsbeitrag an einen bedürftigen Gewerbsmann und eine bedürftige Witwe. 2. Je K 100.— an eine kurbedürftige Person männlichen und an eine solche weiblichen Geschlechtes. Den bei dem gefertigten Kultusvorstaude bis spätestens 3. März 1911 einzubringenden Gesuchen sind beizulegen: Geburtsschein, Heimatsschein, ein Zeugnis vollständiger Mittellosigkeit und ein Sittenzeugnis.